Von der Politik und Wirtschaft wird bereits seit längerem eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit gefordert, um angemessen auf Veränderungen reagieren zu können. Hierdurch hat die Zahl der Beschäftigungsformen, die vom ursprünglichen Normalarbeitsverhältnis abweichen, in Deutschland immer weiter zugenommen. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit die Arbeit zugleich wirtschaftlicher und humaner zu gestalten (Schülter/Nickels 2006, S. 19). Im Bereich der stationären Altenhilfe sind flexible Arbeitszeiten zusätzlich notwendig, um den Versorgungsauftrag sicherzustellen. Darüber hinaus weisen sie jedoch auch verschiedene weitere Potenziale auf. So sind flexible Arbeitszeiten beispielsweise bedarfsgerechter, weil sie sich besser an die Bedürfnisse der BewohnerInnen anpassen lassen. Für den Arbeitgeber sind sie ökonomischer, da sie einen sparsameren Umgang mit der Arbeitszeit ermöglichen. Zudem können flexible Arbeitszeiten auch mitarbeiterorientiert sein, wenn sie eine Umsetzung der individuellen Zeitinteressen der MitarbeiterInnen ermöglichen (Herrmann/Jelenski 2003, S. 5).
Insbesondere der Mitarbeiterorientierung kann heutzutage eine große Bedeutung beigemes-sen werden. Arbeitgeber müssen die Interessen der MitarbeiterInnen berücksichtigen, wenn sie in Zeiten eines sich weiter verschärfenden Fachkräftemangels wettbewerbsfähig bleiben wollen. Wenn MitarbeiterInnen im Rahmen eines angebotenen Arbeitszeitmodells ihre per-sönlichen Interessen besser mit den beruflichen Verpflichtungen vereinbaren können, kann hieraus ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für den Arbeitgeber entstehen (Herr-mann/Jelenski 2003, S. 5).
Aus diesem Grund erfolgt in dieser Ausarbeitung eine Bewertung von zwei flexiblen Arbeits-zeitmodellen aus Perspektive der MitarbeiterInnen. Neben dem herkömmlichen Modell der Schichtarbeit soll das Job-Sharing vorgestellt und beurteilt werden. Hierfür werden zunächst Bewertungskriterien erarbeitet, welche anschließend zur Bewertung der beiden Arbeitszeit-modelle herangezogen werden. Ziel dieser Arbeit ist es somit zu vergleichen ob sich bei der Schichtarbeit bereits um ein mitarbeiterorientiertes Arbeitszeitmodell handelt oder ob durch die Umsetzung des Job-Sharings ggf. weitere Vorteile für die MitarbeiterInnen generiert wer-den könnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hintergrund und Relevanz des Themas
3 Bewertung von Arbeitszeitmodellen
3.1 Dauer der Arbeitszeit
3.2 Lage der Arbeitszeit
3.3 Autonomieorientierung
4 Arbeitszeitmodelle im Vergleich
4.1 Normalarbeitszeit und flexible Arbeitszeit
4.2 Schichtarbeit
4.3 Job-Sharing
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, flexible Arbeitszeitmodelle in der stationären Altenhilfe aus Sicht der MitarbeiterInnen zu bewerten, um Strategien gegen den Fachkräftemangel zu identifizieren und die Humanisierung der Arbeitswelt zu fördern.
- Bewertung von Arbeitszeitmodellen anhand definierter Kriterien (Dauer, Lage, Autonomie)
- Analyse der gesundheitlichen und psychosozialen Auswirkungen von Schichtarbeit
- Untersuchung des Job-Sharings als alternative Arbeitsform in der Pflege
- Vergleich der Mitarbeiterorientierung zwischen Schichtarbeit und Job-Sharing
- Bedeutung von Work-Life-Balance und Autonomie für die Arbeitgeberattraktivität
Auszug aus dem Buch
3.3 Autonomieorientierung
Der Begriff der Autonomieorientierung ist als Metakriterium für die Kriterien Dauer und Lage der Arbeitszeit zu verstehen und gibt Auskunft über das Ausmaß der Selbst- bzw. Mitbestimmung der MitarbeiterInnen über ihre Arbeitszeit. Damit soll verdeutlicht werden, dass nicht allein das Ausmaß der Flexibilität eines Arbeitszeitmodells relevant ist. Wenn die MitarbeiterInnen selbst keinen Einfluss auf die Dauer und Lage der Arbeitszeit nehmen können, sondern diese Entscheidungen ausschließlich durch den Arbeitgeber getroffen werden, kann die Flexibilisierung der Arbeitszeit auch mit negativen Konsequenzen verbunden sein.
Erklärungsansatz hierfür kann das psychologische Konstrukt der Kontrolle angeführt werden. Dabei ist Kontrolle in dem Ausmaß gegeben, „in dem eine Person oder ein Kollektiv von Personen über Möglichkeiten verfügen, relevante Bedingungen und Tätigkeiten entsprechend eigenen Zielen, Bedürfnissen und Interessen zu beeinflussen“ (Baillod et al. 1997, S. 53). Diese Kontrollmöglichkeit ist psychologisch äußerst bedeutsam: Bereits das Wissen darüber, dass eine Situation kontrollierbar ist, reduziert deren negative Auswirkungen – unabhängig davon, ob diese Kontrolle tatsächlich ausgeübt wird oder nicht. Neben diesen kurzfristigen Effekten ist das Konstrukt der Kontrolle auch langfristig bedeutsam. Durch die erlebte (bzw. fehlende) Kontrolle entstehen generalisierte Erwartungen. Personen, die regelmäßig hohe Kontrollmöglichkeiten erleben, werden beispielsweise als leistungsorientierter und stressresistenter beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit flexibler Arbeitszeiten in der stationären Altenhilfe, um den Spagat zwischen wirtschaftlichen Anforderungen, Mitarbeiterorientierung und dem Fachkräftemangel zu meistern.
2 Hintergrund und Relevanz des Themas: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel der Arbeitszeit und die spezifischen Belastungen durch Schichtarbeit, die sich negativ auf die Gesundheit und das soziale Leben der Pflegenden auswirken.
3 Bewertung von Arbeitszeitmodellen: Hier werden die Bewertungskriterien Dauer, Lage der Arbeitszeit und Autonomieorientierung definiert, die als Maßstab für die Beurteilung der betrachteten Modelle dienen.
4 Arbeitszeitmodelle im Vergleich: In diesem Hauptteil erfolgt die detaillierte Gegenüberstellung von Schichtarbeit und Job-Sharing unter Anwendung der zuvor erarbeiteten Kriterien.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Job-Sharing gegenüber der klassischen Schichtarbeit deutliche Vorteile für die Work-Life-Balance bietet und eine Empfehlung für Arbeitgeber darstellt.
Schlüsselwörter
Altenhilfe, Arbeitszeitmodelle, Schichtarbeit, Job-Sharing, Mitarbeiterorientierung, Work-Life-Balance, Autonomieorientierung, Fachkräftemangel, Dienstplanung, Pflege, Arbeitsbelastung, Flexibilisierung, Normalarbeitszeit, Gesundheit, Wettbewerbsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und bewertet flexible Arbeitszeitmodelle in Einrichtungen der stationären Altenhilfe aus der Perspektive der Beschäftigten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Ausgestaltung von Arbeitszeiten, die Auswirkungen auf die Mitarbeitergesundheit und die Suche nach Modellen, die sowohl human als auch wirtschaftlich attraktiv sind.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Job-Sharing im Vergleich zur herkömmlichen Schichtarbeit ein mitarbeiterorientierteres Modell darstellt, um die Zufriedenheit und Verweildauer in der Pflege zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der systematischen Anwendung von Bewertungskriterien (Dauer, Lage, Autonomie) zur Analyse von Arbeitszeitmodellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von Bewertungskriterien und den anschließenden Vergleich zwischen Schichtarbeit und dem Modell des Job-Sharings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Altenhilfe, Arbeitszeitflexibilisierung, Job-Sharing, Work-Life-Balance und Mitarbeiterorientierung zusammenfassen.
Warum wurde gerade das Job-Sharing als Alternative zur Schichtarbeit gewählt?
Das Modell des Job-Sharings wurde gewählt, da es sich vergleichsweise unkompliziert in bestehende betriebliche Abläufe der stationären Altenhilfe integrieren lässt.
Welchen Einfluss hat die Autonomieorientierung auf die Mitarbeiterzufriedenheit?
Eine hohe Autonomieorientierung, verstanden als Mitbestimmungsmöglichkeit, reduziert Stress und erhöht die Leistungsfähigkeit, da Mitarbeiter ihre beruflichen Anforderungen besser mit persönlichen Zielen vereinbaren können.
Was ist das Hauptproblem bei der Schichtarbeit in der Altenhilfe?
Die Schichtarbeit schränkt durch ihre Lage und Unvorhersehbarkeit die soziale Teilhabe und die Work-Life-Balance der Beschäftigten stark ein, was sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann.
Welches Fazit zieht der Autor hinsichtlich der Arbeitgeberattraktivität?
Der Autor schließt, dass Arbeitgeber durch die Implementierung von flexiblen Modellen wie dem Job-Sharing einen Wettbewerbsvorteil erlangen, um dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
- Quote paper
- Pajam Rais Parsi (Author), 2013, Flexibilisierung der Arbeitszeit in der Pflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232132