Aufführbarkeit der Celestina

Überprüfung dramatischer und narrativer Strukturen in Fernando de Rojas‘ Tragikomödie


Hausarbeit, 2011
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Von der Gattungsdiskussion zur Frage der Aufführbarkeit

2. Dramatische und narrative Strukturen in La Celestina
2.1 Dialogform
2.2 Dramatische Handlung
2.3 Bühnen- und Regieanweisungen
2.4 Einheiten von Zeit und Ort

3. Aufführbarkeit des Werkes
3.1 Institution Theater – im spanischen Mittelalter und heute
3.2 Aufführungen der Celestina in Europa

4. Schlussbetrachtung: Von der theoretischen zur praktischen Analyse

Bibliographie

1. Einleitung: Von der Gattungsdiskussion zur Frage der Aufführbarkeit

Fernando de Rojas‘ La Celestina o Tragicomedia de Calisto y Melibea gehört aufgrund seiner nicht eindeutigen Gattung ohne Zweifel zu den meist diskutierten Werken der spanischen Literatur. Einerseits wird behauptet, dass man „die Celestina heute eher als novela dialogada in die Vorgeschichte des spanischen Romans“[1] einordne, andererseits heißt es: „Die Spuren ihrer Wirkung werden fast ausschließlich im Theater sichtbar“[2]. Darüber hinaus vergleicht Whinnom das Werk mit einer humanistischen Komödie[3], wohingegen Severin deutlich macht, La Celestina sei „neither humanistic comedy nor sentimental romance“[4]. Die Frage der Gattungszugehörigkeit scheint also grundsätzlich auf eine Kompromisslösung, wie zum Beispiel den Begriff Lesedrama, hinauszulaufen. Aus diesem Grund ist es aufschlussreicher, sich mit der Argumentation dieser Literatur- wissenschaftler auseinanderzusetzen, denn in einem Punkt sind sich die meisten einig:

„Rojas concibió la obra para ser leída, no para ser representada“[5].

Tatsächlich sind Aufführungen der Celestina im Vergleich zu anderen Dramen recht selten zu finden, aber ist es wirklich eine Tatsache, dass man das Werk einfach nicht aufführen kann? Im Folgenden soll nun die These, dass das anscheinende Lesedrama La Celestina nicht nur als Gemeinschaftslektüre sondern auch als theatralische Aufführung fungieren kann, überprüft und erläutert werden. Dazu werden zunächst die dramatischen

und narrativen Strukturen des Werkes mit Hilfe von Primär[6]- und Sekundärliteratur

hervorgehoben, um danach auf spezielle Merkmale eines Dramas genauer einzugehen; darunter vor allem der Dialog, die dramatisch strukturierte Handlung, die Bühnen- und Regieanweisungen sowie in gewissem Maße auch die Einheit der Zeit und des Ortes. Im Anschluss darauf soll ein Bezug zum Theater der damaligen sowie der heutigen Zeit und dessen technischen Möglichkeiten hergestellt werden, bevor, zum Schluss, die zuvor zusammengetragenen Aspekte mit Erläuterungen und Rezensionen früherer Aufführungen der Celestina verglichen werden sollen.

2. Dramatische und narrative Strukturen in La Celestina

Zunächst warf die Gattungszuordnung der Celestina in den folgenden Jahrhunderten nach deren Erscheinen keinerlei Fragen auf; erst mit den klassizistischen Bewertungen aus dem

18. Jahrhundert begann die Diskussion, ob das Buch einem Drama zugeordnet werden könne oder doch bereits ein Vorläufer des Romans sei[7]. Um der Antwort dieser Frage näher zu kommen und die Aufführbarkeit der Celestina zu beweisen, ist es wichtig, sowohl die dramatischen als auch die narrativen Strukturen im Text zu untersuchen. Doch was ist eigentlich ein Drama, und was versteht man unter einem Roman? Laut Metzlers Literatur Lexikon ist ein Drama eine „lit. Textgattung, die auf einer Theaterbühne dargestellt werden kann und durch Rede bzw. ↑Dialog der beteiligten ↑Figuren eine ↑Handlung unmittelbar gegenwärtig macht“[8]. Die Theateraufführung scheint also ein elementarer Bestandteil eines Dramas zu sein; ob dieser Aspekt nun auf La Celestina zutrifft, wird am Ende der Arbeit zu entscheiden sein. Im Gegensatz zum Drama ist ein Roman aufgrund seiner Vielfältig- keit deutlich schwerer zu definieren, da man ihn „allenfalls beschreiben“[9] kann, zum Bei-

spiel als „Großform der fiktionalen Erzählung in ↑Prosa“[10]. Nichtsdestotrotz hat jede Gat-

tung bestimmte Eigenschaften, und es gilt diese am Text zu überprüfen.

Auf der einen Seite zeigt La Celestina äußerlich viele dramatische Elemente. Sie folgt dem Gebot der „Segmentierung der dramatischen Handlung in kleinere Einheiten“[11], da eindeutig eine Einteilung in Akte erkennbar ist, wenngleich man die Anzahl von 21 Akten für ein Drama als recht hoch bezeichnen kann. Eine weitere Segmentierung in Szenen ist in der Ausgabe der Celestina von Severin nicht vorgenommen worden, wurde in der Cátedra Base Ausgabe jedoch ergänzt[12]. Des Weiteren weist der Text eine größtenteils sukzessive Struktur auf, das heißt, jede Szene repräsentiert einen aufeinanderfolgenden Abschnitt der Handlung, wodurch szenisch dargestellte Sprünge in die Vergangenheit oder Zukunft sowie parallele Ereignisse nicht möglich sind[13]. In La Celestina gibt es weder Vor- noch Rückblenden, jedoch finden einige Gespräche parallel statt; darauf wird im Kapitel „Dialogform“ genauer eingegangen. Abgesehen davon sind der Dialog sowie die

[...]


[1]Neuschäfer, 2006, S. 65.

[2] Pörtl, 1985, S. 93.

[3] Vgl. Whinnom, 1993, S. 137-138.

[4] Severin, 1989, S. 2.

[5] Lindau, 2000, S. 24.

[6] Alle Angaben über La Celestina basieren auf der Cátedra-Ausgabe von 2004, herausgegeben von Severin.

[7] Vgl. Pörtl, 1985, S. 93.

[8] Ott, 2007, S. 167.

[9] Heinz, 2007, S. 658.

[10] Heinz, 2007, S. 658.

[11] Stenzel, 2005, S. 61.

[12] Rojas, Hernández Ruiz [Hrsg.], 2004.

[13] Vgl. Stenzel, 2005, S. 60.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Aufführbarkeit der Celestina
Untertitel
Überprüfung dramatischer und narrativer Strukturen in Fernando de Rojas‘ Tragikomödie
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V230773
ISBN (eBook)
9783656465775
ISBN (Buch)
9783656469209
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufführbarkeit, celestina, überprüfung, strukturen, fernando, rojas‘, tragikomödie
Arbeit zitieren
Doreen Klahold (Autor), 2011, Aufführbarkeit der Celestina, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230773

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