Als „Doppelmodalkonstruktionen“ (oder ‚double modals’) werden alle syntaktischen
Konstruktionen bezeichnet, die durch die Kombination von zwei Modalverben
entstehen. Dass Modalverben nicht beliebig kombiniert werden können,
wird deutlich, wenn man die Sätze 1. (a) und (b) vergleicht. Während Satz (a)
grammatisch ist, ist Satz (b) nicht akzeptabel, obwohl er die gleichen
Modalverben (allerdings in der umgekehrten Reihenfolge) enthält.
1. (a) Hans soll kommen dürfen.
(b) *Hans darf kommen sollen.
In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, inwieweit und wodurch die Kombination
zweier Modalverben restringiert ist. Sind es syntaktische oder semantische Faktoren,
die über die (Un-)Grammatikalität eines Satzes entscheiden?
Zur Beantwortung dieser Frage werde ich zunächst auf die syntaktischen und
semantischen Eigenschaften von einfachen Modalverben eingehen. Im zweiten
Teil der Arbeit werden dann Doppelmodalkonstruktionen in verschiedenen
Sprachen (Isländisch und Dänisch, Englisch, Deutsch) betrachtet. Ich werde verschiedene
Ansätze vorstellen und zeigen, aus welch unterschiedlichen
Perspektiven man Doppelmodalkonstruktionen betrachten und analysieren kann.
Abschließend werde ich meine Ergebnisse zusammenfassen und diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zur syntaktischen Beschreibung von Modalverben
1.2 Zur semantischen Beschreibung von Modalverben
1.2.1 Der epistemische Gebrauch von Modalverben
1.2.2 Der deontische Gebrauch von Modalverben
2 Doppelmodalkonstruktionen
2.1 Doppelmodalkonstruktionen in skandinavischen Sprachen
2.2 Doppelmodalkonstruktionen im Englischen
2.3 Doppelmodalkonstruktionen im Deutschen
3 Zusammenfassung und Diskussion
4 Literaturangaben
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Doppelmodalkonstruktionen – die Kombination zweier Modalverben innerhalb einer syntaktischen Struktur – in verschiedenen Sprachen, darunter Isländisch, Dänisch, Englisch und Deutsch. Ziel der Untersuchung ist es, die syntaktischen und semantischen Bedingungen sowie die Restriktionen zu identifizieren, die über die Grammatikalität solcher Kombinationen entscheiden, und bestehende theoretische Erklärungsansätze kritisch zu beleuchten.
- Syntaktische und semantische Eigenschaften einfacher Modalverben
- Analyse von Doppelmodalkonstruktionen im Skandinavischen, Englischen und Deutschen
- Kritische Überprüfung syntaktischer (z.B. Phrasenstrukturansatz) und lexikalischer Ansätze
- Einfluss der epistemischen vs. deontischen Lesart auf die Kombinierbarkeit
- Idiosynkratische Restriktionen und dialektale Variationen
Auszug aus dem Buch
Deontisches Modalverb in epistemischem Matrixsatz
Für die Einbettung eines deontischen Modalverbs in einen epistemischen Matrixsatz sind keine Restriktionen zu erwarten. Das subkategorisierte Subjekt erhält vom epistemischen Modalverb keine und vom deontischen Modalverb eine zusätzliche Theta-Rolle, so dass gegen die Theta-Kriterien zu keinem Zeitpunkt verstoßen wird. In der Tat sind alle Doppelmodalkonstruktionen dieser Art grammatisch und bilden den häufigsten und üblichsten Typ von Doppelmodalkonstruktionen.
21. (a) De skal ville bygge et hus.
‘They are said to want to build a house’.
(b) Hann kann ad verda ad selja húsid.
He can to must to sell house-the
‘It is possible that he will have to sell the house’.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema Doppelmodalkonstruktionen ein, definiert den Untersuchungsgegenstand und erläutert die Grundlagen der syntaktischen und semantischen Beschreibung von Modalverben.
2 Doppelmodalkonstruktionen: Der Hauptteil analysiert die Kombinationsmöglichkeiten von Modalverben in verschiedenen Sprachen (Skandinavisch, Englisch, Deutsch) und diskutiert diverse theoretische Ansätze sowie semantische und syntaktische Restriktionen.
3 Zusammenfassung und Diskussion: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung reflektiert, die Grenzen der diskutierten Ansätze aufgezeigt und auf den Forschungsbedarf hinsichtlich der Einzelfaktoren der Kombinierbarkeit hingewiesen.
4 Literaturangaben: Dieses Kapitel listet sämtliche in der Arbeit verwendete Primär- und Sekundärliteratur sowie genutzte Online-Quellen auf.
Schlüsselwörter
Doppelmodalkonstruktionen, Modalverben, Syntax, Semantik, Epistemische Modalität, Deontische Modalität, Anhebungsverben, Theta-Rollen, Sprachvergleich, Linguistik, Syntaktische Restriktionen, Lexikalischer Eintrag, Dialektologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Doppelmodalkonstruktionen, also syntaktischen Verbindungen von zwei Modalverben, und untersucht, warum manche Kombinationen grammatisch korrekt sind, während andere abgelehnt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die syntaktischen und semantischen Bedingungen, die Kombinationen von Modalverben einschränken, sowie der Vergleich dieser Phänomene im Isländischen, Dänischen, Englischen und Deutschen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die syntaktischen und semantischen Faktoren zu identifizieren, die die Grammatikalität von Doppelmodalkonstruktionen bestimmen, und bestehende Theorien anhand sprachübergreifender Daten zu überprüfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse bestehender theoretischer Ansätze (wie Phrasenstruktur- oder Subkategorisierungsansätze) und vergleicht diese mit sprachspezifischen Daten sowie muttersprachlicher Intuition zur Beurteilung der Akzeptabilität.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von Doppelmodalkonstruktionen in skandinavischen Sprachen, im Englischen und im Deutschen unter Anwendung semantischer und syntaktischer Kriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Doppelmodalkonstruktionen, Modalverben, Syntax, Semantik, epistemische und deontische Lesart, Anhebungsverben sowie Theta-Rollen.
Warum nehmen einige Modalverben wie „kunne“ im Dänischen eine Sonderrolle ein?
Das Modalverb „kunne“ wird als Ausnahme betrachtet, da es Kombinationen ermöglicht, die eigentlich durch die geltenden syntaktischen oder semantischen Regeln für andere Modalverben ausgeschlossen wären, ohne dass dies bislang theoretisch befriedigend erklärt werden kann.
Welchen Einfluss hat die „epistemische“ gegenüber der „deontischen“ Verwendung auf die Kombination?
Die semantische Lesart beeinflusst den Skopus eines Modalverbs über den Satz; so ist die Kombination eines deontischen Modalverbs in einem epistemischen Matrixsatz grammatisch, während die umgekehrte Kombination semantisch unplausibel und syntaktisch restringiert ist.
- Citar trabajo
- Judith Heide (Autor), 2003, Doppelmodalkonstruktionen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22819