Martin Luthers Übersetzungsstrategien bei der "Verdolmetschung" des Neuen Testaments aus dem Altgriechischen


Bachelorarbeit, 2012
61 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Martin Luther: biographischer Abriss

3 Luther ad fontes

4 Luthers eigene Aussagen zu seiner Ubersetzungstatigkeit
4.1 Luthers Hauptziel: „rein vnd klarteutsch geben“
4.2 Sinn fur Sinn/ „die wort faren lassen"
4.3 Wort fur Wort/ „stracks den worten nach gedolmetschf

5 Luthers Ubersetzungsstrategien
5.1 Literarisierung
5.1.1 Metaphernverstarkung
5.1.2 Klangfiguren: Alliteration
5.1.3 Epanalepse
5.1.4 Figura etymologica
5.2 Wortneuschopfungen
5.3 Anpassung an die gesprochene Sprache
5.3.1 Gruftformeln undAnreden
5.3.2 Modalpartikel
5.4 Idiomatik
5.4.1 Idiomatik im griechischen Text
5.4.2 Idiomatik im deutschen Text
5.5 Rucksicht auf die Schicklichkeit
5.6 Kulturelle Eigenheiten
5.7 Exegese

6 Zusammenfassung

Anhang

Quellenverzeichnis

Abkurzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die biblischen Bucher kurze ich nach den Loccumer Richtlinien ab:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im "Sendbrief vom Dolmetschen" beschrieb Luther die harte Arbeit des Ober- setzers einmal folgendermaften:

Lieber / nu es verdeutscht vn(d) bereit ist / kans ein yeder lesen vnd meistern / Laufft einer ytzt mit den augen durch drey vier bletter vnd stost nicht ein mal an / wird aber nicht gewar welche wacken vnd klo(e)tze da gelegen sind / da er ytzt vber hin gehet / wie vber ein ge- hoffelt[1] bret / da wir haben mu(e)ssen schwitzen vn(d) vns engsten / ehe den wir solche wa­cken vnd klotze aus dem wege reiimeten / auff das man ku(e)ndte so fein daher gehen. Es ist gut pflugen / wenn der acker gereinigt ist. Aber den wald vnd die sto(e)cke aus rotten / vnd de(n) acker zu richten / da will niemandt an.[2]

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nun, ein wenig nachzuvollziehen, wie Luther seinerzeit die „Wacken und Klotze'1 des griechischen Textes aus dem Weg raumte, um einen fruchtbaren deutschen Boden zu gewinnen, auf dem das Neue Testament, die Lehre Christi und der reformierte Glauben gemeinsam gedeihen konnten. Um hierbei Luthers Arbeit, sein „Schwitzen und Angsten", richtig wurdigen zu konnen, scheint es mir unabdingbar, immer wieder einen Blick auf den "wilden" Ausgangsacker zu werfen, und ihn mit dem bestellten Feld Martin Luthers zu vergleichen. Das heiftt: In der vorliegenden Arbeit wird durchgehend der griechische Text mit Luthers Ubersetzung verglichen. Denn ich bin der Meinung, nur so kann Luthers Eigenanteil an der Ubersetzung wirk- lich zur Geltung kommen (und nur so kann man entdecken, ob Luther beim Her- richten des Ackers nicht doch ein paar „Stocker“ vergessen hat „auszurotten“). Einen solchen steten Vergleich zum biblischen Ausgangstext habe ich beim Le­sen der (germanistischen) Sekundarliteratur oft vermisst,[3] z. B. wenn Herbert Wolfs Einfuhrung in germanistische Luther-Studien einige luthertypische Stilmit- tel nennt, und dabei Mt 10,8 als Beispiel fur die Anapher anfuhrt, Joh 3,5 hingegen als Beispiel fur die Wortwiederholung.[4] Schlagt man jedoch diese Bibelstellen im griechischen Text nach, so ergibt sich folgendes Bild:

Mt 10,8

Swpedv £Aa(3£T£, Sajpcav 5ot£.[5]

Vmb sonst habt jrs empfangen / vmb sonst gebet es auch.[6]

Joh 3,5

dTT£Kpi0ri ’lr|<x>ug, Apgv apr]v Asya) ctoi Jhesus antwortet / Warlich / warlich / Jch sage dir

Ich halte es an diesen Stellen nicht fur angemessen, von Luthers Stilmitteln zu sprechen: Schlieftlich hat Luther hier „lediglich“ auf Deutsch adaquat wiederge- geben, was im Griechischen bereits an Stilmitteln vorhanden war (namlich: Ana- pher und Wortwiederholung).

Um solchen Fehlaussagen vorzubeugen, werde ich also in der vorliegenden Arbeit durchgehend Luther und den griechischen Text miteinander vergleichen. Allerdings muss ich an dieser Stelle gleich zwei Probleme einraumen, die mit diesem Vorhaben verbunden sind, und die mir im Laufe meiner Arbeit immer deutlicher entgegentraten:

1) Neuhochdeutsch allein reicht nicht, urn Luther zu verstehen.
2) Altgriechisch allein reicht nicht, urn das Neue Testament zu verstehen.

zu 1) Auf dieses Problem war ich eigentlich durch das Germanistik-Studium schon vorbereitet - so dachte ich. Dennoch kam es mir immer wieder unter, dass ich drauf und dran war, Luther eine Fehlubersetzung zu unterstellen, wo doch in Wirklichkeit der einzige "Fehler" darin bestand, dass zwischen Luther und dem heutigen Deutsch funfhundert Jahre Sprachgeschichte liegen: Worter wie Herzen(s)lust, Unrat, Weib haben zu Luthers Zeiten ganz andere Bedeutungen und Konnotationen, als die heute im Neuhochdeutschen ublichen. Dasselbe trifft auch auf viele Modalverben zu (durfen bedeutet meist "bedurfen", mogen meist "vermogen, konnen"). Ein gutes Beispiel fur solch ein sprachgeschichtliches Fettnapfchen bietet auch Birgit Stolt, die auf folgende Stelle im Weihnachstevangelium hinweist:

Luk 2,15-19

VND da die Engel von jnen gen Himel furen /sprachen die Hirten vnternander / Lasst vns nu gehen gen Bethlehem / vnd die Geschicht sehen / die da geschehen ist / die vns der HERR kund gethan hat. Vnd sie kamen eilend / vnd funden beide Mariam vnd Joseph / dazu das Kind in der krippen ligen. Da sie es aber gesehen hatten / breiteten sie das wort aus / welchs zu jnen von diesem Kind gesagt war. Vnd alle / fur die es kam / wunderten sich der Rede / die jnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese wort / vnd beweget sie in jrem hertzen.

Die Formulierung vnd beweget sie in jrem hertzen versteht der heutige Leser als Metapher, doch weist Stolt darauf hin, dass sie bei Luther lediglich eine ein- fache Aussage darstelle: bewegen hiefl zu Luthers Zeiten "grundlich uber etw. nachdenken, etw. erwagen"[7], und das Herz war noch keine Metapher fur "Ge- fuhl", sondern gait als Sitz des Denkvermogens[8] - die vermeintliche Metapher hat sich somit erst dadurch entwickelt, dass beide Worter im Laufe der Sprachgeschichte ihre jeweilige Semantik geandert haben.

Ich hoffe also, in meiner Arbeit dergleichen Fettnapfchen umgangen zu haben, mit Hilfe des Grimmschen Worterbuchs, der Anmerkungen in den Luther-Aus- gaben, aber auch mit Hilfe des griechischen Textes, von dem Luther ja nur in Ausnahmefallen vollig frei abweichen konnte - doch damit bin ich ja gleich beim nachsten Problem: dem griechischen Text.

zu 2) Auch im NT lauern zahlreiche Schnappfallen auf den unbedarften Leser, der - wie ich - ahnungslos an den Text herantritt. Damit meine ich nicht so sehr die KOivri, das hellenistische Griechisch, das sich nach den Eroberungen Alex­anders des Groften zur lingua franca des (ostlichen) Mittelmeerraums entwi- ckelt hatte und das zur Zeit der christlichen Evangelisten bereits 500 Jahre vom klassischen Griechisch Platons entfernt lag - eine Entfernung jedoch, die ich als nicht ubermaftig groft empfunden habe: Unbekannte Formen Oder Worter lieften sich recht gut herleiten Oder nachschlagen. Problematisch wurde es je­doch bei festen Wendungen und ungewohnten Formulierungen, wie z. B.:

Mt 2,20

exapncrav xapav peyaAnv acp65pa.

Apg 2,17

Ka) oi TTpeapuTEpoi upwv evuttvioi^ £VUTTViaG0r|GOVTai

Apg 9,10

Kal eIttev rrpoq auTov ev opapcm 6 Kupioc;, Avavia, 6 5e siTTEV, i5ou iyib, Kupis.

Mt 1,25

rrapsAaPEV Tf]v yuvalKa aiiTou, Kai ouk eyivojgkev aiuhv

Bei der Recherche solcher Wendungen stieft ich dann immer haufiger auf den Flinweis, hier handle es sich um einen Hebraismus im NT, um ein Zitat aus der Septuaginta oder um eine aramaische Formulierung - damit hatte ich nicht ge- rechnet. Doch allmahlich erkannte ich immer deutlicher, dass das NT mancher- orts ein zutiefst "semitischer" Text ist, und dass das Griechische dann oft nur ein Gewand darstellt, das diesen semitischen Kern lose umhullt.

Da die vorliegende Arbeit jedoch eine germanistische ist, konnte ich mich lei - der nicht allzu eingehend mit den Eigenheiten des neutestamentlichen Grie­chisch befassen - eventuelle Fehler, die mir bei der Kommentierung des grie- chischen Textes unterlaufen sind, bitte ich dementsprechend zu entschuldigen, auch in Hinblick auf meine ganz allgemein nur mangelhafte Erfahrung mit die- sem Themenbereich - oder in anderen Worten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[9]

2 Martin Luther: biographischer Abriss

Martin Luther wurde am 10. November 1484 in Eisleben geboren. Schon ein Jahr nach seiner Geburt siedelte die Familie urn: ins Harzvorland, in das gut 15km von Eisleben entfernte Mansfeld. Zu seiner familiaren Herkunft auflerte er sich in den "Tischreden" einmal folgendermafien:[10]

Ego sum rustici filius; proavus, avus meus, pater sein rechte pauren gewest, cum ille [Philip- pus Melanchthon] dixisset me fore superiorem, ein schultesz vnd was sie mehr im dorff ha- ben, wurde irgent ein oberster knecht vber die andern sein. Darnach ist mein vater gegen Mansfelt getzogen vnd doselbs ein bergkheuer worden. Daher bin ich.[11]

Luther ging in Mansfeld, spater in Magdeburg und Eisenach zur Schule. 1501 immatrikulierte er sich an der Artisten Fakultat der Universitat Erfurt, und bereits 1505 hatte er seinen Abschluss als Magister artium erlangt. Das daran anschlie- Rende Jura-Studium brach er jedoch bereits im Sommer 1505 ab: Denn er er- fullte sein Gelubde, das er wahrend eines lebensgefahrlichen Gewittersturms abgelegt hatte, und trat in das Erfurter Augustiner-Eremitenkloster ein. 1507 be- gann eraufWeisung des Ordens in Erfurt Theologie zu studieren. 1510/11 reis- te er fur seinen Orden nach Rom - zu FuR. Wieder zuriick in Wittenberg wurde Luther 1512 zum Doktor der Theologie promoviert und ubernahm den Lehrstuhl fur Bibelexegese. Doch dann kam sein "Schicksalsjahr" 1517, von dem Luther Folgendes berichtet:

Es geschach im Jar, da man .17. schreib, das ein Prediger Munch, mit namen Johannes Detzel, ein grader Clamant, [...] furet nu das Ablas umb her, und verkaufft gnade umbs Gelt, so thewr Oder wol veil er aus alien krefften vermocht. Zu der zeit war ich Prediger allhie im Kloster und ein junger Doctor, newlich aus der Esse komen,[12] hitzig und luftig[13] in der heili- gen Schrifft.

Als nu viel Volcks von Wittemberg lieff dem Ablas nach gen Jutterbock und Zerbest etc, Und ich (so war mich mein HERR Christus erloset hat) nicht wuste, was der Ablas were, wie es denn kein mensch nicht wuste, fieng ich seuberlich[14] an zu predigen, man kondte wol bes- sers thun, das gewisser were, weder[15] Ablas losen. [...] In des kompt fur mich, Wie der Det- zel hette geprediget grewlich schreckliche Artickel, der ich dis mal ettliche wil nennen, Nem- lich:

Er hette solche Gnade und gewalt vom Bapst, wenn einer gleich die heilige Jungfraw Maria Gottes Mutter hette geschwecht Oder geschwengert, so kundte ers vergeben, wo der selb in den Kasten legt, was sich geburt.

Item, das Rote Ablas Creutz mit des Bapsts wapen, in den Kirchen auffgericht were eben so krefftig, als das Creutz Christi.

Item, Wenn S. Peter jtzt hie were, hette er nicht grosser Gnade noch gewalt, weder Er hette. Item, er wolte im Himel mit S. Peter nicht beuten[16], Denn er hette mit Ablas mehr Seelen er­loset, weder S. Peter mit seinem Predigen.

Item, Wenn einer Gelt in den Kasten legt fur eine Seele im Fegefewr, so bald der Pfennig auff den boden fiel und klunge, so fure die Seele heraus gen himel.

[...]

Da schreib ich einen brieff mit den Propositionibus[17] an den Bisschoff zu Magdeburg[18], ver- manet und bat, Er wolte dem Detzel einhalt thun und solch ungeschickt ding zu predigen wehren, Es mochte ein unlust[19] draus entstehen, Solchs geburte jm als einem Ertzbisschof- fe. Den selben brieff kan ich noch auff legen. Aber mir ward kein antwort. Des gleichen schreib ich auch dem Bisschoff zu Brandenburg [...]. Darauff er mir antwortet, Ich griffe der Kirchen gewalt an, und wurde mir selbs muhe machen[20], Er riete mir, ich liesse davon. Ich kan wol dencken, das sie alle beide gedacht haben, Der Bapst wurde mir solchem elendem Bettlerviel zu mechtig sein.

Also gingen meine Propositiones aus wider des Detzels Artickel, wie man im gedruckten wol sehen mag. Die selbigen lieffen schier in vierzehen tagen durch gantz Deudsch land. Denn alle welt klagt uber das Ablas, sonderlich uber Detzels Artickel. Und weil alle Bisschove und Doctores still schwigen und niemand der Katzen die Schellen anbinden wolte (Denn die Ket- zer meister, Prediger Ordens, hatten alle welt mit dem Fewr in die furcht geiagt, Und Detzel selbs auch etliche Priester, so wider seine freche predigt gemuckt hatten, eingetrieben[21] ), Da ward der Luther ein Doctor gerhumet, das doch ein mal einer komen were, der drein grif- fe. Der Rhum war mir nicht lieb, Denn (wie gesagt) ich wuste selbs nicht, was der Ablas were, und das lied wolte meiner stimme zu hoch werden.[22]

In der Tat war der "Ruhm", zu dem Luther durch seine 95 Thesen plotzlich ge- langt war, von sehr zweifelhafter Art: Im Oktober 1518 wurde er auf dem Augs- burger Reichstag von Kardinal Cajetan verhort und sollte seine Thesen widerru- fen - doch Luther weigerte sich. Es folgte die Bannandrohungsbulle von Papst Leo X. (Exsurge Domine vom 15. Juni 1520), die den Abweichler abermals zum Widerruf aufrief - andernfalls drohe Luther die Exkommunikation. Doch Luther weigerte sich erneut und verbrannte die Bulle offentlich am 10. Dezember 1520 (als Reaktion darauf, dass papstliche Anhanger zuvor Luthers Schriften verbrannt hatten) - einen Monat spater sprach der Papst denn Bann uber Luther aus (Decet Romanum Pontificem vom 03. Januar 1521).

Noch im selben Jahr, im April 1521, wurde Luther auf den Wormser Reichstag zitiert: Dort versuchte auch Karl V. vergeblich, ihn zum Widerruf zu bewegen, sodass schlielilich im "Wormser Edikt" die Reichsacht uber den "Ketzer" ausge- sprochen wurde. Mit Hilfe eines fingierten Uberfalls brachte der sachsische Kur- furst den geachteten Luther schliefllich in Sicherheit: Ein Jahr blieb der Refor- mator unter dem Pseudonym "Junker Jorg" auf der Wartburg. Dort, in der un- freiwilligen Abgeschiedenheit, ubersetzte er innerhalb von 11 Wochen, vom De­zember 1521 bis Februar 1522, das Neue Testament ins Deutsche; gemafi sei­ner reformatorischen Uberzeugung, dass jedem Christen die Heilige Schrift zu- ganglich sein soil, da sie allein (sola scriptura - ohne Vermittlung und Interpre­tation der Kirche) in Glaubensfragen zu entscheiden hatte. Im Marz 1522 kehrte Luther nach Wittenberg zuruck und revidierte gemeinsam mit Melanchthon sei­ne Ubersetzung, die schliefllich im September 1522 - punktlich zur Leipziger Herbstmesse - im Druck erschien. Luther begann sogleich mit der Ubersetzung des Alten Testaments, die sich jedoch uber Jahre hinzog: Erst 1534 wurde die erste Luthersche "Vollbibel" gedruckt. In der Zwischenzeit ging Luthers Leben seinen bewegten Gang weiter: 1525 heiratete er, der ehemalige Monch, die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Im gleichen Jahr brach der Bauernkrieg aus, gegen den sich Luther aufs scharfste wendete. In den Folgejahren nahm der Reformator immer wieder Anteil an den groflen konfessionellen Auseinan- dersetzungen seiner Zeit, wenn auch manchmal nur indirekt: So durfte er als Geachteter nicht am Augsburger Reichstag (1530) teilnehmen, hielt sich jedoch auf der Feste Coburg auf, um brieflich mit den Evangelen in Augsburg in Verbin- dung zu bleiben (Coburg lag innerhalb des Gebiets des sachsischen Kurfursten, der Luther Schutz bot, am nachsten zu Augsburg; die Zeit auf der Feste, die Lu­ther nicht mit der Korrespondenz nach Augsburg verbrachte, nutzte er abermals fur eigene "Projekte" - wie bereits zehn Jahre zuvor auf der Wartburg so ubersetzte er z. B. die Fabeln Asops ins Deutsche und schrieb u. a. den "Sendbrief vom Dolmetschen"). Die in Augsburg vorgelegte Confessio Augusta- na fasste die wichtigsten Elemente des reformierten Glaubens zusammen und bot somit auch den Ausgangspunkt fur eine Festigung der protestantischen Be- wegung, die in zahlreiche miteinander zerstrittene Gruppchen zersplittert war. Der zwei Jahre spater (1532) erreichte "Nurnberger Anstand" brachte schlieft- lich einen ersten Waffenstillstand zwischen den Reformierten und den Altglaubi- gen: Die hier erreichte Absicherung des protestantischen Glaubens erlaubte es Luther, sich wieder verstarkt theoretischen Fragen zuzuwenden und die Revisi­on seiner Bibelubersetzung zu betreiben (seit 1531 arbeitete er hierfur mit einer von ihm einberufenen Revisionskommission zusammen, die u. a. aus Melan- chthon, Aurogallus und Bugenhagen bestand). Die letzte Bibel, an der Luther noch selbst mitgearbeitet hatte, erschien im Jahr 1545. Ein Jahr darauf, am 18. Februar 1546, starb Luther in seiner Geburtsstadt Eisleben.

3 Luther ad fontes

Als Luther im Dezember 1521 auf der Wartburg damit begann, das Neue Tes­tament ins Deutsche zu ubersetzen, muss er mindestens zwei Vorlagen zur Verfugung gehabt haben: die Vulgata sowie das Novum Instrumentum Omne des Erasmus von Rotterdam.[23] Dieses Buch war bei seinem Erscheinen 1516 eine wahre geisteswissenschaftliche Sensation gewesen: Erstmals wurde das NT nicht nur auf Latein, sondem auch in seiner "Ursprache" gedruckt - auf je- der Seite stand in der linken Kolumne der griechische Text und parallel dazu in der rechten Kolumne der lateinische.[24] Am Ende des Textes befanden sich zu- dem Erasmus' Annotationes, philologische Erlauterungen zum NT.[25] Luther er- hielt das Novum Instrumentum ungefahr in der Mitte des Sommersemesters 1516 und baute es sogleich in seine damalige Romerbrief-Vorlesung mit ein.[26]

Auch bei seiner Bibelubersetzung hat sich Luther auf diesen Text gestutzt (bzw. auf die zweite Ausgabe von 1519). Und auch wenn Luther im Septembertestament noch an einigen Stellen (unabsichtlich?) der Vulgata gefolgt war, zeigt es sich doch eindeutig, dass der Reformator im Laufe seiner Bibelrevision immer starker urn den Urtext bemuht war, dass er sich immer mehr dem Erasmus-Text annaherte.[27] Dennoch bleibt es leider eine recht offene Frage, wie sehr sich Luther dabei tatsachlich am griechischen Text orientiert hat, wie der amerikanische Germanist Heinz Bluhm zu bedenken gibt:

A very real difficulty in the way of proving beyond the shadow of a doubt the claim that Lu­ther followed the Greek text itself resides in the simple fact [...] that the new Latin version furnished by Erasmus in connection with the Greek text is ordinarily in close agreement with the original and takes cognizance of the differences between that and the Vulgate. In other words, Erasmus' new Latin translation is, by and large, a faithful rendering of the original. It follows, therefore, that wherever Greek text and Erasmus' independent Latin translation are in full agreement, it is not possible to state with absolute certainty that Luther based his own rendering on the Greek original rather than on Erasmus' scholarly new version.[28]

Bluhm versucht dann im folgenden, Belegstellen aus dem Galaterbrief zu ge- ben, in welchen Luther eindeutig dem griechischen Text gefolgt sei, und nicht dem Latein des Erasmus Oder gar der Vulgata. Mir scheinen diese „Beweise“ je- doch nicht sonderlich iiberzeugend.[29]

Doch in jedem Fall steht test, dass Luther urn den griechischen Text bemiiht war, dass er - ganz im Sinne des Humanismus - ad fontes gehen wollte. So fordert er in seiner Schrift „An die RathherreiT (1524) die Errichtung von Schulen, in denen die Kinder aufter Latein und Deutsch auch Hebraisch und Griechisch lernen sollen, und er begrundet diese Forderung folgendermafien:

Denn Gott hat seyne schrifft nicht umb sonst alleyn ynn die zwo sprachen schreiben lassen, das allte testament ynn die Ebreische, das new ynn die Kriechische. Welche nu Gott nicht veracht, sondern zu seynem wort erwelet hat fur alien andern, sollen auch wyr die selben fur alien andern ehren. Denn S. Paulus rhumet das fur eyn sonderliche ehre und vorteyl der Ebreischen sprach, das Gottis wort drynnen geben ist [...] Also mag auch die Kriechische sprach wol heylig heyssen, das die selb fur andern dazu erwelet ist, das das newe testa­ment drinnen geschriben wurde, Und aus der selben alls aus eynem brunnen ynn andere sprach durchs dolmetschen geflossen und sie auch geheyliget hat.[30]

Und mit einer Zeitklage fiihrt Luther weiter aus:

Wes ist nu die schuld, das unser glaube so zu schanden wird? nemlich, das wyr der spra­chen nicht wissen, und ist hie keyn hulffe, denn die sprachen wissen. [...] Nu sind aller alten veter auslegung, die on sprachen die schrift haben gehandelt (ob sie wol nichts unrecht le- ren), doch der gestallt, das sie fast[31] offt ungewisse, unebene und unzeyttige sprache furen, und tappen wie eyn blinder an der wand [...] Darumb ist das auch eyn toll furnemen gewe- sen, das man die schrifft hat wollen lernen durch der veter auslegen und viel bucher und glossen lesen. Man sollt sich dafur auff die sprachen geben haben. [...] Denn wie die sonne gegen den schatten ist, so ist die sprache gegen aller veter glosen. Weyl denn nu den Christen gepurt, die heylige Schrifft zu uben alls yhr eygen eyniges buch, und eyn sunde und schande ist, das wyr unser eygen buch nicht wissen noch unsers Gottis sprach und wort nicht kennen, so ists noch viel mehr sunde und schaden, das wyr nicht sprachen leren, sonderlich so uns itzt Gott dar beut[32] und gibt leute und bucher und allerley, was dazu dienet, und uns gleich dazu reitzt und seyn buch gern wollt often haben.[33]

In der vorliegenden Arbeit werde ich Luther also an diesem Ideal messen und seine Ubersetzung stets mit dem griechischen Text vergleichen, mit der "heili- gen Sprache" - jedoch in dem Bewusstsein, dass Luther selbst vielleicht nicht flieflend aus dem Griechischen ubersetzt hat, sondern sich von anderen hat helfen lassen: vom lateinischen Text und den Annotationes des Erasmus, sowie von seinem langjahrigem Freund und Mitarbeiter Philipp Melanchthon, der seit 1518 den Wittenberger Lehrstuhl fur Griechisch innehatte,[34] und der ge- meinsam mit Luther das Wartburg-Manuskript durchging (im Marz 1522), bevor es in den Druck gegeben wurde.[35]

4 Luthers eigene Aussagen zu seiner Ubersetzungstatigkeit

Die beiden wichtigsten Quellen, in denen sich Luther explizit und ausfuhrlich zum Ubersetzen auftert, sind: „Ein Sendbrief D. M. Luthers. Vom Dolmetschen und Furbitte der Heiligen."[36] (1530) sowie „Summarien uber die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens.1'[37] (1531-33). In den "Summarien" behandelt Luther jene Ubersetzungsprobleme, die bei der Revision des Psalters auftauchten: Es geht hier also hauptsachlich urn das Ubersetzen aus dem Hebraischen. Der „Sendbrief“ hingegen handelt von der Ubersetzung des Neuen Testaments: In ihm wehrt sich Luther gegen konkrete Vorwurfe, die gegen seine Gbersetzung erhoben wurden. In beiden Schriften auliert er sich zudem ganz allgemein zu den Zielen, die seine Gbersetzungsarbeit anstrebte.

4.1 Luthers Hauptziel: „rein vnd klarteutsch geben“

Der wohl gewichtigste Punkt, auf dem Luther hierbei immer wieder beharrt, ist die Verstandlichkeit der Ubersetzung, also das „reine und klare Deutsch", wie er im „Sendbrief“ schreibt:

Ich hab mich des geflissen ym dolmetzschen / das ich rein vnd klar teutsch geben mo(e)chte. Vnd ist vns wol offt begegnet / das wir viertzehen tage / drey / vier wochen ha- ben einiges wort gesu(e)cht und gefragt / habens dennoch zu weilen nicht funden.[38]

Der gesamte „Sendbrief“ ist voll von derlei Formulierungen, die ein „gutes Deutsch" fordern, so z. B.:[39]

- den(n) ich habe deutsch / nicht lateinisch noch kriegisch reden wo(e)llen
- das ist aber die art vnser deutschen sprache
- Sage mir / Ist das deutsch geredt? Welcher deutscher verstehet solchs?
- d(as) heist gut deutsch geredt

Und in diesen Kontext gehort sicher auch das wohl beruhmteste Zitat, das (meist als verkurztes Schlagwort) im Zusammenhang mit Luthers Bibeluberset- zung immer wieder genannt wird: den man mus nicht die buchstaben inn der lateinische(n) sprachen frage(n) / wie man sol Deutsch rede(n) / wie diese esel thun / sondern / man mus die mutter jhm hause / die kinder auff der gassen / den gemeinen ma(n) auff dem marckt drumb fragen / vn(d) den selbige(n) auff das maul sehen / wie sie reden / vnd darnach dolmetzschen / so verstehen sie es den / vn(d) mercken / das man Deutsch mit jn redet.[40]

Wenn Luther nun behauptet, „dem Volk aufs Maul zu sehen“, heilit das natur- lich nicht, dass er die Bibel mit deutschem „Gassenjargon“ ubersetzt hatte.[41] Obiges Zitat ist letztlich nur nochmal eine Umschreibung fur Luthers wichtigstes Gbersetzungsziel: das „reine und klare Deutsch". Dieses hoffte Luther zu erreichen, in dem er nicht „Wort fur Wort", sondern „Sinn fur Sinn“ ubersetzte, wie er selbst im Folgenden erlautert.

4.2 Sinn fur Sinn/ „die wort faren lassen“

So schreibt Luther in den "Summarien":[42]

Wo die wort haben mugen[43] leiden und geben einen bessern verstand, Da haben wir uns nicht lassen zwingen durch der Rabbiner gemachte Grammatica zum geringern Oder andern verstand, Wie denn alle Schulmeister leren, das nicht der sinn den worten, sondern die wort dem sinn dienen und folgen sollen,[44]

Die Ubersetzung "Sinn fur Sinn" findet sich sicherlich am haufigsten bei Luther, da sie am besten seinem Ziel dient, "rein vnd klar teutsch" zu geben (und demgemaft bespricht Luther auch im "Sendbrief vom Dolmetschen" fast ausschliedlich solche Beispiele, bei denen er "Sinn fur Sinn" ubersetzt hat) - doch je nach Kontext ist Luther auch bereit, den Wortlaut beizubehalten, wie die folgenden Aussagen zeigen.

4.3 Wort fur Wort/ „stracks den worten nach gedolmetscht“

Im "Sendbrief" schreibt Luther:

Doch hab ich widerumb nicht allzu frey die buchstaben lassen faren / Sondern mit grossen sorgen sampt meinen gehdlffen drauff gesehen / das wo etwa an einem ort gelegenn ist / hab ichs nach den buchstaben behalten[45]

[...]


[1] gehoffelt = "gehobelt"

[2] "Sendbrief", in Bd. 3 der Studienausgabe (StA) von Delius, S. 485 Z. 15 - S. 486 Z. 4.

[3] Mit der Ausnahme von Heinz Bluhm, der in seinem Buch Luther Translator of Paul (1983) durchgehend Luthers deutschen Text mit der Vulgata, sowie mit Erasmus' griechischem und lateinischem Text vergleicht. Allerdings muss man einraumen, dass Bluhm trotz so solider Basis immer wieder dazu tendiert, sein Material ausgesprochen voreingenommen und einseitig (namlich: pro Luther) zu interpretieren.

[4] Herbert Wolf: Martin Luther. Eine Einfuhrung in germanistische Luther-Studien, Berlin 1983 - S. 100 und S. 109. Wolf entnimmt die Beispiele aus der Luther-Bibel von 1545.

[5] In der vorliegenden Arbeit gilt: Jedes griechische Zitat stammt aus dem Novum Instrumentum omne des Erasmus von Rotterdam, aufter ich weise explizit auf eine andere Quelle hin (z. B. auf das NTGrae) - im Kapitel "Luther ad fontes" wird die Bedeutung des Erasmus-Textes fur die Luther-Obersetzung naher erlautert. Das Novum Instrumentum (bzw. seine Folge-Auflage, das Novum Testamentum) liegt heute als Nachdruck in moderner Schrift vor, erschienen in der sechsten Abteilung (ordo sextus) der Geamtausgabe von Erasmus' Werken (Opera omnia Desiderii Erasmi Roterodami). Leider sind noch nicht alle Bande erschienen: Sofehlt z. B. Bd.1, der die Evangelisten Matthaus, Markus und Lukas enthalt. In diesen Fallen habe ich auf ein Digitalisat des Novum Instrumentum (1516) zuruckgegriffen, das von der Universitatsbibliothek Basel zur Verfugung gestellt wird. Allerdings hatte ich dessen griechischen Text wohl kaum lesen konnen (s. Abb.1 im Anhang) ohne das NTGrae von Nestle/Aland mit seinem umfangreichen Variantenapparat.

[6] In der vorliegenden Arbeit gilt: Jedes Zitat aus der Luther-Bibel stammt aus der "Ausgabe letzter Hand" von 1545 (Biblia: das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch), aulier ich weise explizit auf eine andere Quelle hin (z. B. auf das Septembertestament von 1522). Die Biblia von 1545 lag mir ausschlielilich als digitale Variante des Nachdrucks von Hans Volz (1972) vor (s. Literaturverzeichnis).

[7] Stolt (2000), S. 122.

[8] Stolt (2000), S. 50.

[9] 1 Kor 13,11-12, zitiert nach NTGrae.

[10] Die folgenden Informationen stammen aus: S. 11-15 in Herbert Wolf: Martin Luther. Eine Einfuhrung in germanistische Lutherstudien, Stuttgart 1983. S. 30-34 in Stephan Fussel: Das Buch der Bucher. Die Lutherbibel von 1534, Koln u. a. 2002. S. 33-54 in Bernhard Lohse: Martin Luther. Eine Einfuhrung in sein Leben und Werk, Munchen 19973.

[11] So in der Tischredensammlung Anton Lauterbachs (WATr Nr. 6250; S. 558, Z. 13-17). In Aurifabers deutscher Ausgabe (1566) lautet obiges Zitat: "Ich bin eins Bauern Sohn, mein Vater, Grodvater, Ahnherr, sind rechte Baurn gewest. Da sagte er darauf: Ich wurde ein Oberster, Schultheisz, Heimburger, und was sie mehr fur Aemter im Dorfe haben, Oder irgend ein oberster Knecht vber die andern worden seyn. Darnach, sprach ich, ist mein Vater gen Mansfeld gezogen, und daselbst ein Berghauer worden; daher bin ich." - WATr Nr. 855; S. 421, Z. 4-8.

[12] Laut WA ist newlich aus der Esse komen sprichwortlich fur "nagelneu".

[13] luftig = "eifrig"

[14] seuberlich = "schonend"

[15] weder - "als"

[16] beuten = "tauschen"

[17] Dies sind die "95 Thesen" - der "Thesenanschlag" an die Tur der Schlosskirche zu Wittenberg ist historisch nicht bewiesen.

[18] Tetzel war vom Magdeburger Bischoff ausgesandt.

[19] unlust = "offentliches Argernis, Unzufriedenheit"

[20] muhe machen = "Unannehmlichkeiten zuziehen"

[21] eingetrieben = "zum Ruckzug gezwungen"

[22] "Wider Hans Worst" (1541), WA51.538 Z. 23 - S. 541 Z. 20.

[23] Schon die Herausgeber der WA haben in ihren Kommentaren zum Septembertestament auf zahlreiche Stellen hingewiesen, bei denen der Reformator entweder dem Erasmus-Text entgegen der Vulgata Oder der Vulgata entgegen dem Erasmus-Text gefolgt ist. Ob Luther auGerdem auch noch mittelalterliche deutsche Bibeln vorlagen, ist umstritten. Die WAwar 1929 davon noch voll uberzeugt (vgl. die Einleitung in WADB 6, S. LXXI), wohingegen Stolt dies kategorisch ablehnt (Stolt: "Luthers Ubersetzungstheorie und Ubersetzungspraxis", Berlin 1983 - S. 243) und Fussel die Mittelposition einnimmt: "Eine systematische Verwendung fruherer deutscher Bibeln ist nicht nachzuweisen, doch schloss er [Luther] sich

in seltenen Fallen an gebrauchlich gewordenen, allbekannte [sic] Formulierungen an."- Fussel (2002), S. 37.

[24] Eine Beispielseite des Novum Instrumentum habe ich im Anhang miteingefugt (Abb. 1).

[25] Weitere Informationen zum Novum Instrumentum finden sich unter dem Kapitel "Der erste gedruckte Text des griechischen NT", S. 17-22 bei Martin Heide: Der einzig wahre Bibeltext? Erasmus von Rotterdam und die Frage nach dem Urtext, N urn berg 2004.

[26] Laut Johannes Kunze, Erasmus und Luther. Der Einfluli des Erasmus auf die Kommentierung des Galaterbriefs und der Psalmen durch Luther 1519-21, Munster 2000 - S. 138.

[27] Zahlreiche Beispiele hierfur finden sich in den Anmerkungen der WA. Sie zeigen, dass Luther in Ausnahemefallen sogar sehr stark vom Griechischen abgewichen ist, z. B. wenn er einen ganzen Satz "zu viel" ubersetzt hat:
Apg 7,60
Odg 5£ to yovcna £Kpa^£ cpcovn pEyaAr), Kupi£, pq anions auioTq Tf)v apapiiav TauTqv. Kai TO0TO £ITT(i)V £KOipf|0r|.
Septembertestament
Er kniet aber nidder vnd schrey laut / Herr rucke yhn dise sund nicht auff / denn sie wissen nicht was sie thun / vnd als er das gesagt / entschlieff er.
Biblia 1545
Er kniet aber nider vnd schrey laut / HErr behalt jnen diese stinde nicht. Vnd als er das gesagt / entschlieff er.
Die WA merkt hierzu an, dass Luther erst seit 1530 dem griechischen Text folge und zuvor gemali der Vulgata ubersetzt habe (wobei die WA betont, dass auch nur wenige Vulgata- Ausgaben diesen Zusatz - "quia nesciunt quid faciunt" - besa&en, der aus Luk 23,24 heraus in die Apostelgeschichte hineingeschoben worden sei) - WADB 6,581.

[28] Bluhm (1983), S. 358.

[29] Bluhm macht in diesem Abschnitt seines Buchs (S. 370ff.) meines Erachtens zwei Fehler:
1) Er konsultiert nicht die Annotationes des Erasmus, die einige seiner Beispiele widerlegen.
2) Er unterschatzt Luthers Fahigkeit, "frei" (also nicht wortwortlich) zu ubersetzen, die Bluhm selbst ja in anderen Teilen seines Buchs sonst auch immer wieder betont.

[30] "An die Rathherren aller Stadte deutsches Lands. 1524.'', WA 15,37 Z. 18-23 und S. 38 Z. 3-6.

[31] fast = "sehr"

[32] dar beut = "darbietet"; Vgl. Delius' Vorwort "Zum Verstandnis der Luthersprache":

"Bei starken Verben des Typs 'bieten, fliegen, liegen' (lugen), 'triegen' (trugen), 'ziehen'

(2. Ablautreihe) weisen die 2. und 3. Person Singular des Prasens ein dem mittelhochdeutschen iu entsprechendes und aus ihm entstandenes eu auf, sodass diese Formen bei Luther 'du beutest / er beutet, du fleugst / er fleugt, du leugst / er leugt, du treugst / er treugt, du zeuchst / er zeucht' lauten." - Martin Luther. Studienausgabe, Bd.1 (1987), S. 20f.

[33] WA 15,39 Z. 30-32; S. 40 Z. 3-6; S. 41 Z. 8-22.

[34] Ein Lehrstuhl, dessen Einrichtung Luther selbst vom Kurfursten gefordert hatte, im Rahmen dersog. "Wittenberger Universitatsreform". Siehe hierzu: Kunze (2000), S. 44 und S. 137.

[35] Laut Fossel (2002), S. 38.

[36] "Sendbrief", StA Bd. 3, S. 476-496 in Bd. 3.

[37] Die "Summarien" zitiere ich stets nach der Weimarer Ausgabe: WA38,9ff.

[38] "Sendbrief", StABd. 3, S. 485 Z. 10-13.

[39] "Sendbrief", StA Bd. 3, S. 486f.

[40] "Sendbrief", StA Bd. 3, S. 486.

[41] Wogegen sich vor allem der Beitrag von Fricke verwehrt; "»Dem Volk aufs Maul sehen«. Be- merkungen zu Luthers Verdeutschungsgrundsatzen", S. 24-37 in: Meurer: »Was Christum treibet«. Martin Luther und seine Bibelubersetzung, Stuttgart 1996. Mehrzu diesem Thema unter dem Kapitel "Rucksicht auf die Schicklichkeit", in der vorliegenden Arbeit.

[42] "Summarien", WA38.11 Z. 24.

[43] mugen bzw. auch mogen steht bei Luther stets noch in der alten Bedeutung "vermogen, konnen" Oder auch "durfen". Vgl. das "Fruhneuhochdeutsche Glossar" in Bd. 6 der Luther- Studienausgabe von Delius (1999).

[44] "Summarien”, WA38.11 Z. 13-17.

[45] "Sendbrief", StA Bd. 3, S. 490 Z. 6-8. Bei ort in der obigen Formulierung "wo etwa an einem ort gelegenn ist" konnte es sich meines Erachtens urn einen Schreibfehler handeln, da Luther die nahezu selbe Formulierung nochmals in den "Summarien" gibt (siehe das folgende Zitat), jedoch mit wort statt ort: "das an den selben worten etwas gelegen ist".

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Martin Luthers Übersetzungsstrategien bei der "Verdolmetschung" des Neuen Testaments aus dem Altgriechischen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,0
Jahr
2012
Seiten
61
Katalognummer
V231497
ISBN (eBook)
9783656475101
ISBN (Buch)
9783656475149
Dateigröße
4041 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zitate auf Frühneuhochdeutsch, Altgriechisch und Latein (ohne Übersetzung)
Schlagworte
martin, luthers, übersetzungsstrategien, verdolmetschung, neuen, testaments, altgriechischen
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Martin Luthers Übersetzungsstrategien bei der "Verdolmetschung" des Neuen Testaments aus dem Altgriechischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231497

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