Bereits heute spielt Brasilien eine wichtige Rolle für deutsche Unternehmen. Brasiliens größte Stadt São Paulo ist weltweit der größte deutsche Wirtschaftsstandort außerhalb Deutschlands. Insgesamt gibt es über 1.400 deutsche Unternehmen in Brasilien, die über 250.000 Mitarbeiter beschäftigen. Der brasilianische Markt spielt somit heute und in der Zukunft eine bedeutende Rolle für deutsche Unternehmen.
Grund genug um sich die bisherige Vorgehensweise deutscher Unternehmen in Brasilien näher anzuschauen. Hierzu soll eine auf Kriterien gestützte Analyse ausgewählter deutscher MNUs in Brasilien erfolgen. Die MNUs sollen anhand ihres Eintrittszeitpunkts in Brasilien, ihrer bevorzugten Marktbearbeitungsform und ihrer personalpolitischen Besetzungsstrategien untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Problemstellung
1.1 Die Vorgehensweise deutscher MNUs in Brasilien
1.2 Vorgehensweise
2. Begriffsbestimmung der ausgewählten Kriterien
2.1 Multinationale Unternehmen
2.2 Begründung der Kriterienauswahl
2.2.1 Kriterium 1: Timing Strategien
2.2.2 Kriterium 2: Marktbearbeitungsformen
2.2.3 Kriterium 3: Personalpolitische Besetzungsstrategien
3. Datenauswahl und Analyse der Kriterien
3.1 Datenauswahl
3.2 Analyse Timing Strategien
3.2.1 Operationalisierung
3.2.2 Ergebnis
3.3 Analyse Marktbearbeitungsformen
3.3.1 Operationalisierung
3.3.2 Ergebnis
3.4 Analyse der personalpolitischen Besetzungsstrategien
3.4.1 Operationalisierung
3.4.2 Ergebnis
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die strategische Vorgehensweise deutscher multinationaler Unternehmen (MNUs) auf dem brasilianischen Markt. Ziel ist es, anhand ausgewählter Kriterien – dem Eintrittszeitpunkt, der gewählten Marktbearbeitungsform und der personalpolitischen Besetzungsstrategie – ein prägnantes Muster für das Agieren dieser Unternehmen in Brasilien zu identifizieren.
- Analyse von Timingstrategien deutscher Unternehmen bei Markteintritten
- Untersuchung der bevorzugten Marktbearbeitungsformen (insb. Tochtergesellschaften)
- Evaluation der personalpolitischen Besetzungsstrategien für Managementpositionen
- Einfluss der kulturellen Distanz auf strategische Entscheidungen
- Empirische Untersuchung von 15 ausgewählten deutschen Großkonzernen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Kriterium 1: Timing Strategien
In der Literatur wird zwischen länderübergreifenden (lü.) und länderspezifischen (ls.) Timingstrategien unterschieden. Die lü. Timingstrategien thematisieren, ob im Rahmen des Internationalisierungsprozesses ein Unternehmen mehrere Ländermärkte gleichzeitig (Sprinklerstrategie) oder nacheinander (Wasserfallstrategie) erschließen soll. Die ls. Timingstrategien betrachten den Fall, wenn nur ein Ländermarkt erschlossen werden soll, in Bezug auf den optimalen Markteintrittszeitpunkt. Da in dieser Arbeit der Eintritt von deutschen MNUs in lediglich einem Ländermarkt (Brasilien) betrachtet wird, soll im Folgenden nur die ls. Timingstrategie detailliert dargestellt werden.
Inhaltlich geht es bei den ls. Timingstrategien um die Frage, zu welchem Zeitpunkt ein Unternehmen in einen Markt eintreten soll. Das MNU kann vereinfacht zwischen den strategischen Alternativen eines möglichst frühen und eines abwartenden Eintritts entscheiden. Idealtypisch wird zwischen dem Pionier und dem Folger unterschieden. In der Literatur wird der Folger häufig nochmals unterteilt in Früher- und Später Folger. Diese Arbeit folgt der dichotomen Unterteilung, wobei der Frühe Folger der Pionierstrategie zuzuordnen ist. Der Strategietyp Folger wird somit als deutlicher Gegenpol zum Pionier als später Nachzügler verstanden.
Bezüglich der Pionierstrategie kann zwischen dem Ländermarkt- und dem Produktmarktpionier unterschieden werden. Ein Produktmarktpionier wird als Innovator angesehen, der auf einem von ihm bereits erschlossenen Markt ein neues Produkt einführt. Ein Ländermarktpionier hingegen (in dieser Arbeit relevant) tritt als erstes ausländisches Unternehmen in einen bestimmten Ländermarkt ein. Dieser geht dabei ein hohes Risiko ein, da er in einen noch nicht entwickelten Markt eintritt, dessen Entwicklung noch völlig ungewiss ist.
Der Folger tritt nach dem Pionier in den Ländermarkt ein, wenn die Marktentwicklung bereits bekannt ist und grundlegende Marktstrukturen und –regeln etabliert sind. In der wissenschaftlichen Literatur besteht eine geteilte Meinung darüber, welche Strategie überlegen ist. Jeder Strategietyp hat seine Vor- und Nachteile, sodass zu jedem Unternehmen situationsspezifisch die eine oder andere Strategie besser passt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Problemstellung: Das Kapitel erläutert die wachsende Bedeutung des brasilianischen Marktes für deutsche Unternehmen und definiert die Zielsetzung der Analyse.
2. Begriffsbestimmung der ausgewählten Kriterien: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Untersuchung, insbesondere die Begriffe MNU sowie die ausgewählten Strategiekriterien, definiert und begründet.
3. Datenauswahl und Analyse der Kriterien: Dieser Abschnitt widmet sich der empirischen Datenerhebung von 15 Großkonzernen und operationalisiert die gewählten Kriterien, um sie anschließend auszuwerten.
4. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und charakterisiert das typische Vorgehen eines deutschen Unternehmens in Brasilien als „Folger“, der auf neugegründete Tochtergesellschaften und lokale Manager setzt.
Schlüsselwörter
Multinationale Unternehmen, Brasilien, Markteintrittsstrategien, Timingstrategien, Pionier, Folger, Marktbearbeitungsformen, Tochtergesellschaften, Besetzungsstrategien, Personalmanagement, Kulturdistanz, Auslandsinvestitionen, Internationalisierung, Ethnozentrisch, Polyzentrisch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die strategischen Vorgehensweisen von 15 deutschen multinationalen Unternehmen bei ihrem Engagement in Brasilien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Timingstrategien, Marktbearbeitungsformen und personalpolitische Besetzungsstrategien im Kontext der Internationalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, mittels einer kriterienbasierten Analyse Muster im Verhalten deutscher Großkonzerne auf dem brasilianischen Markt zu identifizieren und zu beschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine empirische Analyse auf Basis sekundärer Daten, Geschäftsberichte und Internetrecherchen, ergänzt durch theoretische Konzepte wie das EPRG-Modell von Perlmutter.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die gewählten Kriterien operationalisiert und die erhobenen Daten der 15 Unternehmen hinsichtlich Timing, Markteintritt und Personaleinsatz analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Multinationale Unternehmen, Markteintrittsstrategien, Timing, Tochtergesellschaften und kulturelle Distanz.
Warum dominieren Tochtergesellschaften als Marktbearbeitungsform?
Dies ist primär auf das brasilianische Wirtschaftsrecht zurückzuführen, da unselbstständige Betriebsstätten mit hohen regulatorischen und buchhalterischen Hürden verbunden sind.
Welchen Einfluss haben arbeitsrechtliche Bestimmungen auf das Personalmanagement?
Aufgrund von Befristungen bei Arbeitserlaubnissen für ausländische Führungskräfte bevorzugen viele Unternehmen lokale brasilianische Manager, um Kontinuität zu gewährleisten.
Spielte die kulturelle Distanz eine entscheidende Rolle bei der Managerwahl?
Obwohl die kulturelle Distanz theoretisch einen Einfluss haben sollte, spielen arbeitsrechtliche Restriktionen in der Praxis eine weitaus bedeutendere Rolle.
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- Sascha Klosa (Autor), 2012, Eine Kriterien gestützte Analyse der Vorgehensweise deutscher Multinationaler Unternehmen in Brasilien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215540