In dieser Arbeit wird der Geschichte der Körpertheorien nachgegangen und wie sich aus den Beobachtungen der sozialen Umwelt des Marcel Mauss heraus die Symboltheorie von Mary Douglas entwickelte, die wahrscheinlich als wichtigste Grundlage aller späteren Arbeiten zum Thema bezeichnet werden kann.
Es werden in diesem Zusammenhang die Konsequenzen der Körperpolitik und des Patriarchats aufgezeigt, deren augenscheinlichsten Vertreter die Mediziner sind.
Außerdem soll die Kulturbedingtheit jeglicher Weltsicht verdeutlicht werden. Ob es sich um den Natur- oder Kulturbegriff, um Naturgesetze oder um Körperwahrnehmung handelt, alles ist gesellschaftsbedingt determiniert. Beispielhaft wurden einige Gesellschaften dargestellt, deren Körperempfinden, Kosmologien und Psychiatrien.
Es gibt viele Alternativen zum westlichen Denksystem, so stehen unserer individualistischen Gesellschaft nicht-individualisierte gegenüber, unserer Industrialisierung Traditionalismus und unserer Dichotomie der Monismus östlicher Kulturen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Theoriengeschichte
Marcel Mauss
Mary Douglas
Nancy Scheper-Hughes und Margaret Lock
Bryan Turner
Barbara Duden
III. Schluß
IV. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Theoriengeschichte der Körperanthropologie und verfolgt das Ziel aufzuzeigen, wie verschiedene Theorien zum menschlichen Körper ineinandergreifen und aufeinander aufbauen, um schließlich die kulturelle Bedingtheit sowie die soziale Kontrollfunktion des Körperverständnisses, insbesondere in der modernen Medizin, zu verdeutlichen.
- Theoriengeschichte der Anthropologie des Körpers
- Wechselwirkung zwischen Körper, Gesellschaft und Macht
- Kulturelle Unterschiede in der Körperwahrnehmung und -konzeption
- Die Rolle der Medizin als Institution der Körperkontrolle und Körperpolitik
- Kritik an der westlichen Dichotomie von Körper und Geist
Auszug aus dem Buch
Nancy Scheper-Hughes und Margaret Lock
In ihrem Artikel setzen sich Nancy Scheper-Hughes und Margaret Lock mit drei Ebenen des menschlichen Körpers auseinander. Der Körper als erfahrbare individuelle Körperlichkeit (jeder Mensch hat ein gewisses intuitives Verständnis vom eigenen Körper), der Körper als sozialer Körper/natürliches Symbol: "The body in health offers a model of organic wholeness; the body in sickness offers a model of social disharmony, conflict, and disintegration. Reciprocally, society in 'sickness' and in 'health' offers a model for understanding the body" (Scheper-Hughes, Lock 1987: 7) und der Körper als Folie für Körperpolitik (der Körper als künstlicher Gegenstand sozialer und politischer Kontrolle).
Im Gegensatz zu dem dualistischen Körperprinzip westlicher Gesellschaften existieren – durchaus weitverbreitet – auch holistische und monistische Denkweisen. Da ist zum einen das Konzept "harmonischer Ganzheiten", in denen alles (vom Kosmos bis zum individuellen Organ des menschlichen Körpers) als eine einzige Einheit verstanden wird. Ausgedrückt wird dies oft als "Mikro-Makrokosmos-Beziehung". Das zweite Konzept ist das, der "sich ergänzenden Zweiheiten" ("Komplementäre Dualität"). Sie betonen die Beziehung der Teile zum Ganzen, im Gegensatz zu einer Opposition.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Das Kapitel führt in die historische Trennung von Körper und Geist ein und erläutert die zentrale Fragestellung der Arbeit sowie deren methodischen Ansatz.
II. Theoriengeschichte: Dieser Hauptteil analysiert die Ansätze von Mauss, Douglas, Scheper-Hughes, Lock, Turner und Duden hinsichtlich der kulturellen Konstruiertheit und sozialen Kontrolle des Körpers.
III. Schluß: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die notwendige Neuorganisation des Menschenbildes und kritisiert die entfremdende Dichotomie der westlichen Medizin.
IV. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche in der Arbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Literaturangaben auf.
Schlüsselwörter
Körperanthropologie, Theoriengeschichte, Körperpolitik, Körperkontrolle, Dualismus, Holismus, Medizinanthropologie, Sozialisation, Körpertechnik, Patriarchat, Schönheitswahn, Gesundheit, Krankheit, Symboltheorie, Systemtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Theoriengeschichte der Körperanthropologie und untersucht, wie Konzepte über den Körper sozial konstruiert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Beziehung zwischen Körper und Geist, die Rolle der Medizin, die Bedeutung von Körperpolitik sowie der Vergleich westlicher und nicht-westlicher Körperkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie verschiedene anthropologische Theorien ineinandergreifen, um die kulturelle Bedingtheit unserer Sicht auf den Körper zu verdeutlichen und die Auswirkungen dieses Denkens zu kritisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Zusammenfassung maßgeblicher anthropologischer und soziologischer Ansätze zur Körpertheorie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Theorien von Marcel Mauss, Mary Douglas, Nancy Scheper-Hughes, Margaret Lock, Bryan Turner und Barbara Duden dargestellt und kritisch auf ihre Relevanz für moderne Körperdiskurse hin untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Körperpolitik, Körperkontrolle, Dualismus, kulturelle Bedingtheit, Gesellschaftsstruktur und die Kritik am mechanistischen Menschenbild der Medizin.
Wie unterscheidet sich die westliche Sicht auf den Körper von anderen Kulturen?
Die Arbeit hebt hervor, dass der Westen meist einem Körper/Geist-Dualismus folgt, während viele andere Kulturen holistische Konzepte verfolgen, in denen der Körper als integrierter Teil eines größeren Ganzen gesehen wird.
Warum spielt die Medizin eine so große Rolle für die Autorin?
Die Autorin argumentiert, dass die moderne Medizin durch ihren dualistischen Ansatz zur Entfremdung des Menschen von sich selbst beiträgt und als Instrument sozialer Kontrolle fungiert.
- Citation du texte
- M.A. Sabine Neureiter (Auteur), 1992, Die Theoriengeschichte der Anthropologie des Körpers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233552