Die Motivation bei der Studienfachwahl im Zeitverlauf. Gibt es einen Anstieg der extrinsischen Motivationsgründe im historischen Zeitverlauf?


Forschungsarbeit, 2013

37 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Aufbau und Ziel der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen und aktueller Forschungsstand
2.1. Rational- Choice Theorie
2.2 Bildungsexpansion
2.3 Forschungsstand
2.4 Theoretische Überlegungen der Entwicklung der Studienmotivation zu den einzelnen Studienfächern
2.5 Aufstellung der Hypothesen und Überprüfungsansätze

3. Daten und methodische Vorgehensweise
3.1 Daten
3.2 Methodische Vorgehensweise
3.2.1 Operationalisierung

4. Ergebnisse
4.1 Die Veränderung der extrinsischen und intrinsischen Motivation im Zeitverlauf
4.2 Das Studienfach als zusätzlicher Einfluss auf die Entwicklung der extrinsischen Motivationsgründe im historischen Vergleich
4.3 Der Effekt der sozialen Herkunft auf die extrinsische Motivation im Zeitverlauf.

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis:

7. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Boxplots für die extrinsische Motivation in den einzelnen Jahren von 1984/85 bis 2009/10

Abbildung 2 Boxplots für die intrinsische Motivation in den einzelnen Jahren von 1984/85 bis 2009/10

Abbildung 3 Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes von 2009

Abbildung 4: Arbeitsmarktüberlegungen bei der Studienwahl nach Fächergruppen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Extrinsische und intrinsische Motivation im Zeitverlauf

Tabelle 2 Arbeitsplatzsicherheit als Grund für die Studienfachwahl im historischen Vergleich

Tabelle 3: Die Veränderung der extrinsischen Motivation als Grund für die Studienfachwahl für einzelne Fächergruppen

Tabelle 4 Die Veränderung der extrinsischen Motivation nach sozialer Herkunft

Tabelle 5: Die Veränderung der extrinsischen Motivation nach sozialer Herkunft II

1. Aufbau und Ziel der Arbeit

Nach dem Abitur Stehen die jungen Erwachsenen vor einer wichtigen Entscheidung: Beginnen sie lieber eine Ausbildung oder ein Studium? Fällt diese Entscheidung positiv für das Studium aus, so steht man vor dem Problem der Studienfachentscheidung und hat die ״Qual der Wahl“. Diese Entscheidung obliegt zumeist einem längeren Prozess, sodass diese Entscheidung als rational erachtet werden kann (Sarcletti 2005: 110). Die Studienfachwahl hängt nicht nur von einem Parameter ab, sondern von mehreren Einflussfaktoren, die je nach Individuum unterschiedlich gewichtet sind (Sarcletti 2005). Diese Entscheidungsfaktoren sind intrinsisch (von innen heraus) oder extrinsisch (durch äußere Einflussfaktoren) motiviert und führen somit zur Wahl jenen Studienfaches mit dem größten erwarteten Nutzen (Sarcletti 2005: 6). Intrinsische Motive bzw. ideelle Motive hegen vor, wenn das Studienfach aus dem Interesse an bestimmten Inhalten oder, um persönliche Neigungen und Begabungen zu verfolgen, gewählt wird. Extrinsische bzw. instrumenteil- materielle Motive bei der Studienfachwahl sind ein gutes Einkommen, Arbeitsplatzsicherheit und auch gesellschaftliches Ansehen (Lowjeski 2011: 284). Bislang stand bei Forschungsbeiträgen zu diesem Thema die intrinsischen Motivationsgründe im Fokus. Somit wurde bislang ein stärkerer Einfluss von intrinsischen Motivationsmotiven gegenüber extrinsischen Motiven bei der Studienfachwahl bestätigt. Dass eine intrinsische Motivation bislang den größten Einflussfaktor bei der Studienfachwahl darstellt, ist also empirisch belegt. Bis heute wurden die intrinsischen und extrinsischen Beweggründe für die Studienfachwahl punktuell untersucht (Heublein/ Sommer 2002; Heine et al 2005). Aufgrund von sozialen Veränderungen durch die Bildungsexpansion sollten jedoch vermehrt auch extrinsische Motivationsgründe Einfluss auf die Entscheidung für ein bestimmtes Studienfach nehmen. Denn nach der Vollbeschäftigung in der Blüte der Bildungsexpansion in den 60er Jahren ist das Studium keine Beschäftigungsgarantie mehr, sodass das Problem der Arbeitslosigkeit mittlerweile auch die Akademiker erreicht hat (Sarcletti 2005: 38). Somit kann man davon ausgehen, dass sich die angehenden Studenten bei der Studienfachwahl zunehmend an extrinsischen Motiven (Arbeitsmarktchancen, Arbeitslosenzahlen, Einkommen o.ä.) orientieren.

Ein historischer Vergleich von Studenten seit Anfang der 80er Jahre bis heute soll untersuchen, ob und wie sich der Einfluss intrinsischer und extrinsischer Faktoren bei der Studienfachwahl im Zeitverlauf verändert hat. Daher lautet die Forschungsfrage für diese Studie: Gibt es einen Anstieg der extrinsischen Motivationsgründe im historischen Zeitverlauf?

Zunächst wird auf die theoretischen Grundlagen eingegangen und die sozialen Veränderungen durch die Bildungsexpansion näher beschrieben. Anschließend findet ein Exkurs statt, der einen möglichen zukünftigen Rückgang der extrinsischen Motivationsgründe aufgrund des demographischen Wandels erläutert. Aus der theoretischen Grundlage werden die zu überprüfenden Hypothesen abgeleitet.

Die Forschungsfrage wird schließlich anhand der Daten des Studierendensurveys 1983- 2011 der Eini Konstanz und unter Zuhilfenahme der Hypothesen empirisch untersucht. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein kleiner Ausblick auf zukünftiges Forschungsinteresse.

2. Theoretische Grundlagen und aktueller Forschungsstand 2.1. Rational- Choice Theorie

Nach der Rational- Choice Theorie handelt das Individuum nutzenmaximierend. Das Individuum wählt hierbei eine Handlungsalternative nach einem Kosten-Nutzen­Kalkül (Noiden 2009: 54). Eine Erweiterung ist das RREEM Modell. Bei diesem Modell ist der Akteur ein ״Resourceful, Restricted, Expecting, Evaluating, Maximizing Man“ (Esser 1999: 238; Lindenberg 1985: 100; Noiden 2009: 54; Sarcletti 2005: 14). Nach Sarc letti handelt es sich bei der Studienfachwahl um eine rationale Entscheidung, da die Entscheidung unter Berücksichtigung von extrinsischen und intrinsischen Motiven hin zum Studienfach geschieht. Diese Entscheidung erfolgt aufgrund von Informationssuche unter Berücksichtigung von beschränkenden Ressourcen, wie Zeit und Opportunitätskosten (Restricted). Sie ist intrinsisch motiviert, da der Akteur weiß, was er will und seine Präferenzen ordnen kann (Resourceful) und der Akteur seine Fähigkeiten, das Studium erfolgreich zu absolvieren, einschätzen kann (Evaluating) (Sarcletti 2005: 106, 108Í). Diese Entscheidung ist außerdem extrinsisch motiviert, da der Akteur jenes Studienfach wählt, von dem er sich den größten Nutzen verspricht, wie beispielsweise ein hohes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz, damit der die entstehenden Opportunitätskosten während seines Studiums kompensieren kann.

Bei den Studienfachwahlen, die aus einer intrinsischen und extrinsischen Motivation getroffen wurden, handelt es sich um eine rationale Entscheidung. Demnach wäre die Studienfachentscheidung im Zeitverlauf immer rationaler geworden, wenn sich die extrinsischen Motivationsgründe den intrinsischen immer weiter annähern.

2.2 Bildungsexpansion

Linter Bildungsexpansion versteht man einen enormen Ausbau der sekundären und tertiären Bildungsbereiche, woraus sich ein Anstieg der Personen mit mittlerem und hohem Bildungsabschluss ergibt. (Geißler 2008: 274) Durch eine erhöhte Nachfrage nach Bildung, lässt sich eine höhere Anzahl von Studienbeginnern im Vergleich zu der Zeit vor der Bildungsexpansion in den 50er Jahren ableiten (Hadjar, Becker 2011: 203).

Im Zuge der generellen Bildungs expansion nach dem 2. Weltkrieg, hat auch eine zeitlich verzögerte Expansion des Hochschulwesens stattgefunden (Müller et al 2011: 290). Durch die Hochschulexpansion kam es außerdem zu der Ausdifferenzierung der Studiengänge, die sich deutlich nach fachlicher Spezialisierung wie auch anwendungsbezogenen oder grundlagentheoretisch- wissenschaftlich orientieren (Müller etai 2011:292).

Die jüngste Entwicklung des Abschlusses der allgemeinen Hochschulreife nach 12 Jahren lässt die aktuelle Studienbeginneranzahl zusätzlich expandieren. Hadjar und Becker beschreiben die Hochschulexpansion als ״ein Wandel von den Eliteuniversitäten hin zu ,überfüllten Hochschulen‘ “ (Hadjar und Becker 2011: 203). Ferner bringen Sie an, dass das Bildungssystem und der Arbeitsmarkt nicht gleichermaßen expandiert sind, was vermuten lässt, dass es rational ist, den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt bei der Studienfachwahl zu berücksichtigen (Hadjar und Becker 2011: 214). Dennoch soll hier betont werden, dass ein hoher

Bildungsabschluss immer noch die beste Garantie für Arbeitsplatzsicherheit ist. Weiterhin kann ein Wettbewerb unter Hochqualifizierten festgestellt werden, der aber zunächst als Verdrängungswettbewerb zum Nachteil von gering Gebildeten gesehen werden kann. Trotzdem besteht die Gefahr einer Bildungsinflation, die zu geringeren Arbeitsmarktchancen fuhren könnte (Hadjar und Becker 2011: 215).

Demnach ist die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sehr hoch und die Orientierung am Arbeitsmarkt sollte als Einflussfaktor auf die Studienfachwahl wirken, die somit zunehmend auch extrinsisch motiviert wäre.

Mit der zusätzlich fortschreitenden Technologie und dem Anstieg der wissenschaftlichen Herausforderungen wird in den Bereichen der Güterherstellung und bei vielen Dienstleistungen zunehmend höher qualifiziertes Personal nachgefragt. So werden Arbeitskräfte mit niedrigerer Qualifikation durch höher qualifizierte Arbeitskräfte verdrängt (Müller et al 2011:291). So entstehen mehr Arbeitsplätze für hoch qualifizierte, sodass der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt wieder zurückgehen sollte und damit die extrinsische Motivation wieder an Einfluss verliert. Durch die Besetzung von höher Qualifizierten auf niedrigeren Levels, die nun mehr technisch und wissenschaftlich fordernd geworden sind, entsteht ein anderes Problem, was auch in der Personalpolitik bereits bekannt ist. Das Gehalt entspricht nicht mehr den Qualifikationen, da nun auch niedrigere Positionen mit hoch qualifiziertem Personal besetzt werden, aber das Gehalt nicht dementsprechend angepasst werden kann. Die Bezahlungen sind nun also nicht mehr qualifikationsgerecht, also auf die Person bezogen, sondern positionsgerecht. Die Hochschulbildung für ein erfolgreiches Bestehen auf dem Arbeitsmarkt wird unerlässlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die Bildungsexpansion ein größerer Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt herrscht, sodass extrinsische Motive bei der Studienfachwahl immer bedeutender werden. Dieser Wettbewerb wird jedoch durch den technischen Fortschritt vermindert, der wiederum das Problem der Bezahlung aufwirft, sodass nicht mehr qualifikationsgerecht, sondern positionsgerecht bezahlt wird und die Bezahlung und die Aussichten auf eine hohe Position, wie beispielsweise eine Führungsposition, Einfluss auf die Studienfachwahl haben. Diese sind wiederum ebenfalls extrinsische Motive, die im Zeitverlauf demnach ansteigen sollten. Dennoch werden die intrinsische Motivation immer noch den größeren Einfluss bei der Entscheidung för ein Studienfach haben.

Ein letzter Aspekt bezieht sich auf die zukünftige Entwicklung und soll hier als kurzer Exkurs vorgestellt werden:

Exkurs: Demographischer Wandel

Durch den demographischen Wandel zeigt sich eine Alterung der Bevölkerung in der Bevölkerungsstruktur, da die Geburtenrate langfristig unter die Sterberate fåilt und die Geburtenrate unter das Reproduktionsniveau von 2,1 Kindern pro Frau sinkt.

Eine Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamt von 2009 für das Jahr 2060 (siehe im Anhang Abbildung 3) zeigt, dass der Anteil der Menschen unter 20 Jahren immer weiter abnimmt und somit auch die Anzahl der Studienbeginner zurückgehen wird. Die gegenwärtige Bevölkerungspyramide zeichnet sich durch einen sehr hohen Anteil der 20- 64 Jährigen aus, während die 45 Jährigen der prozentual größte Anteil sind. Demnach lässt sich prognostizieren, dass es immer schwieriger wird, die altersbedingten Austritte aus dem Arbeitsmarkt durch junge Erwachsenen zu kompensieren. Dieser erwartete Fachkräftemangel ist auch ein aktuelles Thema der lebenszyklusorientierten Personalpolitik (Blažek et al., 2011: Iff). Diese Eingleichheit wird etwa im Jahr 2030 ihren Höhepunkt erreichen, da dann der derzeit größte Altersanteil der 45- Jährigen in das Rentenalter kommt.

Daraus ergibt sich die Überlegung, dass der extrinsische Einflussfaktor der geschätzten Arbeitsmarktchancen seine Relevanz wieder verlieren wird, da genug Personen aufgrund ihres Alters aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, deren Positionen ersetzt werden müssen.

2.3 Forschungsstand

Wie bereits zu Beginn der Arbeit erwähnt, gibt es bislang nur Studien über die intrinsischen und extrinsischen Bewegungsgründe für eine Studienfachwahl zu bestimmten Zeitpunkten und keine Forschungsarbeiten, die eine Veränderung dieser beiden Faktoren über einen längeren Zeitraum zeigen.

Studien zeigten bisher, dass bei der Studienentscheidung intrinsische Motive, also interessens- und neigungsgeleitete Motive als wichtig erachtet werden (Heublein, Sommer 2002; Heine et al 2005). Der Begabung, dem Fachinteresse und der persönliche Neigung fallen das größte Gewicht bei der Studienfachwahl zu. So waren es 4/5 der Studienbeg inner von 2000/2001 die auf diese Weise auf eine hohe Fachidentifikation hinweisen. Angesichts der hohen Zahlen von Fachwechseln und Studienabbrüchen ist eine solche Motivation nicht bei allen stabil (Heublein/Sommer 2002: 9). Heublein und Sommer geben ferner an, dass sich intrinsische und extrinsische Motive oft miteinander vereinbaren lassen. So stünden sich vor allem Aufstiegskriterien und soziale Begründungen, die vor allem bei Lehramts Studenten und Medizinern zu finden sind, bei der Fachwahl gegenüber (Heublein/Sommer 2002: 10). Generell zeigt sich bei dieser Studie, dass die Studienbeg inner die Berufsaussichten mit ihrem gegenwärtigen Studiengang zwar als optimistisch einschätzen, die subjektive Sicht auf den Arbeitsmarkt bei der Fachwahl jedoch vernachlässigt wird. Etwa nur 1/3 berücksichtigen diesen Aspekt bei ihrer Studienentscheidung. Nur 10% der Studienbeginner von 2000/2001 geben an, dass sie sich bei der Studienfachwahl antizyklisch verhalten, d.h. ein Studienfach wählen, dass momentan auf dem Arbeitsmarkt nicht nachgefragt wird, weil sie davon ausgehen, dass dieses Fach zu studieren bessere Berufschancen verspricht (Heublein/Sommer 2012: 11).

Für eine intrinsisch motivierte Studienfachwahl, also eine Studienfachwahl aufgrund des eigenen Interesses, wurden bereits empirische Daten erhoben, die zeigten, dass die Leistungskurswahl oft mit der Studienfachwahl positiv korreliert (Heine et al 2005: 6). Heublein/Sommer (2000) und Heine et al (2005) stellten mit Hilfe des ms Absolventenpanel von Studienbeginnern 2000/01 bzw. Studienbeginnern von 2003/04 und 2004/05 fest, dass vor allem Studienentscheidungen für Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport und Kunst und Kunstwissenschaften intrinsisch motiviert sind (Fachinteresse 90%; Persönlichkeitsentfaltung 75% bei [Heine et al 2005]). Wohingegen die Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Mathematik und Naturwissenschaften hohe extrinsische Motivation aufweisen (Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport und Kunst und Kunstwissenschaften zeigen hierbei eine sehr geringe Motivation). Zusätzlich zum extrinsischen Interesse haben diese ebenfalls ein hohes intrinsisches Interesse (Heublein/ Sommer 2002: lOf; Heine et al 2005: 1 Of). Dass Studienfächer wie Wirtschaftswissenschaften und Ingenieurswissenschaften aus extrinsischer Motivation gewählt wurden, belegen auch weitere Studien mit übereinstimmenden Ergebnissen (Bargel et al 2008:8; Ramm/Multrus 2006: 10).

Berechnungen von Heine et al (2005) von Studienbeginnern 2003/04 und 2004/05 haben gezeigt, dass vor allem Wirtschaftswissenschaftler Arbeitsmarktüberlegungen bei der Studienfachwahl berücksichtigen. Bei 68% der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler spielt diese Überlegung bei der Studienfachwahl eine große Rolle. Das sind fast 10% mehr als der Durchschnitt aller anderen Fächergruppen (siehe hierzu Abbildung 4 im Anhang). Zu ähnlichen Ergebnissen kamen bereits 2002 Heublein und Sommer.

In bisherigen Forschungsarbeiten werden immer wieder auf die stetig steigende Sorge der Studierenden, einen sicheren Arbeitsplatz zu finden, hingewiesen (Schreiber/Sommer 2000; Heine et al 2005). Dies deutet auf den durch die Bildungsexpansion steigenden Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt hin. Daher ist eine Untersuchung der historischen Entwicklung von Beweggründen einer Fachwahl sehr interessant, da sie bislang in nur wenigen Studien und nur über kürzere Zeiträume hinweg untersucht wurde.

2.4 Theoretische Überlegungen der Entwicklung der Studienmotivation zu den einzelnen Studienfächern

Zunächst soll an dieser Stelle noch einmal betont werden, dass sich die Studienfachwahl aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Daher werden im Folgenden die Tendenzen bei den einzelnen Studienfächern beschrieben, was nicht bedeutet, dass dieser Effekt (intrinsische oder extrinsische Motivation) der einzige Beweggrund für die Wahl eines solchen Studienfachs darstellt. Außerdem lassen sich intrinsische und extrinsische Motivationen oft nicht strikt voneinander trennen, sondern hängen teilweise zusammen. Es folgt die Überlegung der Entwicklung der Motivationsgründe für die Studienfachwahl nach Studienfächern.

Sprach-und Kulturwissenschaften: Diese Studienfächer sind typische Frauenfacher, die generell wenig Bedeutung der extrinsischen Motivation zusprechen (Sarcletti 2005: 34). Die Inhalte solcher Fächer haben wenig mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen zu tun. Somit gibt es hier ein ganz anderes Interesse und ausschließlich dieses Interesse determiniert die Studienfachwahl ausschließlich. Damit ist die Entscheidung für ein solches Studienfach in vollem Maße intrinsisch motiviert, sodass die extrinsische Motivation überhaupt keine Rolle spielt.

Psychologie und Erziehungswissenschaften. Sozialwesen: Angehende Studenten dieser Studienfächer weisen eine hohe soziale Orientierung auf, die für eine intrinsische Motivation sprechen. Zudem werden Erziehungswissenschaften und Sozialwesen eher von Frauen gewählt, die generell eine niedrigere extrinsische Motivation aufweisen. Somit sind diese Fächer so stark intrinsisch motiviert, dass die extrinsische Motivation generell sehr gering ist und sich im Zeitverlauf nicht geändert hat.

Sportwissenschaften. Sportpädagogik: Wer ein sportwissenschaftliches oder sportpädagogisches Studium beginnen möchte, hat die Voraussetzung mitzubringen, sportlich zu sein. Daher ist ein großes Interesse an Sport und sportlichen Aktivitäten unerlässlich. Da die generellen Einschätzungen der Arbeitsmarktchancen bei Studierenden dieser Studienfächer sehr gering sind, kann man davon ausgehen, dass diese bei der Studienfachwahl keine Rolle spielen (Sarcletti 2005:46). Daher ist hier eine starke intrinsische Motivation für die Wahl eines solchen Studienfachs zu beobachten, während die extrinsische Motivation sich nicht verändert.

Rechtswissenschaften, Jura: Die Entscheidung für ein Studium der Rechtswissenschaften oder Jura ist intrinsisch durch die fachspezifische alltagsähnliche Präferenz motiviert. Sie weist allerdings auch eine hohe Orientierung am Arbeitsmarkt auf. Studierende, die diese Fächer wählen, schätzen ihre Arbeitsmarktchancen zwar hoch ein, doch dies zeigt, dass sie sich mit den Arbeitsmarktaussichten ihres Studienfachs auseinandergesetzt haben und daher auch ihre Wahl diesbezüglich beeinflusst war. Für die Rechtswissenschaften und Jura kann mit einem Anstieg der extrinsischen Motivation in den letzten Jahrzehnten gerechnet werden.

Sozialwissenschaften: Bei den Sozialwissenschaften ist die Studienfachwahl ähnlich wie bei den Wirtschaftswissenschaften sowohl intrinsisch als auch extrinsisch motiviert. Studieninhalte besonders in der Soziologie und der Politikwissenschaft behandeln die vergangene und gegenwärtige gesellschaftlichen Veränderungen. Das Interesse an einem solchen Studienfach bedeutet, dass man sich gerne mit solchen Überlegungen auseinandersetzt und somit diese Veränderungen bei der Studienfachwahl berücksichtigt. Die extrinsische Motivation sollte hier etwas stärker ansteigen.

Wirtschaftswissenschaften: Die Motivation für die Wahl des Studienfaches Wirtschaftswissenschaften ist stark extrinsisch, da Studenten dieser Fächer ein anderes Bewusstsein haben. Hier gibt es eine starke Verknüpfung zwischen extrinsischer und intrinsischer Motive. Oft beziehen sich sogar die Studieninhalte auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes und Arbeitsmarktchancen. Die Studierenden interessieren sich für solche Inhalte und treffen eine bewusste Studienfachwahl, für ein Studium mit guten Arbeitsmarktchancen. Außerdem werden für die Tätigkeit in der freien Wirtschaft hohe Einkommensaussichten erwartet. Da diesen Studenten vergangene und gegenwärtigen Entwicklungen der Gesellschaft bewusst sind, sollte sich hier ein großer Anstieg der extrinsischen Motivation beobachten lassen.

Mathematik. Naturwissenschaften: Diese Studienfächer sind, wie die

Ingenieurwissenschaften typische Männerfächer. Da Männer generell eher eine extrinsische Motivation aufweisen und an einem Erkenntnisfortschritt und einer Veränderung des gesellschaftlichen und technischen Umfelds arbeiten, sollte die extrinsische Motivation im Zeitverlauf leicht ansteigen.

Medizin. Gesundheitswesen: Die Wahl für die Studienfächer Medizin und Gesundheitswesen ist wie die für Agrar-, Forst-, und Ernährungswissenschaften oft traditionsbedingt, da es eine Praxis in der Familie gibt. Studierende weisen außerdem eine soziale Orientierung auf, weil sie ״helfen wollen“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die Motivation bei der Studienfachwahl im Zeitverlauf. Gibt es einen Anstieg der extrinsischen Motivationsgründe im historischen Zeitverlauf?
Hochschule
Universität zu Köln  (Soziologie und Empirische Sozialforschungs)
Veranstaltung
Forschungsprojekt
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
37
Katalognummer
V262342
ISBN (eBook)
9783668710573
ISBN (Buch)
9783668710580
Dateigröße
877 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
motivation, studienfachwahl, zeitverlauf, gibt, anstieg, motivationsgründe
Arbeit zitieren
Mirja Tripp (Autor), 2013, Die Motivation bei der Studienfachwahl im Zeitverlauf. Gibt es einen Anstieg der extrinsischen Motivationsgründe im historischen Zeitverlauf?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262342

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