Management Accounting Systeme - Freedom or Prison


Seminararbeit, 2002
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Disziplin(ierung)
2.1 Begriff
2.2 Entwicklung
2.3 Maßnahmen
2.3.1 Die Kunst der Verteilung der Individuen im Raum
2.3.2 Die Kontrolle der Tätigkeit
2.3.3 Die Mittel der guten Abrichtung
2.4 Ergebnis

3. Das Disziplinarindividuum

4. Management Accounting Systeme
4.1 Begriff
4.2 Entwicklung von MAS in Unternehmen
4.3 MAS als Ausdruck von Macht und Kontrolle

5. Beispiel ITT
5.1 Management Accounting Numbers
5.2 Der effektive Manager
5.3 Grenzen und Widerstände

6. Fazit

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Ausgangspunkt dieser Seminararbeit ist die Frage: Wie kann durch Regulation von Verhaltensweisen Herrschaft über Individuen aufgebaut und erhalten werden? Zentral werden für diese Fragestellung die Begriffe Disziplin und Disziplinierung sein, und es wird beleuchtet, mit welchen Verfahren Macht und Kontrolle ausgeübt werden können. Betrachtet wird außerdem die Entwicklung von personaler Kontrolle hin zu Kontrolle über Systeme und das daraus resultierende selbstkontrollierte Disziplinarindividuum.

Am Beispiel der amerikanischen Firma International Telephone and Telegraph (ITT) soll dann gezeigt werden, wie organisationale Handlungskontrolle mit Hilfe von Management Accounting Systemen praktisch aussehen kann bzw. ausgesehen hat. Eine Gegenüberstellung von moderner und postmoderner Sicht soll hierbei hinterfragen, ob es sich bei diesen Kontroll-Systemen um eine Befreiung oder einen Zwang für das Individuum handelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Ein moderner Organisationsansatz 1

Die Moderne unterstellt, wie aus obiger Abbildung1 ersichtlich, direkte Abhängigkeiten zwischen der formalen Organisationsstruktur, wie z.B. den Koordinationsmechanismen, und dem Verhalten der Organisationsmitglieder. Weiterhin beeinflusst dann dieses Verhalten im Sinne der Organisation ihre Effizienz. Wenn diese Abhängigkeiten nun aus moderner Sicht so direkt bestehen, kann die Frage nur lauten: Wie schafft man es, das Verhalten der Organisationsmitglieder so zu steuern, dass sie möglichst effizient arbeiten? Die provokative These zu Beginn könnte demnach lauten: Mit Disziplin!

2. Disziplin(ierung)

2.1 Begriff

Langenscheidts Fremdwörterbuch gibt zum Begriff der Disziplin folgende Definitionen:

Disziplin, die; -,-en 1. kMz. Selbstzucht, Selbstbeherrschung 2. kMz. Ordnung, Zucht, Benehmen nach Regeln 3. kMz. Unterordnung, Einordnung 4. Teilgebiet eines Wissenschaftszweiges, Forschungsgebiet, Fachrichtung 5. Teilbereich einer Sportart, Wettkampfart.2

Es fällt auf, dass hier an erster Stelle genannt wird, was in der Entwicklung der Disziplinen erst sehr spät zu beobachten war: nämlich die internalisierte Disziplin, die Selbst-Beherrschung3.

Foucault beschreibt die Disziplinen in Ü berwachen und Strafen als „Techniken (...), die das Ordnen menschlicher Vielfältigkeiten sicherstellen sollen“4. Diese Art der Machtausübung soll demnach drei Kriterien genügen: sie soll mit möglichst geringen Kosten, mit möglichst intensiver Wirkung und in möglichst allen Bereichen des Systems operieren5.

Die Disziplin vereinigt zwei unterschiedliche Bilder auf sich: zum einen ein negatives, das verbietend und repressiv wirkt, bspw. die Vorgabe, nicht faul zu sein. Zum anderen wird aber in der Regel diese, zunächst einschränkend wirkende Vorgabe, positive Ergebnisse hervorbringen, Nutzen stiften, erweitern und fördern. Man stelle sich das Militär als ungeordneten Haufen wilder Männer vor, deren Wunsch es ist, zu kämpfen. Es wird schnell klar, dass sich dies nicht sinnvoll realisieren lässt, wenn alle ungeordnet losrennen würden, um sich auf den Feind zu stürzen. Hier steigert die Disziplin durch bestimmte ordnende Maßnahmen die Kräfte und die Erfolgswahrscheinlichkeit.

2.2 Entwicklung

Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts fand eine umfassende Verallgemeinerung und Ausweitung der Disziplinarsysteme und -institutionen statt. Dabei lassen sich drei besonders auffällige Prozesse beobachten6:

a. Die Funktionsumkehr bei den Disziplinen

Galt es ursprünglich, mit den Disziplinen die unruhige Bevölkerung und die daraus resultierenden Gefahren in Schach zu halten, wurden sie später verstärkt dazu benutzt, die Nützlichkeit und Produktivität von Individuen zu vergrößern. Besonders sei hier die Arbeitsdisziplin erwähnt, die „die Fähigkeiten, die Geschwindigkeiten, die Arbeitserträge und damit die Gewinne erhöhen [soll]“7. Somit treten die Disziplinen aus ihrer Randstellung in der Gesellschaft heraus, werden nicht länger nur auf Bettler, Verbrecher und Kranke angewendet, sondern dienen auch produktiv in Manufakturen, im Militär und in Schulen.

b. Die Ausweitung der Disziplinarmechanismen

Während sich also im 18. Jahrhundert die Disziplinarinstitutionen vermehrten, weiteten sich gleichzeitig ihre Mechanismen über die Institutionen hinweg aus. Ausgehend von den Schulen wurden bspw. die Eltern auffälliger Kinder kontrolliert, Wohn- und Lebensverhältnisse begutachtet und dokumentiert.

Aber „nicht nur von geschlossenen Institutionen, sondern auch von Kontrollpunkten aus, die in der Gesellschaft verstreut sind, schwärmen die Disziplinarprozeduren aus“8. Beispielhaft seien religiöse Gruppen und Mildtätigkeitsvereine genannt, die religiöse (Bekehrung und Moralisierung), wirtschaftliche (Hilfeleistung oder Anhaltung zur Arbeit) und politische Aufgaben (Kampf gegen Unzufriedenheit oder Aufruhr) übernahmen.

c. Die Verstaatlichung der Disziplinarmechanismen

Die Polizei war als Staatsapparat organisiert, sie sollte alles erfassen und prüfen, jedes noch so kleine Detail. Dazu musste sie selbst eine allgegenwärtige Überwachung etablieren, aber selbst unsichtbar bleiben, musste dokumentieren und registrieren. „Sie übernimmt auch eine Disziplinierungsfunktion. Diese Funktion ist komplex, weil sie die absolute Macht des Monarchen an die kleinsten in der Gesellschaft verstreuten Machtinstanzen knüpft und weil sie zwischen den geschlossenen Disziplinarinstitutionen (Werkstätten, Armee, Schulen) ein Verbindungsnetz spannt, das die von jenen offengelassenen Lücken füllt und die nicht disziplinierten Räume diszipliniert, abdeckt, miteinander verbindet und mit ihrer bewaffneten Gewalt schützt: Interdisziplin und Metadisziplin“9.

Die drei genannten Prozesse trugen wesentlich dazu bei, dass das besondere Modell „Disziplin“ zur allgemeinen Formel und zur dominanten Form der Machtausübung wurde.

2.3 Maßnahmen zur Disziplinierung und Kontrolle

Foucault definiert in Ü berwachen und Strafen mehrere Mechanismen und Maßnahmen zur Disziplinierung und Kontrolle von Individuen10. Diese werden im folgenden zusammengefasst vorgestellt und in ihrer Wirkungsweise erläutert. Die erwähnten Kontrollmechanismen greifen von Gefängnissen, Irrenanstalten und Spitälern auf das Militär, Schulen und Werkstätten über. Dass diese Maßnahmen großteils auch heute in Organisationen und Betrieben anzutreffen sind, soll im folgenden anhand einiger aktueller Beispiele gezeigt werden11.

2.3.1 Die Kunst der Verteilung der Individuen im Raum

- Klausur

Das Prinzip der Klausur meint „die bauliche Abschließung eines Ortes von allen anderen Orten“12, wie etwa Kasernen oder Klöster. Townley argumentiert, dass viele der physikalischen Einschließungen verschwunden seien, dass aber das Konzept der Klausur noch immer bestehe, etwa in der Unterscheidung von Arbeit und Freizeit13. Arbeit findet am Arbeitsplatz statt und wird honoriert, Freizeit findet sich an anderen „Orten“, wird also konzeptuell abgeschlossen.

- Parzellierung

In den Disziplinarapparaten ist allerdings eine noch feinere Verteilung notwendig. Mit Hilfe der Parzellierung lassen sich die Individuen ordnen, beherrschen und nützlich machen. „Jedem Individuum seinen Platz und auf jeden Platz ein Individuum“14.

[...]


1 Vgl. Kieser 1999, S. 169ff

2 Langenscheidts Fremdwörterbuch

3 Vgl. Kap. 3 der vorliegenden Seminararbeit

4 Foucault 1977, S. 279f

5 Vgl. Foucault 1977, S. 280

6 Vgl. Foucault 1977, S. 269ff

7 Foucault 1977, S. 270

8 Foucault 1977, S. 272

9 Foucault 1977, S. 276

10 Vgl. Foucault 1977 S. 181ff

11 Ausgelassen wurden die Abschnitte Die Organisation von Entwicklungen S. 201ff sowie Die Zusammensetzung der Kräfte S. 209ff, da sie sich eher auf die pädagogische Praxis in Ausbildung und Lehre, und die Verwendung der Körper zur Steigerung der Kräfte konzentrieren.

12 Foucault 1977, S. 181

13 Townley 1994, S. 26

14 Foucault 1977, S. 183

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Management Accounting Systeme - Freedom or Prison
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Personalwesen)
Veranstaltung
Organisationstheorie
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V25596
ISBN (eBook)
9783638281683
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Management, Accounting, Systeme, Freedom, Prison, Organisationstheorie
Arbeit zitieren
Irina Lauke (Autor), 2002, Management Accounting Systeme - Freedom or Prison, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25596

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