In folgender Diplomarbeit werden detailliert die Themen Identität und Identitätsentwicklung, die Zielgruppe Fremdplatzierte (Jugendliche), Biografiearbeit als Methode der Sozialarbeit und Therapie und das Playback Theater nach Jonathan Fox behandelt.
Ziel dieser Arbeit ist es, eine wissenschaftliche Grundlage zu schaffen um aufzuzeigen warum, und zu belegen dass, Playback Theater sich als Methode für die Biografiearbeit mit fremdplatzierten Jugendlichen besonders eignet. Dieser Zusammenhang taucht bisher in äußerst wenigen wissenschaftlichen Arbeiten auf, obwohl es offensichtlich naheliegend ist.
Zunächst wird dargestellt, dass Jugendliche mit der Hauptaufgabe Identitätsentwicklung konfrontiert sind und welche Merkmale Fremdplatzierte kennzeichnen. Anschließend wird Identität definiert und nach einem Überblick über verschiedene Identitätstheorien zusammengeführt, was davon für die weitere Arbeit bedeutsam erscheint. Im Weiteren wird spezifiziert, weshalb die Identitätsentwicklung für fremdplatzierte Jugendliche im Vergleich zu nicht-fremdplatzierten eine außerordentliche Herausforderung darstellt.
Kapitel 4 behandelt die Biografiearbeit und liefert Argumente, weshalb die Verwendung von Narrationen und kreativen Methoden – als spezielle Methoden Playback Theater und Kreatives Schreiben – dabei besonders gewinnbringend sind, und weshalb Fremdplatzierte davon besonders profitieren können.
Kapitel 5 setzt sich fundiert mit der Methode des Playback Theater auseinander. Zunächst werden charakteristische und strukturelle Eigenschaften dieser Theaterform vorgestellt, sowie Vorschläge zu ihrer Modifikation für Fremdplatzierte innerhalb der Biografiearbeit gemacht. Anschließend werden ausführlich identitätsrelevante und heilende Erfahrungen des Playback dargestellt, die für den Biografiearbeitsprozess und die Zielgruppe förderlich sind und im speziellen in der Adolezenz als Gruppenarbeit gut ihre Wirkung entfalten können.
Zuletzt folgen einige didaktische Überlegungen zu Vorarbeit und Durchführung sowie ein Resümee und Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Jugendliche
1.1. Pubertät und Adoleszenz
1.2. Entwicklungsaufgaben
1.3. Hauptaufgabe Identitätsentwicklung
1.4. Fremdplatzierte Jugendliche
2. Identität
2.1. Begrifflichkeiten
2.2. Gesellschaftliche Bedingungen individueller Identität
2.3. Identitätstheorien
2.3.1. Identitätsentwicklung in Phasen
2.3.2. Identität durch soziale Interaktion
2.3.3. Identität als Konstruktion
2.3.4. Zusammenführung
3. Erschwerte Identitätsentwicklung von Fremdplatzierten
3.1. Konfusion
3.2. Negative Gefühle
3.3. Traumata
3.4. Reaktionen und Verhalten
4. Biografiearbeit
4.1. Narrationen in der Biografiearbeit
4.2. Ästhetik und Kreativität in der Biografiearbeit
4.3. Biografiearbeit mit Fremdplatzierten
4.3.1. Biografiearbeit während der Adoleszenz
4.3.2. Biografiearbeit als Gruppenarbeit
4.3.3. Ziele
4.3.3.1. Kohärenz finden
4.3.3.2. Verstehen und Bewältigen
4.3.3.3. Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeit
4.3.3.4. Ressourcen entdecken und nutzen
4.3.3.5. Neue Blickwinkel einnehmen
4.3.3.6. Dokumentation
4.3.3.7. Übungen
4.4. Besonders geeignete Methoden für die Biografiearbeit
5. Playback Theater
5.1. Über eine besondere Theaterform
5.1.1. Wesen
5.1.2. Abgrenzung zu anderen NST-Formen
5.1.3. Historie
5.1.4. Anwendungsfelder
5.2. Playback-Aufführungen – Ablauf und Elemente
5.2.1. Eröffnung
5.2.2. Fließende Skulpturen
5.2.3. Paare
5.2.4. Geschichten („Szenen“)
5.2.5. Bühnenausstattung
5.2.6. Leiter
5.2.7. Abänderungen für die Biografiearbeit mit Fremdplatzierten
5.3. Playback als Biografie- und Identitätsarbeit
5.3.1. Identitätsrelevante und heilende Erfahrungen durch Playback Theater
5.3.1.1. Mitteilen von persönlichen Geschichten
5.3.1.2. Kohärenz, Ressourcen, Autonomie
5.3.1.3. Wertfreiheit und Sicherheit
5.3.1.4. Veränderter Blickwinkel
5.3.1.5. Rollen spielen
5.3.1.6. Spontaneität
5.3.1.7. Gemeinschaftlichkeit
5.3.1.8. Therapeutische Atmosphäre
5.3.2. Anwendungsbeispiel: Playback im Heim
6. Didaktische Überlegungen
6.1. Planung
6.2. Anforderungen an den Biografiearbeiter
6.3. Gruppenbildende Maßnahmen und Übungen
7. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, zu belegen, dass und warum das Playback Theater als Methode für die Biografiearbeit mit fremdplatzierten Jugendlichen besonders geeignet ist, um deren erschwerte Identitätsentwicklung zu fördern und therapeutische sowie pädagogische Wirkungen zu erzielen.
- Identitätsentwicklung im Jugendalter
- Herausforderungen für fremdplatzierte Jugendliche (Heimkinder, Pflegekinder)
- Biografiearbeit als strukturierte Methode zur Identitätsstärkung
- Kreative Medien und Ästhetische Bildung in der pädagogischen Praxis
- Methodik des Playback Theaters und dessen Übertragbarkeit auf die Biografiearbeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Konfusion
Alle Fremdplatzierten sind Kinder zweier Familien. Besonders, wenn ein Kind erst später in eine neue Familie kommt und vorher bereits seelischen und sozialen Bezug hatte. Adoptiv- und Dauerpflegekinder, die ihr Leben lang bei einer Familie leben, sind meist gut in ihrer neuen Familie verwurzelt. Trotzdem kommen in der Adoleszenz Fragen nach den leiblichen Eltern auf. Oft wollen die Adoptivkinder nicht mehr als „mal ein Foto sehen“ oder „mal treffen“, selten tauchen bei diesen Jugendlichen eine tiefe Sehnsucht oder ernsthafte Zweifel auf, wer die „richtigen“ Eltern sind. Der Wunsch, überhaupt etwas über seine Herkunft zu erfahren, ist völlig unabhängig von der Qualität der Beziehung zwischen neuen Eltern und Kind (vgl. Hoffmann-Riem, 1998, S.249).
Jedoch kann die Sehnsucht nach (oder die Idealisierung) der Herkunftsfamilie bei spät- oder mehrmals neu platzierten Kindern, die sich schwer in ihre neue Familie integrieren können, größer sein. Sie leiden oft unter mehr Konfusion, denn meistens gibt es irgendwo Eltern, die sie nicht endgültig hergeben wollen und mit denen sie Kontakt haben (da dies vom Amt ausdrücklich erwünscht ist [vgl. Wiemann, 1994b, S.19]) (vgl. ebd., S.82). Der Mangel an Kontinuität (von Beziehungen, Lebensräumen, Geschichten, usw.) führt in verschiedenen Hinsichten zu Konfusion und sollte, wenn möglich, dringend vermieden werden. Jede Platzierung ist ein weiterer Bruch, durch den einem Kind Schmerz zugefügt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Jugendliche: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklungsphasen im Jugendalter, insbesondere die zentrale Aufgabe der Identitätsentwicklung und die spezifischen Herausforderungen für fremdplatzierte Jugendliche.
2. Identität: Hier werden zentrale Begrifflichkeiten geklärt, gesellschaftliche Bedingungen wie Individualisierung analysiert und verschiedene Identitätstheorien (Phasenmodelle, symbolischer Interaktionismus, Konstruktivismus) vorgestellt.
3. Erschwerte Identitätsentwicklung von Fremdplatzierten: Dieses Kapitel erläutert die spezifischen Risikofaktoren für Kinder und Jugendliche, die nicht bei ihren Herkunftsfamilien aufwachsen, und thematisiert Konfusion, negative Gefühle und Traumata.
4. Biografiearbeit: Der Fokus liegt auf der Bedeutung von Narrationen und kreativen Medien, um Identität durch die sinnhafte Verknüpfung der Lebensgeschichte zu stärken, inklusive spezifischer Ziele und Methoden.
5. Playback Theater: Hier erfolgt eine detaillierte Einführung in die Theaterform, deren theoretische Fundierung sowie die spezifische Anwendung und Abänderung für die Biografiearbeit mit fremdplatzierten Jugendlichen.
6. Didaktische Überlegungen: Dieses Kapitel widmet sich der konkreten Planung, den Anforderungen an den Biografiearbeiter sowie gruppendynamischen Maßnahmen und dem Umgang mit Widerständen in der Arbeit mit Jugendlichen.
7. Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, Playback Theater als anerkannte Methode in der Biografiearbeit für fremdplatzierte Jugendliche zu etablieren.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Playback Theater, Identitätsentwicklung, fremdplatzierte Jugendliche, Adoleszenz, Narration, Kohärenz, Gruppenarbeit, kreative Methoden, Fremdunterbringung, Identitätsstiftung, pädagogische Praxis, Bindungstheorie, Selbstwirksamkeit, psychosoziale Unterstützung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht, inwiefern das Playback Theater eine geeignete Methode der Biografiearbeit ist, um fremdplatzierte Jugendliche bei ihrer Identitätsentwicklung zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie, der Identitätsforschung, der Biografiearbeit und der Theaterpädagogik, mit einem spezifischen Fokus auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in Heimen oder Pflegefamilien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen narrativer und ästhetischer Ansätze (speziell Playback Theater) wissenschaftlich zu begründen, um Strategien gegen Identitätskonfusion und für eine gelingende Identitätskonstruktion bei der Zielgruppe anzubieten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden theoretischen Literaturanalyse aktueller psychologischer und pädagogischer Theorien zur Identität sowie auf der Evaluation von Praxisberichten und methodischen Konzepten der Biografiearbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Identität, die Analyse der besonderen Probleme von Fremdplatzierten sowie die ausführliche Darlegung von Biografiearbeit und Playback Theater als Interventionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätsdiffusion, Kohärenzgefühl, narrative Identität, Lebensbuch, Prozessorientierung und kreative Selbstgestaltung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Situation von Adoptivkindern und Heimkindern?
Adoptivkinder sind oft vollintegrierter in eine neue Familie, haben jedoch ein schmerzliches "Loch" in der Herkunftsgeschichte; Heimkinder erleben oft häufigere Brüche und ein Defizit an familiärer Geborgenheit, was ihre Identitätsfindung erschwert.
Warum wird Playback Theater als "soziales Theater" bezeichnet?
Da es weniger auf eine ästhetische Kunstproduktion abzielt, sondern als interaktives Geschehen zwischen Akteuren und Publikum den Gemeinschaftsgeist und das gegenseitige Verständnis fördert, steht die soziale Komponente im Vordergrund.
Kann Playback Theater auch von Laien durchgeführt werden?
Ja, laut der Autorin ist Playback Theater eine sehr flexible Form, die keine professionelle Schauspielausbildung erfordert, jedoch fundierte pädagogische oder psychologische Kenntnisse für eine verantwortungsvolle Leitung voraussetzt.
- Quote paper
- Janina Mau (Author), 2011, Playback Theater im Zentrum der Biografiearbeit mit fremdplatzierten Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229525