Medienrecht und Twitter in der Berufsausbildung?

Berufsbezug im Fach Medienrecht in der Ausbildung von GTAs durch den Einsatz von Twitter im Präsenzunterricht


Hausarbeit, 2013

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Motivation

2 Kompetenzentwicklung im Unterricht
2.1 Kompetenzansatz statt Wissenskanon
2.2 Lehr-/Rahmen- und Bildungs-Pläne
2.3 Anforderungen an den Unterricht

3 Soziale Software im Unterricht
3.1 Möglichkeiten sozialer Software
3.2 Unterstützung von Lernprozessen durch soziale Software
3.3 Mögliche Hindernisse

4 Assistentinnenausbildung am Berufskolleg NRW
4.1 Kompetenzentwicklung in der vollschulischen Ausbildung
4.2 Ausbildung gestaltungstechnischer Assistentinnen

5 Twitter-Einsatz im Medienrechts-Unterricht
5.1 Microblogging mit Twitter
5.2 Twitter im Unterricht
5.3 Medienrecht für gestaltungstechnische Assistentinnen

6 Diskussion und Fazit

Literaturverzeichnis

2 Einleitung und Motivation

Die Nutzung sozialer Software gehört für Jugendliche, die heute eine Ausbildung beginnen, zum Alltag und ist daraus nicht mehr wegzudenken (JIM-Studie; MPFS 2012, S. 12). In verschiedenen Forschungsprojekten wurde deshalb in der jüngeren Vergangenheit und wird zur Zeit noch der Einsatz von sozialer Software in der Berufsausbildung analysiert (siehe Förderprogramme (BMBF 2012) oder Konferenzberichte wie fraMediale (Knaus/Engel 2011)). Dabei werden sowohl Nutzungsgewohnheiten der Auszubildenden als auch Anforderungen an die Kompetenz der Lehrenden untersucht. In dieser Arbeit soll geprüft werden, wie sich die bisherigen Forschungsergebnisse auf Präsenzunterricht im Fach Medienrecht in der Ausbildung gestaltungstechnischer Assistenten eines Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen (NRW) übertragen lassen. Die zugrundeliegende Forschungsfrage ist wegen der notwendigen Konkretisierung der Problemstellung zweigeteilt und lautet:

1. Wie ist der aktuelle bildungswissenschaftliche Diskussionsstand zum Einsatz eines Microblogging-Dienstes (z. B. Twitter) im Präsenzunterricht?
2. Lässt sich durch den Einsatz von Twitter im Medienrechts-Unterricht gestaltungstechnischer Assistenten der Berufsbezug herstellen?

Zunächst werden die bildungswissenschaftlichen Grundlagen zur Kompetenzentwicklung sowie die bisherige Forschung zum Einsatz sozialer Software im Unterricht dargestellt. Anschließend wird die Situation der vollschulischen Ausbildung gestaltungstechnischer Assistenten am Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen (NRW) aufgezeigt. Im Mittelpunkt steht die Herstellung von Berufsbezug, der wesentlich ist für die Handlungsorientierung und Kompetenzentwicklung. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Erstellung neuer kompetenzorientierter Bildungspläne interessant, die zur Zeit in NRW erfolgt. Aus der Palette sozialer Software wird dann der Kurznachrichten-Dienst Twitter ausgewählt, mit dem sich Microblogging durchführen lässt. Dabei steht der zweite Teil der Forschungsfrage im Vordergrund, indem Möglichkeiten des Unterrichtseinsatzes am konkreten Beispiel analysiert werden.

Zur gendergerechten Wortwahl sei darauf hingewiesen, dass im Folgenden eine wertfrei zu betrachtende weibliche Schreibweise gewählt wurde.

3 Kompetenzentwicklung im Unterricht

Zunächst sollen im Zusammenhang mit den oben gestellten Forschungsfragen die bildungswissenschaftlichen Grundlagen zur Kompetenzentwicklung erörtert werden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf schulischen Berufsausbildungen.

3.1 Kompetenzansatz statt Wissenskanon

Unter der Überschrift "Kompetenzansatz statt Wissenskanon" stellt das Forum Bildung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung (2001, S. 2) fest, der Weg zu einem umfassenden Bildungsbegriff könne nur "über den Erwerb von Kompetenzen führen, die den Einzelnen zur Orientierung und zum produktiven Umgang mit Pluralität und Wandel befähigen". Die Leitsätze zählen dann als Kompetenzen auf: Lernkompetenz (Lernen des Lernens), Verknüpfung von inhaltlichem Wissen mit der Fähigkeit zu dessen Anwendung, methodisch-instrumentelle Kompetenzen, soziale Kompetenzen sowie Wertorientierungen (a.a.O.). Zur Begründung wird angeführt, der Kompetenzansatz diene einem Bildungskonzept, das sich durch große Offenheit und Anpassungsfähigkeit auszeichne (ebd., S. 3).

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt fest, dass berufliche Bildung angesichts sehr komplexer "Innovationsprozesse" heute mehr vermitteln müsse als nur reine Fachkenntnisse, und setzt berufliche Kompetenz gleich mit "Handlungskompetenz, einer Kombination aus Fach-, Methoden- sowie sozialer Kompetenz" (BMBF 2007a, S. 6).

Damit lehnt sich der Kompetenzbegriff an Weinert (2001, S. 27f) an, denn er versteht unter Kompetenzen die

"bei Individuen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können".

Ebenso wird in der Expertise zu nationalen Bildungsstandards für das BMBF Kompetenz als Disposition gesehen, "die Personen befähigt, bestimmte Arten von Problemen erfolgreich zu lösen, also konkrete Anforderungssituationen eines bestimmten Typs zu bewältigen" (BMBF 2007b, S. 72).

3.2 Lehr-/Rahmen- und Bildungs-Pläne

Schon 2007 sieht das BMBF in Bezug auf Lehrpläne positive Entwicklungen, denn aus fachorientierten Plänen seien Handreichungen geworden, bei denen die Schülerinnen und ihre Lernprozesse im Vordergrund stehen (BMBF 2007b, S. 45). Im gleichen Zusammenhang werden auch Strömungen festgestellt, die "Lehren und Lernen als einen konstruktiven Prozess begreifen" (Gymnasium Bayern) und die den "Erwerb von fachübergreifenden Kompetenzen als wesentliches Ziel des Schulunterrichts" sehen (Orientierungsstufe Mecklenburg- Vorpommern) (a.a.O.).

Bezogen auf das Thema dieser Arbeit ist der folgende Satz zwar generell von Interesse: "Für die duale Berufsausbildung wird der Bezug zum Thema Kompetenz durch die Verwendung des Begriffs 'berufliche Handlungsfähigkeit' im BBiG hergestellt" (Schreiber/Lorig 2007, S. 7), wichtiger ist jedoch die Entwicklung bei den vollschulischen Ausbildungen nach Landesrecht. Den Vorgaben auf Bundesebene folgend formuliert beispielsweise das Schulministerium Nordrhein-Westfalen im Bildungsplan zur Erprobung für die Höhere Berufsfachschule: "Die konsequente Orientierung an Handlungsfeldern unterstreicht das zentrale Ziel des Erwerbs (beruflicher) Handlungskompetenz und stärkt die Position des Berufskollegs als attraktives Angebot im Bildungswesen" (MSW 2013, S. 3). Der Bildungsplan enthält Anforderungssituationen mit passend formulierten Zielen, um "erreichbare Kompetenzen klar, vergleichbar und transparent darzustellen" (ebd., S. 3). Er hat vor allem die Unabhängigkeit von der Strukturierung nach Fächern oder Lernfeldern im Blick. Jedes Fach soll danach einen Beitrag zur umfassenden Handlungskompetenz leisten, damit die Absolventinnen Anforderungssituationen im Beruf bewältigen können (ebd., S. 8). Ebenso stellt die oben schon erwähnte Expertise des Bundesministeriums in Bezug auf Bildungsstandards dar, dass diese "– anders als Lehrpläne und Rahmenrichtlinien – nicht auf Listen von Lehrstoffen und Lerninhalten zurückgreifen, um Bildungsziele zu konkretisieren" (BMBF 2007b, S. 21). Bildungsstandards müssten sich demnach auf Kompetenzmodelle stützen, bei deren Entwicklung Pädagogik, Psychologie und Fachdidaktik beteiligt sein sollten (ebd., S. 22). Allerdings würde die Betrachtung solcher Kompetenzmodellen – und vor allem eine Überprüfung, ob und inwieweit sie bisher entstanden sind – den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

3.3 Anforderungen an den Unterricht

Die Bildungsstandards und Anforderungen bezüglich zu erwerbender Kompetenzen müssen sich im Unterricht niederschlagen. So erläutert die Landesakademie für Fortbildung an Schulen des Landes Baden-Württemberg (2013a) in einem Beitrag des Fachportals Geographie: "Die kompetenzorientierten Elemente der 'Schülerorientierung' und der 'Problemorientierung' erfordern einen genauen Blick auf die didaktischen und methodischen Zugänge von Unter- richt". Tschekan (2011) hat Konzepte in verschiedenen Lehrerbildungs-Instituten erprobt. Sie stellt fest, dass "noch nicht zufriedenstellend geklärt" sei, wie die entsprechende Unterrichtsgestaltung aussehen müsse und macht vier Strömungen der Unterrichtsentwicklung aus, mit der die Kompetenzorientierung erfolgen könne (ebd., S. 47f):

- durch schüleraktivierende Unterrichtmethodik,
- durch Entwicklung von Kompetenzrastern,
- durch Entwicklung selbstständigen Lernens und
- durch individualisierten Unterricht.

Zu den hier zu betrachtenden Methoden eines kompetenzorientierten Unterrichts gehören das kooperative Lernen sowie die Projektmethode. Dabei ist kooperatives Lernen "die strukturierte Zusammenarbeit" der Schülerinnen (ebd., S. 58). Die Rolle der Lehrperson ist für Tschekan sehr wichtig, denn sie halte "die Balance zwischen der Gesamtverantwortung für die Lernprozesse und dem Ermöglichen spezifischer Kooperationsvorgänge in der Gruppe" (ebd., S. 80). Bei der Projektmethode, die die Autorin als "eine der Kernmethoden des kompetenzorientierten Lernens" sieht (ebd., S. 81), bestimmen die Lernenden ihren Lernprozess selbst. Dies kann sogar, wie Weiss und Goldstein (2010, S. 104) ausführen, soweit gehen, dass Lehrkräfte sich auf digitale Medien einlassen müssen, obwohl die Schülerinnen ihnen in der Nutzung überlegen sind.

Im Folgenden soll allerdings die Frage der Medienkompetenz der Lehrenden nicht weiter betrachtet werden. Vielmehr soll geklärt werden, inwieweit soziale Software die oben genannten Unterrichtsmethoden unterstützen kann.

4 Soziale Software im Unterricht

Verschiedene Forschungsprojekte beschäftigten sich mit dem Einsatz sozialer Software im Unterricht. Das BMBF legte ein Förderprogramm „Neue Medien in der Bildung“ auf und kommt zum Ergebnis, es gehe heute in keiner Ausbildung darum, das "herkömmliche Lernen zu ersetzen", sondern sei das Ziel ein sinnvolles "Zusammenspiel der Neuen Medien mit den klassischen Medien" (BMBF 2007a, S. 7). Aktuell haben Bundesregierung und Länder in der Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung“ einen Schwerpunkt auf "Aktivitäten zur Förderung der Nutzung digitaler Medien in der beruflichen Aus- und Weiterbildung" gelegt (BMBF 2012, S. 7). Mit dieser Initiative soll eine neue Ausbildungskultur für Jugendliche aufgebaut werden, die ihren Kenntnisstand ebenso beachtet wie die jeweils genutzten Technologien (ebd., S. 13).

4.1 Möglichkeiten sozialer Software

Unter sozialer Software sollen im Folgenden Anwendungen verstanden werden, "die als Teil eines soziotechnischen Systems menschliche Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit unterstützen. Dabei nutzen die Akteure die Potenziale und Beiträge eines Netzwerks von Teilnehmern" (Back/Gronau/ Tochtermann 2009, S. 284). Rein praktisch gehören Weblogs und Wikis ebenso dazu wie virtuelle soziale Netzwerke (Iberer/Frank/Spannagel 2010).

Zunächst ist auf der Ebene einer eher passiven Nutzung sozialer Software die von Kalz, Klamma und Specht (2008, S. 41) geäußerte Einschätzung zu vermerken, dass Lernende "aus dem Dickicht der Informationen nur die für sie interessanten" herausfiltern und mit ihrem Wissen verknüpfen können.

Mit der Weiterentwicklung des einfachen Internets, das auf Hyperlinks basiert, zum Web 2.0, bei dem sich die Nutzerinnen aktiv gestaltend einbringen können, haben sich die Möglichkeiten deutlich gesteigert (Baumgartner/Himpsl 2008). Die "Partizipation der Nutzer/innen" als das zentrale Prinzip des Web 2.0 und die "Selbstorganisation" als Prinzip der sozialen Software führen zur großen Bedeutung des sozialen Feedbacks und der Kooperation in der Gruppe (etwa durch gegenseitige Bewertung selbsterstellten Materials) (ebd., S. 3ff). Somit wäre eine weitere Nutzungsmöglichkeit die Öffnung der Schule durch Veröffentlichung von Material, das im Unterricht erstellt wurde.

Der Einsatz im Unterricht bleibt bisher im allgemeinen motivierten Lehrerinnen selbst überlassen. Rott und Martens (2012, S. 15) erstellten erstmals im Rahmen eines Projekts des BMBF einen Methodenkatalog, der für verschiedene Technologien (hier exemplarisch Wiki, Blogs und Podcasts) verschiedene Unterrichtsmethoden abbildet. Sie stellen fest, dass der Einsatz sozialer Software im Unterricht durchaus "wohlüberlegte Konzepte, ein Gleichgewicht zwischen Coaching durch Lernbegleiter und Eigenverantwortung der Lernenden" erfordert (ebd., S. 14).

4.2 Unterstützung von Lernprozessen durch soziale Software

In einer kritischen Reflexion konstatieren Baumgartner und Herber (2013, S. 4): "In konstruktivistischen Lernmodellen wird den neuen Medien insbesondere ein hohes Selbststeuerungspotenzial zugesprochen". Dies sei gekennzeichnet durch Selbstbestimmung über Lerninhalte und Lernmethoden bis hin zu den eigentlichen Lernprozessen. Die Pädagoginnen haben zur Sicherung des Erfolgs die Aufgabe einer didaktischen Planung, der didaktischen Gestaltung sowie die des Initiierens einer neuen Lernkultur, in der "Lernen auch in informellen Kontexten und außerschulischen Lernumgebungen angeregt wird" (ebd., S. 6).

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Details

Titel
Medienrecht und Twitter in der Berufsausbildung?
Untertitel
Berufsbezug im Fach Medienrecht in der Ausbildung von GTAs durch den Einsatz von Twitter im Präsenzunterricht
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V262820
ISBN (eBook)
9783656516958
ISBN (Buch)
9783656517009
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Twitter, Bildungswissenschaft, Berufsbezug, Medienrecht, Medienkommunikation, Unterricht, Kompetenzentwicklung
Arbeit zitieren
Heinz Alenfelder (Autor), 2013, Medienrecht und Twitter in der Berufsausbildung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262820

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