Im Jahr 2009 wurde eine Änderung des Aktiengesetztes unter dem Namen "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung" (VorstAG) beschlossen. Diese soll den Aktiengesellschaften verbindliche Vorgaben in Bezug auf Nachhaltigkeit der Vorstandsvergütungen machen. Dabei werden nicht nur Zuständigkeiten der Kontrolle und Festlegung der Vorstandsvergütungen neu geregelt und beispielsweise Abfindungen mit Grenzen versehen. Es wird auch festgelegt, dass „die Vergütungsstruktur bei börsennotierten Gesellschaften auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung auszurichten ist. Variable Vergü-tungsbestandteile sollen daher eine mehrjährige Bemessungsgrundlage haben.“
Die Arbeit geht daher der Frage nach, was genau das VorstAG bisher in den Vorstandsvergütungen der im Deutschen Aktienindex (DAX) notierten Konzerne bewirkt hat. Inwiefern hat das Gesetz Einfluss auf Struktur und Höhe der Vorstandsvergütungen genommen und wird Nachhaltigkeit im Sinne von Ökonomie, Ökologie und Sozialem auch vergütet?
Dazu werden die Jahresberichte aller DAX-30-Konzerne der Jahre 2006 bis 2011 herangezogen. Das jeweilige Selbstverständnis bzw. die Definition von Nachhal-tigkeit der Unternehmen wird zunächst dargestellt.
In einem zweiten Schritt werden die Vergütungssysteme der Unternehmen unter-sucht und die Ergebnisse bezüglich Struktur und Wachstum präsentiert.
Gradmesser der Nachhaltigkeit ist im finalen dritten Schritt, ob, wenn ja auf welche Art und Weise und – sofern bestimmbar – in welcher Höhe nicht-finanzielle Kennzahlen Einfluss auf die variablen Komponenten der Vergütungen der Vorstände der DAX-Unternehmen nehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau
2 Vergütung im Top-Management
2.1 Grundlagen
2.1.1 Prinzipal-Agent-Theorie
2.1.2 Shareholder-Value-Ansatz
2.1.3 Stakeholder-Ansatz
2.2 Bestandteile und Funktionen
2.2.1 Grundgehalt
2.2.2 Variable Gehaltskomponenten
2.2.3 Nebenleistungen
3 Nachhaltigkeit
3.1 Definition
3.2 Geschichte
3.3 Verwandte Konzepte
3.3.1 Corporate Social Responsibility
3.3.2 Corporate Citizenship
3.3.3 Corporate Governance
3.4 Deutsche Kodizes und Gesetzesvorgaben
3.4.1 Gesetz zur Kontrolle und Transparenz
3.4.2 Deutscher Corporate Governance Kodex
3.4.3 Transparenz- und Publizitätsgesetz
3.4.4 Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz
3.4.5 Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung
3.4.6 Deutscher Nachhaltigkeitskodex
3.5 Globale Initiativen
3.5.1 OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
3.5.2 United Nations Global Compact
3.5.3 Global Reporting Initiative
4 Empirische Betrachtung zur Nachhaltigkeit der Vorstandsvergütungen
4.1 Methodik und Datenbasis
4.2 Nachhaltigkeitsselbstverständnis
4.3 Beschaffenheit der Vergütungssysteme aller DAX-Unternehmen
4.3.1 Wachstum
4.3.2 Struktur
4.3.3 Bemessungsgrundlagen
4.4 Nicht-finanzielle Kriterien als Bemessungsgrundlage
4.4.1 Allianz
4.4.2 BMW
4.4.3 Deutsche Post
4.4.4 Deutsche Telekom
4.4.5 Lufthansa
4.4.6 RWE
4.4.7 SAP
4.4.8 Volkswagen
4.4.9 Zusammenfassung
4.5 Interpretation der Ergebnisse
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Grad der Nachhaltigkeit in den Vorstandsvergütungssystemen der DAX-30-Konzerne vor dem Hintergrund des Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG). Die zentrale Forschungsfrage ist, inwiefern Nachhaltigkeit – verstanden als „Triple-Bottom-Line“ aus Ökonomie, Ökologie und Soziales – tatsächlich in die variablen Vergütungskomponenten der Top-Manager integriert wurde.
- Analyse des Wandels von Shareholder-Value zu Stakeholder-Ansatz in der Vergütungspolitik.
- Untersuchung der gesetzlichen und freiwilligen Kodizes in Deutschland (VorstAG, DCGK, DNK).
- Empirische Auswertung der Vergütungsberichte der DAX-30-Konzerne für den Zeitraum 2006 bis 2011.
- Bewertung der tatsächlichen Berücksichtigung nicht-finanzieller Kriterien in variablen Anreizsystemen.
- Kritische Würdigung der Transparenz und Wirksamkeit aktueller Vergütungsmodelle.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Prinzipal-Agent-Theorie
Die Prinzipal-Agent-Theorie befasst sich mit der durch Informationsasymmetrie erschwerten Vertragsgestaltung zwischen einem Auftraggeber und einem Auftragnehmer in einer Vertragsbeziehung. Dieses Vertragsverhältnis wurde 1976 von Jensen und Meckling wie folgt definiert: "We define an agency relationship as a contract under which one or more persons (the principal(s)) engage another person (the agent) to perform some service on their behalf which involves delegating some decision making authority to the agent."
Dabei wird davon ausgegangen, dass beide Seiten opportunistisch handeln und zum selben Zeitpunkt nicht über das gleiche Wissen über für die Vertragsbeziehung relevante Gegenstände verfügen (Informationsasymmetrie). Da grundsätzlich der Agent (Auftragnehmer) über den Informationsvorsprung verfügt, kann der Prinzipal (Auftraggeber) nicht direkt versichern, dass der Agent in seinen (des Prinzipals) besten Interessen handelt. Dies geschieht vor allem, wenn Handlungen, die für den Prinzipal günstig sind, für den Agenten ungünstig sind, und wenn die Überwachung dieser Handlungen Kosten für den Prinzipal verursacht.
In der Literatur wird nach verschiedenen Typen der asymmetrischen Informationsverteilung unterschieden: "Hidden characteristics", "hidden intention", "hidden information" und "hidden action". Diese unterscheiden sich in Entstehungszeitpunkt, Entstehungsursache sowie resultierendem Problem, sollen mangels Relevanz für die vorliegende Arbeit an dieser Stelle jedoch nicht weiter ausgeführt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Gehaltsexzesse trotz wirtschaftlicher Krisen ein und stellt die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie das Ziel der Arbeit vor.
2 Vergütung im Top-Management: Das Kapitel bietet einen Überblick über theoretische Grundlagen wie die Prinzipal-Agent-Theorie und erläutert die verschiedenen Bestandteile von Vorstandsvergütungen.
3 Nachhaltigkeit: Hier wird der theoretische Kern der Nachhaltigkeit definiert, historische Entwicklungen nachgezeichnet und relevante Kodizes sowie Gesetzesvorgaben wie das VorstAG analysiert.
4 Empirische Betrachtung zur Nachhaltigkeit der Vorstandsvergütungen: Dieser empirische Hauptteil wertet die Vergütungssysteme der DAX-30-Konzerne hinsichtlich ihres Wachstums, ihrer Struktur und der Anwendung nicht-finanzieller Kriterien aus.
5 Fazit: Die abschließende kritische Würdigung kommt zu dem Schluss, dass das VorstAG den Anspruch auf eine nachhaltige Vergütung kaum erfüllt, da es Nachhaltigkeit primär auf finanzielle Langfristigkeit reduziert.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Vorstandsvergütung, VorstAG, Corporate Governance, Shareholder-Value, Stakeholder-Ansatz, Variable Gehaltskomponenten, Nicht-finanzielle Kriterien, DAX-30, Transparenz, Triple-Bottom-Line, Anreizsysteme, Gesetzliche Regulierung, Langfristigkeit, Leistungsindikatoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse, ob und wie deutsche DAX-30-Konzerne Nachhaltigkeitsaspekte in die Vergütungssysteme ihrer Vorstände integriert haben, besonders nach Inkrafttreten des VorstAG.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder sind die theoretische Herleitung von Vorstandsvergütung und Nachhaltigkeit, die Analyse deutscher Gesetzesvorgaben sowie die empirische Untersuchung von Geschäftsberichten großer deutscher Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob das VorstAG einen Wandel zu einer „nachhaltigen“ Vergütung (im Sinne der Triple-Bottom-Line: Soziales, Ökonomie, Ökologie) bewirkt hat oder ob sich die Unternehmen auf rein finanzielle Kriterien beschränken.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine empirische Auswertung der Jahres- und Vergütungsberichte aller DAX-30-Konzerne über den Zeitraum von 2006 bis 2011, ergänzt durch eine theoretische Literaturanalyse.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das Nachhaltigkeitsverständnis der Unternehmen untersucht, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Vergütungsstrukturen und der spezifischen Bemessungsgrundlagen für variable Vergütungskomponenten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind VorstAG, Nachhaltigkeit, Vorstandsvergütung, Stakeholder-Ansatz, nicht-finanzielle Kriterien und Corporate Governance.
Wie definiert das VorstAG den Begriff der Nachhaltigkeit laut der Untersuchung?
Die Analyse zeigt, dass das VorstAG Nachhaltigkeit in der Praxis primär als finanzielle Langfristigkeit auslegt, anstatt das breite Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit zu erzwingen.
Warum haben laut Autor nur so wenige Unternehmen nicht-finanzielle Kriterien in ihre Vergütung aufgenommen?
Der Autor führt dies auf die mangelnde gesetzliche Präzision, den erhöhten Messaufwand bei nicht-finanziellen Daten sowie den Mangel an ausreichendem gesellschaftlichem und institutionellem Druck zurück.
- Citar trabajo
- Dominik Halter (Autor), 2013, Vorstandsvergütungen im Zeitalter der Nachhaltigkeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215117