Zwei Rivalen?
Profession Soziale Arbeit und Managerialismus
Blick auf die „Neuen Steuerungsmechanismen“
Einleitung:
Bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den „Neuen Steuerungsmo-dellen“ in der Sozialen Arbeit stößt man auf zahlreiche Begriffe, die sich nach sorgfältiger und kritischer Betrachtung wie „Rivalen“ begegnen. „Kosten- und Nutzendenken“ des Managerialismus treten gegen das vermeidlich „esoterische Wissen“ (O´Malley zitiert nach Otto, 2011, S. 901) der sozialen Arbeit an.
Hinter den beiden Rivalen verbergen sich zahlreiche Schlagwörter wie beispiels-weise „sozialstaatlicher Paradigmenwechsel“, „Ökonomisierung“, „Aktivierung“, „New Public Management“, „Evidenzbasierung“ und „Professionalisierung der Sozialen Arbeit“, um nur einige zentrale Begriffe zu nennen. Die Intension und der Erfolg der Sozialen Arbeit und die damit verbundene Debatte über die Qualität sozialer Dienstleistungen befindet sich auf dem gesellschaftlichen Prüfstand. Die herausfordernde Frage „Was wirkt wie und warum“ (Otto, 2009; S.20) gilt es sozialwissenschaftlich zu beantworten. Der Diskurs über den Erfolg der Sozialen Arbeit kann als Bedrohung und zugleich als Chance gesehen werden. Das Wissen um die Vielschichtigkeit und die zunehmende Ökonomisierung der Sozialen Arbeit, regt zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den gegensätzlichen Sichtweisen der „Rivalen“ an und lädt zum „Ritt auf dem Tiger“ ein wie es der Soziologe Peter Sommerfeld ausdrückt (Sommerfeld, 2003, S.63).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Profession Soziale Arbeit
2.1 Arbeitsformen und Definition der Sozialen Arbeit
2.2 Umdeutung der wohlfahrtsstaatlichen Prinzipien
3 Zur Neusteuerung der Sozialen Arbeit: Wie kam es dazu?
3.1 Ökonomisierung
3.2 New Public Management
3.3 Gesellschaftliche Entwicklungen
4 Der Einzug des Managerialismus und deren Auswirkungen
4.1 Zentrale Merkmale des Managerialismus
4.2 Managerialismus als neue Governanceform
4.3 Managerialismus als Glaubenssystem
4.3.1 Soziale Arbeit und Managerialismus
4.3.2 Wettbewerbsorientierung
4.3.3 Kritischer Blick auf den Managerialismus
5 Herausforderung für die Sozialwissenschaft
5.1 Wissenschaft und Verantwortung
5.2 Forschungsergebnisse und Bemühungen
5.3 Kritische Bewertung: Chancen und Risiken
5.4 Sozialwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft
5.5 Politisches Handeln
5.6 Theorie und Praxis
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Profession Soziale Arbeit und dem Managerialismus. Ziel ist es, die Auswirkungen der "Neuen Steuerungsmechanismen" auf das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit zu analysieren, kritisch zu hinterfragen und die Bedeutung einer reflexiven Professionalität als Gegenentwurf zur bloßen ökonomischen Rationalität aufzuzeigen.
- Analyse des Einflusses von Ökonomisierung und New Public Management auf die Soziale Arbeit.
- Kritische Untersuchung der Merkmale des Managerialismus und dessen Wirkungsweise als Glaubenssystem.
- Herausarbeitung der Risiken für die professionelle Autonomie und die Adressaten durch Standardisierung.
- Diskussion der Verantwortung der Sozialwissenschaft und der Notwendigkeit einer reflexiven Professionalität.
Auszug aus dem Buch
4.3.3 Kritischer Blick auf den Managerialismus
Setzt man sich mit dem vielschichtigen Theorie- und Praxisfeld der Sozialen Arbeit auseinander, ist festzustellen, dass der Managerialismus nicht die geeignete Form ist, die Steuerung des sozialen Sektors in der Bundesrepublik zu übernehmen. Der Versuch, die Soziale Arbeit nach den Grundsätzen der Privatwirtschaft zu organisieren, stößt an seine Grenzen.
Aufgrund der Besonderheit, die personenbezogene soziale Dienstleistungen mit sich bringen, ist es eine Herausforderung, die „vermeintliche […] Nicht-Normierbarkeit, sowie [einer] mangelnden Rationalisierbarkeit und Standardisierbarkeit“ (Otto,. 2011, S.906) dennoch auf Effektivität und Effizienz hin messbar zu machen. Das Zitat des Physikers Albert Einstein: „Nicht alles was zählt, kann gezählt werden, und nicht alles was gezählt werden kann, zählt!“ beschreibt dieses Phänomen treffend. Durch den Einzug von manageriellen Steuerungsformen wird die Soziale Arbeit wie ein Produkt behandelt und wird zur Ware, die unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet und geprüft wird. Die Kritik wendet sich u.a. an die Geldgeber, die unter fachfremden Kriterien Mindeststandards definieren und somit die Gefahr entsteht, dass AdressatInnen, die nicht in das Raster der festgelegten Standards passen, ausgegrenzt und zurückgelassen werden.
Entstehende exkludierende Effekte werden somit als soziales Phänomen weitgehend akzeptiert und verdeutlichen m. E. die Gefahr des Managerialismus. In Anbetracht dessen, nimmt die Umwandlung des Sozialstaates vom „fürsorgenden zum aktivierenden Wohlfahrtsstaat“ (Dingeldey, 2011, S. 3) in Kauf, dass Menschen nicht mehr als Teil des kollektiven politischen Raums begriffen werden (vgl. Spetsmann-Kunkel u.a.; 2010, S.9, 13), sondern, dass jeder Mensch für sich alleine verantwortlich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Themenfeld der "Neuen Steuerungsmodelle" und Darstellung der Rivalität zwischen Managerialismus und Sozialer Arbeit.
2 Profession Soziale Arbeit: Definition und fachlicher Rahmen der Sozialen Arbeit sowie Diskussion der Umdeutung wohlfahrtsstaatlicher Prinzipien.
3 Zur Neusteuerung der Sozialen Arbeit: Wie kam es dazu?: Ursachenanalyse für die Ökonomisierung, insbesondere durch New Public Management und gesellschaftliche Transformationsprozesse.
4 Der Einzug des Managerialismus und deren Auswirkungen: Detaillierte Betrachtung der Merkmale, der Governance-Form sowie des Glaubenssystems Managerialismus.
5 Herausforderung für die Sozialwissenschaft: Reflexion über die Rolle der Wissenschaft, Vorstellung von Forschungsergebnissen und Diskussion politischer Handlungsoptionen.
6 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Notwendigkeit einer reflexiven Professionalität gegenüber managerialistischen Kontrollmechanismen.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Managerialismus, Neue Steuerungsmodelle, Ökonomisierung, New Public Management, Professionalität, Sozialstaat, Aktivierender Wohlfahrtsstaat, Reflexive Professionalität, Governance, Sozialwissenschaft, Effizienz, Leistungsgerechtigkeit, Standardisierung, Handlungsorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung zwischen der klassischen Profession Soziale Arbeit und den Einflüssen des sogenannten Managerialismus, der sich durch "Neue Steuerungsmodelle" im sozialen Sektor etabliert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Ökonomisierung sozialer Dienste, der Paradigmenwechsel vom fürsorgenden zum aktivierenden Sozialstaat, die kritische Betrachtung des New Public Management sowie die Bedeutung der wissenschaftlichen Fundierung für das berufliche Selbstverständnis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen managerialistischer Steuerungsformen auf die Praxis der Sozialen Arbeit aufzuzeigen und zu klären, wie Fachkräfte in diesem Spannungsfeld ihre professionelle Identität bewahren und stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die den aktuellen Diskurs mittels Literaturanalyse reflektiert, vorhandene Forschungsergebnisse (z.B. von Sommerfeld und Haller) einbezieht und Ansätze der Governanceforschung nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und ökonomischen Auslöser der Neusteuerung, die spezifischen Merkmale des Managerialismus (wie Standardisierung und Messbarkeit) und die daraus resultierenden Herausforderungen für die Sozialwissenschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Soziale Arbeit, Managerialismus, Ökonomisierung, New Public Management, reflexive Professionalität und aktivierender Sozialstaat.
Welche Gefahr sieht die Autorin durch das "Box-Tick-Verhalten"?
Die Autorin warnt davor, dass Professionelle zu reinen "Box-tickern" werden, die nur noch schematisch Formulare ausfüllen, anstatt ihre fachliche Kompetenz und ihr Urteilsvermögen in der direkten Arbeit mit den Klienten einzusetzen.
Was bedeutet das "esoterische Wissen" im Kontext der Arbeit?
Der Begriff beschreibt das fachspezifische, schwer quantifizierbare Wissen der Sozialen Arbeit, das im Zuge des Managerialismus zunehmend in eine betriebswirtschaftliche Sprache von Kosten und Nutzen übersetzt werden soll.
- Quote paper
- Birgit Schäfer-Biermann (Author), 2012, Zwei Rivalen? Profession Soziale Arbeit und Managerialismus , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215150