Fachpraktikum Arbeitslehre

Praktikumsbericht zur schulpraktischen Studie


Praktikumsbericht (Schule), 2013

61 Seiten, Note: 11


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Persönliche Voraussetzungen

2. Beschreibung der
2.1. Erste Ein
2.2. Schulform und Schulpr
2.3. Besondere Einrichtungen und An
2.4. Schulgebäude, Ausstattung

3. Beobachtungsprotokolle mit Ref
3.1. Ein Schultag in der Kl
3.2. Ein Schultag mit Le
3.3. Reflexion über einen Schüler in einer begrenzten Lerns
3.4. Besondere Berücksichtigung der Phasen, Sozialform und eingesetzten Me
3.5. LehrerInnen-SchülerInnen-Inter
3.6. SchülerInnen-SchülerInnen-Interaktion

4. Die eigenen Unterrichtsve
4.1. Classroom phrases/ days of the week/ co
4.1.1. Ler
4.1.2. Verlau
4.1.3. Reflexion der
4.2. Gefahreneinweisung an der Bohrmaschine und erstes skizzieren ihres Werks
4.2.1. Ler
4.2.2. Verlau
4.2.3. Reflexion der
4.3. Das Ansch
4.3.1. Ler
4.3.2. Verlau
4.3.3. Reflexion der
4.4. First
4.4.1. Ler
4.4.2. Verlau
4.4.3. Reflexion der
4.5. K
4.5.1. Ler
4.5.2. Verlau
4.5.3. Reflexion der S
4.6. Eine Stunde zum Thema
4.6.1. Lern
4.6.2. Verlaufs
4.7. Erarbeitung der Einzelteile einer Ständerbohrmaschine. Erlernen des Einspannens von Sägeblättern einer Laubsäge und deren ersten
4.7.1. Analyse der Lern
4.7.2. Lernvoraussetz
4.7.3. Stellung der Stunde in der E
4.7.4. Sacha
4.7.5. Didaktische A
4.7.6. Begründung der unterrichtsmethodischen Entscheid
4.7.7. Ler
4.7.8. Geplanter Unterrichtsverlauf

5. Essay: „Umgang mit Disziplin als pädagogische Herausforderung?“

6. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Persönliche Voraussetzungen

Nachdem ich meine Berufsausbildung zur Friseurin abgeschlossen hatte, erkannte ich, dass mir der Umgang mit Menschen sehr viel Spaß bereitet, ich mich in diesem Beruf allerdings nicht so entfalten konnte, wie ich es wollte. Gerade der Kontakt zu jugendlichen Kunden und die daraus resultierenden Gespräche weckten in mir das Verlangen, häufiger in den Kontakt mit Heranwachsenden zu kommen. Dieser Wunsch führte dazu, dass ich nach der Ausbildung mein Abitur an der Abendschule nachholte, um mir selbst die Möglichkeit zu eröffnen, in einem pädagogischen Beruf arbeiten zu können. Nach dem ich das Abitur erworben hatte, überlegte ich zunächst, Berufsschullehramt mit dem Berufsfeld Körperpflege zu studieren, um meine Berufserfahrung mit in mein pädagogisches Handeln einfließen lassen zu können. Aufgrund der Tatsache, dass die akademische Lehramtsausbildung für den Fachbereich Körperpflege nur in Hamburg und Darmstadt angeboten wird und ein Ortwechsel für mich als alleinerziehende Mutter nicht möglich war, entschied ich mich dazu, das Haupt- und Realschullehramt in Verbindung mit Arbeitslehre zu studieren, da ich dort meine berufliche Erfahrung ebenfalls einfließen lassen kann. Meine Wahl hinsichtlich des zweiten Unterrichtsfachs war insofern leicht zu treffen, als dass ich im Rahmen meines Abiturs an der Abendschule viel Freude am Fach Englisch entwickelt hatte. Entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung hatte vor allem meine damalige Lehrerin, welche sehr engagiert zu Werke ging und die Freude an der Sprache regelrecht auf uns übertrug. Ihre unbeschwerte Art, den Schülern den Stoff zu vermitteln trug auch in erheblichem Maße dazu bei, dass ich mich in der Findungsphase hinsichtlich einer pädagogischen Tätigkeit schnell auf die des Lehrers festlegte.

In Bezug auf das anstehende Fachpraktikum in Arbeitslehre war ich sehr motiviert, da dieses Fach leider in meinem letzten Praktikum zu kurz kam und sich damals fast ausschließlich auf das Fach Englisch bezog. Deswegen hatte ich auch den Entschluss gefasst, dieses Fachpraktikum unbedingt in Arbeitslehre zu absolvieren, um einen genaueren Einblick in das Fach zu erhalten.

Bezüglich meiner persönlichen Ausgangsbedingungen im pädagogischen Bereich fällt es mir recht schwer mich gut einzuschätzen. Ich denke, dass ich ein recht offener Mensch bin und auch dementsprechend auf die SchülerInnen wirken und zugehen möchte und immer ein offenes Ohr für ihre Belange haben werde. Die Erfahrung aus dem letzten Praktikum hat mir zudem gezeigt, dass es mir noch Probleme bereitet, Stunden optimal zu planen bzw. auch in Stresssituationen adäquate Reaktionen zu zeigen.

Von dem Praktikum erwarte ich in erster Linie umfangreiche Einblicke in das Fach Arbeitslehre in all seinen Facetten und zudem, dass ich mehr Sicherheit in der Planung von Unterricht erhalte. Insgesamt erhoffe ich mir, dass mich das Praktikum in meiner Berufswahl weiter bestätigt und ich gute Erfahrungen mit SchülerInnen und Kollegen sammeln werde.

2. Beschreibung der Schule

2.1. Erste Eindrücke

Mein erster Eindruck der Adolf-Reichwein-Schule war kein guter. Gleich von außen zeigte sich das Gebäude in einem schlechten Zustand. Überall standen Gerüste und Großraum-Container herum und auch im inneren glich die Schule eher einer Baustelle als einem Schulgebäude. Dieser nicht gerade positive Eindruck verstärkte sich dann auch noch in einem drei stündigen Wartemarathon, denn ich mit meinen Mitpraktikanten im Lehrerzimmer absaß. Jeder hatte eine andere Uhrzeit genannt bekommen, zu der er vor verschiedenen Plätzen warten und abgeholt werden sollte. Doch nicht ein einziger von uns wurde tatsächlich von einer Lehrkraft oder einem Mentoren geholt. Niemand fühlte sich für uns zuständig. Dieser Zustand dauerte über Zwei Stunden lang an, bis schließlich Herr M. auf uns zutrat und uns eine Schulführung anbot, die wir auch dankend annahmen. Erst zum Ende der fünften Stunde folgte ein gemeinsames Gespräch mit dem Schulleiter, bei dem wir dann auch unsere Mentoren zugeiteilt bekamen.

Zugehörig ist die Schule dem Schulträger des Landkreises. Derzeit besuchen etwa 850 SchülerInnen aus den Pohlheimer Stadtteilen Watzenborn-Steinberg, Hausen, Grünigen, Holzheim, Garbenteich und Dorf-Güll die Jahrgänge 5-10. Zudem wurde vor einigen Jahren das Einzugsgebiet der Schule erweitert, so dass heute auch SchülerInnen aus Großen-Linden, Leihgestern und Langgöns die Schule besuchen können. Das Lehrerkollegium besteht derzeit aus 70 Personen, die durch eine Sozialarbeiterin unterstützt werden. Die durchschnittliche Klassenstärke beträgt 23 Schüler.

2.2. Schulform und Schulprogramm

Die Adolf-Reichwein Schule in Pohlheim ist eine integrierte Gesamtschule mit den Schwerpunkten Musik und Naturwissenschaften.

Das Schulprogramm der Adolf-Reichwein-Schule ist auf die Vermittlung von drei elementaren Zielen ausgelegt (1. Persönlichkeitsentwicklung, 2. Vermittlung von Fach- und Methodenkompetenz, Lehr- und Lernkultur, 3. Schule als Lebensraum gemeinsam gestalten). Zum einen legt die Schule einen Schwerpunkt auf die Persönlichkeitsentwicklung ihrer SchülerInnen. Besonders die individuellen Lernausgangslagen der Schüler, welche mitunter auch durch die soziale und kulturelle Herkunft beeinflusst werden, sollen hier Berücksichtigung finden. So engagiert sich die Schule auch um die inhaltliche und personelle Ausgestaltung der Schulsozialarbeit und kooperiert in diesem Zusammenhang mit verschiedenen Trägern. Darüber hinaus möchte die Schule humanistische und christliche Werte vermitteln. „Die Bereitschaft zur Toleranz gegenüber kultureller und religiöser Vielfalt wird durch den Grundsatz eingeschränkt, dass es in einer pluralistischen Gesellschaft zu keinem Wertepluralismus kommen darf. Was gilt, gilt für alle“ (Schulprogramm ARS, 2).

Die Vermittlung von Fach- und Methodenkompetenz wird vor allem durch jährlich stattfindende Methodentage getragen, welche im Schulprogramm unter „Leitziel I: Lernen für die Zukunft“ aufgeführt werden. Ziel dieser Methodentage ist die Kultivierung verschiedener Lernformen, deren Inhalte auch in die weitere Unterrichtsarbeit einfließen sollen. Darüber hinaus ist das Schulcurriculum fächerübergreifend ausgelegt, so dass die SchülerInnen mit praktizierten Methoden häufig konfrontiert werden. Das Kollegium nimmt unter dem Gesichtspunkt der „lernenden Schule“ auch regelmäßig an Fort- und Weiterbildungen teil, so dass aktuelle Erkenntnisse zu Bildung und Erziehung direkt in das Schulleben integriert werden können.

Das dritte elementare Ziel, welches durch das Schulprogramm verfolgt wird, bezieht sich auf die gemeinsame Gestaltung des Lebensraumes Schule. Im Fokus steht hier, dass alle Mitglieder der Schulgemeinde (Eltern, Schüler, Lehrkräfte) zu vertrauensvoller Zusammenarbeit aufgefordert werden. So sollen in enger Zusammenarbeit gemeinsam Wege entwickelt werden, das Motto „Miteinander Lernen – Miteinander Leben“ täglich mit Inhalt zu füllen. In diesem Zusammenhang ist die ARS auch stets bemüht, sich zu öffnen. Zu dieser Öffnung von Schule zählt unter anderem die Durchführung öffentlicher Schulveranstaltungen, die Teilnahme am öffentlichen Leben der Gemeinden des Einzugsgebietes sowie der Möglichkeit für Lehramtsstudierende und Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, ihre Ausbildung an der ARS voranzutreiben.

2.3. Besondere Einrichtungen und Angebote

Organisatorisch ermöglicht ein umfangreiches Ganztagsangebot den SchülerInnen aus verschiedenen freiwilligen Nachmittags-AGs zu wählen und in einer einstündigen Pause ihr Mittagessen kostengünstig in der schuleigenen Mensa einzunehmen.

Im 8. Schuljahr haben die SchülerInnen drei Stunden WisoTec- und eine Stunde Arbeitslehreunterricht pro Woche. Die WisoTec Kurse werden halbjährlich gewechselt, so dass die SchülerInnen verschiedene Kurse besuchen können. Diese Kurse müssen von allen SchülerInnen besucht werden, die keine zweite Fremdsprache erlernen. Derzeit gibt es die WisoTec Kurse Holz, Kochen, darstellendes Spiel und Medien. In der einen Stunde Arbeitslehre, die im gesamten Klassenverband unterrichtet wird, wird Berufsorientierung, Praktikumsbetreuung und das Schreiben von Bewerbungen angeboten.

2.4. Schulgebäude, Ausstattung

Da sich die Schule derzeit in großen Umbaumaßnahmen befindet, wurden viele Klassen außerhalb des Gebäudes in Containern untergebracht. Diese weisen leider eine sehr schlechte Akustik sowie fehlende Notwendigkeiten wie beispielsweise Wasseranschlüsse auf. Ebenso gibt es derzeit keine Computerräume an der Schule. Die einzige Möglichkeit zur Computernutzung bietet derzeit die Mediathek und deren 12 Computer. Leider ist der Raum schlecht zu überblicken, so dass ein normaler Unterricht so nur schwierig möglich ist. Auch in dem einzigen Werkraum der Schule gibt es einige Mängel. Viele der Maschinen sind defekt oder erst gar nicht vorhanden. Materialien gibt es kaum, vieles wird von den Lehrern aus eigener Tasche bezahlt. Nicht einmal eine Tafel zum Skizzieren beinhaltet der Werkraum derzeit.

3. Beobachtungsprotokolle mit Reflexion

3.1. Ein Schultag in der Klasse X

Da die Adolf-Reichwein-Schule eine integrierte Gesamtschule ist und dementsprechend in einem Kurssystem organisiert ist, war es mir nicht möglich, eine Klasse über einen kompletten Schultag hinweg geschlossen zu begleiten. Ich habe mich stattdessen dazu entschieden, eine Gruppe von SchülerInnen in die verschiedenen Kurse zu begleiten um so einen Eindruck darüber gewinnen zu können, wie die SchülerInnen ihren Schulalltag erleben.

Der Schultag in einer neunten Klasse begann mit einer Doppelstunde Arbeitslehreunterricht. Gleich von Anfang an herrschte ein angenehmes Klima in der Klasse und auch das Verhältnis zwischen Herrn B. und der Klasse wirkte auf mich positiv. Herr B. erzählte von den Ergebnissen des letzten Elternabends. Ebenso wurde das für alle hochinteressante Thema „neuer Qualifikations-Abgang“ sehr genau erklärt und alle Fragen der SchülerInnen ausführlich beantwortet. Mich beeindruckte der wirklich mehr als positive Umgang zwischen Lehrer und SchülerInnen sehr. Sehr respektvoll und höfflich, wie ich ihn selten zuvor erlebt habe.

Als weiteren Punkt wurden noch einmal Fragen zu den anstehenden Projekt Abschlussprüfungen gestellt. Herr B. versuchte, auch die vielen diesbezüglichen Nachfragen alle zu beantworten. Dabei ging er stets auf alle Belange der SchülerInnen ein und antwortete je nach SchülerInn häufig sehr individuell. Es wurde deutlich, dass zwischen den SchülerInnen und Herrn B. ein großes Vertrauensverhältnis besteht.

Nach der Pause erscheint auch Schüler D. mit einer Stunde Verspätung und ohne Entschuldigung. Er muss zur Strafe eine Stunde am nächsten Montag nachsitzen. Nachdem dies geklärt war und Schüler D. es einfach hinnahm, begann die zweite Stunde mit der Klärung der Praktikumsstellen. Viele SchülerInnen hatten bereits eine feste Zusage für ihr Praktikum, einige warteten noch auf eine Antwort und bei zwei gab es bislang noch keine Entscheidung wo sie ihr Praktikum überhaupt absolvieren wollten. Auch hier bemühte sich Herr B. in intensiven Einzelgesprächen und erwähnte noch einmal die Wichtigkeit der zeitnahen Erledigung.

Als letzten Punkt für diese Doppelstunde begann die Klasse damit Vorstellungsgespräche zu besprechen. Schülerin C. hatte bereits eines für ihre Praktikumsstelle hinter sich und erzählte den anderen davon. Da viele auch bereits erste Bewerbungen für ihre Ausbildungsstellen abgeschickt hatten, war auch dieses Thema von immenser Bedeutung für alle. Herr B. sammelte wichtige Informationen und Verhaltensregeln an der Tafel, die die SchülerInnen ergänzten.

In der dritten und vierten Stunde begleitete ich einige SchülerInnen dieser Klasse in ihren WisoTec Kurs. Dort wurde in Gruppenarbeit aus Müll Mode hergestellt. Andere belegten andere WisoTec Kurse oder hatten in dieser Zeit Französisch Unterricht. Frau W. hatte bereits zwei Wochen zuvor mit ihrem Projekt begonnen, so dass die SchülerInnen nach kurzer Einweisung gleich an ihrer angefangenen Arbeit weiterarbeiten konnten. Auch in diesem Kurs herrschte eine nette und freundliche Atmosphäre. Einige SchülerInnen arbeiteten begeistert an ihren Werken weiter, Schülerin S. saß heulend auf dem Flur, da sie in der Pause Probleme mit drei anderen Schülerinnen hatte. Nachdem Frau W. einige Zeit vor der Tür mit ihr gesprochen hatte, kam auch sie wieder hinein um in ihrer Gruppe weiter zu arbeiten.

In der fünften Stunde gab es eine Besprechung für den gesamten neunten Jahrgang wegen der in dieser Woche startenden Bearbeitungszeit ihrer Projekte für die Projektprüfung in der Aula. Der Jahrgang hatte sich bereits in vierer Gruppen aufgeteilt und jeweils vier bis sechs Gruppen bekamen einen Lehrer oder Lehrerin zugeteilt, der sie in ihrer Be- und Erarbeitungsphase unterstützen soll. Ich begleitete die Gruppe der Mädchen mit denen ich bereits zuvor die Stunden verbracht hatte mit in ihren zugewiesenen Kurs von Frau M. und Frau K. Ab der folgenden Woche würde Frau K. sie in der fünften Stunde und Frau M. in der sechsten Stunde betreuen. Die mir in den vier Stunden zuvor so positiv aufgefallene Stimmung änderte sich in diesem Kurs schlagartig. Die SchülerInnen waren auf einmal sehr unmotiviert. Nachdem Frau M. Projektzettel austeilte, auf denen die Namen der Gruppenmitglieder, die Themen und Unterthemen aufgeschrieben werden sollten, viel auf, dass noch gar nicht alle der fünf Gruppen ein Thema hatte. Frau M. verlangte, dass sich die SchülerInnen auf einem Zettel eine Mind-Map erstellen sollten um einen Überblick zu erhalten. In Einzelgesprächen in den Gruppen versuchte sie die SchülerInnen auf Themen zu lenken. Am Ende wurden alle Mind-Maps eingesammelt.

Der Tag mit den vier SchülerInnen führte mit vor allen Dingen vor Augen, in welchem hohen Maß die Arbeitsbereitschaft der SchülerInnen auch von dem Lehrer und dessen Auftreten, seiner Art mit den SchülerInnen umzugehen und seinen bevorzugten Methoden beeinflusst werden kann. Wirkte im speziellen die Gruppe der vier Mädchen unter der Leitung von Herrn B. äußerst motiviert, so veränderte sich die Arbeitseinstellung in den Projektgruppen schlagartig. Zwar ist es klar, dass dies auch dem Zeitpunkt der Stunden geschuldet war, jedoch war auch das deutlich unterkühlte Verhältnis zwischen Frau M. und den SchülerInnen spürbar dafür verantwortlich.

3.2. Ein Schultag mit Lehrer X

Am Freitag, den 31.08. begleitete ich Frau H. über einen kompletten Schultag hinweg. Der Schultag von Frau H. begann im Lehrerzimmer, wo sie Materialien für ihren Unterricht kopierte.

In der ersten Stunde unterrichtete sie Französisch in einem E-Kurs der achten Klassenstufe. Die Begrüßung der Klasse war ritualisiert. So begrüßte Frau H. die Klasse außerordentlich freundlich auf Französisch, die Klasse begrüßte sie ebenfalls auf Französisch im Chor zurück. In der Einstiegsphase des Unterrichts sammelte Frau H. zunächst die Hausaufgaben von allen SchülerInnen ein. Im Anschluss teilte sie die eingesammelten Blätter wieder aus, allerdings bekamen die SchülerInnen nicht die eigene Hausaufgabe, sondern die eines Mitschülers. In Partnerarbeit sollten die Schüler die Hausaufgaben der Mitschüler nun anhand festgelegter Kriterien überprüfen und korrigieren. Positiv fiel mir dabei auf, wie entspannt Frau H. im Unterricht wirkte und wie freundlich sie die Instruktionen formulierte. Auch ihre Ermahnungen, die sie störenden SchülerInnen entgegenbrachte, waren stets freundlich, aber bestimmt. Mit dieser Art gelang es ihr, ein äußerst angenehmes Lernklima zu schaffen, so dass auch die SchülerInnen auf mich den Eindruck machten, Spaß am Unterricht mit Frau H. zu haben. Im Anschluss an die Hausaufgabenüberprüfung erklärte Frau H. den SchülerInnen die Aufgabenstellung der heutigen Stunde. Beispielhaft sollten die SchülerInnen zwei Aufgaben im Plenum besprechen. Die daran anschließende Einzelarbeitsphase verlief ohne erwähnenswerte Zwischenfälle. Alle SchülerInnen arbeiteten konzentriert an ihrer Aufgabe, Frau H. ging in der Klasse herum und stand den SchülerInnen in beratender Funktion zur Verfügung. Auch hier wurde für mich deutlich, dass Frau H. eine gute Beziehung zu ihren SchülerInnen pflegte. Nach Beendigung der Arbeitsphase erhielten die SchülerInnen ihre Hausaufgaben. Frau H. beendete den Unterricht mit einem Verabschiedungsritual.

Die zweite Stunde war eine Freistunde. Frau H. nutzte diese Zeit für weitere Kopien sowie einem Frühstück im Lehrerzimmer.

In der dritten und vierten Stunde unterrichtete Frau H. einen Englisch-A-Kurs in der fünften Klasse. Wie schon im Französischunterricht begann der Unterricht mit einem Begrüßungsritual. Im Gegensatz zu der ersten Stunde wirkte Frau H. allerdings ein wenig angespannter. Nach der Begrüßung war direkt Unruhe in der Klasse. Frau H. musste einiger SchülerInnen mehrmals ermahnen, bis sie mit dem Unterricht beginnen konnte. Zunächst wurden nun die Hausaufgaben kontrolliert. Einige SchülerInnen hatten sie nicht gemacht und erhielten einen Strich. (Nach 6 Strichen, so erzählte mir Frau H., gab es verschiedene Sanktionen wie Nachsitzen, Elterngespräch etc.). Im Anschluss erfolgte eine kurze Erarbeitungsphase, in der Frau H. die Schüler mit einfachen Fragen auf Englisch konfrontierte und sie im Plenum zum antworten aufforderte (Whats your Name, Where are you from etc.). In der Arbeitsphase hatten die SchülerInnen dann die Aufgabe, in ihrem Workbook zu arbeiten. In dieser Phase störte ein Schüler extrem, sodass Frau H. ihn des Klassenraums verwies. Sie machte der Klasse lautstark deutlich, dass es ihr insgesamt viel zu laut sei. Nachdem die Klasse schlagartig ruhig wurde und mit dem arbeiten begann, ging Frau H. raus zu dem Schüler und führte mit ihm ein kurzes aber eindringliches Gespräch. Während der Arbeitsphase arbeiteten die SchülerInnen zwar fleißig, jedoch war doch eine dauernde Unruhe in der Klasse, so dass Frau H. einzelne SchülerInnen ständig ermahnen musste und so wenig Zeit hatte, einzelnen SchülerInnen bei der Bewältigung der Aufgabe hilfreich zur Verfügung zu stehen.

Nach Beendigung der Einzelarbeit im Workbook forderte Frau H. die SchülerInnen auf, 5er-Gruppen zu bilden. In diesen Gruppen sollten die Schüler das Sprechen auf Englisch üben, indem sie erneut mit Fragen konfrontiert wurden, die sie beantworten sollten. Abschließend erhielten die SchülerInnen die Hausaufgaben und die Stunde endete mit dem Verabschiedungsritual.

Wie ich im Nachhinein erfuhr, war der Kurs neu zusammengesetzt und für Frau H. waren die SchülerInnen auch noch neu. Insgesamt war die Atmosphäre in der Klasse deutlich angespannter als im Französischkurs. Frau H. berichtete mir, dass sie noch viel arbeiten müsse, um den Kurs ähnlich gut in den Griff zu bekommen, wie ich es in Französisch beobachten durfte.

Die letzten zwei Stunden des Schultags hielten den Unterricht in einem Englisch-A-Kurs der zehnten Klassenstufe bereit. Beim Betreten des Klassenraums im Container kommt uns direkt ein penetranter Reinigungsmittelgeruch entgegen. Das Aufhalten in diesem Geruch ist alles andere als angenehm. Frau H. wirkt genervt, lässt sich das vor den SchülerInnen aber nicht anmerken. Nachdem zunächst die Tische umgestellt werden mussten, konnte der Unterricht mit leichter Verspätung beginnen. Die Klasse arbeitete mit einem Wochenplan, so dass alle SchülerInnen im direkten Anschluss an die Begrüßung begannen, mit ihren Aufgaben fortzufahren. Die Arbeitsphase verlief – trotz der Tatsache, dass es die fünfte und sechste Stunde an einem Freitag war – sehr ruhig und angenehm. Als es zur Pause klingelt, schlägt Frau den SchülerInnen vor, die Pause etwas länger zu machen und gemeinsam kurz rauszugehen, da der Gestank in der Klasse nicht auszuhalten sei. Diese Maßnahme empfand ich als richtig und es zeigte sich mir erneut, dass Frau H. sich sehr gut in ihre SchülerInnen hineinversetzen konnte. In der letzten Stunde hatten die SchülerInnen noch 10 min Zeit, um die arbeiten an ihrem Wochenplan abzuschließen. In dem Rest der Stunde wurden Ergebnisse verglichen und Frau H. bat die SchülerInnen, ihr in einem Unterrichtsgespräch mitzuteilen, wie sie mit der Methode der Wochenplanarbeit zurechtgekommen seien. Zahlreiche SchülerInnen äußern sich positiv. Die Stunde und der Schultag enden.

Insgesamt konnte ich einen super Eindruck gewinnen, wie viel Stress der Schulalltag bereit halten kann und wie hoch die Anforderung an eine Lehrkraft ist, diesen Stress nicht an die SchülerInnen weiterzugeben. Es beeindruckte mich, wie Frau H. den Ärger aus der dritten und vierten Stunde nicht mit in die andere Klasse nahm und auch die Geruchsbelästigung unkommentiert hinnahm und den SchülerInnen genauso freundlich entgegnete, wie sie es in der ersten Stunde des Tages getan hatte. Ich hoffe, dass ich mit solchen Situationen in Zukunft ähnlich abgeklärt umgehen können werde, wie es Frau H. an diesem Tag gelang.

3.3. Reflexion über einen Schüler in einer begrenzten Lernsequenz

In einem Englisch B-Kurs der Klassenstufe 8 beobachtete ich den Schüler M. genauer.

Direkt zu Beginn der Stunde viel M. negativ auf, da er den Unterricht durch lautstarkes reden mit seinem Sitznachbarn störte. Auch nach mehrmaligem Ermahnen durch die Lehrerin beruhigte er sich nur sehr langsam. Bei der Hausaufgabenkontrolle zeigt sich, dass er nicht nur diese nicht erledigt hat, sondern auch alle seine Hefte und Bücher nicht dabei hat. Er wird erneut ermahnt und die Androhung eines Elternbriefes folgt. Diese Androhung scheint jedoch keine große Wirkung bei M. zu erzielen. Vielmehr nimmt er sie Schultern zuckend zur Kenntnis. Während des darauf folgenden Unterrichtsgesprächs fällt M. in erster Linie durch Desinteresse auf. Frau B. spricht ihn daraufhin direkt an und konfrontiert ihn mit einer Fragestellung. M. antwortet zwar auf die Frage, allerdings auf Deutsch. Frau B. weist ihn darauf hin, dass im Englisch-Unterricht auch Englisch gesprochen werden muss. Doch auch auf weitere, denn Unterricht betreffende Fragen antwortet er generell nur auf Deutsch. Er kippelt mit seinem Stuhl und gähnt die ganze Zeit oder liegt sogar mit seinem Kopf auf dem Tisch. M.‘s Verhalten wirkt äußerst provokativ. In meinen Augen versucht M. nur, auf diese Weise Aufmerksamkeit zu erlangen. Dies gelingt ihm zugegebenermaßen auch. Nachdem er fortlaufend störte, wird er von Frau B. vor die Tür geschickt. Es vergehen geschlagene zehn Minuten, bis er wieder herein geholt wird. Jedoch scheint auch diese Maßnahme ihre Wirkung verfehlt zu haben. Nachdem sich M. hingesetzt hat, beginnt er sofort ein lautstarkes Gespräch mit seinem Nachbarn. Frau B. ignoriert dies zunächst. Daraufhin beginnt M., mit dem Stuhl zu kippeln und währenddessen unüberhörbar auf dem Tisch zu trommeln. Frau B. reicht es nun. Nach einer erneuten deutlichen Ermahnung und Androhung des Rauswurfs für die gesamte Stunde, legt er ruhig nur noch den Kopf auf den Tisch und schließt die Augen. Scheinbar ist es ihm wichtig, bei seinen Mitschülern zu sein. Die Tatsache, dass Frau B. akzeptierte, dass er mit geschlossenen Augen auf dem Tisch liegt, verstärkt sein zukünftiges Verhalten aber mit Sicherheit nur noch.

Frau B. erklärt später, dass M. immer so wäre und er sowieso nach dem Halbjahr in den C-Kurs abgestuft werden würde. Kind total übermüdet?? Gespräch mit Eltern – auch wegen fehlender Schulsachen und Hausaufgaben. Frau B. hätte ihm auch ihr Buch geben können, damit er mitarbeiten hätte können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Fachpraktikum Arbeitslehre
Untertitel
Praktikumsbericht zur schulpraktischen Studie
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Erziehungswissenschaften/Berufspädagogik)
Veranstaltung
Fachpraktikum
Note
11
Autor
Jahr
2013
Seiten
61
Katalognummer
V263876
ISBN (eBook)
9783656530169
ISBN (Buch)
9783656532996
Dateigröße
693 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fachpraktikum, arbeitslehre, praktikumsbericht, studie
Arbeit zitieren
Nadine Custer (Autor), 2013, Fachpraktikum Arbeitslehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263876

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Fachpraktikum Arbeitslehre



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden