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Das Elternwahlrecht. Regenerator sozialer Ungleichheit?

Eine kritische Bestandsaufnahme des Hamburger Schulstreites mit theoretischen Betrachtungen nach Pierre Bourdieu

Title: Das Elternwahlrecht.  Regenerator sozialer Ungleichheit?

Essay , 2010 , 7 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Yvonne Rötter (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Am 18. Juli 2010 wird in Hamburg gewählt. An jenem Sonntag bekommt das Volk die Möglichkeit über die Schulpolitik Hamburgs abzustimmen. Erstmals stehen seit der Gründung der Bundesrepublik in einem Volksentscheid die Parteien unterschiedlicher Couleur geschlossen einem Großteil der Hamburger Landesbürger gegenüber. Grund dafür ist die von der Hamburger Bürgerschaft unter Führung der CDU und der Grünen Alternativen Liste (GAL) beschlossene Änderung des Hamburger Schulgesetzes, die anstelle der vierjährigen Grundschule die Einführung einer sechsjährigen Primarschule vorsieht. Ursprünglich sollte mit der Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre auch das Elternwahlrecht, also das Recht der Eltern über die Wahl der weiterführenden Schulform ihres Kindes, weitestgehend eingeschränkt werden. Hier kam es jedoch zu einem erbitterten Widerstand der Elternschaft in Form eines Volksbegehrens, sodass die Bürgerschaft sich darauf einigte, das Elternwahlrecht auf die sechste Klasse zu verschieben. Allerdings ist sowohl die Primarschule als auch die damit einhergehende Verschiebung des Elternwahlrechtes bei Hamburger Eltern stark umstritten. Auf diese Weise formierte sich die Elterninitiative „Wir wollen Lernen“, die für ein Elternwahlrecht ab Klasse vier sowie für die Beibehaltung weiterführender Schulen ab der fünften Klasse plädiert. Sie schaffte es, die für einen Volksentscheid benötigten 180.000 Stimmen einzusammeln und so einen Volksentscheid zu erwirken. Darum wird am 18. Juli 2010 in Hamburg gewählt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Das Elternwahlrecht - Regenerator sozialer Ungleichheit? Eine kritische Bestandsaufnahme des Hamburger Schulstreites mit theoretischen Betrachtungen nach Pierre Bourdieu

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht aus soziologischer Perspektive, ob und wie das Elternwahlrecht bei der Entscheidung über die weiterführende Schulform zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beiträgt, wobei der Hamburger Schulstreit als Fallbeispiel dient.

  • Analyse des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg
  • Anwendung der Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu
  • Bedeutung des Habitus bei der Lehrerempfehlung und Schulwahl
  • Rolle ökonomischen, sozialen und kulturellen Kapitals bei Bildungsentscheidungen
  • Kritische Würdigung des Elternwahlrechts im Kontext der Chancengleichheit

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung des Kapitals für die schulische Leistung

Soziologisch betrachtet liegt die Ursache für das bessere Abschneiden der Schüler aus den oberen sozialen Schichten darin begründet, dass deren Eltern über ein Mehr an Kapital verfügen, von dem die Kinder entsprechend profitieren können. Je größer das ökonomische Kapital der Eltern ist, desto größer ist in der Regel auch das soziale Kapital, d.h. das Netzwerk an sozialen Beziehungen, von dem ein Kind wiederum profitieren kann. So knüpft beispielsweise ein Kind einer großbürgerlichen Familie aus Blankenese andere soziale Beziehungen als ein Kind, das in einem sozial benachteiligten Elternhaus aus Billstedt sein soziales Umfeld hat. Außerdem haben Eltern mit einem großen ökonomischen Kapital mehr Möglichkeiten ihre Kinder mittels Nachhilfe oder der Finanzierung hochwertiger Lehrmaterialien beim Aufbau von kulturellem Kapital in Form von schulischem Wissen zu unterstützen. Dieses Beispiel verdeutlicht die Rolle des (ökonomischen) Kapitals der Eltern für die schulischen Leistungen des Kindes.

In Bezug auf das Elternwahlrecht hat die sozioökonomische Stellung der Eltern ebenfalls einen nicht unerheblichen Einfluss. Eltern aus den gehobenen sozialen Schichten neigen sogar dazu, ihre Kinder trotz schlechter schulischer Leistungen auf ein Gymnasium zu schicken. Durch ihre hohe Ausstattung mit ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital sind allerdings die Chancen, dass das Kind diese Herausforderung dennoch schafft, größer als z.B. für ein Kind aus der sozialen Mittel- oder Unterschicht. Des Weiteren verfügen Eltern aus den bürgerlichen oder großbürgerlichen Schichten aufgrund ihres Kapitals über ein stärkeres Selbstvertrauen sowie über eine andere Wahrnehmung der schulischen Leistung ihres Kindes.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Elternwahlrecht - Regenerator sozialer Ungleichheit? Eine kritische Bestandsaufnahme des Hamburger Schulstreites mit theoretischen Betrachtungen nach Pierre Bourdieu: Das Kapitel führt in die Problematik des Hamburger Volksentscheids ein, beleuchtet die bildungstheoretische Relevanz der sozialen Herkunft und diskutiert die Mechanismen, durch die das Elternwahlrecht soziale Ungleichheit verstetigen kann.

Schlüsselwörter

Elternwahlrecht, soziale Ungleichheit, Pierre Bourdieu, Kapitaltheorie, Hamburger Schulstreit, Bildungssoziologie, primäre Herkunftseffekte, sekundäre Herkunftseffekte, Habitus, soziale Herkunft, Schulleistung, Bildungsaspiration, ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern das Elternwahlrecht im deutschen Bildungssystem zur Regenerierung und Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheiten beiträgt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg, die Auswirkungen des Elternwahlrechts auf die Schullaufbahn sowie die Theorie des französischen Soziologen Pierre Bourdieu.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist eine kritische Bestandsaufnahme des Hamburger Schulstreites, um zu prüfen, ob ein freieres Elternwahlrecht tatsächlich zu einer größeren sozialen Ungleichheit führt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine soziologische Perspektive und wendet das theoretische Instrumentarium von Pierre Bourdieu – insbesondere das Konzept der verschiedenen Kapitalformen und des Habitus – auf die aktuelle bildungspolitische Debatte an.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie Eltern je nach sozialem Hintergrund ihre Bildungsentscheidungen treffen, welche Rolle die Lehrerempfehlung spielt und wie Kapitalunterschiede die Wahl der weiterführenden Schule beeinflussen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Zentrale Begriffe sind Elternwahlrecht, soziale Ungleichheit, Kapitaltheorie (ökonomisches, soziales, kulturelles Kapital), Habitus und Bildungsentscheidungen.

Warum spielt der Habitus eine entscheidende Rolle bei der Schullaufbahnempfehlung?

Laut Bourdieu bewerten Lehrkräfte neben der rein kognitiven Leistung auch den Habitus – also das Auftreten und Verhalten – eines Kindes, was Kinder aus privilegierten Schichten systematisch bevorzugen kann.

Was unterscheidet primäre von sekundären Herkunftseffekten laut der Autorin?

Primäre Herkunftseffekte beziehen sich auf Leistungsunterschiede aufgrund unterschiedlicher Kompetenzen, während sekundäre Effekte das schichtspezifische Entscheidungsverhalten bei der Wahl der weiterführenden Schule beschreiben.

Wie trägt das Elternwahlrecht zur Konservierung sozialer Ungleichheit bei?

Es ermöglicht privilegierten Eltern, durch ihr Kapital (Geld, Bildung, Netzwerke) auch bei leistungsschwächeren Kindern den Besuch höherer Schulformen zu erzwingen, wodurch soziale Statusvorteile über Generationen weitervererbt werden.

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Details

Title
Das Elternwahlrecht. Regenerator sozialer Ungleichheit?
Subtitle
Eine kritische Bestandsaufnahme des Hamburger Schulstreites mit theoretischen Betrachtungen nach Pierre Bourdieu
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg  (Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Course
Lektürekurs Soziologische Theorie II
Grade
1,0
Author
Yvonne Rötter (Author)
Publication Year
2010
Pages
7
Catalog Number
V232330
ISBN (eBook)
9783656484905
ISBN (Book)
9783656485599
Language
German
Tags
Pierre Bourdieu
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Yvonne Rötter (Author), 2010, Das Elternwahlrecht. Regenerator sozialer Ungleichheit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232330
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