Vergleicht man das deutsche Bildungssystem mit dem unserer Nachbarländer (z.B.
Schweden, Dänemark, Frankreic h oder England), so stellt sich die Frage, wie lange
wir Deutschen als Kultur- und Industrienation mit unserem Halbtags-
Regelschulwesen im Vergleich zu den genannten Nachbarländern, die die
Ganztagsschule als Norm besitzen, noch Schritt halten können (Appel, 1998, S.95).
Dabei sind Ganztagsschulen in der gesamtdeutschen Geschichte keine Seltenheit. Bis
zur Jahrhundertwende wurde in Deutschland am System der Ganztagsschule
festgehalten (Dobart, Koeppner, Weissmann, Zwölfer, 1984, S.11) und auch nach
dem 2. Weltkrieg gab es in der ehemaligen DDR die sogenannten Horteinrichtungen
an allen Einheitsschulen (Appel, 1998, S. 95). Der heutige Trend geht auch wieder in
die Richtung der ganztägigen Schulen und Betreuung (Dobart, u.a., 1984, S. 11).
Ausschlaggebend dafür sind die gewandelten Sozialisationsbedingungen in Kindheit
und Jugend, sowie die neuen Auseinandersetzungen um Schulqualität und um eine
innere Reform der Schule.
In der folgenden Hausarbeit sollen zuerst die Ziele einer Ganztagsschule, und somit
ihre Begründung, aufgezeigt werden, anschließend wird auf die Struktur der
Ganztagsschule, ihre Modelle und Möglichkeiten näher eingegangen. Schließlich
sollen die rechtlichen Grundlagen das Thema "Strukturmodell Ganztagsschule"
abrunden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Ziele der Ganztagsschule
2.1 Korrektur schulspezifischer Mängel
2.2 Kompensation außerschulischer Bedingungen
2.3 Sozialisationsfunktion
3 Die Ganztagsschule
3.1 Struktur und Organisation
3.2 Modelle und Möglichkeiten
3.3 Rechtliche Grundlagen
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung der Arbeit
Diese Hausarbeit analysiert das Strukturmodell der Ganztagsschule, beleuchtet deren Zielsetzungen zur Behebung schulspezifischer und familiärer Defizite und untersucht die organisatorischen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen im deutschen Bildungssystem.
- Begründung und Zielsetzung der Ganztagsschule
- Strukturmerkmale und organisatorische Gestaltung
- Differenzierung verschiedener Schulmodelle
- Rechtliche Rahmenbedingungen in den Bundesländern
- Bedeutung der Ganztagsschule für die Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
Struktur und Organisation
Vergleicht man eine Halbtagsschule mit einer Ganztagsschule, so ist der wohl auffälligste Unterschied die Zeit, die die Kinder und Jugendlichen pro Tag in der Schule sind. Der Schüler verbringt täglich 7 bis 10 Stunden in der schulischen Gemeinschaft. Diese in der Schule verbrachte Zeit wird in Unterricht, Übung und Freizeit unterteilt. Der Grund dafür ist, dass eine Ganztagsschule nicht nur einen Bildungsauftrag, sondern auch einen Erziehungsauftrag besitzt, also ganzheitliche Verantwortung hat (vgl. Appel, 1998, S.66).
An dieser Stelle gilt klar zu differenzieren zwischen einer Halbtagsschule mit Betreuungsangebot und einer Ganztagsschule. Während die Halbtagsschule in der Zeit nach Unterrichtsende die Aufgabe hat, auf die Schülerinnen und Schüler aufzupassen, sie eventuell zu beschäftigen und mit Projektarbeiten gezielt auf die Wünsche der Kinder und Jugendlichen eingehen kann, muss die Ganztagsschule, verstärkt auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen (vgl. Appel, 1998, S. 65). Ihre Angebote müssen auch „komplexe Ansprüche wie Persönlichkeitserziehung, Demokratieverpflichtung, kulturelle Angebote, Freizeit- und Konsumerziehung“ (Appel, 1998, S.65) abdecken, welche normalerweise zu einem Großteil durch die Eltern übernommen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung vergleicht das deutsche Halbtagsschulsystem mit internationalen Standards und begründet die Notwendigkeit einer Rückbesinnung auf Ganztagsangebote aufgrund veränderter Sozialisationsbedingungen.
2 Die Ziele der Ganztagsschule: Dieses Kapitel erläutert die Ambitionen der Ganztagsschule, schulspezifische Defizite zu korrigieren, außerschulische soziale Nachteile auszugleichen und die Schule als Sozialisationsinstanz zu stärken.
3 Die Ganztagsschule: Hier werden die organisatorischen Strukturen, die verschiedenen Betreuungsmodelle sowie die rechtlichen Grundlagen für die Implementierung von Ganztagsschulen in Deutschland detailliert dargestellt.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit unterstreicht die Notwendigkeit von Ganztagsangeboten als zukunftsorientierte Investition zur Förderung der Bildungsgerechtigkeit und der persönlichen Entwicklung der Schüler.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Bildungssystem, Halbtagsschule, Chancengleichheit, Sozialisationsfunktion, Bildungsauftrag, Erziehungsauftrag, Tagesheimschule, Strukturmodell, Schulorganisation, pädagogische Betreuung, Schulentwicklung, Föderalismus, Lernbedingungen, Persönlichkeitserziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Modell der Ganztagsschule, ihrem historischen Kontext in Deutschland sowie ihrer Funktion als Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die zentralen Felder sind die Zielsetzung (Korrektur von Defiziten, Kompensation sozialer Bedingungen), die organisatorische Struktur und die rechtlichen Grundlagen in verschiedenen Bundesländern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Ganztagsschulen durch ein ganzheitliches Bildungs- und Betreuungsangebot zur Bildungsgerechtigkeit und zur optimalen Förderung von Kindern und Jugendlichen beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die pädagogische Fachkonzepte und rechtliche Rahmenbedingungen kritisch zusammenführt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begründung der Ganztagsschule, ihre organisatorische Ausgestaltung, den Vergleich verschiedener Schulmodelle (wie Hort oder Tagesheimschule) und die rechtliche Situation.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bildungsgerechtigkeit, Ganztagsschulkonzeption, Sozialisationsfunktion und der bildungsrechtliche Föderalismus.
Warum spielt das soziale Umfeld der Familie eine so große Rolle für die Argumentation?
Da viele Eltern berufstätig sind und Kinder häufig am Nachmittag isoliert sind, soll die Ganztagsschule diese Lücke schließen und eine verlässliche Umgebung bieten, die soziale Diskriminierung abbaut.
Wie unterscheidet sich die gebundene von der offenen Ganztagsschule?
In der gebundenen Form sind Lern- und Freizeitphasen über den Tag fest in ein Pflichtprogramm integriert, während die offene Form den Fokus auf freiwillige Zusatzangebote am Nachmittag legt.
- Citation du texte
- Christiane Juraske (Auteur), 2002, Strukturmodell Ganztagsschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23809