Machen sich Unternehmen wie Google, Facebook und Co. in China zum Ermöglicher von Internetzensur, oder bilden sie einen Gegenpol zur Zensurpolitik der Regierung? Diese Frage soll im Laufe dieser Arbeit kritisch betrachtet
werden. Zunächst wird ein kurzer Überblick über die chinesische Zensurpolitik
im Allgemeinen gegeben. Danach folgt eine Auseinandersetzung mit der Rolle Facebooks,
Apples und Googles im chinesischen Netz. Es soll geklärt werden, ob die Unternehmen
konform oder entgegen ihrer jeweiligen Firmenpolitik zum Kollaborateur oder zum Gegenspieler
der Zensurkultur im Internet der Volksrepublik werden. Zuletzt folgt ein Überblick
über die Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Internetzensur in China
3. Facebook, Apple und Google in China- Gegenpol oder Ermöglicher der Internetzensur?
3.1 Facebook muss draußen bleiben?!
3.1.1 Facebook auf dem chinesischen Markt
3.1.2 Connecting the world- oder nur alle außer China?
3.2 Apple in China: Apps, „Grüner Damm“ und die iPhone-Produktion
3.2.1 Apple in China- zwischen Produktionsland und Absatzmarkt
3.2.2 Ehrlichkeit, Respekt, Vertraulichkeit und Kompatibilität
3.3 Google in China-Zwischen Konzernpolitik und Internetzensur
3.3.1 Googles Verhalten in China
3.3.2 Googles zehn Grundsätze und don´t be evil
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der wirtschaftlichen Expansion amerikanischer Technologiekonzerne in den chinesischen Markt und der damit einhergehenden Konfrontation mit staatlicher Internetzensur. Dabei wird analysiert, inwieweit Unternehmen wie Facebook, Apple und Google durch ihr Handeln und ihre Kooperation mit chinesischen Behörden entweder als Ermöglicher der Zensur fungieren oder als Gegenpol agieren, um Menschenrechte wie die Informationsfreiheit zu wahren.
- Chinesische Internetzensur-Strategien (Filterung, Prävention, Selbstzensur)
- Die Marktstrategie von Facebook gegenüber China
- Apples Umgang mit Zensuranforderungen und seine Unternehmensethik
- Googles historisches Verhalten, Rückzug und erneute Anpassung in China
- Konflikt zwischen Unternehmensgrundsätzen und Profitstreben
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Googles Verhalten in China
Google schaltete bereits im Jahr 2000 eine chinesischsprachige Ausgabe ihrer Suchmaschine. Zwei Jahre später kommt es allerdings zu ersten Problemen, als Google.com mehrere Stunden am Tag nicht von China aus erreichbar ist. Vermutlich wurde der Datenverkehr an den wenigen internationalen chinesischen Gateways abgefangen: besonders betroffen schienen Anfragen zu politisch kritischen Themen wie Tibet, Tiananmen oder Falun Gong zu sein. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht einzubüßen, fasst Google daraufhin die umstrittene und lange diskutierte Entscheidung direkt nach China zu gehen. Im Januar 2006 geht dann die chinesische Domain google.cn online.
Suchergebnisse werden zu diesem Zeitpunkt gemäß dem chinesischen Recht gefiltert, unter anderem auch Anfragen zu Themenkomplexen wie Demokratie. Daraufhin zieht Google nicht nur den Ärger kritischer Medien, sondern auch den des amerikanischen Repräsentantenhauses auf sich und muss im Februar dem Ausschuss für Menschrechte in Washington Rede und Antwort stehen. Als Rechtfertigung wird vom Unternehmen angebracht, dass „ein wenig Informationsfreiheit doch besser [sei] als gar keine“ (Rohwetter/Buchter 2010). Das öffentliche Interesse klingt ab und in nächsten Jahre wird weiterhin nach Regierungsrichtlinien Zensur betrieben, bis 2010 ein Hackerangriff die Chinapolitik Googles vollkommen verändern sollte. In diesem Jahr wurden diverse Gmail Konten von chinesischen Aktivisten gehackt. Beispielsweise wird das E-Mail-Konto der im Amerika studierenden Aktivistin und Tochter zweier Flüchtlinge, Tenzin Sheldon geknackt. Untersuchungen ergeben, dass der Zugriff auf die Privat-PCs vom Google Rechenzentrum selbst aus ging, demnach also dieses direkt infiltriert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen amerikanischen Freiheitsidealen und der Zensurpraxis in China ein und stellt die Kernfrage der Arbeit.
2. Internetzensur in China: Dieses Kapitel erläutert die technischen und organisatorischen Kontrollebenen der chinesischen Internetzensur, bestehend aus Filterung, Prävention und Selbstzensur.
3. Facebook, Apple und Google in China- Gegenpol oder Ermöglicher der Internetzensur?: Dieses Hauptkapitel analysiert das Verhalten der drei Konzerne individuell und untersucht, ob sie sich den Zensurforderungen beugen oder dagegen einstehen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle der Konzerne im Spannungsfeld zwischen Profitdenken und Unternehmensethik.
Schlüsselwörter
Internetzensur, China, Google, Apple, Facebook, Menschenrechte, Informationsfreiheit, Zensurpolitik, Konzernethik, Profitdenken, Digitale Überwachung, Goldene Schild, Internetkontrolle, Unternehmensgrundsätze, Marktexpansion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich US-amerikanische Technologieunternehmen wie Google, Apple und Facebook im chinesischen Internetmarkt verhalten und ob sie bei ihrer Marktexpansion die Zensurpolitik des Staates unterstützen oder ablehnen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit befasst sich mit Internetzensur in China, den verschiedenen Strategien zur Inhaltskontrolle, der Unternehmensethik der betroffenen Konzerne sowie deren tatsächlichem Agieren auf dem chinesischen Markt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, ob diese Konzerne durch ihr Handeln zu Ermöglichern der Internetzensur werden oder ob sie einen Gegenpol bilden, um die Informationsfreiheit zu verteidigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine kritische Analyse von Unternehmensgrundsätzen und realen Fallbeispielen, um das Verhalten der Unternehmen vor dem Hintergrund der chinesischen Zensurpolitik zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die spezifischen Marktzugänge und Zensurvorkommnisse bei Facebook, Apple und Google, inklusive ihrer Unternehmensprinzipien und deren Kompatibilität mit der chinesischen Zensur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Internetzensur, China, Unternehmensethik, Informationsfreiheit und Konzernpolitik.
Welche Rolle spielt der Begriff "Grüner Damm" in der Analyse zu Apple?
Der "Grüne Damm" war eine geplante Filtersoftware, deren Installation die chinesische Regierung von PC-Herstellern forderte; Apple sah sich in der Konsequenz mit der Frage konfrontiert, wie weit es bereit war, bei solchen staatlichen Zensurvorgaben mitzuwirken.
Wie veränderte der Hackerangriff 2010 Googles Strategie?
Der Hackerangriff auf Gmail-Konten führte dazu, dass Google kurzzeitig seine Zensurpolitik änderte und Suchanfragen auf einen unzensierten Server in Hongkong umleitete, bevor es später aufgrund von Lizenzdruck wieder in die Zensur zurückkehrte.
- Citar trabajo
- Simone Stern (Autor), 2012, Ethische Unternehmensgrundsätze oder kapitalistisches Profitdenken: Machen sich Facebook, Apple und Google in China zum Gegenpol oder zum Ermöglicher der Internetzensur?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230919