Zwischen Frontalunterricht und Individualität im Klassenzimmer

Wie funktioniert guter Frontalunterricht?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Stellungnahme zum Frontalunterricht

2 Bohls Aussagen zu Heterogenität, Schulsystem und Schulorganisation.
2.1 Unterrichtskonzeptionen zum Umgang mit Heterogenität
2.2 Ein Forschungsbereich bezüglich Wirksamkeit von Unterricht mit heterogenen Lerngruppen

3 Stofferarbeitung im Unterricht

4 Lehr-/Lernprozesse planen und koordinieren:

5 Klassengemeinschaft fördern:

6 Schluss

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Zum Einstieg möchte ich die von mir gezeichnete Karikatur, die auf dem Deckblatt zu sehen ist, erläutern. Darauf zu sehen ist eine als Übertreibung dargestellte Situation des klassischen Frontalunterrichts. Eine autoritäre Lehrperson „beschallt“ die Schüler durch ununterbrochenes Vortragen, während die Schüler zwar ruhig aber in Gedanken versunken mit dem Einschlafen kämpfen. Dargestellt ist also eine Szene, die so ziemlich jedem aus der Schulzeit bekannt sein müsste und so oder ähnlich mit dem Wort Frontalunterricht assoziiert wird. Dem Titel dieser Portfolioarbeit „Individualität im Klassenzimmer - Zwischen Frontalunterricht und Einzelarbeit“ lässt sich außer dem Wort Frontalunterricht noch die Einzelarbeit entnehmen. Individualisierender Unterricht, der in sehr offenen Unterrichtsformen praktiziert wird, spiegelt somit das Gegenteil zum klassischen Frontalunterricht wider. Aus dem Titel geht hervor, dass es sich um etwas zwischen diesen beiden Polen handelt. Mit der vorliegenden Portfolioarbeit wird versucht ein Spagat zwischen den gegensätzlichen Unterrichtsformen zu schaffen. Es werden einerseits Anregungen für eine „moderne“ Form des Frontalunterrichts aufgezeigt, andererseits Vor – und Nachteile unterschiedlichster Lehr- und Lernkonzepte, sowie vielfältige Unterrichtsmethoden dargestellt.

1.1 Stellungnahme zum Frontalunterricht

Während meiner Schulzeit habe ich mir keine großen Gedanken darüber gemacht welche pädagogischen Mittel bzw. Unterrichtsformen der jeweilige Lehrer verwendete um uns Schülern den Schulstoff näher zu bringen. Zurückerinnernd fällt aber auf, dass die überwiegende Unterrichtsform, vorzugsweiße bei älteren Lehrern, der klassische Frontalunterricht war. Dies war aber meiner Meinung und meinem damaligen Empfinden nach kein Nachteil bzw. Kritikpunkt sondern eher im Gegenteil positiv hervorzuheben. Meine Geschichtslehrerin in der Oberstufe zum Beispiel konnte stundenlange Monologe halten und hat es trotzdem geschafft die Schüler in ihren Bann zu ziehen. Mögen moderne Pädagogen oder Politiker diese Form des Unterrichts für noch so verwerflich halten, ich habe bei dieser Lehrerin eine super Abiturvorbereitung genossen und das ohne Gruppenarbeit und unzählige Medieneinsätze. Natürlich gibt es immer Punkte die gegen eine solche Methode sprechen. Die Schüler werden nicht zum Mitdenken angeregt, sie können abschalten und bekommen den Stoff nur vorgebetet, anstatt ihn sich selber zu erarbeiten. Aber dieses „ausklinken“ passierte ebenso bei moderneren Methoden wie der Gruppenarbeit. Bei der man eigentlich als Team eine Aufgabe erarbeiten sollte, wobei die Definition von Team in den Köpfen der Schüler dann doch als „toll ein anderer machts“ ausgeprägt war. Ein Weiterer, häufig angesprochener, Kritikpunkt sind die sozialen Kompetenzen, die beim Frontalunterricht zu kurz kommen. Jedoch bin ich der Meinung, dass das Austauschen über schulische Themen bzw. das gemeinsame Lernen auf Klassenarbeiten ausreichend diese Kompetenzen fördert. Denn im Mittelpunkt des Unterrichts sollte doch die Vermittlung des Fachwissens durch den Lehrer stehen und nicht die Förderung unzähliger Kompetenzen die genauso gut in der Freizeit und in der Familie ausreifen. Das Schlimmste für mich war, wenn ein Lehrer zwei bis drei wöchige Gruppenarbeiten ansetzte, zur Erarbeitung eines gesamten Themenblocks. Der Lehrer liest gemütlich Zeitung und überträgt seine Arbeit auf die Schüler und ist mit dieser Art des „Unterrichtens“ womöglich auch noch ganz modern auf dem aktuellen Stand der Pädagogikforschung. Für mich galt und gilt heute noch, dass ein guter interessant gestalteter Frontalunterricht, ob mit oder ohne Medieneinsatz, der die Mitarbeit der Schüler fordert und fördert, die beste Unterrichtsmethode ist. Ich habe in meiner Schulzeit den größten Nutzen aus solch einem Unterricht ziehen können, denn ein guter Lehrer war für mich immer erst dann ein guter Lehrer, wenn er mir ein Thema verständlich und interessant beibringen konnte. Ich bin der Meinung, dass im Mittelpunkt des Unterrichts die Vermittlung des Fachwissens durch den Lehrer stehen sollte und nicht die Förderung unzähliger Kompetenzen die genauso gut in der Freizeit und in der Familie ausreifen können. Denn der Austausch über schulische Themen in den Mittagspausen bzw. das gemeinsame Lernen auf Klassenarbeiten fördert die nötigen sozialen Kompetenzen ausreichend, auch ohne Aufsicht einer Lehrperson.

2 Bohls Aussagen zu Heterogenität, Schulsystem und Schulorganisation.

Der Begriff Homogenität wird nicht nur in der pädagogischen Wissenschaft häufig diskutiert, sondern findet auch im Lehreralltag immer mehr Aufmerksamkeit. Laut Bohl (2003) ist der Begriff „in hohem Maße normativ aufgeladen und beinhaltet in manchen Konzeptionen deutliche Erwartungen und Ansprüche an Lehrkräfte und deren Einstellungen und Haltungen“ (S. 243). Im Schulsystem soll es also nicht nur um die Akzeptanz von Heterogenität gehen, sondern nach Prengel (2005) sogar um die aktive und bewusste Erzeugung von Heterogenität (S.20 ff). Es muss zwischen zwei Diskurslinien unterschieden werden, zum einen die soziokulturelle Heterogenität und zum anderen die leistungsbezogene Heterogenität (Budde 2012, S. 527). Hinter der soziokulturellen Heterogenität verbergen sich Differenzkategorien wie Geschlecht, Ethnizität, Herkunft und soziale Schicht, „im Rahmen leistungsbezogener Betrachtungen stehen zumeist didaktische Maßnahmen auf Unterrichtsebene im Vordergrund“ (Bohl 2003, S. 244). Vor allem soziokulturelle Heterogenität wird in der Schule durch Lehrerverhalten hervorgerufen, z.B. laut Tiedemann (1995) über geschlechtsspezifisches Aufrufverhalten oder durch Benachteiligung von Jugendlichen aus Migrationsfamilien (Gomolla/Radtke 2003). Betrachtet man die unterschiedlichen Schulsysteme, zeigt sich besonders an Realschulen und Gymnasien eine zunehmende Heterogenität, während an Hauptschulen eher eine Homogenisierung stattfindet (Bohl 2003, S. 244). Ganz aktuell könnte der Wegfall der Schulempfehlung durch die Grundschulen ebenfalls diesen Effekt verstärken. Betrachtet man aber die Schulsysteme und die Schulorganisation wird auf den ersten Blick eigentlich versucht, durch Einteilung in verschiedene Schularten, Wahlmöglichkeiten von Leistungskursen und spezifische Niveauanpassung innerhalb einer Klasse, Heterogenität zu vermeiden und Homogenität zu erzeugen (Bohl 2003, S. 245).

2.1 Unterrichtskonzeptionen zum Umgang mit Heterogenität

Bohl (2003) unterscheidet zwischen sechs unterschiedlichen Unterrichtskonzeptionen, die aber nicht ganz überschneidungsfrei sind. Es handelt sich um „offener Unterricht, Individualisierung, Differenzierung, Adaptivität (…) kooperatives Lernen und selbständig/selbstorganisiertes Lernen“ (Bohl 2003, S. 249).

Im Folgenden werden die sechs Unterrichtskonzeptionen nach Bohl zitiert:

1. Offener Unterricht

„Offener Unterricht ist definiert durch ein hohes Ausmaß an Selbst- und Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Schüler/innen, etwa in organisatorischer, methodischer, inhaltlicher oder politisch-partizipativer Hinsicht. Zitiert nach Bohl: Umgang mit Heterogenität im Unterricht, S. 250“ (Bohl/Kucharz 2010).

2. Individualisierung

„Individualisierung umfasst das Auswählen und Bereitstellen individuell passender Lernangebote auf der Basis einer zuvor erfolgten Erfassung der Lernvoraussetzung einzelner Schüler/innen. Zitiert nach Bohl: Umgang mit Heterogenität im Unterricht, S. 250“ (Bohl/Kohler/Kucharz 2013).

3. Differenzierung

„Differenzierung besteht darin, geeignete Lernangebote für diese Gruppen auszuwählen und bereitzustellen. Die Lernvoraussetzungen, nach denen die Gruppen unterschieden werden, können vielfältiger Art sein (…) und immer wieder neu bestimmt werden. Zitiert nach Bohl: Umgang mit Heterogenität im Unterricht, S. 251“ (Bohl/Kohler/Kucharz 2013).

4. Adaptiver Unterricht

„Mit Adaptivität ist die Anpassung des Lernangebots an die individuellen Voraussetzungen der Lernenden gemeint. Adaptive Instruktion kann als >Sammelbezeichnung für den unterrichtlichen Umgang mit interindividuellen Differenzen< (Hasselnhorn/Gold 2009, S. 253) bezeichnet werden“ (Bohl 2003, S. 252).

5. Selbstorganisiertes Lernen

Laut der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Baden-Württemberg (2012) haben Schüler „das Ziel, selbstorganisiert zu lernen, dann erreicht, wenn sie eine ganze Themen- oder Unterrichtseinheit selbstverantwortlich und eigenständig erfolgreich bearbeiteten können (…) (und) die Lehrkräfte die von den Lernenden organisierten Arbeits- und Lernprozesse nur noch beraten und begleiten. Zitiert nach Bohl: Umgang mit Heterogenität im Unterricht, S. 251“

6. Kooperatives Lernen

„Im Kern zielt kooperatives Lernen auf eine doppelte Verantwortung der Schüler/innen: Sie sind verantwortlich für ihren eigenen Beitrag und für den gemeinsamen Gruppenbeitrag.“ (Bohl 2003, S. 253).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zwischen Frontalunterricht und Individualität im Klassenzimmer
Untertitel
Wie funktioniert guter Frontalunterricht?
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V264038
ISBN (eBook)
9783656532323
ISBN (Buch)
9783656534051
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Frontalunterricht, Heterogenität, Unterrichtsmethoden, Lehrerzentriert, Schülerzentriert
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Sven Langjahr (Autor), 2013, Zwischen Frontalunterricht und Individualität im Klassenzimmer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264038

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