Die vorliegende Seminararbeit aus dem Bereich Portfoliomanagement beschäftigt sich mit der erstmals im Jahr 2000 an der Frankfurter Börse eingeführten Finanzinnovation, den Exchange Traded Funds, kurz ETF. Diese noch recht junge Anlageform erfreut sich seit einigen Jahren sowohl bei institutionellen als auch bei Privatanlegern einer stetig wachsenden Beliebtheit. In Europa sind mittlerweile 260 Mrd. in ETF angelegt.
Frei übersetzt handelt es sich bei einem ETF um einen Fonds (engl. Fund), der an einer Börse notiert bzw. handelbar ist (engl. exchange-traded). Im Vergleich zu herkömmlichen Investmentfonds, deren Kursfeststellung nur einmal täglich erfolgt, besitzen ETF-Anleger einen gewissen Grad an Flexibilität, da sie diese wie Aktien während der üblichen Börsenzeiten kaufen bzw. verkaufen können. Zusätzlich bieten sie aufgrund der täglichen Veröffentlichung ihrer genauen Zusammensetzung ein Höchstmaß an Transparenz. Ein Werbespruch der ETF lautet deshalb: „Einfach, Transparent, Flexibel“.
Ein besonderes Merkmal der ETF ist deren passive Anlagestrategie, auf welche nach der geschichtlichen Entwicklung und Etablierung der ETF am Markt näher eingegangen wird. Durch einen Vergleich mit der aktiven Anlagestrategie sollen dabei die Unterschiede zwischen beiden Managementstilen hervorgehoben werden, ohne jedoch dabei eine der zwei Methoden zu favorisieren. Der Unterpunkt 2.3., „Konstruktion eines ETF“, beschäftigt sich mit dem Aufbau und der Funktionsweise dieser Anlageform und soll dem Leser sozusagen einen „Einblick hinter die Kulissen“ verschaffen. Da es sich bei ETF um Wertpapieranlagen handelt, sind diese natürlich auch mit Risiken für den Anleger verbunden. Um welche Risiken es sich dabei im Speziellen handelt, wird im Punkt 2.5. angesprochen. Ein näherer Blick auf die bereits oben erwähnte Handelbarkeit der ETF sowie eine kurze steuerliche Betrachtung runden das Kapitel 2 ab.
Aufgrund der steigenden Nachfrage an Exchange Traded Funds und im Rahmen der Asset Allocation rücken mittlerweile immer stärker auch artverwandte Produkte wie die ETC, ETN oder ETSF in den Focus der Investoren und bilden zusammen mit den ETF die Gruppe der Exchange Traded Products (ETP). Sie eignen sich als hervorragende Ergänzung zu ETF und bieten dem Anleger weitere Diversifikationsmöglichkeiten indem sie z.B. Rohstoffe oder Währungen abbilden, welche bei ETF nicht berücksichtigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Exchange Traded Funds (ETF)
2.1. Entstehung und Entwicklung
2.2. Aktives versus Passives Management
2.3. Konstruktion eines ETF
2.4. ETF-Handel
2.5. Risiken
2.6. Steuerliche Betrachtung
3. Produktfamilie – Exchange Traded Products (ETP)
3.1. Exchange Traded Commodities (ETC)
3.2. Exchange Traded Notes (ETN)
3.3. Exchange Traded Structured Funds (ETSF)
4. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen detaillierten Überblick über Exchange Traded Funds (ETFs) als moderne Finanzinnovation, analysiert ihre Funktionsweise im Vergleich zum aktiven Portfoliomanagement und untersucht die breitere Produktfamilie der Exchange Traded Products (ETPs) hinsichtlich ihrer Struktur und Risiken.
- Grundlagen, Geschichte und Entwicklung der ETF-Anlageklasse.
- Gegenüberstellung von aktivem und passivem Investmentmanagement.
- Technische Konstruktionsmethoden von ETFs und der Creation-/Redemption-Prozess.
- Erläuterung der ETP-Untergruppen: ETCs, ETNs und ETSFs.
- Risikobewertung und steuerliche Aspekte für Privatanleger in Deutschland.
Auszug aus dem Buch
2.2. Aktives versus Passives Management
Der aktive Managementstil, wie er bei klassischen Investmentfonds Anwendung findet, zielt in erster Linie darauf ab, den Markt zu schlagen (engl. outperforming), d.h. eine zuvor festgelegte Benchmark (Vergleichsindex) zu übertreffen. Um dies zu ermöglichen, stellt die KAG professionelle Fondsmanager ein, die durch geschickte Titelselektion (Stockpicking) zum richtigen Zeitpunkt (Markttiming) aufgrund getroffener Prognosen über die Entwicklungen am Markt Wertpapiere kaufen, verkaufen oder halten. Dabei wird der Markt von ihnen als ineffizient angesehen, denn je ineffizienter und somit weniger intensiv ein Markt analysiert ist, desto größer sind die Chancen durch eine aktive Strategie dauerhaft mehr Rendite zu erzielen als der Markt.
Daraus resultiert, dass neue Informationen in der Investitionsentscheidung schneller verarbeitet werden müssen, als am Markt selbst. Da der Gebrauch von Insiderwissen gesetzlich untersagt ist, bedienen sich die Fondsmanager verschiedener Hilfsmittel wie der Fundamentalanalyse oder der Charttechnik, um dadurch einen Vorteil gegenüber dem Markt zu erringen und diesen bestenfalls dauerhaft sicherzustellen. Der Einsatz dieser Hilfsmittel sowie die ständigen Portfolioumschichtungen verursachen jedoch erhebliche Kosten, die durch Ausgabeaufschläge von bis zu 5 % des eingesetzten Volumens an die Endkunden weitergegeben werden und sich somit in einer Minderung der Rendite widerspiegeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Entstehung der ETFs an der Frankfurter Börse ein, erläutert die Beweggründe für ihre Beliebtheit und gibt einen Ausblick auf die in der Arbeit behandelten Themenkomplexe.
2. Exchange Traded Funds (ETF): Dieses Kapitel widmet sich der Historie, dem Vergleich von Managementstilen, der technischen Konstruktion, dem Handel sowie den spezifischen Risiken und steuerlichen Rahmenbedingungen für Anleger.
3. Produktfamilie – Exchange Traded Products (ETP): Hier werden verwandte Anlageformen wie ETCs, ETNs und ETSFs detailliert vorgestellt und von klassischen ETFs abgegrenzt.
4. Schlussbetrachtung und Ausblick: Das Abschlusskapitel resümiert die Vorteile der ETFs, thematisiert die Herausforderungen durch zunehmende Produktkomplexität und bewertet die künftige Marktentwicklung.
Schlüsselwörter
Exchange Traded Funds, ETF, Portfoliomanagement, Passive Anlagestrategie, Tracking Error, ETP, ETC, ETN, ETSF, Börsenhandel, Liquidität, Diversifikation, Sondervermögen, Abgeltungssteuer, Indexnachbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Darstellung von Exchange Traded Funds, erläutert deren Funktionsweise und ordnet sie in das übergeordnete Gefüge der Exchange Traded Products ein.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die passive Anlagestrategie, Methoden der Indexreplikation, der Vergleich zum aktiven Management sowie eine Analyse der Risikostruktur verschiedener ETP-Varianten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, dem Leser ein tiefgreifendes Verständnis für den Aufbau, die Vorteile und die Risiken von börsengehandelten Indexfonds und deren Derivatefamilie zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine deskriptive sowie vergleichende Analyse, basierend auf einer fundierten Literaturrecherche und aktuellen Branchenstudien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Funktionsweise von ETFs, ihre steuerliche Behandlung in Deutschland sowie die spezifischen Eigenschaften von ETCs, ETNs und strukturierten Fonds.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie ETF, Passives Management, Diversifikation, ETP-Produktfamilie und Index-Tracking charakterisiert.
Wie unterscheidet sich ein ETF von einem klassischen Investmentfonds?
Im Gegensatz zu klassischen Fonds sind ETFs börsentäglich handelbar, verzichten in der Regel auf Ausgabeaufschläge und weisen aufgrund des passiven Managements eine deutlich günstigere Kostenstruktur auf.
Was ist der Zweck des Creation-/Redemption-Prozesses?
Dieser Prozess sorgt durch spezialisierte Designated Sponsors für die notwendige Liquidität und stellt sicher, dass der Börsenpreis des ETF nah am tatsächlichen Nettoinventarwert bleibt.
Warum ist ein ETC risikoreicher als ein ETF?
ETCs sind rechtlich meist als Schuldverschreibungen konstruiert und unterliegen daher einem Emittentenrisiko, während ETFs als Sondervermögen geschützt sind.
Was ist ein Tracking Error?
Der Tracking Error misst die prozentuale Abweichung der Performance eines Fonds von der Wertentwicklung seines zugrunde liegenden Referenzindex.
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- Jens Lehmann (Autor), 2013, Exchange Traded Funds (ETFs). Eine Darstellung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262101