Gender Mainstreaming. Konzept oder Praxis?

Eine Befragung und ihre Auswertung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Begriffs, Beispiel

3. Bereiche des Gender Mainstreamings in der Schule

4. Umfrage
4.1. Zum Fragebogen
4.2. Auswertung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1. Der Fragebogen

1. Einleitung

Wie der Titel meiner Hausarbeit verrät, möchte ich in dieser Arbeit auf das Thema „Gender Mainstreaming“ eingehen. Gender Mainstreaming bezeichnet keine Fallstudie oder Ähnliches, sondern ein politisches Ziel, was vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen wurde. Gender Mainstreaming ist eine Strategie zur Herstellung von Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern, die im Anschluss an die 4. Weltfrauenkonferenz in Beijing als EU-Richtlinie für alle Mitgliedstaaten für verbindlich erklärt und auch vom Bundeskabinett in seinem Beschluss vom 23.6.99 als strukturierendes Leitprinzip anerkannt wurde. Dieses Konzept gilt als verbindliche Richtlinie, die politisch umgesetzt werden muss, da dieses Thema in den letzten Jahren stark an Relevanz gewonnen hat.[1] „Mit dem Ansatz von Gender Mainstreaming sollen die einseitig fokussierten

Konzepte der ‚Frauenförderpläne’ erweitert und die Realisation von Chancengleichheit

zwischen den Geschlechtern als allgemeine Aufgabe aller politischer Handlungsfelder und

auf allen politischen Ebenen reklamiert werden.“[2] Die Kategorie Gender ist also eine „Zukunftsressource“, die in alle politischen Entscheidungsprozesse integriert werden muss.

In dieser Arbeit werde ich zunächst eine Definition des Begriffes „Gender Mainstreaming“ und ein Beispiel angeben, bevor ich einen kurzen Überblick gebe, in welchen Bereichen Gender Mainstreaming in der Schule gefunden werden kann.

Dabei gilt meine besondere Aufmerksamkeit der Frage, ob es sich beim Gender Mainstreaming bloß um ein Konzept handelt oder ob dieses auch in die Praxis umgesetzt wird. Wie leicht oder schwer ist die Umsetzung des Gender Mainstreamings?

Um Aussagen hierüber treffen zu können werde ich eine Umfrage in drei verschiedenen Altersklassen durchführen, in denen die Befragten Auskunft über ihre Erfahrungen mit Aspekten des Gender Mainstreamings zu ihrer Schulzeit geben.

In der Umfrage, sowie in dieser Hausarbeit, wird mein Hauptaugenmerk dem Thema Rollentwicklung gelten. Wie erlebten die Befragten dies in Bezug auf das Thema Gender Mainstreaming und welche Auswirkung hatte dies auf ihr späteres Leben? Fühlen sie sich wohl in ihrer Rolle und haben sie ein stärkeres Rollenbewusstsein entwickelt? Inwiefern wird das Ergebnis durch das Konzept Gender Mainstreaming verursacht?

Anschließend werde ich die Antworten der Befragung zu bestimmten Fragen, anhand von Diagrammen auswerten, um einen guten Überblick zu geben.

Meine Vermutung ist, dass es heute eine größere Tendenz zur Implementierung des Konzeptes Gender Mainstreaming gibt, d.h. dass die jüngeren Befragten eher Erfahrungen mit den verschiedenen Aspekten dieses Konzepts gemacht haben. Wobei es sich hierbei genau handelt, wird aus der Definition des Begriffes Gender Mainstreaming und dem von mir angeführten Beispiel klarer.

Abschließend werde ich in meinem Fazit mögliche Begründungen für den Ausfall des Ergebnisses der Umfrage anführen und die von mir durchgeführte Befragung evaluieren. Dabei werde ich sowohl auf die Durchführung, als auch, soweit möglich, auf die im Seminar erarbeiteten Gütekriterien eingehen.

2. Definition des Begriffs, Beispiel

Um den Begriff des Gender Mainstreamings zu erklären, habe ich eine Definition von der Internetpräsenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gewählt.

Diese ist die Institution, die das Vorhaben Gender Mainstreaming ins Leben gerufen hat und somit die „Urquelle“ der Idee, also der Definition und des Vorhabens.

Gender Mainstreaming ist definiert wie folgt:

Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.

Gender kommt aus dem Englischen und bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechtsrollen von Frauen und Männern.
Diese sind - anders als das biologische Geschlecht - erlernt und damit auch veränderbar.

Mainstreaming (englisch für "Hauptstrom") bedeutet, dass eine bestimmte inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird. [3]

Ich finde diese Definition besonders gut, weil aus ihr klar deutlich wird, dass die Geschlechterrollen nur erlernt und somit wandelbar sind. Dies wird an dem englischen Begriff belegt, so dass auch die Übersetzung des Begriffes geklärt ist.

Außerdem ist die Definition einfach, aber sehr vielschichtig – sie berücksichtigt unterschiedliche Lebenssituationen von beiden Geschlechtern und ist somit auf viele Bereiche des Lebens übertragbar.

Dazu werde ich im Folgenden noch Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen nennen und eines genauer ausführen.

Das Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend führt auf der eigenen Internetpräsenz verschiedene Bespiele für den Gender Mainstreaming an. Diese sind aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie aus der Gesundheit, dem Nahverkehr oder aber dem Berufsleben.

Da das Berufsleben und die Berufswahl dem Thema Schule sehr nah kommt, da Schule auf den Beruf vorbereiten soll, möchte ich dieses Beispiel hier anführen:

Mädchen und Frauen begreifen ihre Berufstätigkeit oft als „Zuverdienst“ und sind eher bereit, ihren Beruf zugunsten der Familienarbeit einzuschränken, zu unterbrechen oder sogar ganz aufzugeben – mit entsprechenden Folgen für ihre Altersversorgung bzw. ihre Einkommensmöglichkeiten, wenn die Partnerschaft scheitern sollte. Gleichzeitig erhalten sie hierdurch die „Alleinkompetenz“ für Haushalt, Beziehungspflege und Kindererziehung, ohne dass dies aber ihr gesellschaftliches Ansehen steigern würde. [4]

Für junge Männer stellt sich dagegen oft erst gar nicht die Frage, ob sie ihre Berufstätigkeit zugunsten der Familie einschränken, sie fühlen sich wie selbstverständlich für das Familieneinkommen zuständig. Ihr Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit mit der Familie kommt fast zwangsläufig zu kurz, wenn sie ihr Leben überwiegend nach den beruflichen Anforderungen ausrichten. Teilzeitarbeit wird von der Gesellschaft eher Frauen zugeschrieben, für Männer wird sie weniger akzeptiert. All dies führt zu unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungswelten bei Männern und Frauen, die Auswirkungen auf fast alle gesellschaftlichen Bereiche haben. [5]

Hieraus wir deutlich, dass für eine Gleichstellung von Frauen und Männern schon die Schule auf das Konzept Gender Mainstreaming eingehen muss. Wird dies getan, kann im Sinne des Bundesministeriums das Rollenbild von Frauen und Männern geändert werden.

Wie die Umsetzung des Gender Mainstreamings in der Schule aussehen kann, werde ich im nächsten Teil etwas näher erklären.

3. Bereiche des Gender Mainstreamings in der Schule

Wichtig für Gender Mainstreaming in der Schule wäre, die typischen Rollenbetrachtungen von Männern und Frauen zu ändern, um eine gendergerechte Gesellschaft zu erreichen.

So könnte die Schule für die Mädchen etwa Mädchentage einrichten, an denen die Schülerinnen Einblick in technische Berufe bekommen, oder Jungentage, an denen die Jungen etwa Einblick in erzieherische oder kulturwissenschaftliche Berufe bekommen.

Damit könnte erreicht werden, dass die Schüler und Schülerinnen leichter ihre eigene Rolle entwickeln und sich nicht nur an den „typisch“ von der Gesellschaft vorgegebenen Rollen orientieren.

Außerdem müssten die Lehrer in den Schulen weitergebildet und gecoacht werden, um die vollständige Implementierung des Konzepts Gender Mainstreaming zu erreichen. „Auf der Strukturebene sollten Bedingungen geschaffen werden, um eine genderbewusste Organisation zu ermöglichen.“[6]

Es muss ein sozialer Rollenausgleich für Schüler und Lehrer erreicht werden. Dies bedeutet zum Beispiel für die Personalauswahl, dass sich für Frauen kein Nachteil ergibt, bloß weil diese vorrangig die Erziehungsaufgaben für ihre Kinder tragen.[7]

Außerdem würde die Anwendung des Gender Mainstreamings auf die Schule auch bedeuten, dass Schulbücher, Arbeitsmaterialen oder auch der Lehrplan neu gestaltet werden müsste, um Diskriminierungen und Hierarchien zwischen den Geschlechtern zu beseitigen.

„Gender beschreibt Männer und Frauen auch in ihren sozialen Verhältnissen zueinander und untereinander. Es erfasst damit Hierarchien und Diskriminierungen.“[8]

Auch für die Klassenbildung oder die Lehrerleitung spielt Gender Mainstreaming eine Rolle. Sind in einer Klasse mehr Jungen als Mädchen, könnten in diesem Fall die Mädchen als „sozialer Puffer missbraucht werden, um Verhaltensauffälligkeiten und Selbstprofilierungsbedürfnisse der Jungen auszugleichen“[9].

Werden Klassen, in denen vorwiegend Jungen sind überwiegend von Frauen unterrichtet, könnte den Jungen die Möglichkeit fehlen, sich mit Erwachsenen ihres Geschlechts auseinanderzusetzen und sie könnten Probleme bekommen ein Geschlecht zu akzeptieren.[10]

Außerdem gibt es spezielle Projekte, wie das Projekt „Work Life Balance“, was sich besonders mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie beschäftigt. Hierbei ist es ein Ziel, die Frauen für den Arbeitsmarkt zurück zu gewinnen und sie aus ihrer Mutterrollen herauszuholen, da „der Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nicht mehr gedeckt werden kann“.[11]

Eine Einbindung der Eltern in Aktionswochen oder eine Kooperation mit externen Fachkräften und Organisationen ist auch Teil des Projektes, um die Mitarbeiter zu entlasten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.

Wie schon zuvor beschrieben, bezieht sich meine Befragung zum Gender Mainstreaming nur auf den Bereich Schule. Die oben angeführten Bereiche zeigen, wie Gender Mainstreaming im Bereich Schule aussehen kann.

4. Umfrage

4.1. Zum Fragebogen

Der Fragebogen zielt darauf ab von beiden Geschlechtern in verschiedenen Altersklassen Informationen über ihre Schulzeit zu erhalten. Dabei werden Fragen nach den damals unterrichtenden Geschlechtern, der Klassenzusammensetzung, in den Unterrichtsfächern gestellten Sachaufgaben usw. gestellt um einmal die Lage und mögliche Folgen, wie zum Beispiel daraus gebildete Rollenbilder zu erörtern, aber auch um einen eventuellen Wandel zu dokumentieren. Daher habe ich die Altersklassen unter 20, unter 30 und über 30 Jahre als Auswahlmöglichkeiten angeboten.

Der komplette Fragebogen findet sich im Anhang dieser Arbeit, Antworten gehen aber auch aus dem Kapitel 4.2. hervor.

4.2. Auswertung

Ich habe die Befragung an 48 Personen vorgenommen, die ich in 3 verschiedene Altersklassen unterteilt habe.

So werde ich die Antworten der Fragen immer den Altersklassen bis 19 Jahre, bis 29 Jahre und ab 30 Jahre zuordnen. Hierbei stellen die Befragten bis 19 Jahre die Altersklasse 1 (AK1), bis 29 AK2 und ab 30 AK3 dar.

Die Auswahl der Befragten war völlig willkürlich und stellt nur einen kleinen Querschnitt dar.

Die Verteilung ist wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Warst du häufig in Klassen, in denen ein Geschlecht häufiger vertreten war als das andere?

Wenn ja, gab es deshalb Schwierigkeiten?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Über deine gesamte Schulzeit gesehen: gab es ein Geschlecht, was dich überwiegend unterrichtet hat?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn ja, welches?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hättest du dir das lieber anders gewünscht?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Hast du in deiner Schulzeit einmaletwas wie einen Mädchentag oder einen Jungentag erlebt?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. MEYER: Gender Mainstreaming als Zukunftsressource, S.1.

[2] Ebd.

[3] http://www.gender-mainstreaming.net/ (03.12.2012)

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] SCHAMBACH: Grundsätze einer genderbewussten Organisationsentwicklung, S. 46.

[7] Vgl. ebd., S.50f.

[8] SCHNEIDER: Gender Mainstreaming als Schulentwicklung, S.56.

[9] BARTZ: Organisationsgestaltung in der Schule, S.53.

[10] Vgl. ebd., S.53.

[11] OLTA: Work-Life Balance - Schule in Balance, S.53.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Gender Mainstreaming. Konzept oder Praxis?
Untertitel
Eine Befragung und ihre Auswertung
Hochschule
Universität Paderborn  (EW)
Veranstaltung
Diagnostik, Evaluation und Qualitätssicherung
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V214968
ISBN (eBook)
9783656431251
ISBN (Buch)
9783656436911
Dateigröße
743 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diagnostik, Evaluation, Qualitätssicherung, Gender Mainstreaming, Fragebogen, grafische Auswertung
Arbeit zitieren
Melissa Naase (Autor), 2012, Gender Mainstreaming. Konzept oder Praxis?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214968

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