Das „bürgerliche Trauerspiel“ kam im 18. Jahrhundert auf und ergänzte die Theaterwelt von Tragödie und Komödie um ein drittes Genre. Denis Diderot rief es als genre sérieux in Frankreich ins Leben, in Deutschland zählen Lessing, Schiller und Hebbel zu den berühmten Vertretern.
Dieses Buch beginnt mit Diderots „Natur“-Begriff und schwenkt dann nach Deutschland. Das bürgerliche Trauerspiel wird auf Konstellationen und Motive untersucht und die Dramen von Lessing, Schiller, Hebbel und Lenz werden analysiert.
Aus dem Inhalt: Der Natur-Begriff als Fundament des bürgerlichen Trauerspiels, Familienkonstellation und Geschlechterrolle, Das bürgerliche Trauerspiel zwischen Empfindsamkeit und Sturm und Drang, Lessings „Miß Sara Sampson“, Schillers „Kabale und Liebe“, Hebbels „Maria Magdalena“, Lenz „Der Hofmeister“
Inhaltsverzeichnis
Der Begriff der <Natur> als Fundament von Diderots Begründung des 'bürgerlichen Trauerspiels'
Einleitung
Hauptteil
Schluss
Weiblichkeit und Schuldbegriff im bürgerlichen Trauerspiel
Einleitung
Das bürgerliche Trauerspiel
Konfliktmodell und Schuld
Fazit
Die Vater-Tochter-Beziehung im Bürgerlichen Trauerspiel
Einleitung
Das bürgerliche Trauerspiel und das Vater-Tochter-Verhältnis
Zwei Arten der Vater-Tochter-Beziehung
Beide Vater-Tochter-Beziehungen im Vergleich
Fazit
Familienkonstellation und Geschlechterrolle im Bürgerlichen Trauerspiel
Einleitung / Aufbau der Arbeit
Das Umfeld und die allgemeine Familienkonstellation im 18. Jahrhundert
Theater und Schauspiel im 18. Jahrhundert
Familienkonstellation im Bürgerlichen Trauerspiel
Auswirkungen des Bürgerlichen Trauerspiels auf das Publikum
Fazit
Das bürgerliche Trauerspiel zwischen Empfindsamkeit und Sturm und Drang – „Miß Sara Sampson“, „Emilia Galotti“ und „Kabale und Liebe“
»Miß Sara Sampson« Moralvorstellungen und Geschlechterbilder in Lessings bürgerlichem Trauerspiel
Einleitung
Tugend und Weiblichkeit
Patriarchalismus
Schluss
Schillers „Kabale und Liebe“ als bürgerliches Trauerspiel
Einleitung
Die Gattung des bürgerlichen Trauerspiels
Die gesellschaftlichen Verhältnisse im 18. Jahrhundert und in „Kabale und Liebe“
Das tragische Geschehen
Lebendigkeit der bürgerlichen Sprache in „Kabale und Liebe“
Schillers Intentionen in seinem Trauerspiel
Absage an das Mitleid? Zur Wirkungsästhetik in Friedrich Hebbels bürgerlichem Trauerspiel „Maria Magdalena“
Einleitung
Hebbels Dramentheorie
Intention und Wirkungsästhetik in Hebbels Maria Magdalena
Schluss
Über J.M.R. Lenz’ „Der Hofmeister“ – Komödie, Tragikomödie oder bürgerliches Trauerspiel
Einleitung
Gattungsgeschichte und Gattungscharakteristika
Gattungsdiskussion in Bezug auf den „Hofmeister“
Einordnung des Dramas in den zeitgeschichtlichen Kontext
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das bürgerliche Trauerspiel des 18. Jahrhunderts und seine Rolle als Spiegel gesellschaftlicher Normen und familiärer Strukturen. Das primäre Ziel ist es, die Konstituierung der Vater-Tochter-Beziehung, das Konzept der Tugendhaftigkeit und das Motiv der Schuld in exemplarischen Werken Lessings, Schillers, Diderots und Hebbel zu analysieren und deren Bedeutung für den tragischen Ausgang der Stücke zu erörtern.
- Die Familienkonstellation und Geschlechterrollen im bürgerlichen Trauerspiel.
- Die Vater-Tochter-Beziehung als zentraler Konfliktherd.
- Der Wandel des Tugendbegriffs und dessen Bedeutung für die weibliche Identität.
- Schuld als moralische Kategorie und ihre Auswirkungen auf den Handlungsverlauf.
- Die Funktion des Theaters als "moralische Anstalt" im 18. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
Die Vater-Tochter-Beziehung
Die zentrale Welt des bürgerlichen Trauerspiels des 18. Jahrhunderts ist der Familienkreis. Die Thematisierung des innerfamiliären Konflikts, die Liebesheirat, sticht heraus. Dabei ist insbesondere die Beziehung von Vater und Tochter ausschlaggebend und von höchster Brisanz. Das emanzipatorische Streben der Tochter nach Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung steht in Opposition zur patriarchalischen Ordnung des Vaters. Der Vater als Familienoberhaupt und Beschützer spielt die zentrale Rolle in dieser Konstellation. Der unausweichliche Konflikt in Bezug auf die Liebesheirat ist dann gegeben, wenn der Vater nicht mit der Partnerwahl der Tochter einverstanden ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob er patriarchalisch bestimmend oder liebevoll überzeugend agiert. Neben Ordnung und individueller Selbstbestimmung geraten Gewissen und Herz sowie Pflicht und Liebe in Kontradiktion. Meistens endet der Anspruch der weiblichen Hauptfigur auf Autonomie tödlich. Dieser Anspruch ist der der jungen Generation, die in der sowohl empfindsamen wie leidenschaftlich-sexuellen Liebe die legitime Grundlage der Ehe sieht. Er ist geistes- und problemhistorisch und ein großes Thema der Epoche.
Zusammenfassung der Kapitel
Der Begriff der <Natur> als Fundament von Diderots Begründung des 'bürgerlichen Trauerspiels': Das Kapitel analysiert Diderots dramatische Theorie, die den Menschen als Teil der Natur begreift und das Klosterleben als Ort der Unterdrückung kritisiert, wobei der Hausvater als Leitfigur bürgerlicher Moral fungiert.
Weiblichkeit und Schuldbegriff im bürgerlichen Trauerspiel: Es wird dargelegt, wie Schuld im 18. Jahrhundert als zentraler Aspekt weiblicher Tugend verhandelt wird, wobei vor allem der Verstoß gegen bürgerliche Normen zum tragischen Ende führt.
Die Vater-Tochter-Beziehung im Bürgerlichen Trauerspiel: Die Untersuchung zeigt auf, wie das Vater-Tochter-Verhältnis durch väterliche Autorität und die Unterordnung der Tochter geprägt ist, was letztlich in allen analysierten Dramen zum unausweichlichen Tod der Tochter führt.
Familienkonstellation und Geschlechterrolle im Bürgerlichen Trauerspiel: Dieses Kapitel betrachtet die familiären Rollenzuweisungen und verdeutlicht, wie das bürgerliche Trauerspiel als ideologische Instanz zur Stabilisierung des Familiengefüges diente.
Schlüsselwörter
Bürgerliches Trauerspiel, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Vater-Tochter-Beziehung, Tugendhaftigkeit, Schuld, Empfindsamkeit, Patriarchalismus, Familienkonstellation, Geschlechterrolle, Lessing, Schiller, Hebbel, Diderot, Tragik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das bürgerliche Trauerspiel des 18. Jahrhunderts und untersucht, wie dieses Genre die familiären Strukturen und moralischen Vorstellungen der Zeit widerspiegelte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Vater-Tochter-Beziehung, der Schuldbegriff, das bürgerliche Tugendideal sowie die Konflikte zwischen bürgerlicher Moral und adeligen Lebensweisen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, wie das Zusammenspiel von väterlicher Autorität, weiblicher Unmündigkeit und gesellschaftlichem Druck in den Dramen unweigerlich zu tragischen Konsequenzen führt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Textanalysen, um anhand von Werken Lessings, Schillers, Diderots und Hebbels die dramatischen Strukturen und moralphilosophischen Hintergründe zu erarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Studien, die sich jeweils mit spezifischen Aspekten wie der Naturauffassung, der Geschlechterrollenverteilung und den spezifischen Konfliktmodellen einzelner Dramen auseinandersetzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Bürgerliches Trauerspiel, Empfindsamkeit, Tugend, Schuld, Patriarchalismus und Familienkonstellation.
Wie unterscheidet sich die Vaterfigur bei Lessing von jener bei Schiller?
Während Lessings Vaterfiguren oft starr an überkommenen Moralvorstellungen festhalten, sind Schillers Väter stärker in ein ökonomisches Abhängigkeitsverhältnis mit ihren Töchtern eingebunden, das durch Geldnot und materielle Sorgen verschärft wird.
Warum endet die Emanzipation der Tochter im 18. Jahrhundert laut dieser Arbeit meist tödlich?
Da die Tochter in der damaligen bürgerlichen Ordnung als Repräsentantin der Tugend galt, war jeder Versuch der Selbstbestimmung ein Bruch mit dem Vater-Tochter-Vertrauensverhältnis, das für die Stabilität des Familienmodells existenziell war; der Tod dient hierbei als Ausweg aus diesem unauflösbaren Loyalitätskonflikt.
- Citation du texte
- Tanja Ridder (Auteur), Hildegard Schnell (Auteur), Stefanie Zellmann (Auteur), Eleni Stefanidou (Auteur), Thomas Schumacher (Auteur), Kader Aki (Auteur), Emanuel Lonz (Auteur), Maria Rieder (Auteur), 2013, Das bürgerliche Trauerspiel. Tragik aus der Mitte der Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232840