Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwiefern sich das im Rahmen westlich-liberaler Ordnungspolitik verlaufende externe Statebuilding der internationalen Akteure auf die Legitimität staatlicher Herrschaft im Kosovo auswirkt?
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Aufbau der Arbeit, Forschungsfragen und -thesen im Überblick
1.3 Forschungsstand
1.4 Fragile Staatlichkeit und Statebuilding
2 Forschungsdesign: Staats- und Legitimitätskonzeption
2.1 Herrschaftssoziologische Staatskonzeption nach Schlichte
2.2 Legitimität: Begriff und Konzeption
2.2.1 Theoretische Grundlage: politische Legitimität
2.2.2 Legitimitätskonzeption nach Beetham
2.3 Operationalisierung und weiteres methodisches Vorgehen
2.3.1 Messung staatlicher Legitimität (Teilfrage 1)
2.3.2 Modifizierte Staatskonzeption (Teilfrage 2)
3 Zur Analyse der Legitimität staatlicher Herrschaft im Kosovo
3.1 Einführung: Staat, Gesellschaft und Legitimität
3.1.1 Erste bis dritte Phase: osmanische, serbische und sozialistische Herrschaft
3.1.2 Vierte Phase: internationale Herrschaft (1999–2008)
3.1.3 Fünfte Phase: kosovarische Herrschaft (ab 2008/2012)
3.2 Zustand der Legitimität staatlicher Herrschaft
3.2.1 Dimension Legalität: Vertrauen in Polizei und Justiz
3.2.2 Dimension Rechtfertigung: Zufriedenheit mit politischen Institutionen
3.2.3 Dimension faktische Zustimmung: Wahlbeteiligung
3.3 (De-)Institutionalisierungsdynamik der Legitimität staatlicher Herrschaft
3.3.1 Politische Gemeinschaft: (ethno-)nationale Identität
3.3.2 Politisches Regime: Recht, Korruption und organisierte Kriminalität
3.3.3 Politische Herrschaftsträger: politische Eliten
4 Legitimität staatlicher Herrschaft im Kontext externen Statebuildings
4.1 Resümee
4.2 Kritische Bewertung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern das externe Statebuilding durch internationale Akteure die Legitimität staatlicher Herrschaft im Kosovo beeinflusst hat. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem westlich-liberalen Staatsideal und der hybriden Realität in der kosovarischen Nachkriegsgesellschaft aufzuzeigen und die Auswirkungen auf die faktische Akzeptanz staatlicher Institutionen zu analysieren.
- Analyse des externen Statebuildings im Kosovo seit 1999
- Untersuchung der Legitimität staatlicher Herrschaft in den Dimensionen Legalität, Rechtfertigung und faktische Zustimmung
- Erforschung der (De-)Institutionalisierungsdynamiken durch informelle Strukturen
- Rolle von Identität, politischem Regime und politischen Eliten bei der Herausbildung hybrider Herrschaftsformen
Auszug aus dem Buch
1.1 Einleitung
Am 17. Februar 2008 proklamierte das kosovarische Parlament die einseitige Unabhängigkeit der Republik Kosovo. Hierbei handelte es sich auf Grundlage des Ahtisaari-Plans um eine überwachte Unabhängigkeit, die weiterhin die Präsenz diverser internationaler Akteure wie UN, NATO, OSZE und EU vorsah. Der Internationale Gerichtshof erklärte 2010 in einem unverbindlichen Rechtsgutachten die Konformität der kosovarischen Unabhängigkeit mit dem geltenden Völkerrecht (vgl. ICJ 2010). Am 10. September 2012 endete offiziell die überwachte Unabhängigkeit durch das International Civilian Office (ICO) (vgl. ICO 2012) und das Kosovo erhielt seine volle Souveränität.
Auf den ersten Blick ist das externe, durch die UN-Resolution 1244 eingeleitete Statebuilding ein Erfolg. Dagegen lässt sich die De-facto-Teilung des Kosovo hervorbringen, da das Nordkosovo – mehrheitlich serbisch – nicht von der staatlichen kosovarischen Herrschaftssphäre erfasst wird (vgl. Schoch 2012: 131–135). Des Weiteren ist auch das multi-ethnische Kosovo nicht verwirklicht, weil der kosovarische Staat eher auf einer ethno-nationalen Identität der Kosovo-Albaner gründet (vgl. Schoch 2012: 131–135). Daneben erweisen sich Korruption und organisierte Kriminalität als wesentliche Schwachstellen des kosovarischen Rechtsstaats (vgl. Schoch 2012: 131–135). Nichtsdestotrotz erlaubt die Souveränität den Kosovaren, die zukünftige Entwicklung selbst zu bestimmen. Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wird ein Rückblick auf das externe Statebuilding unternommen, um die folgende Forschungsfrage zu beantworten: Inwiefern wirkt sich das im Rahmen westlich-liberaler Ordnungspolitik verlaufende externe Statebuilding der internationalen Akteure auf die Legitimität staatlicher Herrschaft im Kosovo aus?
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Dieses Kapitel legt die Forschungsfrage und das methodische Vorgehen dar, bettet die Arbeit in den aktuellen Forschungsstand ein und definiert zentrale Begriffe wie fragile Staatlichkeit und externes Statebuilding.
2 Forschungsdesign: Staats- und Legitimitätskonzeption: Hier wird der herrschaftssoziologische Ansatz von Schlichte als analytischer Rahmen etabliert, um staatliche Herrschaft als Spannungsfeld zwischen Ideal und sozialer Praxis zu begreifen.
3 Zur Analyse der Legitimität staatlicher Herrschaft im Kosovo: Das Kapitel führt eine historische und empirische Analyse der Herrschaftsphasen durch, untersucht den Zustand der Legitimität anhand von Indikatoren und beleuchtet Dynamiken der (De-)Institutionalisierung.
4 Legitimität staatlicher Herrschaft im Kontext externen Statebuildings: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Forschungsarbeit kritisch und gibt einen Ausblick auf notwendige weiterführende Untersuchungen.
Schlüsselwörter
Kosovo, Statebuilding, Legitimität, Staatlichkeit, Herrschaftssoziologie, Transformation, Rechtsstaatlichkeit, Korruption, organisierte Kriminalität, politische Unterstützung, Identität, Intermediäre, hybride Herrschaft, Nachkriegsgesellschaft, politische Eliten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Legitimität staatlicher Herrschaft im Kosovo unter dem Einfluss von externem Statebuilding durch internationale Akteure nach 1999.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Transformation von Staatlichkeit, die messbare Legitimität aus Sicht der Bevölkerung, das Verhältnis zwischen informellen sozialen Praktiken und formellen staatlichen Institutionen sowie die Rolle ethno-nationaler Identitäten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern wirkt sich das im Rahmen westlich-liberaler Ordnungspolitik verlaufende externe Statebuilding der internationalen Akteure auf die Legitimität staatlicher Herrschaft im Kosovo aus?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine herrschaftssoziologische Staatskonzeption nach Schlichte sowie ein Legitimitätskonzept nach Beetham, operationalisiert durch Ansätze von Gilley, um sowohl Einstellungen als auch Handlungen der Bürger zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine historische Einordnung der Herrschaftsphasen, eine empirische Untersuchung der Legitimitätsindikatoren (Vertrauen, Zufriedenheit, Wahlbeteiligung) und eine detaillierte Analyse der (De-)Institutionalisierungsdynamiken in der politischen Gemeinschaft, dem Regime und bei den Herrschaftsträgern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Statebuilding, Legitimität, hybride Herrschaft, Korruption, organisierte Kriminalität und Transformation geprägt.
Welche Rolle spielen die UÇK-Eliten in der Analyse?
Die Arbeit analysiert die Transformation ehemaliger UÇK-Kommandeure in die politische Ordnung als ein Beispiel für die Persistenz traditionaler und charismatischer Herrschaftsstrukturen, die die Institutionalisierung legal-rationaler staatlicher Prozesse erschweren.
Warum wird die Legitimität im Kosovo als "defizitär" bewertet?
Auf Basis der Untersuchung von Institutionen wie Justiz und Parlament zeigt die Arbeit auf, dass niedrige Zufriedenheitswerte und abnehmende Wahlbeteiligungen sowie der Einfluss informeller Netzwerke auf eine mangelnde faktische Akzeptanz des staatlichen Ideals hindeuten.
Was bedeutet der Begriff "hybride Legitimität" im Kontext des Kosovo?
Hybride Legitimität beschreibt die Vermengung von legal-rationalen Geltungsgründen des formalen Staates mit traditionalen und charismatischen Mustern, wie sie durch Familiennetzwerke oder klientelistische Strukturen in der kosovarischen Gesellschaft wirksam sind.
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- Patrick Schröder (Autor), 2013, Externes Statebuilding im Kosovo, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215492