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Komparation und Normativität. Kurze Darstellung der Theorien von Manfred Bierwisch und Beate Varnhorn

Titel: Komparation und Normativität. Kurze Darstellung der Theorien von Manfred Bierwisch und Beate Varnhorn

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2011 , 26 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stefanie Kern (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Wortart des Adjektivs lässt sich seit jeher nur schwer von anderen Wortarten abgrenzen. So wurde das Adjektiv in der Antike noch als Untergattung des Nomens klassifiziert und erst später als eigenständige Wortart erfasst. Das Problem der Einordnung entspringt dem unterschiedlichen Verhalten der einzelnen Adjektive: Einige können nur attributiv verwendet werden, andere prädikativ, attributiv und adverbial. Viele Adjektive sind graduierbar, aber einige sind es nicht. So lassen sie sich morphologisch-syntaktisch als 'Wörter ohne konstantes Genus, die zwischen Determinativ und Nomen stehen können' oder semantisch 'als Bezeichnung von Eigenschaften, Merkmale u.a.' klassifizieren. Diese Einordnungen sind wenig befriedigend, da weder die morphologisch-syntaktische noch die semantische Beschreibung die Wortart Adjektiv und ihre Phänomene wirklich zu fassen vermag. Die vorliegenden Arbeit gibt einen kurzen Überblick über zwei verschiedene Konzeptionen des Adjektivs: Manfred Bierwischs Konzeption aus 'Semantik der Graduierung' (1987) und Beate Varnhorns Ansatz aus 'Adjektiv und Komparation' (1993). Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Komparation von Adjektiven und dem damit verbundenen Phänomen der Kontrastivität. Manfred Bierwischs wird dargestellt und kritisch betrachtet und der divergente Skalenbezug von Bewertungsadjektiven und Dimensionsadjektiven skizziert. Anschließend wird auf das Phänomen der Kontrastivität eingegangen und Varnhorns Theorie der Generierung der Normativität aus Präsupposition und Größenrelation im Anschluss vorgestellt. Das Fazit zeigt anhand der Daten eines Kurztests zur Normativität die Tragfähigkeit von Varnhorns Ansatz auf.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Klassifizierung der Adjektive nach Bierwisch

II.I Probleme der Adjektiv-Klassifizierung nach Bierwisch

III. Graduierbarkeit von Adjektiven

III.I Divergenz von Dimensionsadjektiven und Bewertungsadjektiven

III.II Dimensions- und Vergleichsklassenfixierung

IV. Kontrastivität

V. Varnhorns Präsuppositionstheorie

V.I. Grundsätzliche Beobachtungen

V.II Negierbarkeit von Präsuppositionen

V.III Explizierbarkeit

V.IV Subtypen adjektivischer Normativität

VI. Auswertung des Tests zur Normativität

Zielsetzung und Thematik

Die Arbeit untersucht das Phänomen der adjektivischen Normativität und Kontrastivität durch eine vergleichende Analyse der theoretischen Konzepte von Manfred Bierwisch und Beate Varnhorn. Ziel ist es, die strukturellen Unterschiede bei der Interpretation von Adjektiven in Komparationsstrukturen zu ergründen und die Tragfähigkeit von Varnhorns präsuppositionstheoretischem Ansatz mittels eines empirischen Tests zu evaluieren.

  • Semantische Klassifizierung von Adjektiven (Bierwisch).
  • Graduierbarkeit und divergenten Skalenbezug bei Dimensions- und Bewertungsadjektiven.
  • Theorie der adjektivischen Normativität und Präsuppositionen (Varnhorn).
  • Untersuchung des Verhaltens von Adjektiven unter Negation.
  • Empirische Auswertung von Testdaten zur normativen Interpretation.

Auszug aus dem Buch

II. Klassifizierung der Adjektive nach Bierwisch

Bierwisch unterteilt Adjektive aufgrund der Art der Qualifizierung des Bezugselements und ihrer Folgerungseigenschaften durch die Merkmale restriktiv, relativ und transparent. Dabei unterscheidet er zunächst zwischen +restriktiven und -restriktiven Adjektiven. +Restriktive Adjektive schränken die Bezugsklasse ein, indem sie eine Teilmenge der Bezugsklasse bezeichnen. Der Ausdruck 'ein guter Sänger' schränkt die Menge aller Sänger auf die Menge ein, für die auch das Prädikat gut gilt. -Restriktive Adjektive wie ehemalig, scheinbar, angeblich, usw. tun dies nicht und können darüber hinaus nur attributiv, nicht aber prädikativ verwendete werden:

(1) der angebliche Mörder (1') *Der Mörder ist angeblich.

Bierwisch beschäftigt sich nicht weiter mit -restriktiven Adjektiven, da diese nicht zur Komparation fähig sind. Nächstes Klassifikationsmerkmal ist die Eigenschaft von Adjektiven relativ zu sein. Relative Adjektive sind von ihrer Bezugsklasse abhängig: Die Eigenschaft, die sie ausdrücken, wird erst durch die Bezugsklasse festgelegt. Eine kleine Maus, beispielsweise, ist vielleicht 6 cm lang. Eine kleine Boa Constrictor hingegen ist möglicherweise 3m lang. Die Eigenschaft 'klein' ist offensichtlich relativ. Adjektive, die +restriktiv, aber -relativ sind, nennt Bierwisch absolute Adjektive. Darunter fallen alle Farb-, Form- und Substanzadjektive sowie einige andere Qualifizierungen wie z.B. Nationalitätsbezeichnungen. Ein absolutes Adjektiv und ein Nomen legen voneinander unabhängige Bedingungen fest:

(2) ein roter Ball

Beide Bedingungen x(rot) und x(Ball) müssen unabhängig voneinander gelten, d.h. x(rot) & x(Ball) muss erfüllt sein, damit ein Objekt tatsächlich ein roter Ball ist. Obwohl -relative Adjektive eigentlich nicht zur Komparation fähig sind, können auch absolute Adjektive graduiert verwendet werden:

(3) Ihre Augen waren blauer als der Himmel.

(4) Das Gras auf der anderen Seite des Zauns wirkt immer grüner.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Schwierigkeiten der Adjektivabgrenzung ein und skizziert die Ansätze von Bierwisch und Varnhorn zur Kontrastivität und Normativität.

II. Klassifizierung der Adjektive nach Bierwisch: Dieses Kapitel erläutert die Kriterien restriktiv, relativ und transparent zur systematischen Einordnung von Adjektiven.

II.I Probleme der Adjektiv-Klassifizierung nach Bierwisch: Hier wird die Kritik an der Transparenz-Definition thematisiert, insbesondere die Abhängigkeit von Bezugsnomina.

III. Graduierbarkeit von Adjektiven: Dieses Kapitel beleuchtet, warum sich nicht alle Adjektive bezüglich ihrer Folgerungseigenschaften gleich verhalten.

III.I Divergenz von Dimensionsadjektiven und Bewertungsadjektiven: Es wird dargelegt, dass diese Adjektivklassen unterschiedliche Skalenbezüge aufweisen.

III.II Dimensions- und Vergleichsklassenfixierung: Das Kapitel erklärt, wie Bezugsgrößen und Vergleichsklassen Parameter zur Festlegung der Dimension bestimmen.

IV. Kontrastivität: Dieser Abschnitt definiert Kontrastivität als Interpretation, bei der ein Extremwert auf einer Skala festgelegt wird.

V. Varnhorns Präsuppositionstheorie: Die Untersuchung befasst sich mit der Frage, ob Normativitätserscheinungen als logisch-semantische Präsuppositionen zu verstehen sind.

V.I. Grundsätzliche Beobachtungen: Beobachtungen zum normativen Verhalten von Adjektiven im Äquativ werden hier zusammengetragen.

V.II Negierbarkeit von Präsuppositionen: Das Kapitel analysiert das Verhalten der Normativität unter verschiedenen Arten der Negation.

V.III Explizierbarkeit: Die Unnatürlichkeit bestimmter Explizierungen im Kontext von Äquativsätzen wird hier diskutiert.

V.IV Subtypen adjektivischer Normativität: Varnhorn unterscheidet vier Typen der Normativität, basierend auf deren divergenz-logischem Status.

VI. Auswertung des Tests zur Normativität: Der letzte Teil präsentiert die empirische Überprüfung der theoretischen Annahmen durch einen Kurztest mit 20 Probanden.

Schlüsselwörter

Adjektive, Normativität, Kontrastivität, Graduierbarkeit, Semantik, Pragmatik, Präsupposition, Komparation, Äquativ, Skalenbezug, Dimensionsadjektive, Bewertungsadjektive, Testauswertung, Sprachwissenschaft, Bierwisch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretischen Konzepte von Manfred Bierwisch und Beate Varnhorn zur Klassifizierung und Interpretation von Adjektiven in der deutschen Sprache, insbesondere im Hinblick auf Komparationsstrukturen.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentral sind die Phänomene der adjektivischen Normativität, der Kontrastivität, der Graduierbarkeit sowie die Einordnung dieser Phänomene als semantische oder pragmatische Eigenschaften.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Ansätze zur Normativität kritisch zu beleuchten und deren Vorhersagekraft für sprachliche Daten mittels eines empirischen Tests zu überprüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer empirischen Untersuchung in Form eines Kurztests, bei dem Probanden Äquativ- und Komparativkonstruktionen interpretieren sollten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Adjektivklassifizierung nach Bierwisch, die Analyse von Skalenbezügen, die Vorstellung von Varnhorns Präsuppositionstheorie sowie die Diskussion verschiedener Normativitätstypen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Adjektive, Normativität, Kontrastivität, Präsupposition und Komparation maßgeblich bestimmt.

Wie unterscheidet Bierwisch zwischen Dimensions- und Bewertungsadjektiven?

Bierwisch unterscheidet diese anhand ihres Skalenbezugs: Während Dimensionsadjektive entgegengesetzte Pole einer Dimension identifizieren, weisen Bewertungsadjektive komplexere Strukturen und oft Antonymbündel auf.

Warum hält Varnhorn die "kontrastive" Interpretation für missverständlich?

Varnhorn kritisiert, dass der Begriff "kontrastiv" auch im Sinne von "synchron-vergleichend" verwendet wird, was zu begrifflichen Unschärfen führt; sie bevorzugt daher den Begriff "normativ".

Welche Rolle spielt die Negation bei der Untersuchung?

Die Negation dient als diagnostisches Mittel, um zu prüfen, ob Normativitätserscheinungen als Präsuppositionen (die unter Negation konstant bleiben) oder als Assertionen einzustufen sind.

Wie fallen die Testergebnisse im Vergleich zur Theorie aus?

Die Testergebnisse stützen die Theorie für Äquativkonstruktionen weitgehend, zeigen jedoch bei Komparativkonstruktionen deutliche Abweichungen, was auf eine notwendige Verfeinerung der Modelle hindeutet.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Komparation und Normativität. Kurze Darstellung der Theorien von Manfred Bierwisch und Beate Varnhorn
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Semantik von Verben und Adjektiven
Note
1,0
Autor
Stefanie Kern (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
26
Katalognummer
V263633
ISBN (eBook)
9783656526315
ISBN (Buch)
9783656528173
Sprache
Deutsch
Schlagworte
komparation normativität kurze darstellung theorien manfred bierwisch beate varnhorn
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefanie Kern (Autor:in), 2011, Komparation und Normativität. Kurze Darstellung der Theorien von Manfred Bierwisch und Beate Varnhorn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263633
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Leseprobe aus  26  Seiten
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