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Die interkulturelle Öffnung der Sozialen Arbeit

Title: Die interkulturelle Öffnung der Sozialen Arbeit

Diploma Thesis , 2002 , 120 Pages , Grade: 1,4

Autor:in: Katrien Nouwens (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Deutschland ist schon immer ein Land gewesen, in dem, in das und durch das sich
Menschen bewegt haben. Deutsche wanderten ins Ausland und Fremde kamen nach
Deutschland. Diese Wanderbewegungen wurden von gesellschaftlichen Prozessen
beeinflußt, denen Armut, Arbeitslosigkeit, Krieg, politische Verfolgung, Umweltkatastrophen
und Bildung zugrunde lagen.
Die Entwicklung von Migration wurde zwar in verschiedenen Modellen beschrieben, aber
eine allgemein anerkannte Definition oder Theorie gibt es nicht. Migration ist ein äußerst
komplexes Phänomen, dass sich nicht auf eine Zuwanderungsgruppe oder ein Motiv von
Zuwanderung beschränken läßt. Daher werden hier alle Formen von Bewegung mit
dauerhafter oder temporärer Verlagerung des Lebensmittelpunktes an einen anderen Ort als
Migration verstanden.
Menschen, die in einen anderen Staat zuwandern oder aus diesem abwandern werden mit
verschiedenen Begriffen beschrieben. Diese werden aufgrund der wachsenden
Heterogenität von Migranten immer vielfältiger und komplizierter. Im folgenden wird versucht,
den jeweils adäquaten Begriff zu verwenden.
Die verschiedenen Zuwanderungsgruppen in Deutschland bilden ethnische Minderheiten
innerhalb der Aufnahmegesellschaft. Diese Aufnahmegesellschaft steht heute erstmals vor
der Situation, dass einerseits immer mehr Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft
besitzen, ohne deutschstämmig zu sein. Andererseits gibt es Menschen, die aufgrund ihrer
Deutschstämmigkeit die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, ohne wirklich die Sprache zu
beherrschen. Wenn von deutscher Mehrheitsgesellschaft die Rede ist, so muß also dieser
Umstand mitbedacht werden.
Begriff ethnische Minderheiten
Der Begriff der ethnischen Minderheiten meint im engeren, rechtlichen Sinne
alteingesessene Bevölkerungsgruppen, wie z.B. die Dänen, Sorben und Friesen, die
aufgrund historischer Entwicklungen die deutsche Staatsbürgerschaft haben, jedoch ihre
eigenen kulturellen Merkmale besitzen und ihre Tradition bewahren. Er wird in der
sozialwissenschaftlichen Praxis aber immer mehr durch einen erweiterten Begriff ersetzt, der
auch alle Migrantengruppen umfaßt, die ebenfalls ihre eigenen kulturellen Merkmale
besitzen, aber erst in der jüngeren Geschichte zugewandert sind und zum größten Teil nicht
die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Da es in dieser Arbeit um die zweite Gruppe von
Minderheiten gehen soll, wird der Begriff der ethnischen Minderheiten im folgenden in dieser
erweiterten Bedeutung verwendet. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Begriff ethnische Minderheiten

Die Entwicklung der Ausländer- und Integrationspolitik in der BRD

Deutschland: ein Einwanderungsland?

A. Erörterung eines Kultur- und Integrationsverständnisses

1. Zum Begriff Integration

1.1 Definition

1.2 Erwartungen und Mißverständnisse

2. Die Adressaten von Integration

2.1 Die Zuwanderer

2.1.1 Zuwanderung in Zahlen

2.1.2 Die Art und Herkunft der Zuwanderergruppen

a) Arbeitsmigranten

b) Aussiedler, Spätaussiedler und Übersiedler

c) Flüchtlinge, Asylbewerber und jüdische Emigranten

d) Drittstaatsangehörige, Familiennachzug

e) Ausländische Studierende

f) Illegale

2.1.3 Welche Gruppen sollen integriert werden?

Politische Bestimmungen

Problem Asylverfahren und Duldung

Wer kann verpflichtet werden?

Integrationsbereitschaft

2.1.4 Welchen rechtlichen und gesellschaftlichen Status haben sie?

2.2 Die Mehrheitsgesellschaft

Das Integrationsverständnis

3. Zum Begriff Kultur

3.1 Definition

3.2 Verschiedene Kulturen in Deutschland

3.3 Deutsche Leitkultur?

Das Kulturverständnis

4. Lebendiges Zusammenleben

4.1 Verschiedene Konzepte einer modernen Gesellschaft

B. Handeln und Umsetzen

5. Integrationsbereiche

5.1 Schulische und vorschulische Integration

5.1.1 Interkultureller Ansatz

5.1.2 Die Bedeutung von Sprache

5.2 Berufliche Integration

5.3 Gesellschaftlich- kulturelle Integration

5.4 Politisch- demokratische Integration

6. Die Ressourcen von Zuwanderern

7. Wahrnehmung von Zuwanderung in Deutschland

7.1 Akzeptanz

7.2 Differenz

7.3 Konfliktbereiche

a) Diskriminierung, Fremdenangst, Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus

b) Ghettoisierung, Isolierung

c) Religion, Fundamentalismus, Islamismus

d) Kriminalität

e) Konkurrenz

7.4 Beeinflussung durch die Medien

C. Beitrag der Sozialen Arbeit: Interkulturelle Öffnung

8. Neuorientierung in der Migrationsarbeit

8.1 Folgen für die Soziale Arbeit

9. Die Interkulturelle Öffnung der Sozialen Arbeit

9.1 „Empfehlungen zur interkulturellen Öffnung sozialer Dienste“ nach Hinz- Rommel

9.2 Anforderungen an Konzeption, Organisation und Träger

9.3 Anforderungen an die Mitarbeiter

9.4 Anforderungen an die Einrichtungen der Aus- und Fortbildung

9.5 Schwierigkeiten bei der Umsetzung

9.6 Aktueller Stand

D. Untersuchung der Praxis: Dienste, Einrichtungen und Projekte

Ziel und Methode

10. Überregionale und bundesweite Beispiele

10.1 Zuwanderungsgesetz

10.2 Integrationswettbewerb

10.3 Stuttgarter „Bündnis für Integration“

11. Das Beispiel Freiburg

11.1 Stadtverwaltung: Interkulturelles Büro

11.2 Gemeinderat/ Ausländerbeirat

11.3 Wohlfahrtsverbände: Beispiel Caritas

11.4 ausLÄNDERinitiative Freiburg e.V.

11.5 Die Eingliederungslotsin

11.6 Ausbildungseinrichtungen: KFH, EFH, PH

12. Diskussion der Ergebnisse

E. Resümee

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das aktuelle Verständnis von Integration und Kultur in der deutschen Migrationspolitik sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die Soziale Arbeit. Das zentrale Ziel ist es, die Notwendigkeit der „interkulturellen Öffnung“ als Neuorientierung in der Migrationsarbeit zu begründen, um ein gleichberechtigtes Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft zu ermöglichen.

  • Die Entwicklung der deutschen Ausländer- und Integrationspolitik
  • Konzepte und Begriffsdefinitionen von Integration und Kultur
  • Anforderungen an soziale Dienste bei der interkulturellen Öffnung
  • Praxisanalyse anhand von überregionalen und lokalen Freiburger Beispielen

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung von Sprache

Die Sprache ist ein wichtiges Kulturgut. Sie ist ein Mittel, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Sprache ist als Kommunikationsmittel für „alle sozialen Prozesse unabdingbar“ (zitiert bei Boumans/ Ünal, 1997, 106).

Die Bedeutung von Sprache als eines der wichtigsten Integrationsinstrumente in allen Lebensbereichen, ist inzwischen außer Frage gestellt worden. Sprache ermöglicht die Herstellung einer gemeinsamen Verständigungsgrundlage.

Häufig sind mangelnde oder sogar gänzlich fehlende deutsche Sprachkenntnisse von Kindern und Jugendlichen ausländischer Herkunft schuld an Problemen in den Schulen, an schlechten oder fehlenden Schulabschlüssen (vgl. Zuwanderungskommission, 2001, 211) und führen so zu einer erheblichen Verschlechterung der Chancen auf dem Ausbildungs und Arbeitsmarkt. Dabei haben sich in den letzten Jahren die schulischen und beruflichen Probleme von Ausländer und Spätaussiedlern angeglichen. Diese Bildungsdefizite werden in erheblichem Maße auf die mangelnden Deutschkenntnisse zurückgeführt (vgl. Zuwanderungskommission, 2001, 224).

Kenntnisse der deutschen Sprache stellen also eine entscheidende Vorraussetzung für die Integration dar. Dies gilt sowohl für die Integration in Schule, Ausbildung und Beruf für die Kinder und Jugendlichen, als auch für Erwachsene, Kranke und Ältere, die durch Sprachkenntnisse entweder bessere Chancen in der Berufswelt haben oder sich aber im täglichen Leben, mit Nachbarn, Behörden oder im Krankenhaus besser verständigen können (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Ausländer, 1997, 10).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zum Begriff Integration: Analysiert theoretische Definitionen und das aktuelle, wechselseitige Verständnis von Integration als gesellschaftlichen Prozess.

2. Die Adressaten von Integration: Differenziert die verschiedenen Zuwanderergruppen und deren rechtliche sowie gesellschaftliche Ausgangslage.

3. Zum Begriff Kultur: Untersucht das Kulturverständnis im Kontext von Zuwanderung und hinterfragt die Vorstellung einer statischen „deutschen Leitkultur“.

4. Lebendiges Zusammenleben: Diskutiert moderne Gesellschaftskonzepte wie die multikulturelle Gesellschaft und die Bedeutung verbindender Grundwerte.

5. Integrationsbereiche: Beschreibt zentrale Handlungsfelder wie Schule, Beruf und gesellschaftlich-kulturelle Teilhabe.

6. Die Ressourcen von Zuwanderern: Hebt die Kompetenzen von Zuwanderern hervor, die im Integrationsprozess oft zu wenig beachtet werden.

7. Wahrnehmung von Zuwanderung in Deutschland: Beleuchtet Einstellungen in der Mehrheitsgesellschaft, Konfliktfelder wie Kriminalität oder Ghettoisierung sowie die Rolle der Medien.

8. Neuorientierung in der Migrationsarbeit: Plädiert für eine Neuorientierung in der Sozialen Arbeit, um Regeldienste für Migranten zu öffnen.

9. Die interkulturelle Öffnung der Sozialen Arbeit: Detaillierte Darstellung von Anforderungen an Träger, Organisation und Personal für eine erfolgreiche interkulturelle Öffnung.

10. Überregionale und bundesweite Beispiele: Präsentiert politische Ansätze wie das Zuwanderungsgesetz und Integrationswettbewerbe.

11. Das Beispiel Freiburg: Konkrete Fallstudien zu städtischen und privaten Initiativen in Freiburg sowie deren Umsetzung der interkulturellen Öffnung.

12. Diskussion der Ergebnisse: Kritische Reflexion der Untersuchungsergebnisse und Fazit zur praktischen Umsetzung in Freiburg.

Schlüsselwörter

Interkulturelle Öffnung, Soziale Arbeit, Migration, Integration, Zuwanderung, kulturelle Vielfalt, Chancengleichheit, Migrationsarbeit, Partizipation, Sprachförderung, interkulturelle Kompetenz, Mehrheitsgesellschaft, Minderheiten, Sozialberatung, politische Teilhabe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit befasst sich mit der Notwendigkeit, Soziale Arbeit für Migranten zu öffnen, damit diese nicht länger als getrennte Zielgruppe, sondern als gleichberechtigte Klienten in bestehende Regeldienste integriert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf Integrationskonzepten, dem Verständnis von Kultur, den Anforderungen an soziale Einrichtungen bei der interkulturellen Öffnung und der praktischen Umsetzung dieses Prozesses.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine konsequente Neuorientierung in der Migrationsarbeit und die interkulturelle Öffnung sozialer Dienste Chancengleichheit und ein friedliches Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft erreicht werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur und einer empirischen Untersuchung in der Praxis (Freiburg), bei der unstandardisierte Experteninterviews mit Vertretern verschiedener Institutionen geführt wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen (Integration und Kultur) als auch die praktische Umsetzung der interkulturellen Öffnung in sozialen Diensten, inklusive der damit verbundenen Schwierigkeiten und Anforderungen an das Fachpersonal, analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind interkulturelle Öffnung, Soziale Arbeit, Integration, Zuwanderung, Chancengleichheit und kulturelle Vielfalt.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Ausländerbeirats in Freiburg?

Die Autorin stellt fest, dass der Ausländerbeirat zwar politisch legitimiert ist, aber aufgrund sinkender Wahlbeteiligung und neuer Rahmenbedingungen durch das EU-Kommunalwahlrecht unter Legitimationsdruck steht, wobei er dennoch als unverzichtbare Stimme für nicht-wahlberechtigte Migranten gesehen wird.

Welche Rolle spielen die Medien bei der Integration?

Medien haben eine große Verantwortung bei der Meinungsbildung. Die Autorin zeigt auf, dass oft negativ und "über" statt "mit" Migranten berichtet wird, fordert jedoch eine stärkere interkulturelle Medienarbeit, um Vorurteile abzubauen.

Excerpt out of 120 pages  - scroll top

Details

Title
Die interkulturelle Öffnung der Sozialen Arbeit
College
Catholic University of Applied Sciences Freiburg  (Sozialpädagogik)
Grade
1,4
Author
Katrien Nouwens (Author)
Publication Year
2002
Pages
120
Catalog Number
V21890
ISBN (eBook)
9783638253918
Language
German
Tags
Sozialen Arbeit Thema Soziale Arbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrien Nouwens (Author), 2002, Die interkulturelle Öffnung der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21890
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