Die zunehmenden grenzenübergreifenden Aktivitäten von deutschen Unternehmen im Ausland und der Globalisierung der Kapitalmärkte scheint eine Harmonisierung der Rechnungslegung über die Grenzen der EU hinaus zu erfordern.
In vielen Länder ist die Verpflichtung zur Erstellung und Veröffentlichung von Unternehmensberichten fester Bestandteil der Aufgaben eines Unternehmens.
Diese Unterscheidung der nationalen und internationalen Rechnungslegungssysteme führt dazu, dass die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse nicht mehr gegeben ist und daraus resultierend eine mögliche Kapitalbeschaffung auf ausländischen Kapitalmärkten häufig nicht genügten. Konzernabschlüssen, die auf handelsrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften beruhen waren nicht hinreichend abgesichert, um den Zugang zu ausländischen Börsen zu erlangen.
Dies wurde besonders deutlich mit dem Gang der Daimler Benz AG an die NYSE 1993. Da die deutsche handelsrechtliche Bilanzierung nicht den Vorstellungen der US-amerikanischen Börsenaufsicht von einer kapitalmarktorientierten Rechnungslegung entsprach war die Daimler Benz AG gezwungen Zusätzlich zum deutschen Konzernabschluss eine Überleitungsrechnung auf US-amerikanische Rechnungslegungsregeln zu erstellen und wurde somit als erstes deutsches Unternehmen im Oktober 1993 an der NYSE gelistet.
Das Bundesjustizministerium hat auf die aktuellen Entwicklungen mit dem Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz reagier, welches börsennotierten Mutterunternehmen erlaubt Konzernabschlüsse nach ausländischen Bilanzierungsregeln aufzustellen, §292 a HGB.
Der Neue Markt in Deutschland verlangt einen Jahresabschluss nach internationalen Normen.
Inhaltsverzeichnis
1. Bedeutung der Internationalen Rechnungslegung
2. Systeme internationaler Rechnungslegung
3. Pensionsrückstellungen
4. Rechnungslegung für Pensionsverpflichtungen im HGB
4.1 Bildung von Rückstellungen
4.2 Bilanzansatz von Pensionsrückstellungen
4.3 Bewertung von Pensionsverpflichtung
4.3.1 Verfahren
4.3.2 Rechnungsgrundlagen
4.4 Ausweis von Pensionsrückstellungen
5. Rechnungslegung für Pensionsverpflichtungen im US-GAAP
5.1 Bildung von Rückstellungen
5.2 Bilanzansatz von Pensionsrückstellungen
5.3 Bewertung von Pensionsverpflichtung
5.3.1 Verfahren
5.3.2 Wertmaßstäbe
5.3.3 Rechnungsgrundlagen
5.4 Ausweis von Pensionsrückstellungen
6. Kritische Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Bilanzierung von Pensionsrückstellungen nach den deutschen handelsrechtlichen Vorschriften (HGB) und den US-amerikanischen Rechnungslegungsstandards (US-GAAP), um die unterschiedlichen Konzeptionen und Auswirkungen auf den Jahresabschluss aufzuzeigen.
- Grundlagen der internationalen Rechnungslegung
- Systemvergleich: Gläubigerschutz (HGB) vs. Anteilseignerschutz (US-GAAP)
- Methoden der Bildung, Bewertung und des Ausweises von Pensionsverpflichtungen
- Kritische Analyse der jeweiligen Vor- und Nachteile sowie der Anwendbarkeit
Auszug aus dem Buch
3.Pensionsrückstellungen
Die Pensionsrückstellungen, bedingt durch große Unterschiede zwischen den verschiedenen Systemen ist das komplexeste Thema im Rahmen des Übergangs auf internationale Rechnungslegungsstandards. Für das leichtere Verständnis der Bilanzierungsmethoden von Pensionsrückstellungen muss erst dargestellt werden welchen Stellenwert die Pensionsrückstellungen in den einzelnen Systemen haben.
Die Rückstellungen und die Verbindlichkeiten stellen zusammen das Fremdkapital dar, (die Schulden) eines Unternehmens. Des weiteren ist herauszustellen wie die Unterschiede zwischen dem Schuldbegriff nach HGB und US- GAAP sind.
Nach HGB liegt dann eine Schuld vor, wenn eine Verpflichtung gegenüber dritten besteht und des weiteren, das diese Verpflichtung eine quantifizierbare wirtschaftliche Belastung darstellt. In dem Fall der Pensionsverpflichtungen, die eine Innenverpflichtung darstellt, wird durch die Versorgungszusage eine Drittverpflichtung begründet und als Rückstellung bilanziert. Im deutschen Handelsrecht werden Rückstellung gebildet, wenn Ungewissheit über Be.- bzw. Entstehen und /oder Höhe der Verpflichtung besteht und der Aufwand der zugehörigen Periode zuzurechnen ist.
Der Schuldbergriff nach US-GAAP wird wie folgt definiert. Schulden sind alle zukünftig zu erwartenden Belastungen, die aus wirtschaftlichen Verpflichtungen entstehen. Im US-amerikanischen Jahresabschluss werden Rückstellungen nicht einzeln ausgewiesen, sondern mit den Verbindlichkeiten zu dem „liability“ zusammengefasst, die eine Verpflichtung gegenüber dritten darstellt. Genau bedeutet dies, dass die „liability“ Verbindlichkeiten Umfasst, die dem Grunde und der Höhe nach sicher sind, sowie auch Verpflichtungen, die hinsichtlich des Bestehens und/ oder der Höhe unsicher sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bedeutung der Internationalen Rechnungslegung: Es wird die zunehmende Notwendigkeit einer Harmonisierung der Rechnungslegung aufgrund der Globalisierung und der Kapitalmarktbedürfnisse deutscher Unternehmen erläutert.
2. Systeme internationaler Rechnungslegung: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Ansätze der Rechnungslegungssysteme und ihre jeweilige philosophische Ausrichtung.
3. Pensionsrückstellungen: Hier werden die begrifflichen Grundlagen sowie die fundamentalen Unterschiede im Schuldbegriff zwischen HGB und US-GAAP erörtert.
4. Rechnungslegung für Pensionsverpflichtungen im HGB: Dieses Kapitel detailliert die spezifische deutsche Vorgehensweise bei der Bildung, Bewertung und Bilanzierung von Pensionsrückstellungen unter Anwendung nationaler Gesetze.
5. Rechnungslegung für Pensionsverpflichtungen im US-GAAP: Es erfolgt eine Analyse der US-amerikanischen Standards, insbesondere der Bilanzierung von Leistungs- und Beitragsplänen sowie der Barwertberechnungen.
6. Kritische Zusammenfassung: Abschließend werden die Erkenntnisse reflektiert und die Schwächen beider Regelwerke hinsichtlich ihrer Aussagekraft für den Adressaten des Jahresabschlusses bewertet.
Schlüsselwörter
Pensionsrückstellungen, HGB, US-GAAP, Rechnungslegung, Bilanzierung, Pensionsverpflichtungen, Anwartschaftsdeckungsverfahren, Teilwertverfahren, Bewertungsmethoden, Internationalisierung, Kapitalmarktorientierung, Fremdkapital, Vorsichtsprinzip, Fair Presentation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede in der bilanziellen Behandlung von Pensionsrückstellungen nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) und den US-amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften (US-GAAP).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Definition von Schulden, die Bewertungsmethoden von Anwartschaften sowie die unterschiedlichen Bilanzierungskulturen (Gläubigerschutz versus Informationsfunktion für Investoren).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die komplexen Anforderungen und methodischen Diskrepanzen zwischen den beiden Systemen transparent zu machen und ihre Auswirkungen auf die Unternehmensberichterstattung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf den Standardwerken der Bilanzierung sowie den relevanten Gesetzestexten und Bilanzierungsrichtlinien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Bilanzierungspraktiken im HGB und US-GAAP, inklusive der jeweiligen Bewertungsverfahren und der Offenlegungspflichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Pensionsrückstellungen, HGB, US-GAAP, Bilanzierung, Bewertung, Rechnungslegung, Anwartschaften und Kapitalmarktorientierung.
Warum ist die Bilanzierung nach US-GAAP für deutsche Unternehmen so komplex?
Aufgrund der systemischen Unterschiede, etwa bei der Zinssatzfestlegung und der Einbeziehung von Pensionsfonds, erfordert der Wechsel auf US-GAAP eine grundlegende Anpassung der Bewertungslogik.
Welche Schwachstellen identifizieren die Autoren am Ende?
Die Autoren kritisieren insbesondere die teilweise willkürliche Gestaltung von Spielräumen und die mangelnde Durchschaubarkeit komplexer Regelwerke für den externen Bilanzleser.
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- Alexander Soare (Author), Tobias Görtz (Author), 2003, Die Bilanzierung von Pensionsrückstellungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22926