Lynn Hershmans Schaffen ist in der Tradition der feministisch orientierten Kunst der 70er Jahre zu sehen, welche sich zum Ziel gesetzt hatte, Weiblichkeit als soziale Konstruktion zu entlarven und zu hinterfragen. Hershman thematisiert in ihren Werken immer wieder die Konstruktion von Identitäten durch den Blicke/ Aktionen des Beobachters im Zusammenspiel mit dem Objekt, welches beobachtet wird.
Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung
II) Ausgewählte Installationen von Lynn Hershman unter dem Gesichtspunkt der Konstruktion von Identität
1.) Site-specific works
1.1) Dante Hotel
1.2) Portrait-Performance Roberta Breitmore
2.) Interaktive Video-Disc-Installationen
2.1) Das Beispiel „Lorna“ (1984)
III) Lynn Hershman als Videokünstlerin
1.) Die Electronic Diaries
2.) Re-Covered Diary (1994)
2.1.) Zur Struktur
2.2.) Identitätskonstruktion im Film
IV) Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, wie die Künstlerin Lynn Hershman in ihren Installationen und Videowerken Identität als soziale und medial vermittelte Konstruktion thematisiert und dekonstruiert. Dabei wird analysiert, wie durch die Interaktion zwischen Betrachter und Werk neue Identitätsentwürfe entstehen oder bestehende Rollenbilder hinterfragt werden.
- Konstruktion von Identität in der zeitgenössischen Kunst
- Interaktive Installationen und das Prinzip der Betrachter-Akteur-Interaktion
- Das Medium Video als Instrument für autobiographische und therapeutische Prozesse
- Die Spannung zwischen Privatsphäre, Öffentlichkeit und Fiktion in narrativen Videoarbeiten
Auszug aus dem Buch
2.1.) Das Beispiel „Lorna“ (1984)
Charakteristisch für die Videodisc-Verfahrensweise ist, daß aus inhaltlichen „Einzelmodulen“ eine nicht-lineare Erzählstruktur gebildet werden kann, die, je nachdem wie der Besucher sie wählt, unterschiedlich ist.
Auf der Videodisk „Lorna“ sind Bilder, insgesamt 36 Kapitel in 17 Minuten Gesamtlänge von einer Frau namens Lorna gespeichert. Sie wohnt in einer texanischen Kleinstadt und hat, aufgrund von Agoraphobie, ihre Wohnung seit Jahren nicht verlassen. Sie ist nur über Telefon und Fernseher mit der Außenwelt verbunden. Lorna, so Dinkla, führt Aspekte von „The Dante Hotel“ und „Roberta Breitmore“ zusammen.
Besucher der Installation können über den Monitor und eine Fernbedienung Kontakt zu Lorna aufnehmen und werden vom System, dem dritten Faktor, aufgefordert, Lorna aus ihrer von Angst geprägten Situation der Gefangenschaft in ihrer Wohnung zu befreien, indem sie ihr schrittweise Entscheidungen abnehmen. Dabei werden Sie, ähnlich wie im „Dante Hotel“ unvermeidbar Eindringlinge in eine intime Situation, welche allerdings auch die ihre ist. Die Installation selbst ist so konstruiert, daß der Besucher auf einem fellbesetzten Stuhl gegenüber des Monitors Platz nimmt. Das „Zimmer“ in dem sich der Besucher als auch der Monitor befinden, ist genau so wie Lornas Wohnung auf dem Bildschirm eingerichtet. Darin zeigt sich die Analogizität der Identität Lornas und der des Besuchers.
Zusammenfassung der Kapitel
I) Einleitung: Einführung in die Thematik der Identitätskonstruktion bei Lynn Hershman und Darlegung der forschungsleitenden Fragestellung hinsichtlich der Betrachter-Akteur-Interaktion.
II) Ausgewählte Installationen von Lynn Hershman unter dem Gesichtspunkt der Konstruktion von Identität: Analyse der "Site-specific works" und der interaktiven "Video-Disc-Installationen" mit Fokus auf deren Einfluss auf die Identitätsbildung des Betrachters.
III) Lynn Hershman als Videokünstlerin: Untersuchung der Videoreihen "Electronic Diaries" und "Re-Covered Diary" hinsichtlich ihrer autobiographischen und therapeutischen Dimensionen.
IV) Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Erkenntnis, dass Identität bei Hershman in ständiger Interaktion konstruiert wird, jedoch kritische Fragen zur Wirksamkeit medialer Ersatzmodelle offen bleiben.
Schlüsselwörter
Lynn Hershman-Leeson, Identitätskonstruktion, Videokunst, Installation, Interaktivität, Performance, Roberta Breitmore, Lorna, Electronic Diaries, Feministische Kunst, Mediale Inszenierung, Subjektkonstitution, Rezeption, Autobiographie, Fiktion und Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die künstlerische Auseinandersetzung von Lynn Hershman-Leeson mit dem Begriff der Identität, insbesondere wie diese durch verschiedene Medien wie Installationen und Videoarbeiten als dynamischer Konstruktionsprozess dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die De- und Neukonstruktion von Identität, die Interaktion zwischen dem Werk und seinem Betrachter, sowie die Verschiebung von realen zu medial vermittelten Erfahrungsräumen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hershmans Werke den Betrachter zur Hinterfragung seiner eigenen Identität animieren und welche Rolle das Medium – sei es raumgebundene Installation oder Videodisk – bei der Interaktionsgestaltung spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Kunstwerken im Kontext kulturwissenschaftlicher und medientheoretischer Ansätze, unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur zu interaktiver Kunst und Videopraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von "Site-specific works" (wie dem "Dante Hotel"), interaktiven Installationen (am Beispiel "Lorna") sowie eine detaillierte Betrachtung des Videowerks (speziell "Re-Covered Diary").
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Identitätskonstruktion, Interaktive Video-Disc-Installationen, Betrachter-Akteur-Interaktion, mediale Vermittlung, feministische Kunsttradition und das Verhältnis von Fiktion zu Dokumentation.
Wie unterscheidet sich die Betrachterrolle bei "Lorna" von den früheren Werken?
Im Gegensatz zu den früheren "Site-specific works" tritt bei "Lorna" eine Über-Instanz, das System, als Moderator des Dialogs auf, was den Betrachter tiefer in eine Abhängigkeitsstruktur zwischen System, Figur und eigener Entscheidung einbindet.
Welche Funktion hat das Medium Video bei Hershman im Vergleich zur Installation?
Das Video nutzt die Tradition des Privaten und Häuslichen, um durch das "Geständnis-Ritual" eine größere Intimität und Identifikationsmöglichkeit zu erzeugen, die über die Distanz der frühen Installationsarbeiten hinausgeht.
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- Petra Leitmeir (Author), 2002, Konstruktion von Identität in Installationen und Videos von Lynn Hershman-Leeson, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24140