Zahlreiche in den vergangenen Jahren existierende internationale Bankkrisen sind auf plötzliche Kreditausfälle zurückzuführen. Sie zeigen auf, dass Kreditausfälle grundsätzlich die Sicherheit der Einlagen und die Existenz der Banken gefährden. Der Hauptgrund dafür lag in der geringen Eigenkapitalausstattung der Banken. Aus diesem Grund wurde im Jahr 1988 die erste Baseler Eigenkapitalvereinbarung durch den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht veröffentlicht. „Die Hauptziele dieser Eigenkapitalvereinbarung waren die Sicherung einer angemessenen Eigenkapitalausstattung im internationalen Bankwesen und die Schaffung einheitlicher Wettbewerbsbedingungen“ (Everling 2002, S. 28). Im Hinblick auf das Kreditausfallrisiko wurde, in der ersten und heute gültigen Eigenkapitalvereinbarung von 1988, die Höhe der Kreditvergabe durch die Koppelung an das Eigenkapital der Banken begrenzt. Der so genannte Baseler Akkord oder Basel I hatte zum Ergebnis, dass Banken mindestens 8% an Eigenkapital im Verhältnis zu ihrem Aktiva-Portfolio halten müssen. Ein häufiger Kritikpunkt an Basel I war die pauschalisierte Eigenkapitalunterlegung der Kredite in Höhe des Achtprozentfaktors. Folglich wurde jedem Kredit das gleiche Ausfallrisiko unterstellt. Die Bonität eines Kreditnehmers und die eventuell damit verbundene Wahrscheinlichkeit des Kreditausfalls fanden ebenfalls keine Berücksichtigung (vgl. Ehlers 2003, S. 7; Everling 2002, S. 28 ff.; Schneck/Morgenthaler/Yesilhark 2003, S. 13 ff.).
Im Juni 1999 legte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht einen Neuentwurf der Regelungen zur Eigenkapitalvereinbarung vor. Da die bisherige Eigenkapitalvereinbarung die bestehende Risikosituation der Banken nur unzureichend darstellte, soll anhand der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) die Eigenkapitalunterlegung risikonäher gestaltet werden (vgl. Everling 2002, S. 29).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Aufgabenstellung
1.3. Vorgehensweise
1.4. Begriffs- und Inhaltsabgrenzung
2. Die Baseler Eigenkapitalvereinbarung
2.1. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht
2.2. Die geltende Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel I)
2.3. Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II)
2.3.1. Ziele der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung
2.3.2. Bestandteile der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung
2.3.2.1. Die Säule 1 – Mindestkapitalanforderungen
2.3.2.2. Die Säule 2 – Bankaufsichtlicher Überprüfungsprozess
2.3.2.3. Die Säule 3 – Marktdisziplin
2.4. Basel II als Auslöser für die Ratingdiskussion
3. Einführung in das Rating
3.1. Bedeutung des Ratings
3.2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung des Ratings zu anderen Bewertungsmethoden
3.3. Ratingarten
3.3.1. Internes versus externes Rating
3.3.2. Unternehmensrating
3.3.3. Branchenrating
3.3.4. Solicited und Unsolicited Rating
3.3.5. Auskunftsrating von Wirtschaftsauskunftsdiensten
4. Externes Rating durch Ratingagenturen
4.1. Das externe Rating innerhalb des Standardansatzes
4.2. Ratingagenturen
5. Internes Rating durch Banken
5.1. Traditionelle Kreditwürdigkeitsprüfung
5.2. Das interne Rating innerhalb des IRB-Ansatzes
5.3. Ratingskalierung der Banken
5.3.1. Ratingskalierung der Volks- und Raiffeisenbanken
5.3.2. Ratingskalierung und Ratingprozess der Sparkassen
5.3.3. Ratingskalierung der Großbanken
6. Ratingkriterien
6.1. Die Hard- und Soft Facts innerhalb des Ratings
6.1.1. Hard Facts
6.1.2. Soft Facts
6.1.2.1. Branche
6.1.2.2. Marktpotenzial
6.1.2.3. Führungspotenzial
6.1.2.4. Produktionspotenzial
7. Die Bedeutung des Controllings innerhalb der Ratingverfahren
7.1. Begriffsbestimmung und Aufgabenbereich des Controllings
7.2. Anforderungen an das Controlling
7.2.1. Rechnungswesen
7.2.1.1. Rechtzeitige Verfügbarkeit der Informationen
7.2.1.2. Qualität und Aussagefähigkeit der Informationen
7.2.2. Unternehmensplanung
7.2.3. Frühwarnsysteme
7.2.4. Informationssysteme
7.3. Resümee
8. Praxisnaher Ablauf eines bankinternen Ratings anhand eines Musterfalls
8.1. Allgemeine Grundlagen
8.2. Allgemeine Angaben zum Unternehmen
8.3. Prüfung der Kreditfähigkeit
8.4. Prüfung der Kreditwürdigkeit – Bonitätsrating
8.4.1. Finanzrating
8.4.2. Bewertung der Unternehmenspotenziale
8.4.3. Beurteilung des wirtschaftlichen Umfelds – Branchenanalyse
8.5. Bildung des Bonitätsratings
8.6. Kreditrating
8.7. Gesamturteil
9. Schlussbetrachtung
10. Anhang
10.1. Gesprächsnotiz Nr. 1
10.2. Gesprächsnotiz Nr. 2
10.3. Planbilanz
10.4. Plan GuV
10.5. Liquiditätsplan
10.6. Bankenspiegel
10.7. Kapitaldienstrechnung
10.8. Kennzahlen der Jahresabschlussanalyse
10.9. Checkliste: Maximal mögliche Fragen alle Dimensionen
10.10. Übersicht: Soft Facts
10.11. Checkliste für relevante Kundenunterlagen
10.12. Ablaufschema der Kreditwürdigkeitsprüfung
10.13. Jahresabschlussanalyse – Musterfall
10.14. Analyseüberblick – Musterfall
10.15. Berechnungsschema Eigenmittelquote
10.16. Ratingbogen – Musterfall
10.17. Stärken-/ Schwächenanalyse – Musterfall
11. Anlage
11.1. Konsultationspapier – Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, Januar 2001
11.2. Konsultationspapier – Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, April 2001
11.3. Konsultationspapier – Überblick über die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, April 2001
11.4. Basel II – Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung
11.5. Gesetz über das Kreditwesen – KWG
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des betrieblichen Controllings als qualitatives Kriterium für die Bonitätsbeurteilung von Unternehmen im Kontext der Anforderungen von Basel II. Es wird aufgezeigt, wie Unternehmen ihr internes Rechnungswesen und Controlling anpassen müssen, um den erweiterten Transparenz- und Informationsbedürfnissen der Banken im Ratingprozess gerecht zu werden.
- Grundlagen der Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel I und II)
- Methodik und Prozess der Ratingverfahren (interne und externe Ratings)
- Klassifizierung und Bedeutung von „Hard Facts“ und „Soft Facts“ im Rating
- Die spezifische Rolle des Controllings bei der Bereitstellung risikorelevanter Daten
- Praktische Umsetzung der Bonitätsprüfung anhand eines bankinternen Musterfalls
Auszug aus dem Buch
6.1.2. Soft Facts
Im Rahmen des Bonitätsratings werden neben den quantitativen Kriterien auch die qualitativen Merkmale, die so genannten Soft Facts eines Unternehmens beurteilt. Hierbei spielen Kriterien wie Branche, Markt-, Führungs- und Produktionspotenzial eine wesentliche Rolle. Die Analyse dieser Kriterien soll Auskunft darüber geben, ob das Unternehmen in Zukunft in der Lage sein wird, seine Risiken zu überwachen, um somit den Fortbestand zu sichern. Des Weiteren spielen die im Unternehmen verwendeten Instrumente zur Risikoüberwachung eine wichtige Rolle. Die Analyse der Soft Facts erfolgt in den meisten Fällen mit Hilfe von standardisierten Checklisten, die wiederum von Ratingsystem zu Ratingsystem unterschiedlich gestaltet sein können. In der Regel werden die qualitativen Faktoren unmittelbar vor Ort im Unternehmen erhoben. Innerhalb der externen Ratings kann so eine Checkliste bis zu 400 Fragen beinhalten, welche von den Analysten im Durchschnitt in zwei bis fünf Tagen abgearbeitet werden. Anschließend wird von den Analysten ein entsprechender Bericht erstellt, der in der externen Ratingagentur abschließend beurteilt wird. Innerhalb der bankinternen Ratings wäre so eine umfangreiche Vorgehensweise schon allein aus Kostengründen undenkbar. Grundsätzlich werden aber die Soft Facts beim internen Rating in ähnlicher Art und Weise erhoben. Ebenso wie beim externen Rating werden beim internen Rating standardisierte Checklisten (siehe Anhang 911) verwendet. Im Gegensatz zu den Analysten der Ratingagenturen erheben die Firmenkundenberater der Banken die Daten und Informationen zu den Soft Facts während ihrer Kreditgespräche mit dem Management oder den Controllern und eventueller Betriebsbesichtigungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Problemstellung durch die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung und skizziert die Vorgehensweise zur Untersuchung der Controlling-Bedeutung.
2. Die Baseler Eigenkapitalvereinbarung: Erläutert die historischen Hintergründe von Basel I und die neuen risikogerechteren Anforderungen von Basel II inklusive der Drei-Säulen-Struktur.
3. Einführung in das Rating: Definiert den Ratingbegriff, grenzt ihn von anderen Bewertungsmethoden ab und stellt verschiedene Ratingarten gegenüber.
4. Externes Rating durch Ratingagenturen: Beschreibt das externe Rating im Rahmen des Standardansatzes sowie die Rollen der Ratingagenturen.
5. Internes Rating durch Banken: Analysiert traditionelle Prüfmethoden und das interne Rating innerhalb des IRB-Ansatzes sowie spezifische Ratingskalierungen.
6. Ratingkriterien: Detaillierte Unterteilung in quantitative Hard Facts (Finanzbereich) und qualitative Soft Facts (Unternehmensqualität und Branche).
7. Die Bedeutung des Controllings innerhalb der Ratingverfahren: Zentrale Untersuchung, wie Controlling-Instrumente die Transparenz erhöhen und die Bonität stützen können.
8. Praxisnaher Ablauf eines bankinternen Ratings anhand eines Musterfalls: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf eine konkrete Firma zur Veranschaulichung des Ratingprozesses.
9. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Chancen und notwendigen Anpassungsmaßnahmen für Unternehmen unter Basel II.
Schlüsselwörter
Basel II, Rating, Controlling, Bonität, Kreditrisiko, Hard Facts, Soft Facts, Eigenkapitalunterlegung, IRB-Ansatz, Jahresabschlussanalyse, Unternehmensplanung, Frühwarnsysteme, Kreditwürdigkeit, Risikomanagement, Informationsversorgung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) auf kreditaufnehmende Unternehmen und analysiert speziell die Bedeutung des Controllings als Instrument zur Steigerung der Bonität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die regulatorischen Anforderungen durch Basel II, die Unterscheidung zwischen internen und externen Ratings, die Analyse von quantitativen und qualitativen Ratingkriterien sowie die praktische Rolle des Controllings im Kreditvergabeprozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die Bedeutung des Controllings als qualitatives Kriterium im Rahmen der neuen Ratingverfahren darzustellen und Unternehmen aufzuzeigen, wie sie durch eine systematische Planung und Informationsversorgung ihre Kreditwürdigkeit verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse der regulatorischen Vorgaben und kombiniert diese mit einer praxisnahen Untersuchung (Musterfall), um den Verlauf eines bankinternen Ratings transparent zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Ratingarten, die explizite Unterscheidung zwischen Hard und Soft Facts sowie die spezifischen Anforderungen an das Controlling (Planung, Frühwarnsysteme, Berichtswesen) detailliert ausgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Basel II, Rating, Bonitätsanalyse, Controlling, Hard Facts, Soft Facts, Kreditrisiko und Eigenkapitalunterlegung.
Warum ist eine Deckungsbeitragsrechnung für das Rating wichtig?
Die Deckungsbeitragsrechnung ermöglicht die Ermittlung der Ertragskraft einzelner Produkte und dient als Nachweis für eine strukturierte Unternehmenssteuerung, was Banken positiv in die Bewertung einfließen lassen.
Welche Rolle spielt das Kontoverhalten im Ratingprozess?
Das Kontoverhalten dient Banken als wichtiger Warnindikator für das zukünftige Zahlungsverhalten; negative Auffälligkeiten können sich direkt negativ auf die Ratingnote auswirken.
- Quote paper
- Peggy Fohmann (Author), 2004, Die Bedeutung des Controllings bei Ratingverfahren im Rahmen von Basel II, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25426