Katharina II. gilt heutzutage als eine der ersten russischen Aufklärerinnen ihrer Zeit. Dies lag nicht zuletzt an ihrem Vorhaben, ein einheitliches Gesetzbuch zu entwickeln. Der Entwurf (Nakaz) liegt dieser Arbeit zugrunde. Da Katharina II. sich stark an französischen Aufklärern orientierte, soll hierbei die Rezeption Montesquieus im Vordergrund stehen. Zudem soll sich auch dem Phänomen des "Aufgeklärten Absolutismus" gewidmet werden, zu deren Vertretern auch Katharina die Große gehörte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufklärerische Aspekte im Nakaz von Katharina der Großen
2.1 Thesen und Forderungen in Montesquieus Geist der Gesetze
2.2 Neuerungen im Nakaz Katharinas der Großen
3. Der aufgeklärte Absolutismus Katharinas der Großen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die russische Kaiserin Katharina II. die aufklärerischen Prinzipien des französischen Philosophen Charles de Montesquieu in ihrem Gesetzesentwurf, dem "Nakaz", rezipierte und umsetzte. Ziel der Analyse ist es, das Spannungsfeld zwischen dem Streben nach einer aufgeklärten Herrschaft und dem vorrangigen Erhalt ihrer absolutistischen Macht zu beleuchten.
- Rezeption der politischen Philosophie Montesquieus durch Katharina II.
- Analyse der aufklärerischen Neuerungen im Nakaz (Instruction)
- Definition und Ausprägung des "aufgeklärten Absolutismus" in Russland
- Die Rolle der Gesetzgebenden Kommission als politisches Instrument
- Abwägung zwischen Reformbestrebungen und Machtsicherung der Zarin
Auszug aus dem Buch
2.1 Thesen und Forderungen in Montesquieus L´Esprit des Lois
L´Esprit des Lois ist eines von vielen Werken des französischen Aufklärers Charles de Montesquieu. Es erschien 1748 in Genf und war eines der „meistgelesenen und zugleich heftigst kritisierten Büchern seiner Zeit“.10
Es vereinte Gedanken philosophischer sowie auch politischer Natur. Der philosophische Aspekt fand sich dabei in seiner Suche nach „causes of positive laws and [...] a theory of law in general that would provide a standard for assessing particular laws“.11 Der politische Charakter des Werkes findet sich hingegen in seiner „auf Vernunft, Toleranz und Humanität begründete[n] Ordnung der Gesetze“, deren Prinzipien er im L´Esprit des Lois näher beleuchtet.12
Das Herzstück seiner Arbeit stellte jedoch nicht die Lehre der Gewaltenteilung dar, welche erst mit Beginn der Französischen Revolution an Wichtigkeit gewann, sondern vielmehr seine Auffassung von politischer Freiheit.13 So beschrieb Montesquieu, dass politische Freiheit bedeute, „daß man zu tun vermag, was man wollen soll, und man nicht zu tun gezwungen wird, was man nicht wollen soll“. Demnach sei die Freiheit „das Recht, all das zu machen, was die Gesetze gestatten“.14 Durch dieses Prinzip veranschaulichte Montesquieu zum einen die Notwendigkeit von Gesetzen innerhalb einer Gemeinschaft, zum anderen richtete er sich an alle Bürger ohne Unterscheidungen vorzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Nakaz als politisches Dokument ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Rezeption Montesquieus durch Katharina II.
2. Aufklärerische Aspekte im Nakaz von Katharina der Großen: Das Kapitel beleuchtet die Übernahme westlicher aufklärerischer Ideale in das russische Rechtssystem und thematisiert insbesondere die Einflüsse von Montesquieu und Cesare Beccaria.
2.1 Thesen und Forderungen in Montesquieus Geist der Gesetze: Hier werden die Kernprinzipien von Montesquieu, insbesondere sein Verständnis von politischer Freiheit und Gesetzmäßigkeit, detailliert dargelegt.
2.2 Neuerungen im Nakaz Katharinas der Großen: Dieses Kapitel analysiert konkrete Reformschritte Katharinas, wie die Abschaffung der Folter und die Definition des Bürgers, basierend auf den übernommenen Vorbildern.
3. Der aufgeklärte Absolutismus Katharinas der Großen: Es wird die Ambivalenz des Begriffs des "aufgeklärten Absolutismus" in Bezug auf Katharinas Regierungsstil sowie ihr Ziel einer straff zentralisierten Monarchie kritisch erörtert.
4. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Katharina II. zwar aufklärerische Konzepte integrierte, diese jedoch stets hinter das primäre Ziel der Herrschaftssicherung und Machterhaltung zurückstellte.
Schlüsselwörter
Katharina II., Montesquieu, L'Esprit des Lois, Nakaz, Aufgeklärter Absolutismus, Aufklärung, Gesetzgebende Kommission, politische Freiheit, Gewaltenteilung, Reformpolitik, russische Geschichte, politische Philosophie, Menschenrechte, Gesetzgebung, Machtlegitimation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Wirken der russischen Zarin Katharina II. und analysiert, wie stark ihre politischen Reformansätze durch die Lehren französischer Aufklärer, allen voran Montesquieu, beeinflusst waren.
Welche Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt?
Zentrale Schwerpunkte sind die inhaltliche Auseinandersetzung mit Montesquieus "Vom Geist der Gesetze", der Vergleich mit Katharinas "Nakaz" sowie die historische Einordnung ihrer Regierungsform als "aufgeklärter Absolutismus".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Katharina II. als aufklärerische Herrscherin bezeichnet werden kann oder ob ihre Reformen primär als Mittel zur Legitimierung ihrer absoluten Macht und zur Stabilisierung der Monarchie dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die auf den Instruktionen Katharinas II., dem Werk von Montesquieu sowie begleitender fachwissenschaftlicher Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Montesquieus Thesen, die Analyse der konkreten Neuerungen im Nakaz und eine kritische Auseinandersetzung mit der Ambivalenz des russischen aufgeklärten Absolutismus.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Aufgeklärter Absolutismus, Montesquieu, Nakaz, politische Freiheit, Machtlegitimation und Reformpolitik geprägt.
Warum wird Katharina II. oft als "Philosophin auf dem Thron" bezeichnet?
Dieser Titel beruht darauf, dass sie sich intensiv mit zeitgenössischer Philosophie beschäftigte und einen engen Austausch mit bedeutenden Philosophen ihrer Zeit pflegte, um ihre Regierungsführung theoretisch zu fundieren.
Inwiefern beeinflusste die russische Ständegesellschaft die Reformpläne der Zarin?
Die Ständegesellschaft, insbesondere die Macht des Adels, fungierte als Korrektiv. Katharina musste Kompromisse schließen, um ihre Thronherrschaft nicht zu gefährden, was die Umsetzung radikaler Reformen wie die Abschaffung der Leibeigenschaft verhinderte.
- Citation du texte
- Désirée Senft (Auteur), 2013, Die Rezeption Montesquieus in Katharinas II. "Nakaz", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215950