Die vorliegende Arbeit erkundet die drei prototypischen Eigenschaften der gesprochenen Sprache, nämlich ihre Prozesshaftigkeit, ihre Multimodalität und ihre Interaktivität. Als Grundlage dienen die Theorien von Reinhard Fiehler, Birgit Barden, Mechthild Elstermann sowie Barbara Kraft. Um diese Eigenschaften zu verstehen, werden im Folgenden konkrete Beispiele dargestellt, um zu zeigen, wie sich diese Eigenschaften gestalten. Im Zuge dessen werden außerdem weitere Eigenschaften der gesprochenen Sprache verallgemeinert dargestellt. Diese tragen aber ebenfalls bei zum Verstehen der drei oben genannten Eigenschaften.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die Auswirkungen der Eigenschaften der gesprochenen Sprache auf die Untersuchungen zu ihrer Grammatik. Zu diesem Zweck ist Reinhard Fiehlers Konzept der funktionalen Einheit zur Beschreibung der Grammatik sowie eine Grammatik im Rahmen der interaktionalen Linguistik zu empfehlen. Welches Grammatikmodell ist geeigneter, um die gesprochene Sprache Deutsch zu beschreiben? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten, um für die Untersuchung gesprochener Sprache weitere Perspektiven zu eröffnen? In diesem Beitrag werde ich versuchen, diese und ähnliche Fragen zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Eigenschaften der gesprochenen Sprache
2.1 Prozesshaftigkeit der gesprochenen Sprache
2.2 Multimodalität der Verständigung
2.3 Interaktivität der gesprochenen Sprache
3 Auswirkungen der Eigenschaften auf die Untersuchung zur Grammatik der gesprochenen Sprache Deutsch
3.1 Auswirkungen der Prozesshaftigkeit auf die Untersuchung zur Grammatik der gesprochenen Sprache Deutsch
3.2 Auswirkungen der Multimodalität auf die Untersuchung zur Grammatik der gesprochenen Sprache Deutsch
3.3 Auswirkungen der Interaktivität auf die Untersuchung zur Grammatik der gesprochenen Sprache Deutsch
4 Zwei zu empfehlende Grammatikmodelle
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Charakteristika gesprochener Sprache – Prozesshaftigkeit, Multimodalität und Interaktivität – und analysiert deren Konsequenzen für die grammatikalische Erforschung des gesprochenen Deutsch. Ziel ist es, zu evaluieren, inwieweit etablierte Grammatikmodelle diese spezifischen Merkmale erfassen können und welche Ansätze für eine fundierte Analyse besser geeignet sind.
- Analyse der prototypischen Eigenschaften gesprochener Sprache.
- Untersuchung des Einflusses dieser Eigenschaften auf die syntaktische und prosodische Struktur.
- Vergleich von Grammatikmodellen unter Berücksichtigung der interaktionalen Linguistik.
- Diskussion der Bedeutung von Kontext und situativer Einbettung für die Sprachbeschreibung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Prozesshaftigkeit der gesprochenen Sprache
Nach Fiehler erfolgt zum Beispiel die mündliche Verständigung, „indem zeitlich nacheinander bedeutungstragende Einheiten (auf verschiedenen Ebenen) produziert und in eben dieser zeitlichen Abfolge rezipiert werden.“ (Fiehler et al. 2004: 85) Solche Einheiten beinhalten zum Beispiel die inneren Gegebenheiten wie Gedanken, Wissen, Annahmen, Bewertungen, Einstellungen, Wünsche und Gefühle etc.
Auer entwickelte des Weiteren ein Konzept als Merkmal von „on-line-Emergenz“ (Auer 2000). Das heißt, dass die Sprache zeitlich produziert wird von den betroffenen Personen. Anders gesagt, mit der Entwicklung der Linguistik sieht man sie nicht nur als still, fixiert und fertig vorliegendes Produkt, sondern eher als sich verwandelndes und interaktives: „Kommunikation ist ein Prozess in der Zeit.“ (Fiehler et al. 2004: 85)
Diese Eigenschaft der Prozesshaftigkeit der gesprochenen Sprache betrifft, so lässt sich annehmen, alle gesprochenen Sprachen der Welt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der drei zentralen Eigenschaften gesprochener Sprache und der Fragestellung hinsichtlich der Eignung verschiedener Grammatikmodelle für die gesprochene Sprache.
2 Die Eigenschaften der gesprochenen Sprache: Theoretische Herleitung und Definition der Prozesshaftigkeit, Multimodalität und Interaktivität als Basis für die Untersuchung.
3 Auswirkungen der Eigenschaften auf die Untersuchung zur Grammatik der gesprochenen Sprache Deutsch: Analyse, wie sich die genannten Merkmale konkret auf die grammatikalische Erforschung auswirken und welche Bedeutung die Berücksichtigung von Kontexten hat.
4 Zwei zu empfehlende Grammatikmodelle: Gegenüberstellung eines traditionellen Ansatzes und einer interaktionalen Linguistik, mit dem Fazit zur Eignung des Konzepts der funktionalen Einheiten.
5 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung, dass das Modell der funktionalen Einheiten für die Analyse des gesprochenen Deutsch aufgrund der variablen Datengrundlagen empfehlenswert ist.
Schlüsselwörter
Gesprochene Sprache, Prozesshaftigkeit, Multimodalität, Interaktivität, Grammatik, Funktionale Einheit, Interaktionale Linguistik, Konversationsanalyse, Sprachliches Handeln, On-line-Produktion, Kommunikation, Sequenzanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Erforschung der gesprochenen Sprache Deutsch und der Frage, wie deren spezifische Eigenschaften in Grammatikmodellen abgebildet werden können.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Prozesshaftigkeit, die Multimodalität und die Interaktivität der gesprochenen Sprache sowie deren Auswirkungen auf die grammatikalische Analyse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum die Grammatik der gesprochenen Sprache eine andere Herangehensweise erfordert als die geschriebene Sprache und welches Modell zur Beschreibung besser geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden theoretische Konzepte der Gesprächsforschung und der interaktionalen Linguistik herangezogen, ergänzt durch die Analyse von Transkriptionsbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der drei Eigenschaftsmerkmale und deren Auswirkungen auf die grammatikalische Erfassung sowie dem Vergleich zweier unterschiedlicher Grammatikmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind gesprochene Sprache, Prozesshaftigkeit, funktionale Einheit, interaktionale Linguistik und Gesprächsforschung.
Warum ist das Konzept der "funktionalen Einheit" nach Fiehler so relevant für die Arbeit?
Es bietet einen praktikablen Weg, gesprochene Sprache trotz ihrer Flüchtigkeit und Komplexität zu segmentieren und in ihrer interaktiven Funktion zu verstehen.
Welche Rolle spielen die Beteiligten bei der Konstruktion eines Gesprächs?
Die Beteiligten sind essenziell, da sie das Gespräch durch gegenseitige Beeinflussung, Hörerrückmeldungen und körperliche Kommunikation gemeinsam formen und steuern.
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- Lei Zhang (Author), 2013, Eigenschaften der gesprochenen Sprache Deutsch und ihre Auswirkungen auf die Untersuchungen zur Grammatik der gesprochenen Sprache Deutsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230591