Psychosoziale Situation ausländischer Jugendlicher insbesondere der Italienischen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Geschichte der Migration
- Verträge zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte
- Anzahl der ausländischen Arbeitnehmer
- Die Berufe der ausländische Arbeitnehmer
- Soziale Lage ausländischer Frauen
- Alter der ausländischen Arbeitnehmer
- Familienstand

III Die Wohnsituation ausländischer Jugendlicher insbesondere der Italienischen

IV Freizeitgestaltung und peer group
- Freizeitmöglichkeiten

V Kulturkonflikt

VI Pendelmigration

VII Kurzer Einblick in die aktuelle Bedeutung des

Themas in den unterhaltenden Medien

I Einleitung

In unserer Gesellschaft ist ein Leben ohne fremde Einflüsse undenkbar geworden. Wir importieren unsere Ware aus aller Welt, genießen die ausländische Küche und reisen in alle Herren Länder um etwas neues kennen zu lernen.

Für die ausländischen Mitbürger haben wir jedoch oft kein Verständnis, begegnen ihnen mit Distanz, verstehen ihre Kultur nicht und fordern von ihnen Integration. Integration in ein Land, dass seit Jahrhunderten ausländische Arbeiter anheuerte um unangenehme Arbeiten zu erledigen oder einen Arbeitermangel auszugleichen. Seit den 50er und 60er Jahren, als die ersten italienischen Gastarbeiter nach Deutschland kamen, hat sich unsere Gesellschaft verändert. Zunächst galten sie nur als Arbeitskräfte die unter schlechten Bedingungen und zu billigen Löhnen unsere Wirtschaft aufbauten, aber spätestens seit der zweiten Generation haben sie einen besonderen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Sie haben ihre Kultur mitgebracht, eine Vielfalt an Traditionen und Einflüssen, die uns alle geprägt haben. Ob wir unser Gemüse im türkischen Feinkostladen um die Ecke kaufen, uns Pizza bestellen, Chinesisches Fast Food holen oder zu spanischen Rhythmen tanzen, die multikulturellen Einflüsse sind nicht mehr weg zu denken, und das ist gut so.

Unsere Aufgabe besteht heute darin, unsere ausländischen Mitbürger willkommen zu heißen und ihnen hier eine neue Heimat bieten. Offenheit, Respekt, Verständnis und Toleranz sollten einen besonderen Stellenwert im Umgang miteinander einnehmen. Es ist nicht sinnvoll eine Unterordnung unter unsere Kultur zu erwarten, viel fruchtbarer und befriedigender ist es, ein Miteinander der Kulturen in einem offenen, demokratischen Land zu fördern und zu fordern.

In dieser wissenschaftlichen Hauptseminar Hausarbeit, habe ich mich mit dem Thema „Psychosoziale Situation ausländischer Jugendlicher insbesondere der Italienischen“ beschäftigt. Im Rahmen des Kompaktseminars „Identitätsbildung in der globalen und multikulturellen Gesellschaft“ stand dieses Thema als Einführung. Es soll einen Überblick über die Geschichte der Migration sowie einen Einblick in das Leben der jungen Ausländer geben.

Die hierfür verwendete Literatur ist leider zum Teil etwas veraltet gewesen, behandelt das Thema aber auf eine sehr ausführliche Weise. Daher habe ich bei dem entsprechenden Material jeweils das Erscheinungsdatum genannt um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

II Geschichte der Migration

Die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg war durch eine zerstörte Wirtschaft und ein Überangebot von Arbeitskräften gekennzeichnet. Im Juni 1950 waren von den rund 15 Millionen Arbeitnehmern noch 1,5 Millionen arbeitslos bei 0,1 Millionen offenen Stellen.

Die Eingliederung von Evakuierten, ehemaligen Kriegsgefangenen, Flüchtlingen und Vertriebenen schuf laufend neue Probleme. Für die aufbauende Wirtschaft bedeutete dies aber ein großes Angebot von Arbeitskräften, die, wie die meisten Flüchtlinge, spezialisierte Berufskenntnisse mitbrachten.

Bereits um 1955 wurde die Vollbeschäftigung erreicht. Das rapide Wachstum der Industrie und anderer Wirtschaftszweige, die Verlängerung der Schul- und Ausbildungsdauer, die Verkürzung der Arbeitszeit, geburtenschwache Nachkriegsjahrgänge und weiter Faktoren führten zu einem zunehmenden Mangel an Arbeitskräften. Wollte man in der Bundesrepublik nicht das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung bremsen, so boten sich bei dem knappen Arbeitsmarkt folgende Auswege an:

1. man könnte bislang nicht berufstätige Personenkreise verstärkt anwerben und einstellen, z.B. Frauen und Hausfrauen
2. man könnte Arbeitskräfte aus anderen Staaten, die ein Überangebot davon aufwiesen und unter Arbeitslosigkeit litten, anwerben und keine oder geringe Anforderungen an berufliche und fachliche Vorbildung stellen
3. die Mechanisierung und Automatisierung könnte wesentlich beschleunigt werden, um so Arbeitskräfte durch Kapital zu ersetzen.

Da in der Zeit von 1963 bis 1970 die Zahl der einheimischen Erwerbstätigen weiter sank, mussten alle drei der genannten Möglichkeiten ausgenutzt werden.

Bereits in der Mitte der 50er Jahre waren 50 000 bis 70 000 ausländische Arbeiter in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt, diese stammten meist ans Gebieten unmittelbar jenseits der deutschen Grenzen, aus den Niederlanden, Österreich, Frankreich und Belgien, waren also „Grenzarbeitnehmer“ und kamen ohne offizielle Vermittlung. Durch Anwerbung, Vermittlungskommissionen, Sonderzüge, Vergünstigungen, langfristige Verträge und zwischenstaatliche Abmachungen sollten aus weiteren Ländern wesentlich mehr Arbeitskräfte gewonnen werden.

Verträge zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte

Als Länder, die Arbeitskräfte bereitstellen konnten, kamen zunächst die Staaten der E uropäischen W irtschafts- G emeinschaft (EWG) in Frage, vor allem Italien, das wenig industrialisiert war und hohe Quoten von Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit aufwies. Der erste Vertrag wurde daher im Dezember 1955 mit Italien geschlossen und hatte mehrere Ziele. Zum einen sollte die Arbeitslosigkeit in Italien gelindert werden und eine Verbesserung der deutsch-italienischen Zahlungsbilanz herbei führen, zum anderen sollte der Mangel an deutschen Arbeitskräften in der Landwirtschaft und dem Baugewerbe behoben werden.

Verträge mit anderen Ländern folgten bald nach, so wurden diese 1960 mit Spanien und Griechenland, 1961 mit der Türkei, 1963 und 1966 mit Marokko, 1964 mit Portugal und 1965 mit Tunesien abgeschlossen.

Anzahl der ausländischen Arbeitnehmer

Die organisierte Anwerbung nach dem Vertrag von 1955 mit Italien vollzog sich während der ersten Jahre bis 1959 langsam und brachte nur zusätzlich einige 10 000 Italiener in die Bundesrepublik Deutschland. Nach 1959 änderte sich dies: der Mangel an Arbeitskräften wurde stärker, neue Verträge mit anderen Ländern (s.o.) wurden geschlossen. Die Anzahl der ausländischen Arbeitskräfte stieg rapide an und erreichte 1966 einen ersten Höhepunkt mit 1,3 Mio. Durch die wirtschaftliche Rezession 1966/67 in Deutschland, verminderte sich die Gesamtzahl der ausländischen Arbeiter wieder, vor allem die Männer waren betroffen, da die Rezession in den wirtschaftlichen Bereichen sehr ausgeprägt war, in denen hauptsächlich Männer beschäftigt waren.

Ab dem Frühjahr 1968 konnte man wieder beobachten, dass sich die deutsche Wirtschaft erholte und expandierte und daher wieder mehr Arbeitskräfte als in den voran gegangenen Jahren benötigt wurden. 1969 wurde die Rekordzahl von 1966 wieder erreicht und eine Ausländerquote von über 6% festgestellt. Die Gastarbeiterzahlen sind damals sogar zum Index der deutschen Konjunktur geworden.

Es ist daher ganz offensichtlich, dass eine indirekte und sehr spontane Relation zwischen Ausländerquote und Konjunktur des Ziellandes besteht. Die Wanderungen am Arbeitsmarkt, und als solche waren die meisten Bevölkerungswanderungen zu verstehen, hingen überwiegend von den anziehenden Kräften, den pull-factors, im Zielgebiet ab und weniger von den wirtschaftlichen Situationen in den Herkunftsgebieten. Die Wanderungen können durchaus auch verglichen werden mit der früheren „Landflucht“ in die wirtschaftlich expandierenden Städte. Diese Arbeiterwanderungen sind von großer Bedeutung für die Gesamtgesellschaft, da sie dadurch ihre ursprüngliche agrare Struktur veränderte und sich wirtschaftlich und sozial weiterentwickelte. Durch die politischen Vereinbarungen zwischen Deutschland und den Anwerbeländern nahmen diese Wanderungen bald viel weitere Ausmaße an, da der Einzugsbereich industrieller Zentren nicht mehr von dem angrenzenden Gebiet, sondern von sehr weit entfernten Regionen bestimmt, die dadurch aber in ihrer gesamten Struktur verändert wurden.

Die Berufe der ausländische Arbeitnehmer

1956 kamen die ersten ausländischen Arbeiter aus Italien nach Deutschland. 50% dieser Italiener nahmen Arbeitsstellen in der Landwirtschaft an, für die sie durch ihre landwirtschaftlichen Ausgangsberufe Qualifikationen mitbrachten. Durch die Mechanisierung in der Landwirtschaft fiel dieser Prozentwert 1960 auf 4% und hatte 1968 nur noch einen Wert von 1% erreicht.

Fast 80% aller ausländischer Arbeiter waren 1968 in der Eisen- und Metallbrache und dem Baugewerbe tätig. Auch in den Berufen wie Straßenreinigung, Müllabfuhr, Gaststättengewerbe und Krankenpflege war eine Zunahme der Gastarbeiter zu vermerken.

Mit der schlechter werdenden Konjunktur, wurden viele Arbeitsplätze, die von ausländischen Arbeitern besetzt waren, weg rationalisiert. Gründe dafür waren vor allem, dass die oben genannten Bereiche wie Metall- und Eisenbranche, Automobilbau und das Baugewerbe Stellen kürzten um konkurrenzfähig zu bleiben. Einige der ausländischen Arbeiter waren und sind unterdurchschnittlich Qualifiziert und besitzen mangelnde Sprachkenntnisse, sodass sie die ersten waren und sind, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Daher liegt die Arbeitslosenquote heute bei den Ausländern höher als bei den deutschen Arbeitsuchenden.

Soziale Lage ausländischer Frauen

Die soziale Lage der ausländischen Frauen und Mädchen war zu Beginn der Migration vor allem charakterisiert durch die schlechten Startchancen, die sich durch ihre passive Rolle bei der Entscheidung zur Migration und aus ihrer im allgemeinen schlechten schulischen und beruflichen Bildung ergab. Oftmals nahmen und nehmen die ausländischen Frauen auch heute noch schlecht bezahlte Arbeit ohne Aufstiegschancen an, die sie einseitig körperlich beanspruchten und zu frühzeitigen Verschleißerscheinungen sowie zu psychosomatischen Krankheiten führen können. Sie sind häufig als Industriearbeiterinnen am Fließband und als Putzfrau beschäftigt. Von den Risiken die an solche Arbeitsplätze gebunden sind, wie hohe Arbeitslosigkeit und gesundheitliche Beeinträchtigung, sind ausländische Frauen in stärkerem Maße als ihre Männer bzw. als deutsche Arbeitnehmerinnen betroffen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Psychosoziale Situation ausländischer Jugendlicher insbesondere der Italienischen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Institut für pädagogische Psychologie)
Veranstaltung
Identitätsbildung in der globalen und multikulturellen Gesellschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V24863
ISBN (eBook)
9783638276351
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychosoziale, Situation, Jugendlicher, Italienischen, Identitätsbildung, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Cathrin Dehmer (Autor), 2003, Psychosoziale Situation ausländischer Jugendlicher insbesondere der Italienischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24863

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