Fernando de Rojas‘ La Celestina o Tragicomedia de Calisto y Melibea gehört aufgrund seiner nicht eindeutigen Gattung ohne Zweifel zu den meist diskutierten Werken der spanischen Literatur. In dieser Arbeit diskutiere ich die Merkmale, aufgrund derer das Theaterstück für nicht aufführbar gehalten wurde und untersuche dabei den zum Teil romanhaften Charakter des Werkes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Von der Gattungsdiskussion zur Frage der Aufführbarkeit
2. Dramatische und narrative Strukturen in La Celestina
2.1 Dialogform
2.2 Dramatische Handlung
2.3 Bühnen- und Regieanweisungen
2.4 Einheiten von Zeit und Ort
3. Aufführbarkeit des Werkes
3.1 Institution Theater – im spanischen Mittelalter und heute
3.2 Aufführungen der Celestina in Europa
4. Schlussbetrachtung: Von der theoretischen zur praktischen Analyse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Aufführbarkeit von Fernando de Rojas‘ Tragikomödie "La Celestina", indem sie die Hypothese prüft, dass das Werk nicht nur als Lesedrama, sondern auch als theatralische Inszenierung funktionieren kann, und dabei die dramatischen sowie narrativen Strukturen in den Kontext der technischen Möglichkeiten des Theaters setzt.
- Analyse dramatischer und narrativer Merkmale
- Untersuchung von Dialogen, Handlung und Regieanweisungen
- Vergleich der Aufführungsbedingungen (Mittelalter vs. Moderne)
- Dokumentation und Auswertung historischer Inszenierungen
- Diskussion der Gattungszugehörigkeit als Lesedrama vs. Theaterstück
Auszug aus dem Buch
2.1 Dialogform
Die dialogische Rede ist unvermittelt, also nicht von einem Erzähler geleitet, und muss daher alle sprachlichen Funktionen übernehmen, wie, zum Beispiel, die Charakterisierung der Figuren und die Weitergabe von „todo tipo de informaciones circunstanciales“. Zunächst ist auch das Werk La Celestina in Dialogform geschrieben und es ist kein direkter Erzähler erkennbar, wenn man von Severins Idee des „absent narrator, Rojas“, der sich hinter dem Prolog, dem Akrostichon sowie den Stimmen der Charaktere verberge, absieht. Jegliche Informationen in La Celestina werden in den Gesprächen und Monologen übermittelt. So muss Sosia selbst von seiner Beziehung zu Areúsa in einer Unterhaltung mit Tristán erzählen:
SOSIA. […] Desde aquí al huerto de Pleberio te contaré, hermano Tristán, lo que con Areúsa me ha passado hoy, que stoy el más alegre hombre del mundo. Sabrás que ella, por las buenas nuevas que de mí avía oýdo, stave presa de amor y embióme a Elicia, rogándome que la visitasse […].
Noch deutlicher wird dies nach dem Sturz Calistos, denn nur durch die Worte Calistos und seiner Diener erfährt der Leser oder Zuschauer, was passiert ist:
CALISTO. ¡O válame Santa María, muerto soy! ¡Confessión!
TRISTÁN. Llégate presto, Sosia, que el triste de nuestro amo es caýdo del escala y no habla ni se bulle.
SOSIA. ¡Señor, señor, a essotra puerta! Tan muerto es como mi abuelo. ¡O gran desaventura!
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Von der Gattungsdiskussion zur Frage der Aufführbarkeit: Die Einleitung beleuchtet den Diskurs um die Gattungszugehörigkeit des Werkes und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der theatralischen Aufführbarkeit.
2. Dramatische und narrative Strukturen in La Celestina: Dieses Kapitel analysiert formale Aspekte wie Dialogführung, Handlungsaufbau, Regieelemente sowie Raum-Zeit-Konzepte als theoretische Grundlage für eine Inszenierung.
2.1 Dialogform: Der Abschnitt untersucht die unvermittelte dialogische Struktur und wie Informationen rein über Figurenrede transportiert werden.
2.2 Dramatische Handlung: Hier wird der Aufbau des Werkes mittels Freytags Pyramide strukturiert und die Überwindung der narrativen Komplexität für die Bühne diskutiert.
2.3 Bühnen- und Regieanweisungen: Es wird erörtert, wie implizite Handlungsanweisungen im Text die fehlenden expliziten Regieanweisungen ersetzen können.
2.4 Einheiten von Zeit und Ort: Dieser Teil betrachtet die Abweichungen von klassischen Drameneinheiten und deren Bedeutung für die szenische Realisierung.
3. Aufführbarkeit des Werkes: Das Kapitel vergleicht die institutionellen Rahmenbedingungen des mittelalterlichen Theaters mit modernen technischen Möglichkeiten.
3.1 Institution Theater – im spanischen Mittelalter und heute: Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Bühneninfrastruktur, Technik und dem Berufsbild des Schauspielers.
3.2 Aufführungen der Celestina in Europa: Hier werden historische Inszenierungsversuche analysiert, um die Entwicklung der werksgetreuen Adaption zu verdeutlichen.
4. Schlussbetrachtung: Von der theoretischen zur praktischen Analyse: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Aufführbarkeit entgegen gängiger Vorurteile möglich ist und durch moderne Inszenierungstechniken erleichtert wird.
Schlüsselwörter
La Celestina, Fernando de Rojas, Aufführbarkeit, Lesedrama, Theatergeschichte, Dramenstruktur, Gattungsdiskussion, Dialogform, Szenische Umsetzung, Dramaturgie, Literaturwissenschaft, Tragikomödie, Adaption, Inszenierungstechnik, spanische Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob Fernando de Rojas‘ berühmtes Werk "La Celestina", das oft als Lesedrama eingeordnet wird, tatsächlich auf einer Theaterbühne aufgeführt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die dramatischen und narrativen Strukturen des Werkes sowie der Vergleich der Aufführungsbedingungen zwischen dem spanischen Mittelalter und der heutigen Zeit.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob die anscheinende Unaufführbarkeit des Werkes ein festes Faktum ist oder ob sie durch die Analyse der Strukturen und moderne Inszenierungstechniken entkräftet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primär- und Sekundärliteratur, um die dramatischen Merkmale des Werkes zu identifizieren und diese mit historischen Aufführungspraxen zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte strukturelle Untersuchung des Textes (Dialoge, Handlung, Anweisungen, Einheiten) und eine historische sowie technische Betrachtung der Aufführungsmöglichkeiten und konkreter Inszenierungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "La Celestina", "Aufführbarkeit", "Lesedrama", "dramatische Strukturen" und "Inszenierung".
Wie wird in der Arbeit mit der langen Dialogform des Werkes umgegangen?
Die Arbeit argumentiert, dass Kürzungen bei der Adaption eines Werkes für die Bühne legitim sind und dass moderne Licht- und Regietechniken helfen können, komplexe Dialoge bühnenwirksam umzusetzen.
Was ist das Ergebnis der Analyse bezüglich der Aufführbarkeit?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die "Celestina" trotz ihrer narrativen Komplexität bühnenreif sein kann, wobei die Herausforderungen der Urform erfolgreich durch Adaptionen überwunden wurden.
- Citar trabajo
- Doreen Klahold (Autor), 2011, Aufführbarkeit der Celestina, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230773