Pina Bausch und das Tanztheater


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

14 Seiten, Note: 1,3

Anna Uehlimann (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Leben Pina Bausch

3. Vom klassischen Ballett zum Tanztheater
3.1 Historischer Abriss des klassischen Balletts
3.2 Historischer Abriss des Tanztheaters

4 Die Arbeit Pina Bauschs
4.1 Neuinterpretation klassischer Werke
4.2 Eigene Choreografien
4.3 Arbeitsweise

5 Größte Werke
5.1 Le sacre du printemps
5.2 Cafe Müller
5.3 Kontakthof
5.4 Vollmond

6 Rezeption, Schaffung des “Raumes“ Wuppertal

7 Fazit

Literatur

1 Einleitung

“Mich interessiert nicht so sehr, wie sich Menschen bewegen, als was sie bewegt.“ (Bausch in Servos 1996, S. 291) Unter diesem Leitgedanken entwickelt Pina Bausch Mitte der 70er Jahre ihren unverwechselbaren und einzigartigen Stil, welcher bis heute die Tanztheater- Szene entscheidend geprägt und verändert hat. Bereits zu Beginn ihrer Choreographentätigkeit zählte Pina Bausch zu einem Ausnahmetalent, das zuvor ihr Studium an der Essener Folkwangschule absolviert und schließlich große Erfolge an der Dance Company in New York feiert. Zum Wirkungszentrum avanciert jedoch das Theater in Wuppertal, von wo aus Pina Bausch als Ballettdirektorin nach und nach ihren eigenen Stil und ihre vollkommen neuen Vorgehensweisen etabliert und das Tanzen in seinen Grundfesten revolutioniert (Vgl. Schmidt 2002, S. 302). Es ist die Abkehr von festgelegten, starren Normen, die den Tanz als eine vorbestimmte Zeichnung aus festgelegten Linien bzw. Formen begreift (Vgl. Bentivoglio 2007, S. 8), hin zu einem Theater, in dem sowohl Körper, als auch Geist befreit agieren und so die Möglichkeit geschaffen wird, elementare Hoffnungen, Sehnsüchte und Ängste der Menschen in den Horizont des Greifbaren zu rücken (Vgl. Servos 1996, S. 6). Der nach Pina Bauschs Tod fertig gestellte und am 13. Februar 2011 auf der Berlinale vorgestellte Film “Pina- Tanzt, tanzt sonst seid ihr verloren“ vom Regisseur Wim Wenders thematisiert vier der bekanntesten Stücke der Choreographin.

Dieser Film brachte erst den Anstoß für eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen Pina Bausch in Form einer Hausarbeit: von ihrer Biografie, über ihre Arbeitsweise, die erfolgreichsten Werke und neuartigen Ansätze, die einen Gegenpol zum Ballett im klassischen Sinn bilden. Um einen Überblick über das Leben und das Werk Pina Bauschs zu bekommen, wird ihr persönlicher Werdegang, ihre Arbeit in Wuppertal, wo sie das Tanztheater entwickelte und einige ihrer Hauptwerke dargestellt.

2 Das Leben Pina Bauschs

Philippina Bausch wurde am 27. Juli 1940 in Solingen als drittes Kind einer Wirtsfamilie geboren. Während ihrer Schulzeit wird sie, ohne jemals zuvor ein Ballett gesehen zu haben, von Freunden zu einem Kinderballett mitgenommen und beginnt dort mit dem Tanzen (Vgl. Schmidt 2002, S. 292). Ihre Begabung bleibt nicht unbemerkt, zumal sie viele aufgrund ihrer Beweglichkeit als “Schlangenmenschen“ bezeichnen. Früh übernimmt Pina Bausch kleinere Rollen am Theater, wie die eines Pagen oder den kleinen Mohren, sodass nach dem Verlassen der Schule für sie feststeht, eine Tänzerin werden zu wollen. Unter der damaligen Leitung von Kurt Jooss wird Bausch im Alter von 15 Jahren an der Tanzabteilung der Folkwang-Hochschule in Essen aufgenommen, die sie 1959 mit dem Examen beendet. Die ausgebildete Tanzpädagogin gilt als eine der talentiertesten Studentinnen und erhält aus diesem Grund ein einjähriges Stipendium an der Gulliard School of Music in New York, wo sie ihr Studium unter anderem bei Antony Tudor und José Limon weiterführt. Aufgrund von Engagements beim New American Ballet und der Metropolitan Opera entscheidet sich Pina Bausch erst ein Jahr später nach Deutschland zurückzukehren, wo sie zunächst beginnt, an der Folkwang–Hochschule zu arbeiten und parallel hierzu am Folkwang-Ballett zu tanzen, welches sie durch Aufführungen nach Salzburg und Schwetzingen führt. In dieser Zeit liegen auch die Anfänge erster Choreografietätigkeiten, wobei eins ihrer ersten “Stücke“ (Im Wind der Zeit) 1969 beim choreographischen Wettbewerb in Köln den ersten Preis gewinnt. Trotz ihrer bis dato nur sechs geschaffenen Choreografien übernimmt Pina Bausch 1973, im Alter von 33 Jahren das Amt der Ballettdirektorin der Bühnen in Wuppertal und ändert den bisherigen Namen in “Tanztheater Wuppertal“. In den folgenden Jahrzehnten feiern ihre Werke nicht nur innerhalb Deutschlands große Erfolge, sondern verbreiten sich auch auf internationaler Ebene durch häufige Gastauftritte in Frankreich, Italien und den USA, wobei es oft schwierig ist, für die weit im Vorfeld ausverkauften Auftritte Karten zu bekommen.

Privat lebte Bausch mit dem Bühnenbildner Rolf Bozik zusammen, bis dieser 1980 verstarb. Aus der folgenden Beziehung mit dem chilenischen Autor Roland Kay geht ein Sohn hervor, der 1981 geboren wurde. ( Vgl. Schmidt 2002, S. 303 – 292)

3 Vom klassischen Ballett zum Tanztheater

Das Ballett wird oft als Gegenpol des Mitte des 20. Jahrhunderts entstehenden Tanztheaters und des Modern Dance gesehen. Voraussetzung für die Entstehung des Tanztheaters war die Emanzipation des Balletts von der Oper. Es bedient sich einer hoch stilisierten traditionellen Bewegungssprache und tendierte immer mehr in Richtung einer schwer erreichbaren Professionalität (z.B. durch den Spitzentanz), die teilweise als Erstarrung des Genres wahrgenommen wurde. Auch die Abhängigkeit von einer vorgegebenen Musik war ein Problem. Darum wurde als Gegenentwurf der Ausdruckstanz entwickelt- der Vorläufer des heutigen Tanztheaters. Allerdings hat sich dieser moderne Tanz über einen Zeitraum von Jahren langsam und schrittweise entwickelt. Begründet von seinen Pionieren Pina Bausch und Tom Schilling kann man ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von einer eigenständigen Kunstform des Tanztheaters sprechen, da sie mit experimentellen Bewegungselementen arbeiteten, die den theatralischen Aspekt neuer tänzerischer Formen betonen. Auch Pina Bausch hat in ihren ersten Stücken, wie “Im Wind der Zeit“, viel ausprobiert und es hat sich erst mit dem Werk “Nachnull“ bei ihr eine entscheidende Wende ankündigt. (Vgl. Schmidt 2002, S. 303)

Der Begriff Tanztheater wurde wahrscheinlich durch Kurt Jooss einen Schüler Rudolf von Labans geprägt.

3.1 Historischer Abriss des klassischen Balletts

Im Allgemeinen ist das Ballett die klassische Form des Bühnentanzes, deren Technik klar definierten Bewegungen und Positionen folgt, die über viele Jahre ausgearbeitet und kodifiziert wurden. Die Entstehung des Balletts lässt sich bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen, wo es sich, aus den an den französischen und italienischen Fürstenhäusern aufgeführten tänzerischen Gesellschaftsspielen entwickelte. Im Verlauf der Jahrhunderte entstand das klassische Ballett, im 19. Jahrhundert mit Werken wie Giselle, Schwanensee oder dem Nussknacker (Vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2004). In der Geschichte fortschreitend ergeben sich jedoch zunehmend Zweifel an den Inhalten und der hochspezialisierten Technik des Balletts, was schließlich in der Entwicklung des Ausdrucktanzes oder wie in den USA des Modern Dance mündet, zu deren Vertretern Rudolf von Laban, Kurt Jooss und Pina Bausch gezählt werden können. Diesen “neuen“ Strömungen steht das Ballett mit Spitzenschuhen, einer nach Perfektion strebenden Technik und klaren Regeln in der Ausführung gegenüber (Vgl. Faust 2006, S. 1). Außerdem unterliegen die Tänzer/innen einem von außen klar festgelegten Bewegungskodex, bei dem individuelle emotionale Aspekte keine Entsprechung finden (Vgl. Faust, S. 97). Die Tanztheaterbewegung bricht in gewisser Weise mit diesen als “unnatürlich“ angesehenen Vorstellungen.

3.2 Historischer Abriss des Tanztheaters

In den 1920er Jahren praktizierten und lehrten Mary Wigman und Jean Weidt einen Ausdruckstanz, der stark an die Persönlichkeit der jeweiligen Tänzerin/ des jeweiligen Tänzers gekoppelt war. Parallel entstand in den USA unter Anderem durch Isadora Duncan der Modern Dance, der auch auf das Individuum, die Psyche und den Alltag einging. (vgl. Schlicher 1987, Schulze-Reuber 2005)

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Pina Bausch und das Tanztheater
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Sportwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V215362
ISBN (eBook)
9783656439356
ISBN (Buch)
9783656440260
Dateigröße
1007 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tanztheater, Tina Bausch
Arbeit zitieren
Anna Uehlimann (Autor:in), 2011, Pina Bausch und das Tanztheater, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215362

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