Das Gehirn - der Mörder: Eine Auseinandersetzung mit dem Fall Gian Franco Stevanin


Seminararbeit, 2012

16 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Themenfindung und Fragestellung

2 Vorbetrachtungen
2.1 Begriffe
Ethik
Moral
Empathie
Mord
Unschuld
2.2. Die Funktion des Orbitofrontalen Kortex

3. Der Fall Stevanin
3.1. Seine Taten
3.2. Die Anklage
3.3. Die Frage nach seiner Schuldfähigkeit
3.4. Die Zweifel an dem Urteil
3.5. Die Problematik innerhalb Gesellschaft

4 Die Verantwortung der Neurowissenschaft
Fazit

5 Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Themenfíndung und Fragestellung

Für dieses Thema regte eine bekannte Personen der Geschichte der Neurowissenschaft an, Gian Franco Stevanin, welcher auch im Seminar behandelt wurde.

Der Italiener Gian Franco Stevanin hatte mit 16 Jahren einen Motorradunfall, der sein Leben veränderte. Bei diesem Unfall erlitt er ein Schädeltrauma und lag mehrere Wochen im Koma. Die Folgen waren, das sich seine Konzentrationsfähigkeit minderte, er an Migräne erkrankte, epileptische Anfälle erlitt und schließlich an einer Hirnhautentzündung erkrankte. Eben genannte Unfallfolgen spielten dann Mitte der 90er Jahre eine große Rolle in einem Mordprozess in Italien. Dort wurde Stevanin wegen 5 Morden an Frauen, die er zuvor mit Fessel- und Sexspielchen quälte, angeklagt. Der Prozess dauerte über Jahre und es hagelte von Gutachten und Gegengutachten. Das Ende des Prozesses mündete darin, das Stevanin seit 2004 im Mailänder Gefängnis Opera einsitzt.[1] Für viele scheint dies eine Genugtuung zu sein. Vermutlich würden sich die Angehörigen der Opfer noch eine weitaus schlimmere Strafe für Stevanin wünschen.

Doch angesichts der Tatsache, das Stevanin an der Stelle des präfrontalen Kortex, unter Atrophie leidet, der Stelle der das Sozialverhalten eines Menschen zugeschrieben wird, ist es nicht undenkbar, ihn als Opfer seiner selbst zu betrachten.

Der Fortschritt der Neurowissenschaft und die sich dadurch ergebenen Erkenntnisse für den Menschen und die Gesellschaft setzen die Rechtsprechung mehr und mehr unter Druck.

Das allgemein vertretene Bild eines Gewaltverbrechers ist kulturell und soziologisch in der Gesellschaft verankert.

Daher stellt sich die Frage nach der Verantwortung über die Erkenntnisse der Neurowissenschaft und ob die Antwort für die Gesellschaft im Allgemein zu vertreten ist.

2.1 Begriffe

Ethik

„Sittenlehre; Lehre oder Wissenschaft vom Sittlichen, von der Sittlichkeit, der Moral; Teil der Philosophie, der das Sittliche (als Inbegriff der sittlichen Beziehungen, Verhaltensweisen, Anschauungen, Werte, Normen) zum Gegenstand hat; auch Moralphilosophie genannt.“[2

Im Duden ist auch die Sprache von der „Gesamtheit sittlicher Normen und Maximen, die einer [verantwortungsbewussten] Einstellung zugrunde liegen.“[3]

Ethik ist also als Gesetzgebung für die Moral zu betrachten, sie begründet den Wirkungsbereich und die Verhaltensvorschriften, nach derer sich moralisches Handeln ausrichtet.

Moral

„Die Sitten betreffend, den Sitten gemäß, davon abgeleitet: die Sittlichkeit, sittliche Gesinnung und Haltung; auch: Sittenlehre.“[4]

Der Duden beschreibt die Moral als „Gesamtheit von ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren, die von ihr als verbindlich akzeptiert werden.“[5]

Bei der Moral handelt es sich also um das Verhalten eines Menschen oder einer Gruppe angepasst an diejeweils vorherrschende Situation.

Empathie

Moralische Kompetenz, das Wissen über Recht und Unrecht setzt Empathie voraus.

Im Gabler Wirtschaftslexikon wird die Empathie mit dem Wort 'Einfühlungsvermögen' tituliert und wie folgt definiert:beschreibt die Fähigkeit einer Person, sich in die Gedanken und Gefühle anderer Personen hinein zu versetzen. .“[6]

Diese Funktion sozialen Verhaltens bindend für die moralische Kompetenz eines Menschen aber auch der Gesellschaft. Ohne die Empathie könnte der Mensch bspw. kein Mitgefühl, keine Trauer oder Freude empfinden. Zudem würde ihm die Fähigkeit fehlen zu erkennen, wann ein Mitmensch Trauer oder Schmerz empfindet. Er wüsste nicht ob helfen muss oder auch warum der Mitmensch aus voller Seele kreischt. Er könnte es nicht als Angstschrei interpretieren.

Mord

Mord lässt sich wohl am ehesten durch das StGB erklären. In diesem steht unter dem Paragraphen 211 Absatz 2 folgende Definition: „(2) Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.“ [7]

Unschuld

Auch die Frage der Unschuld ist im Gesetz verankert, neben der Unschuldigkeit eines Kindes bis zum 14. Lebensjahr [8], ergibt sich aus dem Strafgesetzbuch auch eine sogenannte „Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen. Ohne Schuld handelt, wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer

schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.“[9]

2.2. Die Funktion des Orbitofrontalen Kortex

Der Orbitofrontale Kortex ist Teil des Präfrontalen Kortex und sitzt direkt hinter der Stirn. Es gehört somit zum Frontalhirn, dem Zentrum für soziale und moralische Kompetenz.

„Hier werden Informationen aus der Umwelt, dem Körper und dem emotionalen Zustand des Individuums integriert, und Dysfunktionen führen zu schwerwiegenden neuropsychiatrischen Syndromen. Patienten mit Dysfunktionen des Frontalhirns leiden unter kognitiven und emotionalen Problemen sowie unter Einschränkungen bezüglich der Motivation und der Verhaltenskontrolle (Cummings & Mega, 2003).“[10]

Doch auch mit einem beschädigtem Orbitofrontalen Kortex ist es möglich durch instrumentelles Verhalten, die bereits erworbenen Fähigkeiten von Empathie, entsprechend anzuwenden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, das bereits moralische Kompetenz erlernt wurde. Das situationsgerechte soziale Verhalten erlernt der Mensch über viele Jahre hinweg, beginnend im Säuglingsalter.

Im Jahre 2005 wurde eine zusammenfassende Analyse von 17 Studien zu aggressiven, gewalttätigem und antisozialen Verhalten publiziert. Aus dieser ging hervor, dass Gewalttäter an erster Stelle Veränderungen an Teilen des Frontalhirns aufwiesen. Die Kriminologin Jana Bufkin und die Psychologin Vickie Luttrell von der Drury Universität in Springfield/ Montana untersuchten hierzu 100 Menschen, darunter 600 Auffällige und 400 Kontrollpersonen.[11] Ein weiterer Beweis dafür das im Frontalhirn die Sozialen Kompetenzen anzusiedeln sind.

[...]


[1] Vgl. Hans J. Markowitsch, Werner Siefer: Tatort Gehirn. Auf der Suche nach dem Ursprung des Verbrechens, Frankfurt/New York 2007, S. 117-120 2. Vorbetrachtungen

[2] Klaus & Buhr,BibliographischesInstitutLeipzig:Philosophisches Wörterbuch, S.164, Sp2

[3] Link: http://www.duden.de/rechtschreibung/Ethik

[4] Klaus und Buhr: Philosophisches Wörterbuch,, S.364, Sp2

[5] Link:http://www.duden.de/rechtschreibung/Moral

[6] StGB - Strafgesetzbuch, S. 19, §20

[7] Link: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/6752/empathie-v7.html

[8] Dtv, München 1993: StGB - Strafgesetzbuch, S.104, §211, Abs. 2

[9] Vgl. StgB, §19

[10] Link der SLUB: Barbara Ettrich: Beeinträchtigung frontomedianer Funktionen bei Schädel­Hirn-Trauma http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa-67615 , S.17

[11] Link:http://www.focus.de/wissen/natur/kriminologie-verdaechtige-himareale_aid_225615.html

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Gehirn - der Mörder: Eine Auseinandersetzung mit dem Fall Gian Franco Stevanin
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Technikphilosophie)
Veranstaltung
Einführung in die Wissenschaftsethik
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V215590
ISBN (eBook)
9783656440871
ISBN (Buch)
9783656441519
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissenschaftsethik, Ethik Stevanin Gehirn Töten, Mord, Neurowissenschaft, Moral
Arbeit zitieren
Taube Wild (Autor), 2012, Das Gehirn - der Mörder: Eine Auseinandersetzung mit dem Fall Gian Franco Stevanin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215590

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