Das Thema Liebe in "La Pamela" und "Gli innamorati" von Carlo Goldoni


Hausarbeit, 2012
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

1. Einleitung

"Poche sono quelle Commedie, nelle quali non entrino innamorati, e in quasi tutte l'onesto amore è il principale movente della Comica azione.“

(Carlo Goldoni)

Mit diesen Worten erklärt Goldoni in ''L'autore a chi legge'' des Stückes Gli innamorati, dass in seinen Komödien das Thema Liebe, und besonders die Verwicklungen und Probleme der Liebenden, welche im Zentrum der Handlung stehen, von Bedeutung ist. Auch in La Pamela zeigt der Autor seinen Lesern die schönen und schwierigen Zeiten in einer Beziehung, ob Eifersucht oder Klassenunterschiede. Diese Arbeit soll die Situation der Liebespaare, ihre Relationen zu anderen Personen sowie die Hindernisse ihrer Liebe untersuchen.

Zunächst werden kurz Liebe und Ehe Carlo Goldonis dargestellt, da die Beziehung zu seiner Frau Nicoletta sein Leben und Werk prägte. Dann folgen, nach einigen allgemeinen Informationen unter Miteinbeziehung des Vorwortes, eine Darstellung der Handlung, der Personen und des Konflikts für jedes der beiden Stücke, beginnend mit La Pamela. Akt für Akt wird die Liebesverwicklung herausgearbeitet und stets eine Schlüsselszene genauer analysiert; ebenso bei der Komödie Gli innamorati. Daraufhin folgt ein Vergleich der Stücke und das Fazit hinsichtlich gemeinsamen Motiven oder Schwerpunkten, Unterschieden und Lösung des Problems; am Schluss wird die verwendete Literatur in der Quellenangabe genannt.

2. Carlo Goldoni: Seine Liebesgeschichte, seine Zeit

Als Goldoni im Jahr 1736 mit seiner fahrenden Theatertruppe zuerst nach Florenz, dann weiter nach Genua reiste, lernte er dort seine zukünftige Ehefrau Nicoletta Connio, die Tochter eines Notars, kennen. Auch wenn er zugibt, „er habe [...] zunächst Hochachtung, erst mit der Zeit auch Liebe empfunden“ (Scheible 84), war seine Zuneigung zu ihr tief und ehrlich. Über Nicoletta selbst ist nur wenig bekannt; selten schreibt Goldoni ausführlich über sie. Dennoch spielte sie in seinem Leben die weibliche Hauptrolle.

Goldoni schätzte ihre Geduld, Treue und ihr Verständnis für seine Arbeit, sodass er 25 Jahre nach der Hochzeit „mit der Gescheitheit seiner Nicoletta eine seiner Frauenfiguren beschenk[t]: die gereifte, weiblich reizvolle Felice, die die skurrilen «Herren im Haus» so gescheit zu lenken und zu beschwichtigen versteht“ (Kenter 425). Auch habe sie seine Komödien laut vorgelesen und dabei gelacht und geweint, in jedem Fall aber ihre Meinung und Gefühle offen gezeigt, wie Goldoni in einem Brief an Nicolettas Vater erzählt. Die Ehe blieb zwar kinderlos, doch sie dauerte bis zu seinem Tod am 6. Februar 1793; knapp zwei Jahre später starb auch Nicoletta.

Trotz der vielen Reisen, die Goldoni unternahm, war sie keine eifersüchtige Ehefrau. Dazu schreibt Hösle:

Wichtiger war für ihn [Goldoni], daß [sic] ihm Nicoletta keine zusätzlichen Probleme in [der] Ehe schuf [...]. Sie mußte [sic] auch häufig mit seiner Mutter und Tante in den in den verschiedensten venezianischen Wohnungen zusammenleben, wenn ihr Mann wieder einmal für längere Zeit auf der Terraferma war. Eifersucht scheint seine Frau wenig geplagt zu haben [...]. Mit Schreikrämpfen und hysterischen Anfällen scheint Nicoletta die Eskapaden ihres Mannes selten oder nie quittiert zu haben. Er wußte [sic] ihr Dank dafür (82).

Seine Ehefrau war der Orientierungspunkt und Ruhepol in Goldonis Leben; sie hat mit ihm gemeinsam sowohl seinen Aufstieg als auch schwierige Zeiten mit wenig Geld und Luxus durchlebt. Daher war die Liebe, die er mit ihr erfahren durfte, eine positive Kraft für Goldoni, die Schwierigkeiten überwinden kann; dies zeigt sich nun auch in vielen seiner Komödien. Mit der Darstellung der Liebe und der Liebenden ist ebenfalls Carlo Goldonis Theaterreform und sein Bewusstsein für die Gesellschaft, in der er lebte, in engem Zusammenhang zu sehen. Der Autor war mit den Praktiken der bis dahin vorherrschenden commedia dell'arte nicht zufrieden: Während deren Hauptziel es war, die Zuschauer mit sehr verwickelten Handlungssträngen und irrealen Geschehnissen zu unterhalten, legte Goldoni auf etwas anderes Wert. Die sozialen Begebenheiten und Probleme genau beobachtend, wollte er mit seiner Kunst darauf aufmerksam machen: „[M]an will Fehlern [...] mit zielsicherer Unmittelbarkeit zu Leibe rücken. Goldonis Gedanken einer

Reform des Theaters ist nichts anderes als die vorausahnende Gewißheit [sic] von der Notwendigkeit einer grundsätzlichen Veränderung auch der gesellschaftlichen Situation“ (Kenter 411). Nur durch seine positive Haltung kann er überzeugt sein, dass es möglich ist, etwas zu bewegen. Als treibende Kraft sieht er die Klasse der borghesia, aus der er auch selbst stammt. Was die Moral angeht, so ist Erstere dem Adel überlegen; dieser Aspekt erscheint auch in La Pamela, da die Protagonistin nicht bereit ist, ihre Ehre und die des Milord Bonfil in den Schmutz zu ziehen.

Goldoni erkenntjedoch nicht nur die gesellschaftliche Situation, er hält es auch für wichtig, gerade wenn es um die Liebe geht, die Leidenschaft und Empfindungen seiner Figuren direkt von den Schauspielern vermittelt zu sehen - ohne die Distanz der Masken. Dieser Wechsel hin zu einer commedia di situazione e di carattere und weg vom Stegreiftheater unterstützte entscheidend die Vorstellung des Publikums, es nun mit konkreten Menschen in realen Lebensumständen zu tun zu haben. Wie La Pamela und Gli innamorati zeigen, geht es auch nicht mehr um skandalöse, verwerfliche Liebeleien; vielmehr, so Boaglio, sollte „in dem realitätsnahen Bühnengeschehen [...] das Belehrende und das Unterhaltsame in das Zentrum des Geschehens gerückt werden. Goldoni kämpfte für ein [...] moralisches Theater, das das Anstößige in Gestik, Sprache und Inhalten vermied“ (90). Es sind also echte Gefühle, die der Autor vermitteln will, denn für ihn ist die Liebe ein essenzieller Teil des Lebens.

3. La Pamela

3.1 Allgemeine Informationen zur Komödie

Zum ersten Mal aufgeführt wurde das Stück im Jahr 1750 in Mantua. Doch der vollendeten Komödie ging eine schwierige Zeit voraus: Nicht nur, dass Pietro Chiari, Autor und Dichter aus Brescia, ein Stück von Goldoni parodierte, woraufhin dieser in einem prologo apologetico seine Komödie verteidigte, auch die Behörden wurden auf den Streit aufmerksam und verboten beide Stücke sowie den Großteil von Goldonis Werken, die er zwischen 1750 und 1760 geschrieben hatte. Nach dem Misserfolg von L'erede fortunata „glaubt Goldoni die Situation nur dadurch retten zu können, daß [sic] er für die kommende Saison nicht weniger als sechzehn neue Stücke ankündigt“ (Scheible 122) - eine gewaltige Aufgabe angesichts der Tatsache, dass er davon noch kein einziges fertig hatte. Dennoch bewältigte Goldoni diese Herausforderung und hielt sein Versprechen, wobei La Pamela, eine dieser Komödien, genau genommen die Bearbeitung des Briefromans Pamela, or Virtue Rewarded von Samuel Richardson ist. Der Roman, seinerzeit ein großer Erfolg, erfuhr unter Goldoni aber auch einige Änderungen; dies sowie mögliche Gründe hierfür sollen später noch einmal genauer zur Sprache kommen. Das Stück wurde einer seiner größten Erfolge in Goldonis Schriftstellerkarriere, doch besonders wichtig ist, dass es ganz ohne Masken aufgeführt wurde. Im Jahr 1756 schreibt Goldoni das Libretto La buona figliola, eine Bearbeitung der Pamela.

In seinem Vorwort „L’autore a chi legge“ lobt Goldoni seine Protagonistin nicht gerade, doch sogar „Pamela, benché vile ed abbietta, merita di essere da un Cavaliere sposata“ (331). Ebenfalls kommt er auf das Problem der Klassenunterschiede zu sprechen, denn die Tugend sei ein höheres Gut als Adel und Reichtum; schließlich vergisst er aber auch nicht zu erwähnen, dass „[q]uesta è una commedia, in cui le passioni sono con tanta forza e tanta delicatezza trattate“ (332); und obwohl er wisse, dass es viele gebe, die gerade solche Komödien verachteten, seien gerade Gefühle wichtig, um eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen.

Das Stück ist in drei Akte unterteilt und spielt in London im Haus des Milord Bonfil. Die hübsche Pamela war Dienerin seiner Mutter, diejedoch verstorben ist. Zwar gezieme es sich nicht, dass sie allein unter Männern im Haus wohnen bleibe, doch Bonfil will Pamela auf keinen Fall gehen lassen. Er sagt, er liebe sie, hegejedoch keinerlei Heiratsabsichten. Seine Schwester, Miledi Daure, wolle sie in ihre Dienste nehmen. Pamela ist brüskiert darüber, dass ihr padrone ihr Geld anbietet, als er um ihre Hand bittet: Für sie sei es undenkbar, ihre Tugend aufs Spiel zu setzen, da sie den Klassenunterschied zwischen ihnen beiden anerkennt. Auch Milord Artur rät Bonfil von einer Heirat mit einer Bürgerlichen ab. Pamela ist so unglücklich, weil sich Bonfil so verändert hat, dass sie zu ihren Eltern aufs Land zurückkehren möchte. Als Miledi Pamela abholen will, kommt es zum Streit zwischen ihr und ihrem Bruder, und sie schwört Rache. Von Milord Artur überzeugt, stimmt Bonfil zu, Pamela zu verheiraten und selbst für drei Tage seinem Haus fernzubleiben. Als er abreist, schärft er ihr ein, bis zu seiner Rückkehr dazubleiben. Miledi Daure kommt mit ihrem Neffen; beide provozieren Pamela, um sie dazu zu bringen, mit ihnen zu gehen. Andreuve, Pamelas Vater, kommt um Pamela mit sich zu nehmen, und es stellt sich heraus, dass er ein Adliger ist, der inkognito lebte, und dass Pamela daher auch der nobiltà angehört. Bonfil verspricht, beim König ein gutes Wort für ihn einzulegen; schließlich steht seiner Hochzeit mit Pamela nichts mehr im Wege.

3.2 Erster Akt

Im Laufe des ersten Aktes, bestehend aus neunzehn Szenen, werden die Figuren vorgestellt und der Leser in die Problematik eingeführt. Gleich zu Anfang wird Pamela als eine sehr mitfühlende Person dargestellt, die ihre Emotionen und alles, was ihr Innerstes bewegt, auch anderen gegenüber zeigt. Sie weint um ihre verstorbene padrona, der sie stets dankbar sein wird, zu ihr so freundlich gewesen zu sein. Auch Madama Jevre hat Pamela gern („Io v’amo come mia figlia“, 337), ebenso wie alle Bediensteten im Hause Bonfils. Pamela gesteht ihre Zuneigung zu diesem, doch gleichzeitig wird auch ihre Angst deutlich, dass dieser ihre Ehre bedrohen könnte, wenn seine Leidenschaft ihn überkommt und er ungestüm wird: „Non vorrei che mi trovasse sola il padrone. [...] Egli è uomo“ (338).

Als Bonfil Pamela den Ring seiner Mutter schenken will, sträubt sie sich zunächst dagegen, ihn anzunehmen. Es zeigen sich hier ihre Bescheidenheit und das Gefühl, nicht auf derselben Stufe mit dem Adel zu stehen. Bonfil versucht, Madama Jevre als Verbündete zu gewinnen, denn sie soll Pamela von seiner Liebe erzählen. Sie will sich zunächst seiner guten Absichten vergewissern, aber muss erfahren, dass Bonfil zwar meint, ohne Pamela nicht leben zu können, jedoch nicht an eine Heirat denke. Er wird ungehalten und verlangt kurz angebunden innerhalb einer Stunde eine Antwort.

In ihrem folgenden Monolog wünscht Pamela sich, dass sie und ihr padrone vom gleichen Stand wären: „Oh fosse egli un servo come io sono, o foss’io una dama, com’egli è cavaliere!“ (342). An dieser Stelle wagt Goldoni nicht, seine Figuren darüber hinwegsehen zu lassen - dies deutet schon darauf hin, dass für ein glückliches Ende der beiden eine andere Lösung gefunden werden muss als diejenige in Richardsons Roman, dessen Pamela trotz der sozialen Kluft Bonfils Ehefrau wird und in eine höhere Gesellschaftsschicht aufsteigt.

Bonfil betritt das Zimmer, um Pamela mitzuteilen, dass seine Schwester sie als ihre Dienerin bei sich aufnehmen wolle. Dies dient ihm als Vorwand, Pamela nicht allzu weit von ihm entfernt zu wissen, gibt er doch zu: „Mia sorella è una pazza“ (343). Eigentlich hätte er eine negative Antwort erwartet, da Pamela doch von seiner Liebe zu ihr wisse. Als er um ihre Hand bittet und sie sie ihm verweigert („Ardirò tutto pel mio decoro [...]. Siete peggio assai di un demonio, se m’insidiate l’onore“, 344), wird er aufbrausend und ist beleidigt. Nachdem Pamela ihn gebeten hat, sich ruhig anzuhören, was sie zu sagen habe, macht sie ihm klar, wie wichtig für sie Ruf und Ehre seien, die sich nicht kaufen ließen. Auch sei sie um Bonfils Ansehen besorgt: „Che volete, signore, che dica il mondo di voi, se vi abbassate cotanto con una serva?“ (345), und trotz allem hasse sie ihn nicht. Madama Jevre meint, Pamela sei ein zu aufrichtiges Mädchen für Bonfil, derjedoch darauf besteht, dass er sie für sich haben wolle.

Die Miledi wittert von Anfang an die mögliche Schande, die Pamela über sie alle bringen könnte. Um die beiden voneinander getrennt zu halten, gibt sie vor, Pamela könne ihm erst wieder dienen, wenn er verheiratet sei. Bonfils Schwester spielt also die Rolle der Antagonistin, die unter einem Vorwand Pamela unbedingt aus ihres Bruders Haus bringen will.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Thema Liebe in "La Pamela" und "Gli innamorati" von Carlo Goldoni
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V231873
ISBN (eBook)
9783656486640
ISBN (Buch)
9783656485780
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
thema, liebe, pamela, carlo, goldoni
Arbeit zitieren
Manü Mohr (Autor), 2012, Das Thema Liebe in "La Pamela" und "Gli innamorati" von Carlo Goldoni, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231873

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