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Antworten anthroposophischer Heilpädagogik auf ethische Fragestellungen im Kontext medizinischen und gesellschaftlichen Handelns aus utilitaristischer Sichtweise

Title: Antworten anthroposophischer Heilpädagogik auf ethische Fragestellungen im Kontext medizinischen und gesellschaftlichen Handelns aus utilitaristischer Sichtweise

Examination Thesis , 2003 , 89 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Carsten Meyer (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

Die hinter der Diskussion des Imports embryonaler Stammzellen stehende wissenschaftliche Meinung, menschliches Leben verbessern zu können und Krankheiten und Behinderung grundsätzlich vermeidbar zu machen, stellt eine Möglichkeit dar, die erst bei näherer Befragung ihre ethischen Konsequenzen zeigt. Jedoch offenbart schon das rapide Wachstum der Biotechnologiebranche und der wachsende ökonomische Einfluss deutlich, dass nicht allein Heilung und medizinisches Handeln auf Grundlage des hippokratischen Eides die Triebfeder biotechnologischen Fortschritts darstellen können. Im transportierten biologisch-pragmatischen Menschenbild zeigt sich eine neue Qualität zwischenmenschlicher Beziehung, welches schon darin ihren Ausdruck findet, dass die biotechnologische Forschung horrende staatlich ökonomische Zuwendung erfährt, während die sozialen Sicherungssysteme, zu Lasten der Menschenwürde, einer rigiden Sparpolitik unterworfen werden. Utilitaristisch-ökonomische Argumente hinsichtlich der gesellschaftlichen Verwertbarkeit von Menschen die eine, unterschiedlich definierte, Norm nicht erfüllen, erschweren vor dem Hintergrund der globalen sozioökonomischen Krise eine kritische Haltung und eine klare Aussage gegenüber jeder Form menschlichen Lebens zusätzlich. Die deutliche Herausforderung liegt daher darin, klare ethische Grundlinien aufzeigen, die über tägliches moralisches Handeln hinausgehen und eine stabile längerfristige Basis für Handeln aufzeigen. Der Sonder- und Heilpädagogik kommt daher eine besondere Aufgabe zu sich mit ethischen Themen auseinander zu setzen, die grundlegend für die tägliche Arbeit sind und aufgrund dessen besonders reflektiert werden sollten. Die vorliegende Arbeit soll ihren kleinen Teil zu dieser Aufgabe beitragen, in dem sie weitere anthropologische Antworten aus einer anderen, nämlich der anthroposophischen Perspektive, auf ethische Fragestellungen aufzeigt. Eine solche Perspektive vermag in einem Menschenbild, welches nicht nur den biologischen, sondern auch den biographischen Anteil menschlicher Existenz konsequent betrachtet, den Menschen nicht nur rational als biologisches Verstandwesen zu erfassen, sondern als Einheit aus biologischer Körperlichkeit und geistig-seelischem Ich-Wesen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Methodische Vorgehensweise – Hermeneutik

4. Begriffsfindung

5. Gesellschaftliche Überlegungen und der Begriff der Wissenschaft

5.1 Prägende Aspekte des Denkens im angehenden 21.Jahrhundert: Individualisierung, Flexibilität und Utilitarismus

5.2 Zum Begriff der Geisteswissenschaft aus anthroposophischer Sichtweise

6. Anthroposophisches Menschenbild als Grundlage pädagogischen Handelns

6.1 Der Mensch aus Sicht der Anthroposophie

6.2 Viergliederung des menschlichen Organismus

6.3 Menschliche Entwicklung in Jahrsiebten

6.4 Die Idee der Reinkarnation in der anthroposophischen Erkenntnistheorie

6.5 Zum Zusammenhang von Reinkarnation und Karma

6.6 Die zwölf Sinne

6.7 Begabung und Behinderung aus Sicht der Anthroposophie

6.8 Anthroposophische Erklärungsansätze für ausgesuchte Behinderungsformen

7. Basis für ethische Begründungen im Kontext aktueller Diskussionen der Biogenetik und Implikation rechtlicher Rahmenbedingungen:

7.1 Pränataldiagnostik

7.2 Präimplantationsdiagnostik

7.3 Leidargumentation und gesellschaftlicher Einfluss

7.4 Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch: Der Paragraph 218 und die medizinische Indikation als Möglichkeit selektiven Aborts.

7.5 Zum Zusammenhang aktueller medizinischer Haltung und Eugenik:

7.6 Exkurs: Zum Person-Begriff der Bioethik: Peter Singer

7.7 Zur Problematik des Person-Begriffs

8. Begründung einer Ethik aus anthroposophischem Menschenbild

9. Schnittstellen zu einer Ethik aus sonderpädagogischer Sicht. Ein kritisches Resumée

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die ethischen Herausforderungen, die sich aus der modernen Biotechnologie und einem utilitaristisch geprägten Menschenbild ergeben, und setzt ihnen die anthroposophische Heilpädagogik als ganzheitliche Alternative gegenüber.

  • Analyse des anthropologischen Menschenbildes im Vergleich zu naturwissenschaftlich-pragmatischen Ansätzen.
  • Kritische Auseinandersetzung mit utilitaristischen Bioethik-Konzepten und der damit verbundenen Eugenik-Gefahr.
  • Darstellung der anthroposophischen Heilpädagogik mit Fokus auf Reinkarnation, Karma und die Sinneslehre.
  • Untersuchung von Behinderung als biographische Aufgabe und spiritueller Entwicklungsschritt.
  • Diskussion aktueller biogenetischer Entwicklungen und rechtlicher Rahmenbedingungen wie §218 StGB.

Auszug aus dem Buch

6.2 Viergliederung des menschlichen Organismus

Die Anthroposophie sieht den menschlichen Organismus als Wesenseinheit von vier Leibern oder vier Gliedern (vgl. z.B. STEINER, 1992, S.10ff.): Dem physischen Leib, dem Ätherleib (auch Lebensleib), dem Astralleib (auch Empfindungsleib) und dem Ich-Leib. Diese Wesensglieder werden auch beschrieben als das Physische, Lebendige, Beseelte und Durchgeistigte (vgl. GLÖCKLER, 1999, S. 31). Diese Viergliederung stellt die Ganzheitlichkeit des Menschen heraus, eine einzelheitliche Betrachtung, wie sie beispielsweise bei reiner Beschäftigung mit dem Körper, dem physischen Leib eines Menschen vorgenommen wird, kann aus anthroposophischem Menschenbild nie helfen, den Menschen in seiner Ganzheit zu erfassen.

„Will man sich der Wirklichkeit nähern, insbesondere der Wirklichkeit der Menschennatur, dann muß man sich klar sein, daß alle Gliederung vorgenommen wird in einem Einheitlichen; würde man nur auf das abstrakt Einheitliche gehen, so würde man überhaupt nichts kennenlernen.“ (STEINER, 1998, S.123)

Rudolf Steiner bringt die vier Leiber und die damit in Zusammenhang stehenden Qualitäten in Verbindung mit den vier Aggregatzuständen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation, sich mit der anthroposophischen Heilpädagogik auseinanderzusetzen, ausgehend von einer kritischen Distanz hin zu einer positiven Einschätzung des ganzheitlichen Menschenbildes.

2. Einleitung: Die Diskussion um Stammzellenforschung und biogenetische Forschung wird als Anlass genommen, um den Einfluss utilitaristisch-ökonomischer Argumente auf das Verständnis von Behinderung und menschlicher Würde zu hinterfragen.

3. Methodische Vorgehensweise – Hermeneutik: Der Text beschreibt die Wahl der hermeneutischen Methode als notwendigen Zugang, um in einem spiralförmigen Prozess ein tieferes Verständnis für anthropologische Grundannahmen zu erlangen.

4. Begriffsfindung: Hier werden die zentralen Termini wie Heilpädagogik, Anthroposophie und Utilitarismus definiert, um das Verständnis für die anschließende kritische Diskussion zu schärfen.

5. Gesellschaftliche Überlegungen und der Begriff der Wissenschaft: Es wird analysiert, wie moderne Wissenschaftlichkeit als Zivilisationshaltung Individualismus fördert, aber gleichzeitig durch technokratische Ansätze eine Geringschätzung menschlichen Lebens riskiert.

6. Anthroposophisches Menschenbild als Grundlage pädagogischen Handelns: Das Kapitel führt in das anthroposophische Konzept von Leib, Seele und Geist sowie in die Entwicklung des Menschen in Jahrsiebten ein und betont die Bedeutung individueller Entwicklung.

7. Basis für ethische Begründungen im Kontext aktueller Diskussionen der Biogenetik und Implikation rechtlicher Rahmenbedingungen: Eine Untersuchung ethischer Grenzfragen, wobei insbesondere die Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik hinsichtlich ihrer eugenischen Implikationen kritisch beleuchtet werden.

8. Begründung einer Ethik aus anthroposophischem Menschenbild: Der Autor skizziert den radikalen ethischen Individualismus Rudolf Steiners als Leitlinie, die das Gewissen des Individuums in den Mittelpunkt stellt, anstatt sich auf starre Verhaltenskodizes zu stützen.

9. Schnittstellen zu einer Ethik aus sonderpädagogischer Sicht. Ein kritisches Resumée: Das abschließende Kapitel reflektiert die Gemeinsamkeiten zwischen anthroposophischer Heilpädagogik und phänomenologischer Sonderpädagogik und plädiert für eine Ethik der Begegnung.

Schlüsselwörter

Anthroposophie, Heilpädagogik, Utilitarismus, Ethik, Menschenbild, Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Eugenik, Reinkarnation, Karma, Menschenwürde, Sonderpädagogik, Hermeneutik, Bioethik, Behinderung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch die ethischen Fragestellungen, die sich durch den medizinischen Fortschritt und ein zunehmend utilitaristisch geprägtes Gesellschaftsbild ergeben, und stellt dem anthroposophische Ansätze der Heilpädagogik gegenüber.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Bioethik, den Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik-Komplex, die Kritik an einem rein ökonomisch-utilitaristischen Menschenbild sowie die anthroposophische Menschenkunde als alternative Grundlage für heilpädagogisches Handeln.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, Antworten anthroposophischer Heilpädagogik auf die ethischen Herausforderungen moderner Medizin und Gesellschaft aufzuzeigen und eine ethische Basis zu etablieren, die die Würde behinderter Menschen unabhängig von ihrer utilitaristischen Verwertbarkeit schützt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Hermeneutik. In einem hermeneutischen Zirkel werden unterschiedliche anthropologische Ansätze und Texte analysiert und in Beziehung gesetzt, um zu einem tieferen, höherwertigen Verständnis zu gelangen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden das anthroposophische Menschenbild (Viergliederung, Reinkarnation, Karma, Sinneslehre) analysiert, ethische Probleme der modernen Gentechnik diskutiert und die Bedeutung einer werteorientierten Pädagogik herausgearbeitet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Anthroposophie, Heilpädagogik, Utilitarismus, Bioethik, Pränataldiagnostik und Menschenwürde.

Wie bewertet der Autor den Begriff der „Seelenpflegebedürftigkeit“?

Der Autor versteht den Begriff als Abkehr vom defizitorientierten Behinderungsbegriff, da er die Individualität und die Entwicklungsfähigkeit des Menschen in einer ganzheitlichen, systemischen Sichtweise betont.

Warum wird die „Präimplantationsdiagnostik“ kritisch gesehen?

Die PID wird als Form positiver Eugenik abgelehnt, da sie auf die Selektion der „fittesten“ Embryonen abzielt und die verworfenen Embryonen als biologisches Material degradiert, ohne eine therapeutische Perspektive für den betroffenen Embryo zu bieten.

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Details

Title
Antworten anthroposophischer Heilpädagogik auf ethische Fragestellungen im Kontext medizinischen und gesellschaftlichen Handelns aus utilitaristischer Sichtweise
College
University of Cologne  (Heilpädagogische Fakultät)
Grade
1,3
Author
Carsten Meyer (Author)
Publication Year
2003
Pages
89
Catalog Number
V21969
ISBN (eBook)
9783638254434
ISBN (Book)
9783638727587
Language
German
Tags
Antworten Heilpädagogik Fragestellungen Kontext Handelns Sichtweise
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carsten Meyer (Author), 2003, Antworten anthroposophischer Heilpädagogik auf ethische Fragestellungen im Kontext medizinischen und gesellschaftlichen Handelns aus utilitaristischer Sichtweise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21969
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