Mehr noch als der Feminismus hat seine Weiterentwicklung im Konzept Gender, die akademische Landschaft mit einem Taifun überzogen. Die deutschen Universitäten konnten gar nicht schnell genug Professuren für die sog. Gender Studies einrichten. Ein Ende dieser modischen Tendenz ist noch nicht absehbar, allerdings gewiss; es ist ein Glück, dass nichts auf dieser Welt von dauernder Dauer ist. So stimmt es froh, dass dies klar ist: so wie Goldpreis und DAX fallen, so wird auch diese Mode auf der Halde vergangener Ideen dahindämmern.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Sex und Gender
Gendern
Erste und Zweite Natur
Performanz und Wesen
Das anatomische Geschlecht: eine soziale Konstruktion
Die binäre heterosexuelle Matrix
Ideologie: notwendiges, aber falsches Bewusstsein
Parteilichkeit
queer theory
Die schwarze Lesbe
Akkreditierung des Devianten
Wir brauchen Aschenputtel!
Fatal triviale Typologisierungen
Rating-Agenturen gesucht
Kalifornischer Salat: Judith Butler
Erste und Zweite Natur
Ein Fazit
Wo bleibt die Evolutionstheorie?
Strohmann-Struktur
Transzendental und empirisch
Das Theorem von der Verschiebung des Sinns
Immunisierungsstrategien
Die Gauß’sche Normalverteilung
Windmühlen-Kämpfe
Archaische Sammelleidenschaft
Aschenputtel – wo bist du?
Normen sind nötig
Falsche Empfehlungen
Anmerkung zu den sog. popcolonial studies
Orientalism und Okzidentalism
Die Elgin Marbles
Marxistisch-feministisch-dekonstruktivistische Kritik
Unfähigkeit, die Wahrheit zu denken
Mimikry, Maskerade und Hybridität
Schwerverständlicher, kryptisch-esoterischer Stil
Das Ganze ganz ausleuchten
Sati, suttee: die gute Ehefrau, die als Witwe freiwillig brennt
Die Malabarischen Witwen
Verständnis des Anderen, des Fremden
Transformation in den Neo-Kolonialismus
Versuche der Destabilisierung
Der Subalternitäts-Diskurs
Archaik und Modernisierung
These
Verkehrte Welt. Eine Nachbemerkung
Zeitalter der vollendeten Sündhaftigkeit
Zivilisation und Barbarei
Warum Denken traurig macht
Eine Welt kontroverser Positionen
Hinweis auf eine Neuerscheinung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, aktuelle methodisch-theoretische Strömungen wie die Gender Studies und Postcolonial Studies einer fundamentalen wissenschaftskritischen Re-Vision zu unterziehen. Die zentrale Forschungsfrage hinterfragt dabei die Gültigkeit und praktische Relevanz dieser Theorien angesichts einer als biologisch und anthropologisch fundiert betrachteten Wirklichkeit.
- Kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Fundierung der Gender Studies.
- Analyse der performativen Geschlechtertheorie, insbesondere im Werk von Judith Butler.
- Untersuchung der theoretischen Schwachstellen des postkolonialen Diskurses.
- Verteidigung humanistischer und aufklärerischer Positionen gegen modernistische Ideologien.
Auszug aus dem Buch
Performanz und Wesen
Hier tritt nun etwas ein, was wissenschaftsgeschichtlich bekannt ist und vielfach beobachtet werden kann: methodisch-theoretische Verfahren tendieren in statu nascendi dazu, besonders heftig-kräftig aufzutreten, quasi mit dem Elan des Frühlings. Es ist jedes Mal, wenn ein Guru Innovation verheißt, wie ein Sonnenaufgang. Übersteigerungen werden nicht gesehen und nicht vermieden. Konkurrierende Verfahren werden gern mausetot gemacht, anathema sit. Es gibt Schlagworte, die als Schlagringe funktionalisiert werden; eine solche letal wirkende, geworfene Bierflasche ist der „Essentialismus“; das ist alteuropäisch, Metaphysik, längst überrundet. Das Wesen einer Sache, die ousia des Stagiriten, die essentia der mittelalterlichen Philosophie gehört ins Altersheim. Dass hier manches Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird, zeigt sich bei Schößler allüberall.
„Männlichkeit und Weiblichkeit [...] müssen unablässig reinszeniert werden [neben reformulieren ein beliebtes Modewort], so dass Geschlecht als ein Prozess zu beschreiben“ ist [10]. „Geschlecht ist, mit Simone de Beauvoir zu sprechen, ein Handeln, oder – nach Judith Butler – ein Effekt performativer Akte.“ [10] Hier sind in die gender-Ideologie über die Vermittlung durch Judith Butler auch Teile der Sprechakttheorie von Austin, Searle u.a. eingegangen, der performative, Wirklichkeit formierende Akt gehört hierher; wenig benutzt wird, sie bleibt fast ganz außen vor, die Systemtheorie etwa in der Ausprägung durch Luhmann. Man könnte ihn gut gebrauchen, weil er antiessentialistisch das Wesen ganz in Funktion auflöst.
Zusammenfassung der Kapitel
Sex und Gender: Eine kritische Bestandsaufnahme der Gender Studies anhand der Einführung von Franziska Schößler, wobei grundlegende Konzepte wie Gendern, Performanz und die Identitätskritik hinterfragt werden.
Kalifornischer Salat: Judith Butler: Eine detaillierte Analyse der Thesen Judith Butlers, bei der ihre Vermischung von Erster und Zweiter Natur sowie ihre theoretische Verwurzelung in poststrukturalistischen Denkmustern kritisiert wird.
Anmerkung zu den sog. popcolonial studies: Diese Kapitelreihe beleuchtet die postkoloniale Theoriebildung, ihre polemische Natur und ihre vermeintliche Unfähigkeit, die abendländische Aufklärung konstruktiv weiterzuentwickeln.
Verkehrte Welt. Eine Nachbemerkung: Ein reflektierender Schlussabschnitt, der das moderne Unbehagen in der Kultur und die Möglichkeiten der Erkenntnis in einer sündhaften Welt resümiert.
Schlüsselwörter
Gender Studies, Postcolonial Studies, Judith Butler, Essentialismus, Konstruktivismus, Wissenschaftskritik, Humanismus, Aufklärung, Performanz, Identitätskritik, Evolutionstheorie, Anthropologie, Subalternität, Ideologie, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit aktuellen geisteswissenschaftlichen Strömungen wie den Gender Studies und Postcolonial Studies auseinander und hinterfragt deren theoretische Belastbarkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Kritik an der modernen Identitätstheorie, die Rolle der Biologie und Evolution, sowie die philosophische Auseinandersetzung mit Aufklärung und Humanismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine Revision der genannten Theorien, die der Autor als ideologisch verblendet und praxisschwach einstuft, zugunsten einer Rückbesinnung auf „die Sachen selbst“.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen essayistischen, polemisch-kritischen Stil, der sich auf klassische philosophische Positionen (u.a. Adorno, Husserl, Kant) stützt, um moderne Theoriegebilde zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zentrale Konzepte wie Performanz, die soziale Konstruktion des Geschlechts und der Subalternitätsdiskurs einer detaillierten Prüfung unterzogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Essentialismus, Konstruktivismus, Gender Studies, Postkolonialismus und Humanismus.
Wie steht der Autor zu Judith Butler?
Der Autor bewertet Butler als zentrale Figur der modernen "Gender-Ideologie", deren Theorien er jedoch aufgrund ihrer „praxisschwachen verbalen Ziselierung“ und Vernachlässigung biologischer Fakten ablehnt.
Warum bezeichnet der Autor das Werk als „popcolonial studies“?
Er verwendet diesen Begriff, um die modische und nach seiner Ansicht weitgehend substanzlose Natur der akademischen Postkolonialismus-Debatten zu kennzeichnen.
Welche Lösung schlägt der Autor für das Fremdverstehen vor?
Er plädiert für ein Verständnis, das auf einer gemeinsamen anthropologischen Basis gründet, statt sich in der bloßen Oberfläche kultureller Differenzen zu verlieren.
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- Prof. Dr. Erwin Leibfried (Autor), 2013, Kritik der gender studies. Kritik der postcolonial studies, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230223