Die Rezeption Montesquieus in Katharinas II. "Nakaz"


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufklärerische Aspekte im Nakaz von Katharina der Großen
2.1 Thesen und Forderungen in Montesquieus Geist der Gesetze
2.2 Neuerungen im Nakaz Katharinas der Großen

3. Der aufgeklärte Absolutismus Katharinas der Großen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ For two years I read and wrote, and for eighteen month consulted no one, being guided solely by my heart and reason.[...] Finally I composed the manifesto summoning delegates from the whole Empire in order to learn the conditions of every section of the realm.[...] I allowed them to cancel

what they pleased, and they omitted over half the draft. I bade them take the rest as rules on which opinion could be based, not as a law.“1

Dieses Zitat Katharinas der Großen handelt von der Instruktion, des Nakaz, welches sie für die Gesetzgebende Kommission als Grundlage verfasste. Diese Schrift gilt heutzutage als eine der „bedeutendsten Leistungen [der Zarin] als politische Schriftstellerin“. 2 Der Nakaz beinhaltete Gesetzesvorschläge in Form von einzelnen Paragraphen, welche stark von zeitgenössischen Schriften westlicher Enzyklopädisten beeinflusst gewesen zu sein scheint. Dies ist insbesondere deshalb augenscheinlich, da sie viele Neuerungen im Sinne der Aufklärungsbewegung in ihrem Nakaz verarbeitete.

Ein Großteil dieser Neuerungen ist auf Charles de Montesquieu und dessen Werk L´Esprit des Lois zurückzuführen, der für Katharina ein Vorbild darstellte. Wenn sie der Papst wäre, würde sie Montesquieu kanonisieren, beschrieb sie selbst ihre Beziehung zu Montesquieu.3 Aus diesem Grund soll gerade diese Beziehung, welche sich in der Rezeption des französischen Philosophen in Katharinas II. Nakaz wiederfindet, Gegenstand dieser Hausarbeit sein.

Das folgende Kapitel widmet sich deshalb den Forderungen und Thesen der Schrift L´Esprit des Lois von Montesquieu sowie den markantesten Neuerungen in der Instruktion Katharinas der Großen. Grundlage dieses Kapitels bilden daher die Quellen von Montesquieu und Kaiserin Katharina.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich daraufhin mit dem Begriff des „aufgeklärten Absolutismus“, welcher häufig mit der Regierungszeit Katharinas II. in Verbindung gebracht wird. Dabei soll die Bedeutung des Begriffs erläutert und Übereinstimmungen zur Herrschaftsform der Zarin beleuchtet werden. Schlussendlich werden die Ergebnisse der Arbeit im vierten Kapitel zusammengefasst, um ein Fazit daraus schließen zu können.

Es gilt dabei herauszufinden, ob Katharina die Große berechtigterweise als Aufklärerin ihrer Zeit angesehen wird oder ob sie lediglich mit den Prinzipien der westlichen Aufklärung in ihrer abgewandelten Form sympathisierte.

In der Forschungsliteratur finden sich einige Diskussionen, die die Bedeutung und Auswirkungen des Nakaz thematisieren. Hierbei sind Autoren wie Georg Sacke und Inna Gorbatov zu nennen. Diese beschäftigten sich vorwiegend mit der Bedeutung des Nakaz für die gesetzgebende Kommission, widmen sich aber zudem auch der Rezeption französischer Autoren. Forschungsliteratur, welche sich mit dem berühmtesten Werk Montesquieus beschäftigt, ist jedoch kaum vorhanden. Oftmals findet sich diese nur in Form von Einleitungen und Anmerkungen zur Quelle. Somit baut diese Arbeit hauptsächlich auf den Quellen von Katharina der Großen und Montesquieu selbst auf. Allein der Begriff des

„aufgeklärten Absolutismus“ scheint ein häufig publiziertes Thema zu sein, welches sich zumeist jedoch auf den „aufgeklärten Absolutismus“ in Spanien bezieht. Wichtige Autoren diesbezüglich sind Erich Donnert sowie Claus Scharf, welche sich auf das Phänomen im russischen Herrschaftsgebiet konzentrierten.

2. Aufklärerische Aspekte im Nakaz von Katharina der Großen

Als Katharina II. Russlands Thron bestieg, stand dieses noch immer unter den Gesetzen, die der Zar Alexis I. 1649 aufgestellt hatte. Um Russland dem Vorbild des fortschrittlichen und aufgeklärten Westens näher zu bringen, entschied sich die Kaiserin, statt Reformversuchen ein vollkommen neues Gesetzbuch zu entwerfen. So begann sie 1765 mit den Vorarbeiten zum Entwurf eines Gesetzbuches, des Nakaz. Diese Vorarbeiten sollten zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Der Nakaz oder „Instruction für die zu Verfertigung des Entwurfs zu einem neuen Gesetzbuche verordnete Commission“ beinhaltete allerdings keine neuen Gedanken Katharinas, sondern übernahm in großem Maße Gedankengut aus der zeitgenössischen, europäischen Literatur. Dabei rezipierte sie französische Philosophen wie Charles de Montesquieu und sein Werk L´Esprit des Lois sowie auch westliche Juristen wie Cesare Beccaria und sein Werk Delle delitte e delle pene . Nur ungefähr ein Viertel des Nakaz

stammte von Katharina selbst.4

Trotzdem gilt Katharina die Große stets als „aufgeklärte Selbstherrscherin“. Dies liegt darin begründet, dass die Kaiserin durch die Reformierung der Legislative und neue Grundlagen im Sinne der Aufklärung die Verbreitung des fortschrittlichen Gedankenguts vorantrieb. 5 Obwohl sie nie eine akademische Bildung und Erziehung erfuhr, hatte sie genaue politische Ansichten. So versuchte sie zeitlebens „Verwestlichung und Modernisierung“ in Russland einzuführen, um sich berechtigterweise als „europäische Großmacht“ 6 definieren zu können.7 Ihre politischen Ansichten publizierte sie dabei in Form des Gesetzesentwurfs, der die Grundlage für die 1767 einberufene „Kommission zur Verfertigung des Entwurfs zu einem neuen Gesetzbuch“ darstellte.8

[...]


1 Gooch, George Peabody: Catherine the Great and other studies. London 1954, 91f.

2 Scharf, Claus: Katharina II. von Rußland. Aufgeklärter Absolutismus und Großmachtpolitik. In: Hans Ottomeyer- Susan Tipton (Hg.), Katharina die Große. Kassel 1997, 21.

3 Catherine the Great and other studies, 91. 1

4 Gorbatov, Inna: Catherine the Great and the French Philosophers of enlightment. Montesquieu, Voltaire, Rousseau, Diderot and Grimm. 2006., 27. 2

5 Donnert, Erich: Katharina die Große und ihre Zeit. Leipzig 2003, 33.

6 Ihrer Kayserlichen Majestät Instruction für die zur Verfertigung des Entwurfs zu dem neuen Gesetz-Buche verordnete Commißion. St. Petersburg 1770, I, 6.

7 Katharina die Große und ihre Zeit, 34.

8 Oleg A. Omel'cenko, Die "Kommission zur Verfertigung des Entwurfs zu einem neuen Gesetzbuch". Einige neue Beobachtungen im Zusammenhang mit dem gesetzgeberischen Werk der Fachausschüsse. In: Eckhard Hübner, Jan Kusber, Peter Nitsche (Hg.), Russland zur Zeit Katharinas II. Absolutismus-Aufklärung-Pragmatismus. Köln-Weimar-Wien 1998. 169-180, 169.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Rezeption Montesquieus in Katharinas II. "Nakaz"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Licht ins Dunkel? Aufklärung in Russland
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V215950
ISBN (eBook)
9783656444848
ISBN (Buch)
9783656445173
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rezeption, montesquieus, katharinas, nakaz
Arbeit zitieren
Désirée Senft (Autor), 2013, Die Rezeption Montesquieus in Katharinas II. "Nakaz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215950

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