Die Ausarbeitung setzt sich mit zwei unterschiedlichen Konzepten auseinander – unterschiedlich u.a. in ideologischer Hinsicht oder in Hinblick auf die Entstehungszeiträume – die sich z.T. doch auf gleiche Begriffe beziehen. Ein Kernbegriff in beiden kritischen Theorien ist das Kapital, auf den besonders und vergleichend eingegangen wird. Es werden jedoch auch die grundsätzlichen Theorien Marx und Bourdieus vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Kapital
1.2 Forschungsstand
2 Karl Marx
2.1 Theorie und zentrale Begriffe
2.2 Kapitalbegriff
3 Pierre Bourdieu
3.1 Theorie und zentrale Begriffe
3.2 Kapitalbegriff
4 Vergleich
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Kapitalbegriff in den Theorien von Karl Marx und Pierre Bourdieu. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob der Begriff bei beiden Denkern deckungsgleich verwendet wird oder ob die unterschiedlichen theoretischen Fundamente – Marx’ ökonomische Sichtweise gegenüber Bourdieus soziologischem Ansatz – zu grundlegend verschiedenen Bedeutungen führen, die eine vergleichende Analyse erfordern.
- Vergleichende Analyse der Kapitalbegriffe von Karl Marx und Pierre Bourdieu.
- Darstellung der marxschen Theorie mit Fokus auf Kapital, Mehrwert und Entfremdung.
- Erläuterung von Bourdieus Theorie des sozialen Raums, der Felder und des Habitus.
- Differenzierung der Kapitalsorten bei Bourdieu (ökonomisch, kulturell, sozial, symbolisch).
- Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der gesellschaftskritischen Perspektive beider Autoren.
Auszug aus dem Buch
Kapitalbegriff
„Kapital ist ein Geldbetrag, der investiert wird, um damit einen Gewinn zu erzielen, oder allgemeiner ausgedrückt, Kapital ist Geld, das sich vermehrt.“ (Berger 2003: 64)
Grundlagen für Marx‘ Kapitalbegriff lassen sich u.a. bei Adam Smith und David Ricardo finden, wie z.B. die Ansicht, dass Arbeit die Grundlage allen Reichtums sei. Kapital lässt sich bei Marx mit mehreren Begriffen gleichsetzen bzw. differenziert erklären. Grundsätzlich ist jedoch festzuhalten, dass Marx sich dabei auf ein rein ökonomisches Kapital bezieht. Laut Schreiber ist der Begriff Kapital jedoch auch soziologisch zu verstehen, da Marx darunter „nur noch das gesellschaftliche Verhältnis, d.h. im Rahmen des kapitalistischen Systems den privatwirtschaftlichen Zweck“ verstehen würde. „Kapital ist für ihn eine gesellschaftliche Erscheinung, die lediglich der kapitalistischen Wirtschaftsordnung angehört, weil ausschließlich in dieser ein Mehrwert durch die Ausbeutung der Arbeiterklasse entsteht. Es dient also nur noch der Mehrwerterzeugung, d.h. der kapitalistischen Ausbeutung“ (ebd. 1938: 64).
Für Karl Marx ist Kapital auch gleichbedeutend mit Macht und Herrschaft, Besitztümer gelten als deren „Legitimitätsbeschaffung“ (Lukes 1983: 111). Die Besitzenden haben die Macht über die Arbeit und ihre Produkte (Marx 1968: 110). Zugleich definiert Marx Kapital aber auch als „aufgespeicherte Arbeit“ (ebda.): Die Arbeitskraft ist das Kapital der Arbeiter. Einmal investiert in eine Ware, hilft sie den Kapitalisten bei der Akkumulation von Kapital. Denn Kapital ist „Geld, das sich durch Tausch mit der Ware Arbeitskraft vermehrt“ (Berger 2003: 235). Aber auch Arbeiter können Kapital akkumulieren und theoretisch Kapitalisten sein. Da ihr Vermögen die Arbeitskraft ist, können sie durch akkumulierte Arbeit (Arbeitszeit durch Lebenszeit) Geld ansparen und um die Akkumulationsspirale anzukurbeln, um Kapitalist werden zu können, braucht man Geld. „Geld ist daher immer potentielles Kapital“ (Leyton 2007: 105f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung des Moduls Gesellschafts- und Kulturkritik ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Übereinstimmung des Kapitalbegriffs bei Marx und Bourdieu.
2 Karl Marx: Das Kapitel bietet einen Überblick über die marxsche Theorie, inklusive Basis-Überbau-Modell und Entfremdung, mit einem detaillierten Fokus auf sein ökonomisches Verständnis von Kapital.
3 Pierre Bourdieu: Hier werden die Theorie des sozialen Raums und die Differenzierung in verschiedene Kapitalsorten (ökonomisch, kulturell, sozial, symbolisch) sowie der Habitus-Begriff erläutert.
4 Vergleich: In diesem Kapitel werden die Konzepte beider Theoretiker einander gegenübergestellt, wobei Gemeinsamkeiten in der Kritik an gesellschaftlichen Zuständen und Unterschiede in der Systematik und Weite der Kapitaldefinition herausgearbeitet werden.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass Bourdieu Marx zwar als wichtige Bezugsgröße nutzt, dessen Kapitalbegriff aber durch soziologische und subjektivistische Elemente entscheidend erweitert.
Schlüsselwörter
Kapital, Karl Marx, Pierre Bourdieu, Kapitalismus, Gesellschaftskritik, Soziologie, Sozialer Raum, Kapitalarten, Klassen, Klassenkampf, Ökonomisches Kapital, Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Symbolisches Kapital, Entfremdung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht das Kapitalverständnis von Karl Marx und Pierre Bourdieu im Kontext der Gesellschafts- und Kulturkritik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die marxsche politische Ökonomie, Bourdieus Theorie des sozialen Raums, den Kapitalbegriff im Wandel sowie den Vergleich von Machtstrukturen und Klassenkonzepten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob der Kapitalbegriff bei Marx und Bourdieu identisch ist oder ob ihre unterschiedlichen theoretischen Ansätze zu einer Differenzierung des Begriffs führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf Basis soziologischer Sekundärliteratur und den Primärwerken beider Autoren arbeitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Marx' Theorien (Basis-Überbau, Entfremdung) und anschließend Bourdieus Theorien (soziale Felder, Kapitalsorten, Habitus) detailliert vorgestellt und im vierten Kapitel einander gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Kapitalismus, Soziologie, Gesellschaftskritik, Kapitalarten und Klassenkonflikt charakterisieren.
Wie unterscheidet sich Bourdieus Kapitalverständnis von dem bei Marx?
Während Marx Kapital primär ökonomisch im Rahmen des Warenaustauschs und der Mehrwerterzeugung definiert, versteht Bourdieu Kapital soziologisch umfassender und unterscheidet vier Arten, darunter kulturelles und soziales Kapital.
Welche Bedeutung misst Bourdieu den symbolischen Kämpfen bei?
Bourdieu betrachtet symbolische Kämpfe als einen zentralen Bestandteil der Positionierung von Akteuren in sozialen Feldern, was über rein ökonomische Machtkonflikte hinausgeht.
Wird die marxsche Theorie von Bourdieu vollständig abgelehnt?
Nein, Bourdieu lehnt Marx nicht vollständig ab, sondern nutzt dessen Theorien als Grundlage, kritisiert jedoch deren eingeschränkte ökonomische Sichtweise und das Fehlen differenzierterer Klassenanalysen.
Welche Rolle spielt der Habitus in diesem Vergleich?
Der Habitus bei Bourdieu beschreibt das verinnerlichte System von Haltungen und Handlungen und dient dazu, die unterschiedlichen Handlungsoptionen von Akteuren über rein ökonomische Faktoren hinaus zu erklären.
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- Anonym (Author), 2013, Der Kapitalbegriff bei Karl Marx und Pierre Bourdieu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230235