Studienbericht zur Kundenorientierung
Fallbeispiel Public Private Partnership Bundeswehr
Vor dem Hintergrund der Finanzkrise der öffentlichen Haushalte und deren Konsolidierung haben sich für die Privatisierung von öffentlichen Aufgaben auch in Deutschland mittlerweile Public Private Partnerships (ÖPP) etabliert. Der Begriff ÖPP wird meist als ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Austauschbeziehungen und Koordinationsformen zwischen öffentlichem und privatem Partner verstanden. Die öffentlichen Haushalte erhoffen sich von ÖPP Effizienzgewinne zwischen 10-25 % gegenüber der herkömmlichen rein staatlichen Leistungserstellung. Die Wahl zwischen herkömmlicher Leistungserstellung und ÖPP wird inzwischen auch in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Dabei überwiegen politisch motivierte Argumente und es mangelt an empirischer Forschung und wissenschaftlichen Analysen. Auch die Bundeswehr, welche sich in einem tief greifenden Wandel befindet, führt mittlerweile große Teile ihrer Service- Dienstleistungen in ÖPP-Projekten durch. Die Bandbreite der Leistungen reicht dabei von der Renovierung von Kasernen, über das Bekleidungsmanagement hin zum gemeinsamen Betreiben einer komplexen IT-Gesellschaft, dem größten ÖPP-Projekt Europas. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Ursachen für das Phänomen ÖPP zu veranschaulichen und den Begriff von anderen Privatisierungsformen abzugrenzen. Anhand der Transaktionskostentheorie wird eine Klassifizierung der verschiedenen Arten von ÖPP aufgezeigt.
Es werden die Chancen und Risiken von ÖPP allgemein und speziell für die Bundeswehr erläutert.
Wie ÖPP in der Praxis funktionieren, verdeutlicht die Darstellung von zwei Beispielen aus dem Bereich der Bundeswehr. Dabei werden die Vor- und Nachteile für ÖPP exemplarisch dargestellt.
Diese Arbeit stellt das Konzept ÖPP zusammenfassend dar und einen Einblick in die Problematik von ÖPP speziell in der Bundeswehr geben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Kurze Darstellung der Bundeswehr
1.3 Ziel und Aufgabenstellung der Arbeit
1.4 Vorgehensweise und Gliederung der Arbeit
1.5 Literatur
2 Konzept von Public Private Partnership
2.1 Ursachen für die Entstehung ÖPP
2.2 Definition und Abgrenzung des Begriffs
2.3 Abgrenzung von ÖPP zu anderen Privatisierungsformen
2.4 ÖPP-Kategorien
2.4.1 Spezielle Merkmale von Vertrags-ÖPP
2.5 Stärken und Chancen von ÖPP
2.5.1 Vorbemerkungen
2.5.2 Lebenszyklusansatz
2.5.3 Beschleunigte Projektrealisierung
2.5.4 Wettbewerb
2.5.5 Finanzierung
2.6 Schwächen und Risiken von ÖPP
2.6.1 Finanzierungskosten und Steuern
2.6.2 Einflussverlust und Abhängigkeit
2.6.3 Zielkonflikt
2.6.4 Personal
3 ÖPP in der Bundeswehr
3.1 Vorbemerkungen
3.2 Optimierungsanstrengungen in der Bundeswehr
3.3 Geschichtliche Entwicklung von ÖPP in der Bundeswehr
3.4 ÖPP in der Bundeswehr – Beispiele
3.4.1 Fürst-Wrede-Kaserne
3.4.2 IT Projekt HERKULES
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, das Konzept von Public Private Partnership (ÖPP) zu erläutern, die Ursachen für seine Entstehung zu analysieren sowie dessen Sinnhaftigkeit und Anwendbarkeit als Alternative zur staatlichen Leistungserstellung, insbesondere im Kontext der Bundeswehr, zu bewerten.
- Konzeptionelle Grundlagen und Abgrenzung von ÖPP
- Analyse der Stärken, Chancen, Schwächen und Risiken von ÖPP-Projekten
- Die Rolle der Bundeswehr im Kontext von Strukturwandel und Modernisierung
- Praktische Untersuchung anhand der Beispiele Fürst-Wrede-Kaserne und IT-Projekt HERKULES
- Transaktionskostentheoretische Betrachtung der Kooperationen
Auszug aus dem Buch
2.5.2 Lebenszyklusansatz
Ein Wesensmerkmal von Vertrags-ÖPP ist die Betrachtung eines Projektes über deren gesamten Lebenszyklus. Da hier, anders als bei einer herkömmlichen Vergabe, bei ÖPP alle Aufgaben nur an einen einzigen Anbieter vergeben werden, muss dieser von Anbeginn an die Kosten für den kompletten Lebenszyklus erfassen und vorbereiten.
Der Auftragnehmer wird demzufolge nicht nur die einmaligen Investitionskosten, sondern auch die in den Folgejahren anfallenden Betriebs- und Erhaltungskosten berücksichtigen müssen, da diese über die gesamte Vertragslaufzeit gesehen, einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen können.
Dieser „Lebenszyklusansatz“ bewirkt ein phasenübergreifendes Kostenbewusstsein. Hierbei entstehen Anreize für das Unternehmen, im weiteren Verlauf Betriebskosten zu senken. Um diese langfristig senken zu können, ist es zwingend notwendig, in der Konzeptions- und Planungsphase Einfluss zu nehmen. Hier können auch mögliche höhere Investitionskosten bewusst in Kauf genommen werden, um einen nachfolgenden, kostenintensiven Unterhalt zu vermeiden. Mittels einer outputorientierten Leistungsbeschreibung erhalten die Anbieter die Möglichkeit, alternative Lösungsansätze einzubringen. Im althergebrachten Beschaffungsprozess spielen dagegen die Betriebs- und Instandsetzungskosten für die öffentliche Verwaltung praktisch keine Rolle. Projekte werden hier vor dem Hintergrund von Haushaltszwängen investitionskostenoptimiert geplant. Die zuvor eingesparten Haushaltsmittel müssen später durch einen größeren Aufwand im Betrieb wieder aufgewendet werden.
Dieser Ansatz führt bei öffentlichen Auftraggebern nicht nur zu erhöhter Kostentransparenz und einem neuen Wirtschaftlichkeitsverständnis, sondern er kann auch als ein entscheidender Punkt für die Realisierung von Effizienzgewinnen angesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der öffentlichen Finanzkrise ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die den Einsatz von ÖPP-Modellen bei der Bundeswehr untersucht.
2 Konzept von Public Private Partnership: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen von ÖPP, differenziert zwischen verschiedenen Kategorien und analysiert kritisch die Vor- und Nachteile sowie die strukturellen Risiken solcher Kooperationen.
3 ÖPP in der Bundeswehr: Dieses Kapitel beleuchtet den strukturellen Wandel der Bundeswehr und illustriert anhand der Fallbeispiele Fürst-Wrede-Kaserne und IT-Projekt HERKULES die praktische Umsetzung von ÖPP-Modellen.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass ÖPP zwar eine wichtige Option für die Modernisierung darstellt, aber stets unter strengen Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten geprüft werden muss.
Schlüsselwörter
Public Private Partnership, ÖPP, Bundeswehr, Privatisierung, Infrastruktur, Lebenszyklusansatz, Vertrags-ÖPP, Organisations-ÖPP, Transaktionskosten, IT-Projekt HERKULES, Fürst-Wrede-Kaserne, Wirtschaftlichkeit, Haushaltskonsolidierung, Modernisierung, Beschaffungswesen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieses Studienberichts?
Der Bericht behandelt das Konzept von Public Private Partnerships (ÖPP) als Instrument zur Privatisierung öffentlicher Aufgaben und untersucht dessen Anwendung sowie Auswirkungen speziell im Kontext der Bundeswehr.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Definition und Abgrenzung von ÖPP, der theoretischen Analyse von Chancen und Risiken (insbesondere Transaktionskosten) sowie der praxisorientierten Darstellung von Kooperationsprojekten bei der Bundeswehr.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Sinnhaftigkeit von ÖPP als Alternative der staatlichen Leistungserbringung zu bewerten und darzulegen, wie ÖPP in der Praxis der Bundeswehr gestaltet werden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer fallorientierten Untersuchung. Theoretisch stützt sie sich unter anderem auf die Transaktionskostentheorie, um Anreizstrukturen und Problemfelder der Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privaten Partnern zu klassifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des ÖPP-Konzepts (inklusive Kategorien und Risiken) und die Analyse von konkreten Beispielen bei der Bundeswehr, wie dem Liegenschaftsprojekt Fürst-Wrede-Kaserne und dem IT-Großprojekt HERKULES.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Public Private Partnership (ÖPP), Lebenszyklusansatz, Transaktionskosten, Wirtschaftlichkeit, IT-Projekt HERKULES und der strukturelle Wandel der Bundeswehr.
Welche spezifischen Vorteile bietet der „Lebenszyklusansatz“ in ÖPP-Projekten?
Der Lebenszyklusansatz schafft Anreize für eine phasenübergreifende Kostenoptimierung, da der private Partner nicht nur investiert, sondern auch Betrieb und Instandhaltung übernimmt, was zu erhöhter Kostentransparenz führen kann.
Wie bewertet der Autor das IT-Projekt HERKULES als ÖPP?
Das Projekt wird als komplexes Organisations-ÖPP bewertet, das der Bundeswehr Zugang zu dringend benötigtem IT-Know-how ermöglichte, aber aufgrund des massiven Projektumfangs und der Abhängigkeit vom Auftragnehmer auch hohe Anforderungen an die Projektkontrolle und Nachverhandlungen stellte.
- Arbeit zitieren
- Mathias Hirsch (Autor:in), 2012, Studienbericht Kundenorientierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232922