Die Arbeitslosigkeit ist ein in Wirtschaft, Politik und Medien stetig präsentes Thema und Problem, dessen angestrebte Lösung bekannte und bis in die heutige Zeit angewendete Theorien hervorgebracht hat, ohne dass deren wie auch immer modifizierte Anwendung zu einer dauerhaften Lösung des gesellschaftspolitischen Problems der Arbeitslosigkeit geführt hat.
Vor und nach der Weltwirtschaftskrise machte besonders John Maynard Keynes auf sich aufmerksam, da er in deren Vorfeld die Rückkehr zum Goldstandard kritisierte (vgl. Keynes 1931, S. 1) und zur gleichen Zeit ein eigenes Konzept zur Stabilisierung der Wirtschaft entwarf. Die neoklassische Theorie der Wirtschaftspolitik, welche bis 1920 das Handeln der Regierungen dominierte, und ihre Vertreter wie z.B. Milton Friedman, wurden zunächst in den Hintergrund gedrängt, konnten jedoch ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder an Popularität gewinnen. Dennoch bleibt die Arbeitslosigkeit bis heute ein Problem, welches nie als gelöst galt, da sich die Politiker verschiedener Länder über den einzuschlagenden politischen Weg zu deren Bekämpfung uneinig sind und international teils gegensätzliche Maßnahmen ergriffen wurden. Bekanntestes und aktuellstes Beispiel für die Rückbesinnung auf den Keynesianismus ist das Vorgehen von Barack Obama, welcher das so genannte „deficit spending“ als Maßnahme zur Belebung der inländischen Wirtschaft betreibt (vgl. Blumberg, Davindson 2009). Um die angesprochene Uneinigkeit der globalen Gemeinschaft bzw. der Regierungen darzustellen, sei an dieser Stelle auf die Bemühungen Angela Merkels verwiesen, welche seit der Wirtschaftskrise 2007 zu einer gemäßigten Investitionspolitik bei gleichzeitiger Einsparung im Arbeits- und Sozialbereich aufruft und andere EU-Länder dazu auffordert, die Staatsverschuldung gering zu halten (vgl. Volkery 2013).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arbeitslosigkeit
2.1 Begriffsdefinition „arbeitslos“
2.2 Formen von Arbeitslosigkeit
2.3 Freiwillige und unfreiwillige Arbeitslosigkeit
3. Das Problem der Arbeitslosigkeit in der Neoklassischen Theorie
4. Der Keynesianische Ansatz und die Arbeitslosigkeit
5. Die Großtheorien in der Realität
5.1 Die Wirtschaftspolitik Deutschlands
5.2 Die gegenwärtige Wirtschaftspolitik der U.S.A.
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit neoklassischer und keynesianischer Theorien zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit im Kontext der aktuellen wirtschaftspolitischen Maßnahmen in Deutschland und den USA.
- Theoretische Grundlagen von Arbeitslosigkeit und Beschäftigung
- Gegenüberstellung neoklassischer und keynesianischer Erklärungsansätze
- Analyse der wirtschaftspolitischen Praxis in Deutschland (Agenda 2010)
- Analyse der wirtschaftspolitischen Praxis in den USA (deficit spending)
- Kritische Bewertung der Wirksamkeit beider Konzepte in der Realität
Auszug aus dem Buch
3. Das Problem der Arbeitslosigkeit in der Neoklassischen Theorie
Die neoklassische Theorie bildete sich im Anschluss an die von Adam Smith entworfene klassische Nationalökonomie (vgl. Beckert 2007: 467) und prägte schon sehr früh das wirtschaftspolitische Handeln verschiedener Staaten. Mit der Weltwirtschaftskrise geriet das Konstrukt jedoch in heftige Kritik, da führende Neoklassiker die Geschehnisse auf dem Arbeitsmarkt nicht erklären konnten. Grundlegend sieht der neoklassische Ansatz den Markt in seiner vollen Bandbreite als ein nach Gleichgewicht strebendes Ganzes, in dem sich nach Léon Walras' Theorie das Angebot und die Nachfrage auf allen Teilmärkten insgesamt ausgleichen (vgl. Beckert 2007: 467 und Jolink / Van Daal 2006: 16f.).
Hierbei ermittelt sich der zu Vollbeschäftigung führende Preis der Arbeit durch eine walrasianische Auktion (vgl. Scheuer 1987:104), bei der Verkäufer und Käufer, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, den Preis bzw. Lohn so lange abändern, bis „der markträumende Preis ermittelt ist“ (vgl. ebd.). Da seit Ende der 60er Jahre 20. Jahrhunderts die Arbeitslosenzahlen in Deutschland jedoch angestiegen sind, scheint das Gleichgewicht hier nicht vorhanden zu sein. Allgemein wird dies aus neoklassischer Sicht damit begründet, dass der Markt nicht frei agieren kann, da seine Handlungsfähigkeit durch staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen und das Wirken Gewerkschaften eingegrenzt wird. Konkret äußerst sich diese Eingrenzung in Tarifverträgen und gesetzlich festgelegten Abgaben (Lohnsteuer etc.), welche die Lohnkosten der Unternehmen in die Höhe treiben und das aus neoklassischer Sicht natürliche Gleichgewicht verhindern.
Als Folge dessen ergibt sich „unfreiwillige Arbeitslosigkeit“, da Arbeitsstellen aufgrund zu hoher Lohnkosten unbesetzt bleiben (vgl. Schumacher 2004: 5, 31) oder in andere Länder mit geringeren Löhnen verlagert werden. Das Gegenstück hierzu ist die „freiwillige Arbeitslosigkeit“, welche auch bei flexiblen Reallöhnen möglich ist, jedoch in den Theorien nicht als Problem aufgefasst wird, da die betroffenen Personen ihre Arbeitslosigkeit frei gewählt haben und nicht durch wirtschaftspolitische Maßnahmen eine neue Beschäftigung aufnehmen würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Arbeitslosigkeit ein und stellt die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit neoklassischer und keynesianischer Konzepte in der heutigen Wirtschaftspolitik.
2. Arbeitslosigkeit: Hier werden Definitionen sowie verschiedene Formen der Arbeitslosigkeit, wie etwa strukturelle, saisonale oder friktionelle Arbeitslosigkeit, systematisch erläutert.
3. Das Problem der Arbeitslosigkeit in der Neoklassischen Theorie: Dieses Kapitel beschreibt den neoklassischen Ansatz eines markträumenden Gleichgewichts und ordnet Arbeitslosigkeit primär als Folge von Markteingriffen oder freiwilliger Entscheidung ein.
4. Der Keynesianische Ansatz und die Arbeitslosigkeit: Dieser Abschnitt erläutert Keynes' Kritik am Marktgleichgewicht und die Forderung nach staatlichen Eingriffen durch investitionsfördernde Nachfragepolitik.
5. Die Großtheorien in der Realität: Hier wird die praktische Umsetzung der Theorien anhand von Beispielen diskutiert.
5.1 Die Wirtschaftspolitik Deutschlands: Dieses Kapitel analysiert die deutsche Wirtschaftspolitik, insbesondere die Agenda 2010, als Mischung aus verschiedenen ökonomischen Ansätzen.
5.2 Die gegenwärtige Wirtschaftspolitik der U.S.A.: Hier werden die US-amerikanischen Konjunkturpakete und das Prinzip des deficit spending im Kontext der Finanzkrise untersucht.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine rein theoretische Politik selten ist und Erfolg in einer global vernetzten Wirtschaft komplexe, situative Ansätze erfordert.
Schlüsselwörter
Arbeitslosigkeit, Neoklassik, Keynesianismus, Wirtschaftspolitik, Deutschland, U.S.A., Agenda 2010, deficit spending, Vollbeschäftigung, Arbeitsmarkt, Finanzkrise, Weltwirtschaftskrise, Konjunktur, Reallohn, Marktgleichgewicht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwiefern die beiden ökonomischen Hauptströmungen, Neoklassik und Keynesianismus, zur Lösung des Problems der Arbeitslosigkeit beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Untersuchung umfasst die theoretischen Grundlagen der Arbeitslosigkeit, die Kontrastierung der neoklassischen und keynesianischen Lehrmeinungen sowie eine empirische Betrachtung der Wirtschaftspolitik in Deutschland und den USA.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, ob Regierungen durch die Anwendung dieser Theorien Arbeitslosigkeit effektiv bekämpfen können und welche Herausforderungen dabei in der politischen Praxis auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die ökonomische Konzepte auf aktuelle politische Fallbeispiele (wie die Agenda 2010 oder Obamas Konjunkturpakete) anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der verschiedenen Arbeitslosigkeitsformen sowie die Gegenüberstellung von Angebotspolitik und nachfrageorientierter Politik in der realen Umsetzung beider Länder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeitslosigkeit, Neoklassik, Keynesianismus, deficit spending, Vollbeschäftigung und Wirtschaftspolitik.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Neoklassik von der des Keynesianismus bei unfreiwilliger Arbeitslosigkeit?
Die Neoklassik betrachtet unfreiwillige Arbeitslosigkeit als Resultat von Marktstörungen durch äußere Eingriffe, während der Keynesianismus sie als systemimmanentes Versagen der Nachfrage erkennt.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Wirksamkeit der Theorien?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass keine der beiden Theorien in ihrer Reinform angewendet wird und dass eine situative Kombination von Maßnahmen in einer global vernetzten Welt erfolgreicher erscheint.
- Citation du texte
- Christopher Hauck (Auteur), 2013, Das Problem der Arbeitslosigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232245