Lange Zeit galten (nicht nur in Deutschland) die Sektoren der Telekommunikation, der Elektrizität, des Stroms oder des Verkehrs aufgrund ihrer Netze als natürliche Monopole, in denen Größen- und Verbundvorteile zu einer höheren Effizienz führten als Wettbewerb. Jedoch erfuhr jeder einzelne dieser Sektoren in den letzten Jahren eine in ihrer jeweiligen Ausprägung differenzierte Liberalisierung. So resümiert die FAZ (27.04.2004, S.11) in einem Artikel über die Erreichung der Wettbewerbsziele in den Ländern der Europäischen Union: „Die deutschen Stärken liegen in der Funktionsfähigkeit der Netzindustrien und in der Nachhaltigkeit“. Jedoch werden auch „deutliche Mängel in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und in der Liberalisierung“ deutlich (FAZ, 27.04.2004, S. 11).
Über den deutschen Telekommunikationsmarkt lässt sich sagen, dass er (noch) einer relativ stark greifenden Regulierung unterworfen ist, zu deren Hauptinstanzen das Telekommunikationsgesetz (TKG) und die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) gehören. Letztere wurde vom Gesetzgeber mit einer Vielzahl an Interventionsmöglichkeiten ausgestattet mit dem Ziel, den Wettbewerb im Telekommunikationssektor durch Regulierung zu fördern (§ 1 TKG). Dabei wird der Begriff “Telekommunikation” als “der technische Vorgang des Aussendens, Übermittelns und Empfangens von Nachrichten jeglicher Art in der Form von Zeichen, Sprache, Bildern oder Tönen mittels Telekommunikationsanlagen“ definiert (§ 3 Begriffbestimmungen Nr.16 TKG).
Wie erfolgt nun aber die Regulierung dieses Sektors? Welche Instrumente stehen dabei zur Verfügung? Und wie sind deren Effektivität und Effizienz zu beurteilen?
Auf die Beantwortung dieser Fragen gerichtet ist es das Ziel dieser Arbeit, einen Überblick über die Funktion und Wirkungsweise einiger ausgewählter Regulierungsinstrumente im Telekommunikationssektor zu geben und nach einer ökonomischen Abwägung ihrer jeweiligen Stärken und Schwächen mögliche Politikempfehlungen daraus abzuleiten.
Im folgenden Kapitel wird zunächst versucht, den Bedarf einer Regulierung im Telekommunikationssektor nachzuweisen, während die Darstellung und Analyse einzelner Instrumente im Kapitel 3 erfolgt. In einem abschließenden vierten Teil sollen die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal kurz zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Rechtfertigung des Regulierungsbedarfes
3. Einzelne Regulierungsinstrumente und ihre Bewertung
3.1. Entgeltregulierung
3.1.1. Price-Cap-Regulierung und Einzelpreisregulierung
3.1.2. ECPR – Efficient Component Pricing Rule
3.2. Regulierung des Netzzuganges und der Zusammenschaltung von Netzen
3.3. Verhaltensregulierung
3.3.1. Qualitätsregulierungen
3.3.2. Lizenzen
3.4 Universaldienst
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Funktion und Wirkungsweise ausgewählter Regulierungsinstrumente im deutschen Telekommunikationssektor, um deren Effektivität und Effizienz kritisch zu bewerten und mögliche Politikempfehlungen abzuleiten.
- Rechtfertigung von Regulierung bei monopolistischen Bottlenecks
- Analyse von Entgeltregulierungsansätzen wie Price-Cap und ECPR
- Bedeutung der Regulierung von Netzzugang und Zusammenschaltung
- Instrumente der Verhaltensregulierung inklusive Qualitäts- und Lizenzvorgaben
- Rolle und Notwendigkeit von Universaldienstverpflichtungen
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Price-Cap-Regulierung und Einzelpreisregulierung
Bei Price-Cap-Regulierungen werden die zu regulierenden Güter bzw. Dienstleistungen in unterschiedlichen Körben zusammengefasst und innerhalb dieser darf der gewichtete Durchschnittspreis der enthaltenen Leistungen nur in dem durch die Price-Cap- Formel bestimmten Maße steigen (Hart 1999, S. 223). Es handelt sich bei diesem Instrument um eine sogenannte Höchstpreisregulierung (Graack 1997, S. 122), welche auf das Preisniveau bestimmter Güter oder Güterbündel zielt. Sie gibt somit einen Anreiz zur effizienten Kostengestaltung, durch die Möglichkeit der Veränderung der Preisstruktur (Graack 1997, S. 123).
Bei dieser Form der Regulierung ist eine reine Maximalpreisregulierung denkbar (Hart 1999, S. 223), wobei die Regulierungsbehörde den Höchstpreis für ein bestimmtes Gut oder ein Güterbündel einmalig fixiert. Verbreiteter und ökonomisch sinnvoller erscheint jedoch die Berechnung der Maximalpreise unter Berücksichtigung der Inflations- und Produktivitätsentwicklung. Hierbei legt die Regulierungsbehörde einen Faktor fest, welcher die Preisentwicklung begrenzt (Kunz 2000, S. 52). Dieser Faktor setzt sich aus einem Inflationsindikator und einem davon zu subtrahierenden Parameter bezüglich der zu erwartenden Produktivitätssteigerung zusammen (Hart 1999, S. 223).
Diese Methode der Entgeltregulierung fixiert zwar die Preisobergrenze für ein Gut bzw. Güterbündel, überlässt jedoch dem regulierten Unternehmen Gestaltungsfreiheit hinsichtlich der Preisstruktur und setzt damit Anreize zur produktiven Effizienz (Kunz 2000, S. 53). Vorteilhaft ist auch der geringere Informationsbedarf bei Anwendung von Price-Caps, da die Regulierungsinstanz hierbei nicht auf exakte Kosteninformationen des Unternehmens angewiesen ist (Hart 1999, S. 225).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Netzindustrien von natürlichen Monopolen zur Liberalisierung und definiert das Ziel, die Instrumente der Regulierung im Telekommunikationssektor zu analysieren.
2. Rechtfertigung des Regulierungsbedarfes: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit staatlicher Regulierung durch das Vorhandensein monopolistischer Engpassbereiche (Bottlenecks) und definiert die Rolle marktbeherrschender Unternehmen.
3. Einzelne Regulierungsinstrumente und ihre Bewertung: Hier werden konkrete Methoden der Entgeltregulierung, des Netzzugangs, der Verhaltenssteuerung sowie der Universaldienstverpflichtung detailliert dargestellt und bewertet.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Regulierung auf notwendige Bereiche beschränkt bleiben sollte und eine ständige Prüfung der Effizienz und Notwendigkeit der Instrumente essenziell ist.
Schlüsselwörter
Regulierung, Telekommunikation, Netzwerkindustrien, Price-Cap, ECPR, Netzzugang, Wettbewerb, Monopolistische Bottlenecks, Entgeltregulierung, Lizenzen, Universaldienst, Marktbeherrschung, Regulierungsbehörde, TKG, Infrastruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Instrumente, mit denen der deutsche Telekommunikationssektor reguliert wird, um Wettbewerb zu fördern und Marktversagen bei monopolistischen Strukturen zu verhindern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Rechtfertigung von Regulierung, die Entgeltregulierung, die Steuerung des Netzzugangs und der Zusammenschaltung, die Verhaltensregulierung durch Auflagen sowie die Sicherstellung des Universaldienstes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Funktion und Wirkungsweise ausgewählter Regulierungsinstrumente zu geben und diese ökonomisch hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile sowie ihrer Effizienz zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung ökonomischer Konzepte zur Regulierung von Netzwerkindustrien, ergänzt durch Bezüge zum Telekommunikationsgesetz (TKG) und zur praktischen Regulierungsarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische Instrumente wie die Price-Cap-Regulierung, die ECPR-Regel, Regelungen zum Netzzugang, Qualitätsanforderungen, Lizenzen und Universaldienstverpflichtungen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Regulierung, Telekommunikation, Wettbewerb, monopolistisches Bottleneck, Entgeltregulierung, Universaldienst und Marktbeherrschung.
Warum ist die Price-Cap-Regulierung ökonomisch vorteilhaft?
Sie bietet Anreize zu produktiver Effizienz, da das Unternehmen von Kosteneinsparungen profitieren kann, und erfordert zudem einen geringeren Informationsbedarf seitens der Regulierungsbehörde.
Was versteht man in diesem Kontext unter dem "Universaldienst"?
Universaldienst bezeichnet ein Mindestangebot an Telekommunikationsdienstleistungen in bestimmter Qualität, das allen Bürgern zu erschwinglichen Preisen zugänglich gemacht werden soll, um eine gesellschaftliche Grundversorgung zu gewährleisten.
- Citation du texte
- Katy Bauer (Auteur), 2004, Regulierungsinstrumente im Telekommunikationssektor - Darstellung und Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25967