Gesundheit gilt als ein fundamentales Gut, im Verständnis vieler Menschen als
eines der höchsten Güter überhaupt.1 Denn „Gesundheit ist nicht nur ein individueller Wert, sondern eine Voraussetzung für Wohlbefinden, Lebensqualität und Leistung, ein Wirtschafts- und Standortfaktor, die Voraussetzung für die Stabilität des Generationenvertrages und sie leistet einen Beitrag zur Teilhabe an der Gesellschaft und zur sozialen Gerechtigkeit." Dieses Gut zu erhalten ist nicht nur eine persönliche Aufgabe, sondern auch Aufgabe des Staates.
Unter den Akteuren des Gesundheitssystems steigt zunehmend die Unzufriedenheit.
Auf die wachsenden Besorgnisse und die Unzufriedenheit um das deutsche
Gesundheitswesen reagierte der Gesetzgeber mit einer endlosen Reihe von
Reformen. Jedoch haben die gesamten Entscheidungen der letzten Jahrzehnte
zu einer unnötigen und unproduktiven Ausweitung der Bürokratie geführt.
Inhalt dieser Arbeit soll die kritische Betrachtung der Folgen von Bürokratie auf unsere medizinische Versorgung sein.Folgende Fragestellung soll beantwortet werden:
Welche Auswirkungen hat die Bürokratie auf unsere medizinische Versorgung?
Deshalb sollen zunächst im zweiten Teil der Arbeit die Begriffe und die Entstehung
von Bürokratie im Allgemeinen erläutert werden.
Anschließend, im dritten Teil, werden die Akteure im deutschen Gesundheitswesen,die Zusammenhänge und die Strukturen der medizinischen Versorgung dargestellt. Diese Organisationen und ihre Beziehungen zueinander unterliegen einer Steuerung und Regulierung, welche im vierten Abschnitt der Arbeit erläutert werden, bevor es dann um konkrete Beispiele und Folgen der Bürokratie in der medizinischen Versorgung und bisherige Forschungsergebnisse zu diesem Thema geht.Zusammenfassend werden die wichtigsten Ergebnisse betrachtet, ein Fazit der gewonnenen Ergebnisse gezogen und auf weiteren Forschungsbedarf hingewiesen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problem- und Aufgabenstellung
1.2 Aufbau und Leitfragen
1.3 Methodik
2 Bürokratie und Bürokratisierung
2.1 Der Begriff Bürokratie und Max Weber
2.2 Bürokratisierung
2.3 Bürokratiekosten
2.4 Bürokratieabbau
3 Das Gesundheitswesen in Deutschland
3.1 Die Struktur des Gesundheitswesens
3.2 Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
3.3 Verwaltungsinstitutionen in der medizinischen Versorgung
3.4 Die ambulante und stationäre Versorgung
3.5 Die Arzt- Patienten Beziehung
4 Steuerung des Gesundheitswesens
4.1 Steuerung und Regulierung
4.2 Rationalisierung
4.3 Rationierung
4.4 Priorisierung
5 Bürokratie in der medizinischen Versorgung
5.1 Beispiele von Bürokratie
5.1.1 Bürokratie in der Pflege
5.1.2 Die elektronische Versichertenkarte
5.1.3 Die Praxisgebühr
5.1.4 Kassenanfragen
5.1.5 Kodierrichtlinien
5.1.6 Disease- Management -Programme (DMP)
5.2 Ergebnisse bisheriger Untersuchungen
6 Zusammenfassung
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Auswirkungen der zunehmenden Bürokratisierung auf das deutsche Gesundheitswesen kritisch zu analysieren. Dabei wird der Forschungsfrage nachgegangen, wie sich die wachsende administrative Belastung auf die Qualität der medizinischen Versorgung sowie auf das Arzt-Patienten-Verhältnis auswirkt und inwieweit bisherige staatliche Maßnahmen zum Bürokratieabbau effektiv greifen.
- Historische und soziologische Einordnung des Bürokratiebegriffs nach Max Weber
- Strukturanalyse des deutschen Gesundheitswesens und seiner Steuerungsinstrumente
- Untersuchung konkreter bürokratischer Belastungen wie Pflegedokumentation und Kodierrichtlinien
- Auswirkungen von Rationalisierung, Rationierung und Priorisierung auf die ärztliche Arbeit
- Evaluation der Effektivität staatlicher Entbürokratisierungsbemühungen und Reformprozesse
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Bürokratie in der Pflege
Die tägliche Arbeit von Pflegefachkräften wird durch einen hohen Bürokratieaufwand belastet, der ihnen Zeit für ihre eigentlichen pflegerischen Aufgaben nimmt. Allein die übliche Form der Pflegedokumentation, die aus Haftungs- und Qualitätsgründen in vorgeschriebenen Formularen erfolgt, kostet jährlich etwa 2,7 Milliarden Euro. Das Ausfüllen der Leistungsnachweise verursacht Kosten von 1,9 Milliarden Euro im Jahr. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden 2012 erstmals ermittelt. Mit seinen Daten wurden langjährige Kritiker an der Bürokratie in der Pflege bestätigt.
Aktuelle Zahlen der Statistiker zum Bürokratieaufwand in der Pflege hatte der Normenkontrollrat im Frühjahr 2012 dem Bundeskanzleramt im Rahmen seines Projektes „Bürokratiekosten- Messung“ vorgelegt.
Etwa jede fünfte Pflegefachkraft oder 20 Prozent der Fachkräfte in Heimen und Pflegediensten sind ausschließlich mit Dokumentationen beschäftigt. Konkret heißt das: Etwa 68.000 Pflegefachkräfte in der ambulanten und stationären Pflege in Deutschland sind mit nichts anderem als der Dokumentation beschäftigt- und das in Zeiten des oft beklagten Fachkräftemangels in der Altenpflege.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, des Aufbaus der Arbeit sowie der methodischen Vorgehensweise anhand einer qualitativen Literaturanalyse.
2 Bürokratie und Bürokratisierung: Definition und theoretische Herleitung des Bürokratiebegriffs unter Rückgriff auf Max Weber sowie Erläuterung von Konzepten wie Bürokratiekosten und Bürokratieabbau.
3 Das Gesundheitswesen in Deutschland: Darstellung der komplexen Struktur, der Akteure und der wesentlichen Merkmale der gesetzlichen Krankenversicherung sowie der Arzt-Patienten-Beziehung.
4 Steuerung des Gesundheitswesens: Analyse staatlicher Steuerungsinstrumente wie Budgetierung, Rationalisierung, Rationierung und Priorisierung zur Kostenbegrenzung im Gesundheitssystem.
5 Bürokratie in der medizinischen Versorgung: Konkrete Fallbeispiele von Bürokratiebelastungen, wie Pflegedokumentation und Kodierrichtlinien, sowie Darstellung bisheriger Untersuchungsergebnisse.
6 Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse zur Bürokratie im Gesundheitswesen und Rückblick auf die staatlichen Versuche des Bürokratieabbaus.
7 Fazit: Abschließende kritische Bewertung der Auswirkungen von Bürokratie auf die Patientenversorgung und Ausblick auf notwendige Veränderungen.
Schlüsselwörter
Bürokratie, Gesundheitswesen, Bürokratisierung, Medizinmanagement, Patientenversorgung, Arzt-Patienten-Verhältnis, Normenkontrollrat, Pflegedokumentation, Kostendruck, Rationierung, Rationalisierung, Priorisierung, Standard-Kostenmodell, Verwaltungskosten, Gesundheitsreform
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch den Zustand der Bürokratie im deutschen Gesundheitswesen und untersucht, welche negativen Folgen die administrative Überregulierung für die Patientenversorgung hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Theorie der Bürokratie, die komplexen Strukturen des deutschen Gesundheitssystems, Steuerungsinstrumente wie Rationierung und Priorisierung sowie praktische Beispiele administrativer Belastungen im medizinischen Alltag.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Auswirkungen der Bürokratie auf die medizinische Versorgung zu beleuchten und eine objektive Basis für die Diskussion über den Abbau von Verwaltungslasten im Gesundheitssektor zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine qualitative Literaturanalyse, bei der aktuelle Fachliteratur sowie Daten aus Online-Datenbanken und Studien staatlicher Institutionen systematisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Formen bürokratischer Prozesse, angefangen von der Pflegedokumentation über die elektronische Gesundheitskarte bis hin zu Kodierrichtlinien und Disease-Management-Programmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Bürokratie, Gesundheitswesen, Patientenversorgung, Arzt-Patienten-Verhältnis, Kostendruck und Reformpolitik beschreiben.
Wie wirken sich laut der Arbeit Kodierrichtlinien auf den Krankenhausalltag aus?
Die Kodierrichtlinien erhöhen den administrativen Aufwand massiv, was dazu führt, dass Fachkräfte von ihren eigentlichen Aufgaben in der Patientenbehandlung abgezogen werden, ohne dass dies die Behandlungsqualität messbar verbessert.
Welche Rolle spielt der Normenkontrollrat in dieser Analyse?
Der Normenkontrollrat wird als Institution betrachtet, die den Bürokratieabbau begleiten soll; der Autor kritisiert jedoch einen teilweise „kreativen“ Umgang mit Statistiken, da nur ein Bruchteil der tatsächlichen Bürokratiekosten durch dieses Gremium erfasst wird.
Wie bewertet der Autor die Beziehung zwischen Arzt und Patient unter bürokratischem Druck?
Der Autor sieht eine zunehmende Entfremdung, bei der das ursprüngliche Vertrauensverhältnis durch ein rein vertraglich definiertes Leistungsverhältnis ersetzt wird, was zu einem hohen Zeitverlust für das eigentliche Arzt-Patienten-Gespräch führt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die Zukunft?
Der Autor fordert eine radikale Entflechtung der bürokratischen Strukturen, da sonst die Gefahr besteht, dass die medizinische Versorgung qualitativ abnimmt und die Attraktivität des Arztberufes weiter sinkt.
- Citar trabajo
- Daniel Frommann (Autor), 2013, Bürokratie in der medizinischen Versorgung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262595