Transparenz und Information durch eine international einheitliche
Rechnungslegungssprache und damit eine größtmögliche Vergleichbarkeit aller
Unternehmen ist das Ziel der internationalen Rechnungslegung.
Bei der Erstellung von Bilanzen finden in Deutschland immer mehr die sog. International
Accounting Standards (IAS) Beachtung.
Die vorliegende Hausarbeit befaßt sich mit den Gründen für die Umstellung der
Rechnungslegung von HGB auf IAS.
Ein direkter Vergleich der einzelnen handelsrechtlichen Vorschriften des
Handelsgesetzbuches (HGB) mit den Bilanzierungsvorschriften nach IAS und ein Befund,
welches das „bessere“ Rechnungslegungssystem ist, wird aber ausdrücklich nicht
angestrebt. Vielmehr werde ich der Frage nachgehen, warum sich deutsche Unternehmen
verstärkt für einen Jahresabschluß nach den Richtlinien des IASC entscheiden. „Unter Harmonisierung ist ein Vorgang zu verstehen, bei dem die Anzahl der Unterschiede
in den unterschiedlichen Rechnungslegungspraktiken zwischen den
Rechnungslegungssystemen zweier (oder mehrerer) Länder durch wechselseitige Aufgabe
bzw. Übernahme von Rechnungslegungspraktiken reduziert wird und so eine Konzentration
auf eine reduzierte Anzahl übereinstimmender, gemeinsamer internationaler
Rechnungslegungspraktiken erfolgt.“1
Diese Definition zeigt bereits, daß es nicht darum geht, aus den bestehenden
Rechnungslegungssystemen das beste herauszusuchen und alle anderen Systeme hierauf
einzuschwören, sondern es soll durch eine Unterschiedsreduzierung eine Vergleichbarkeit
und Standardisierung erfolgen. [...]
1 Bernhard Pellens; Internationale Rechnungslegung; Schäfer-Poeschel Verlag Stuttgart 1998; S. 338 (im
folgenden zitiert als: Pellens)
Inhaltsübersicht
1. Einleitung und Themeneingrenzung
2. Internationale Harmonisierung der Rechnungslegung
3. International Accounting Standards
4. Gründen für die Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IAS.
4.1. Öffnung für internationale Kapitalmärkte
4.2. Orientierung an den Bedürfnissen der shareholder
4.3. Vereinheitlichung des internen Konzernreportings
4.4. Vergleichbarkeit mit Wettbewerbern
4.5. Vorteile für Investoren und Finanzanalysten
4.6. IAS im Verhältnis Mutter-/Tochterunternehmen
4.7. Andere Gründe
5. Umstellungserfordernisse und –möglichkeiten
6. Mögliche Bedenken gegen eine Harmonisierung der Rechnungslegung
7. Fazit und abschließende Bemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Beweggründe deutscher Unternehmen für den Wechsel von einer Rechnungslegung nach HGB zu den International Accounting Standards (IAS), ohne dabei eine normative Bewertung der Systeme vorzunehmen. Im Zentrum steht die Frage, welche strategischen und ökonomischen Faktoren diesen Wandel vorantreiben.
- Internationale Kapitalmarktöffnung und Finanzierung
- Erwartungen internationaler Shareholder
- Optimierung des internen Konzernreportings
- Wettbewerbsfähigkeit im globalen Marktumfeld
- Vorteile für Investoren durch verbesserte Transparenz
Auszug aus dem Buch
4.1. Öffnung für internationale Kapitalmärkte
Die Beweggründe für eine Rechnungslegung nach IAS sind verschieden, doch steht der Wunsch deutscher Unternehmen, sich internationale Kapitalmärkte zur Aufnahme von Kapital zu erschließen, im Vordergrund.
Global tätige Unternehmen, die weltweit Niederlassungen und Tochtergesellschaften unterhalten, müssen zur Deckung ihres Eigen- und Fremdkapitalbedarfs die Kapitalmärkte über ihr Sitzland hinaus in Anspruch nehmen. Wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren der internationalen Kapitalmärkte ist dabei die Transparenz und Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse und damit das Bestehen einheitlicher bzw. vergleichbarer Rechnungslegungs- und Publizitätsvorschriften. Für diese Unternehmen ergeben sich mit der Börsenzulassung neben den Finanzierungseffekten auch noch gewisse Imageeffekte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Themeneingrenzung: Definition der Zielsetzung der Arbeit sowie Erläuterung des Fokus auf die Umstellungsgründe von HGB auf IAS.
2. Internationale Harmonisierung der Rechnungslegung: Theoretische Herleitung des Harmonisierungsbegriffs als Prozess der Unterschiedsreduzierung zwischen nationalen Systemen.
3. International Accounting Standards: Darstellung der Entstehung des IASC und der Rolle der IAS als internationale Rechnungslegungsnormen.
4. Gründen für die Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IAS.: Analyse der verschiedenen Beweggründe, darunter Kapitalmarktzugang, Shareholder-Value und Konzernreporting.
5. Umstellungserfordernisse und –möglichkeiten: Erörterung der praktischen Umsetzung, inklusive Dualabschluss und personeller sowie technischer Anpassungsprozesse.
6. Mögliche Bedenken gegen eine Harmonisierung der Rechnungslegung: Kritische Würdigung der Risiken, wie etwa die Vernachlässigung nationaler Besonderheiten oder unerwünschte Verhaltensanreize.
7. Fazit und abschließende Bemerkungen: Zusammenfassende Einschätzung der künftigen Dominanz der IAS und der Bedeutung des HGB für mittelständische Strukturen.
Schlüsselwörter
Rechnungslegung, HGB, IAS, International Accounting Standards, Harmonisierung, Kapitalmarkt, Shareholder-Value, Konzernabschluss, Transparenz, Vergleichbarkeit, Bilanzierung, Publizität, Investoren, Finanzanalysten, Standardisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Gründe, warum deutsche Unternehmen ihre Rechnungslegung zunehmend von den traditionellen HGB-Vorschriften auf die internationalen IAS-Standards umstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der internationalen Harmonisierung, den Kapitalmarktanforderungen, der Rechnungslegungspraxis und den kritischen Aspekten einer globalen Standardisierung.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für diesen Wandel zu identifizieren, ohne dabei ein Urteil darüber zu fällen, welches Rechnungslegungssystem qualitativ überlegen ist.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Es handelt sich um eine systematische Analyse der Beweggründe auf Basis der Fachliteratur und der Darstellung von Harmonisierungskonzepten.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der IAS, die Analyse der Umstellungsgründe, die Diskussion der praktischen Erfordernisse sowie eine kritische Auseinandersetzung mit potenziellen Bedenken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Begriffe wie Rechnungslegung, IAS, Harmonisierung, Kapitalmarkt, Transparenz und Vergleichbarkeit definieren den Kern der Arbeit.
Warum ist die Sprache des IASC ein kritisches Thema?
Da es keine durch das IASC anerkannte offizielle deutsche Übersetzung der IAS gibt, müssen Unternehmen in der Praxis zwingend mit den englischen Originaltexten arbeiten, was Schulungsaufwand bedeutet.
Welche Relevanz hat das HGB nach Ansicht des Autors für die Zukunft?
Der Autor schätzt ein, dass das HGB insbesondere für mittelständische Unternehmen, die nicht am internationalen Kapitalmarkt agieren, weiterhin ein geeignetes und wichtiges Regelungswerk bleibt.
- Quote paper
- Frank Hauß (Author), 2003, Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IAS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21963