„Take a closer look“ ist ein Grundmotiv von Husserl, aber auch von American Beauty. Wenn wir etwas wahrnehmen, unser Bewusstsein arbeitet, dann ist da immer ein "Ich", dass eine Empfindung erleidet; dieses Ich sehen wir aber nicht. Ähnlich verhält es sich in einem anderen, speziellen Medium.
Im Film sehen wir nicht die Kamera, wir sehen durch die Kamera. Die Kamera wird zu unserem Auge; wird über unser Bewusstsein gestülpt. So wie wir nie unsere eigenen Augen sehen. Phänomenologie und Film können also einen wesentlichen Zusammenhang haben.
In dieser Arbeit versuchte ich Husserls Phänomenologie zu rekapitulieren, um sie dann an dem Film American Beauty, der im Meta-Verfahren Wahrnehmungsakte diskutiert, zu erweitern, zu prüfen und anzuwenden. Wie ist es möglich phänomenologisch mit Filmmaterial zu arbeiten und wie wird ein Film selbst phänomenologisch, und vor allem wie thematisiert American Beauty die Phänomenologie?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Über den Wahrnehmungsakt
2. Phänomenologie – Husserl
2.1 Bewusstsein von …
2.2 Der Gegenstand
2.3 Die Empfindung
2.4 Anschauung und Husserls Imperativ
3. (Dekonstruktion) American Beauty – Schein/Sein als Verbergen der Unverborgenheit
3.1 Demontage und Perspektivismus
3.2 Das Image des Erfolgs
3.3 Interesse, Wahrnehmung, Wahrnehmungsakte und Tagträumerei
3.4 Begehren und Empfinden – zur Lebenswelt
3.5 Definition, Wahrheit, Schönheit oder Die Tüte
4. Schlussteil
4.1 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Film "American Beauty" aus einer phänomenologischen Perspektive unter Bezugnahme auf die Theorien von Edmund Husserl. Das primäre Ziel ist es, die Wahrnehmungsprozesse der Filmfiguren zu analysieren und aufzuzeigen, wie der Film das Sehen selbst und das Verhältnis von Schein und Sein thematisiert.
- Phänomenologische Analyse von Film als Wahrnehmungsgegenstand
- Untersuchung der Struktur des Bewusstseins im filmischen Kontext
- Dekonstruktion der Fassaden und Rollenbilder der Hauptfiguren
- Erarbeitung des Begriffs der Schönheit als subjektive Wahrnehmung
Auszug aus dem Buch
3.1 Demontage und Perspektivismus
Dem Filmtitel American Beauty kann man das Prädikat „dekonstruieren“ vorlaufen lassen. In seinem Regiedebüt (!), wählt Mendes eine typisch amerikanische Situiertheit: die Vorstadt. Die schönen Häuser mit ihren noch schöneren Vorgärten, strahlen Harmonie, Normalität und Ordnung aus. Doch dieses Strahlen ist der schöne und offen-sicht-liche Schein der Lüge. Hinter den Fassaden spielt sich der gängige, amerikanische, alltägliche und sicherlich auch universale Wahnsinn ab. Was einen aber (er-)greift ist ja auch das herrlich-schräge, individuelle und authentische Leid, dass die Figuren motiviert aus ihrer Uneigentlichkeit auszubrechen. Mendes reißt diese Fassaden ein, demontiert die Spiele der Ängstlichen und zeichnet dennoch authentische Figuren, in denen sicher jeder wiedererkennen kann und thematisiert somit Motive wie Traum und Realität, Schein und Sein, Vorurteil und Interpretation und natürlich die (auch für mich) ganz große Frage nach der Schönheit, der er sich anzunähern wagt, in dem er Wahrnehmungsakte hinterfragt. Am deutlichsten wird dies in den populären Tagträumerin des Protagonisten, die ich noch weiter erläutern werde, und die Perspektiven der Beobachter zwischen Nachbarn. Die Dinge, die sich in den Abstufungen durch die Fenster der Nachbarn offenbaren, sind nicht immer die, die auch der Tatsachen entsprechen, was in American Beauty todernst vorgeführt wird. Aber auch die Personen, sind nicht die, für die sie gehalten werden wollen und machen ihnen alles Mögliche, um die Wahrheit zu vertuschen, zu ver-bergen. Man kann also sagen, dass die Figuren, bis auf Ricky, Husserls Aufforderung ignorieren und so verfehlen sie immer die wichtigen oder wahren Momente und verirren sich in den selbstgesetzten Scheinwelten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – Über den Wahrnehmungsakt: Die Einleitung führt in die phänomenologische Betrachtung des Films ein und stellt die Grundfrage nach der Verbindung von Film und Bewusstseinsphilosophie.
2. Phänomenologie – Husserl: Dieses Kapitel erläutert zentrale Begriffe Husserls wie Intentionalität, Wahrnehmung, Bewusstsein und Empfindung und stellt sie in den Kontext der Analyse.
3. (Dekonstruktion) American Beauty – Schein/Sein als Verbergen der Unverborgenheit: Der Hauptteil analysiert die Charaktere und Inszenierungsweisen des Films unter Berücksichtigung der zuvor eingeführten phänomenologischen Methode.
4. Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Bedeutung der phänomenologischen Methode für das Verständnis des Films.
Schlüsselwörter
Phänomenologie, Edmund Husserl, American Beauty, Wahrnehmung, Bewusstsein, Intentionalität, Schein, Sein, Dekonstruktion, Schönheit, Filmtheorie, Lebenswelt, Wahrnehmungsakt, Subjektivität, Empfindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit verknüpft die klassische Phänomenologie nach Edmund Husserl mit der Filmanalyse von "American Beauty", um Wahrnehmungsprozesse innerhalb des Films zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Schein und Sein, die Rolle der Intentionalität im Bewusstsein sowie die Bedeutung der Wahrnehmung für das Verständnis von Realität und Schönheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sam Mendes durch die filmische Gestaltung Wahrnehmungsakte thematisiert und wie sich die Figuren in ihren selbstkonstruierten Scheinwelten bewegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die phänomenologische Methode Husserls als praktische Übung zur Beschreibung und Analyse der Dinge, wie sie sich im Film und im Bewusstsein zeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil dekonstruiert die filmische Inszenierung, untersucht das "Image des Erfolgs" der Figuren, beleuchtet das Zusammenspiel von Begehren und Empfinden und analysiert die Bedeutung von Schönheit im Film.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Phänomenologie, Wahrnehmung, Bewusstsein, Schein, Sein und Dekonstruktion charakterisiert.
Warum spielt das "Image des Erfolgs" eine so große Rolle für die Charaktere?
Die Figuren streben danach, nicht gewöhnlich zu sein, um Erfolg vorzutäuschen, was sie dazu zwingt, Masken zu tragen und sich von der Wahrheit in ihren Lebenswelten zu entfernen.
Welche Funktion hat die "Tüte" im Filmkontext laut der Analyse?
Die Szene mit der tanzenden Tüte wird als besonderer Moment der Schönheit gedeutet, in dem das Verborgene zur Unverborgenheit gelangt und als Metapher für eine tiefere, metaphysische Erfahrung dient.
- Arbeit zitieren
- BA Paul Parszyk (Autor:in), 2012, Sam Mendes´ "American Beauty": eine phänomenologische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232337