Personenzentrierte Gesprächspsychotherapie

Hilfreiche Gespräche im Alltag!?


Seminararbeit, 2007

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Geschichte - Die Entwicklung der personenzentrierten

Gesprächspsychotherapie

3. Menschenbild

4. Notwendige Bedingungen
4.1. Empathie – Einfühlendes nicht wertendes Verstehen
4.2. Positive Wertschätzung – Akzeptieren
Emotionale Wärme
4.3. Echtheit - Selbstkongruenz
4.3.1. Selbstmitteilung

5. Der Prozess der Therapie

6. Anwendungsfelder des Personzentrierten Ansatzes – Praxis
6.1. Personzentrierter Ansatz in der Suchttherapie
6.2. Personzentrierter Ansatz in der Beratung
6.3. Personzentrierte Arbeit mit Gruppen und mit Paaren
6.4. Der Personzentrierte Ansatz in der Schule
und Erwachsenenbildung

7. Methodik: Minutengespräch.

8. Fortbildung

9. Beurteilung des Konzeptes.

10. Schlussbemerkung
10.1 Selbsterfahrung

Quellenverzeichnis

Vorwort

Das aktive Zuhören sehe ich als eine Gabe an. In Verbindung mit Empathie und Wertschätzung ist es ein großes Geschenk. Wer dies erfahren konnte, hat eine Quelle grenzenloser Kraft entdeckt. Durch das aktive Zuhören kommt man wieder in Kontakt mit sich selbst. Es ist ein (wieder) zulassen seiner eigenen Gefühle und Gedanken. Und man bekommt einen klaren Blick für das Wesentliche.

In dieser Arbeit verwende ich bewusst das Wort personenzentriert und nicht klientenzentriert, denn es war mir wichtig darzustellen, wie man den personenzentrierten Ansatz im Alltag verwirklichen kann. Der Einfachheit halber sollen Begriffe wie Therapeut, Berater sowie Helfer und auch Klient, Hilfesuchender, Kind oder Jugendlicher als geschlechts-neutral angesehen werden.

1. Einleitung

„Es ist im Leben sehr selten, dass uns jemand zuhört und wirklich versteht, ohne gleich zu urteilen. Dies ist eine sehr eindringliche Erfahrung.“[1]

In der folgenden Arbeit wird der Personenzentrierte Ansatz von Carl R. Rogers dargestellt und auf die Arbeit im Alltag sowie in der Beratung übertragen.

Die Therapieanleitung und seine Lebensphilosophie erarbeitete sich der Amerikaner in jahrelanger Detailarbeit und Analysen zahlreicher Beratungsgespräche. Daraus entwickelte er die Gesprächshaltung und die Kommunikationsformen welche einen Prozess fördern, der Menschen am stärksten in der Aktivierung ihrer persönlichen Ressourcen unterstützt und Raum für eigenverantwortliche Lösungen lässt. Des weiteren fand er Möglichkeiten wie Konflikte und Spannungen in Gruppen und Teams konstruktiv bearbeitet werden können.

Um einen kleinen Überblick über weitere angewandten Techniken in der Beratung und der Therapie zu erhalten, werde ich an dieser Stelle kurz einige benennen, wie NLP, die Gestalttherapie, die Verhaltenstherapie, Transaktionsanalyse oder die Psychoanalyse.

Mit der Bezeichnung für seine Therapieform haderte Rogers lange. Zu Beginn nannte er sie nicht-direktive Psychotherapie, später nannte er sie klientenzentrierte und noch später personenzentrierte Gesprächspsychotherapie, da es ihm wichtig war, dass der Mensch im Vordergrund steht und nicht die Methode.

Der personenzentrierte Ansatz hat weltweit große Resonanz gefunden, sowie erheblichen Einfluss auf nahezu alle Bereiche der psychosozialen und pädagogischen Arbeit ausgeübt.

Da der personenzentrierte Ansatz eine Grundhaltung darstellt, sollte man ihn überall im täglichen Leben einsetzen können, oder etwa nicht?

Warum haben wir das miteinander reden und das zuhören verlernt? Wie kann man Kommunikation und die zwischenmenschliche Beziehung fördern?

An dieser Stelle möchte ich zwei Aussagen von Rogers, die das Verständnis für dieses Konzept fördern sollen, gegenüberstellen:

„Die Person, die den Reaktionen anderer gegenüber stumpf bleibt, die nicht merkt, dass ihre Bemerkungen beim anderen Freude oder Traurigkeit hervorrufen, die nicht spürt, ob zwischen ihr und anderen oder zwischen zwei ihr bekannten Menschen eine feindselige oder eine freundliche Beziehung besteht, kann kaum ein guter Berater werden.“

„Bei meiner Arbeit als Therapeut habe ich sehr früh entdeckt, dass dem Klienten einfach zuhören, und zwar sehr aufmerksam, eine ganz wichtige Art desHelfens ist. Wenn ich mir nicht im klaren war, was ich aktiv tun sollte, dann hörte ich einfach zu. Es hat mich überrascht, dass eine solch passive Artder Interaktion so nützlich sein konnte.“

Wie reagiert der Mensch im Alltag auf solch eine Art von Gespräch? In welchen Fällen kann man den personenzentrierten Gesprächsansatz verwenden?

Die personenzentrierte Beratung kann eine wichtige Rolle spielen, so zum Beispiel im Schulalltag, im Personalwesen oder bei der Suchtberatung. Qualifizierte Beratungsarbeit ist heute in vielen beruflichen Arbeitsfeldern gefragt. Das beratende Gespräch wird in allen sozialarbeiterischen und sozialpädagogischen Bereichen zunehmend ein wesentlicher und eigenständiger Teil professionellen Handelns. Also wiederhole ich an dieser Stelle die interessanteste und wichtigste Frage dieser Studienarbeit noch einmal: Ist der personenzentrierte Gesprächsansatz im Alltag anwendbar?

2. Geschichte – Die Entwicklung der personenzentrierten
Gesprächspsychotherapie

Die Entwicklung der Gesprächspsychotherapie, auch Klientenzentrierte Therapie oder nicht-direktive Beratung oder Personzentrierte Psychotherapie genannt, ist eng mit dem Menschenbild ihres Begründers Carl R. Rogers verbunden.

In Deutschland wurde die personenzentrierte Gesprächspsychotherapie hauptsächlich durch Reinhard und Anne-Marie Tausch während der 60er Jahren bekannt.

Der von einem humanistischen Menschenbild geprägte Personenzentrierte Ansatz Rogers findet immer mehr Verwendung in der Beratung. Die Therapieansätze sind die bisher am besten erforschten und wurden von Rogers über Jahrzehnte angewandt und verbessert.

Carl Ransom Rogers, geboren am 08. Januar 1902, war eines von sechs Kindern mit extrem puritanischen[2] und konservativen[3] Eltern, welche eine strikte religiöse und ethische Überzeugung vertraten. Er studierte zuerst Agrarwissenschaft, danach Theologie.

Er bekam Zweifel an den religiösen Zwängen, besonders ausschlaggebend für sein Abwenden vom protestantisch christlichen Glauben war dessen Grundansicht, dass der Mensch von Grund auf sündhaft sei. Er selbst ging aber von einem positiven Menschenbild aus. Diese Annahme war für die spätere Entwicklung seiner Theorie von immenser Bedeutung.

So beschreibt Pervin zwei Tendenzen, die sich widerspiegeln. Zum Einen „... die Beschäftigung mit religiösen und ethischen Fragen...“ und zum anderen „... der Respekt vor wissenschaftlichen Methoden.“[4]

Sein Studium beschreibt Rogers als „aufsaugen“ der bestehenden Theorien. Er lernt das Spannungsfeld zwischen Subjektivität und klinischer Objektivität kennen. Er fühlt sich in verschiedene Richtungen gezogen und versucht über Jahre mehrere Elemente in Einklang zu bringen. „... das religiöse mit dem wissenschaftlichen, das intuitive mit dem objektiven, das klinische mit dem statistischen.“[5]

Nachdem er ein Studium in den Agrarwissenschaften und in der Theologie abgebrochen hatte promovierte er zum Doktor der Psychologie. Zu dieser Zeit arbeitete er schon in der Erziehungsberatung und mit missbrauchten Kindern. Er sammelte Erfahrungen bei der praktischen Arbeit in der Therapie und Diagnostik mit Kindern und Jugendlichen. Rogers war zwölf Jahre lang als klinischer Psychologe psychotherapeutisch und beratend tätig.

Von 1940 bis 1963 lehrte er an drei amerikanischen Universitäten als Professor für Psychologie.

Dadurch erhielt er die Möglichkeit zu intensiver wissenschaftlicher Forschungsarbeit. Seine Beobachtungen über den Zusammenhang zwischen personzentrierter Haltung und konstruktiven Persönlichkeitsveränderungen konnten auf diese Weise mit einer Fülle von empirischen Untersuchungen überprüft und in den wesentlichen Punkten bestätigt werden.

Rogers fühlte sich dem Denken John Deweys verpflichtet und wurde unter anderem durch die Theorien von Otto Rank beeinflusst. Später wies er auch auf die geistige Nähe seiner Arbeit zur fernöstlichen Philosophie und zu bestimmten Aspekten des Zen-Denkens hin.

Carl Ransom Rogers ist im Jahre 1987 verstorben.

Die personenzentrierte Gesprächspsychotherapie bzw. die Klientenzentrierte Psychotherapie gehört mittlerweile zu den verbreitetsten psychologischen Therapiemethoden. Konservativ

Der Personzentrierte Ansatz wird auch in der Beratung und Supervision angewandt.

„Die Entwicklung des Personzentrierten Ansatzes begann im Kontext von Beratung und Therapie. In den letzten 50 Jahren konnten Erkenntnisse und Erfahrungen darüber gesammelt werden, in welchen Lebens- und Arbeitszusammenhängen der Personzentrierte Ansatz hilfreich und wirkungsvoll ist.“[6]

„Während es sich bei der direktiven (vorwiegend analytischen und diagnostischen) Psychotherapie um eine Beziehung handelt, die durch ein starkes Autoritätsgefälle vom Psychotherapeuten zum Patienten gekennzeichnet ist, wird die nicht-direktive Beratung als ein partnerschaftliches Verhältnis beschrieben, in dem der Berater dem Klienten zu einer Freisetzung seines schöpferischen Problemlösungspotentials verhilft.“[7]

Die Personenzentrierte Beratung vertritt

das Prinzip der positiven Beziehungsgestaltung, das Prinzip des Nichtlenkens, das Prinzip des Gewährens und Akzeptierens, das Prinzip des Erkennens und Reflektierens der Gefühle, das Prinzip der Förderung von Problemlösekompetenzen, das Prinzip des Begrenzens sowie das Prinzip der Echtheit.

„Das Ziel der Gesprächspsychotherapie ist es, dem Patienten zu helfen, eine Kongruenz[8] zwischen seinen Gedanken und Gefühlen in Bezug auf sich selbst und den Beobachtungen seines eigenen Verhaltens zu erreichen. Um diese Deckungsgleichheit zwischen Gefühlen und Fakten zu erzielen, ist es nötig, das der Betreffende ein positives Selbstkonzept und die Bereitschaft entwickelt, mehr Aspekte des eigenen Selbst zur Kenntnis zu nehmen.“[9]

3. Menschenbild

Das Menschenbild der personenzentrierten Gesprächspsychotherapie ist durch Carl R. Rogers humanistisch geprägt.

„Der Mensch suche seine Anlagen und Talente auszuschöpfen und zu entfalten, aber er werde oft durch soziale Kräfte der Zustimmung und Ablehnung gebremst, die ihn zwingen, Aspekte seiner Selbst zu verleugnen, und dadurch die Entwicklung seines wahren Selbst verhindern.“[10]

Die zentralen Leitgedanken der Humanistischen Psychologie sind die Förderung der Selbstentfaltung, den Umgang der Menschen miteinander menschlicher zu gestalten, die Psychotherapie aus erstarrten Regeln zu befreien, sowie auch Kontakt und offene Begegnung hochzuschätzen.

„Der Personzentrierten Gesprächspsychotherapie liegt die Überzeugung zugrunde, dass jeder Mensch die Fähigkeit in sich trägt, sich konstruktiv zu entfalten und zu entwickeln. Diesen Prozess nennt man „Selbstaktualisierung“. Er kann durch unterschiedliche Einflüsse und Erfahrungen so gestört werden, dass sich erhebliche Probleme in der Lebensbewältigung ausbilden – bis hin zu seelischen Erkrankungen.“[11]

Die angeborene Selbstverwirklichungstendenz sorgt für eine Weiterentwicklung und Reifung der Persönlichkeit. Der Mensch trägt alles zu seiner Heilung Notwendige in sich und ist selbst am besten in der Lage, seine persönliche Situation zu analysieren und Lösungen für seine Probleme zu erarbeiten.

Rogers geht davon aus, wenn ein Individuum während seiner Entwicklung ungünstige bzw. negative Erfahrungen macht, kommt es zu destruktiven Einstellungen und Handlungen. Unsoziales Handeln und Aggressionen werden durch seine Umweltbedingungen verstärkt. Mit einer solchen Aussage widerlegt Rogers die Freudsche Libidotheorie, nach der Lebens- und Todestrieb angeboren sind und die Aufgabe des Menschen darin besteht, diesen angeborenen Aggressions-Destruktionstrieb in die richtige Bahn zu lenken. Für Rogers ist das Bewusstsein transparent. Er vertraut auf das Gute im Menschen.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen hier bei der Wahrnehmung der Welt, insbesondere des Selbst und dem Prozess der Veränderung.

Rogers personenzentrierte Therapie orientiert sich an der Erlebniswelt des Einzelnen. Diese nicht-direktive Orientierung lässt dem Hilfesuchenden den Verlauf der Beratung bestimmen und Selbstinitiative im Gespräch zu ergreifen, da der Berater auf Ratschläge und Deutungen verzichtet. Jeder Mensch verfügt über einen angeborenen Bewertungsmaßstab, anhand dessen er einschätzen kann, was gut oder schlecht für ihn ist. Psychische Probleme entstehen erst dann, wenn die natürliche Tendenz zur Selbstverwirklichung und das durch Erfahrung und Bewertung ausgebildete Selbstkonzept nicht übereinstimmen. Es kommt zur Inkongruenz[12].

4. Notwendige Bedingungen

In der personenzentrierten Gesprächspsychotherapie ist es wichtig einige grundlegende Haltungen zu erlernen und zu beherrschen. Es handelt sich hierbei um Fähigkeiten die jeder Mensch in sich trägt, bei den einen sind sie stärker ausgeprägt, bei den anderen weniger. Wichtig ist jedoch das man sich mit den notwendigen Bedingungen der personenzentrierten Gesprächspsychotherapie auseinandersetzt.

„Das Training nicht-direktiven Gesprächsverhaltens hat generalisierende Effekte auf das Verhalten überhaupt [...] (Es) führt durch den stabilisierenden Kommunikationsgewinn zu einem persönlichen Wachstum überhaupt ... und damit zu einer größeren Angstfreiheit in der Konfrontation mit Neuem.“[13]

Die personenzentrierte Gesprächspsychotherapie unterscheidet sich „... in ihren praktischen Vorgehen und in ihrem theoretischen Konzept ... (sehr) von anderen Psychotherapieformen. Der Schwerpunkt liegt auf der Anerkennung der persönlichen Einzigartigkeit des Klienten, der Respektierung seines Fühlens, der Nicht-Dirigierung durch den Psychotherapeuten.“[14]

Die Äußerungen des Therapeuten sollen dem Hilfesuchenden einfühlsame Nähe zu seinem Erleben vermitteln und sollen ihm helfen, nicht wahrgenommene Aspekte seiner Selbst und/oder von Situationen zu integrieren. Damit wird gefördert, dass er sich möglichst uneingeschränkt akzeptiert.[15]

[...]


[1] ROGERS 1980

[2] Puritanisch: abstinent, anspruchslos, einfach

[3] Konservativ: altmodisch, bodenständig, unverändert, bleibend

[4] PERVIN 2005: 216

[5] PERVIN 2005: 217

[6] GWG 2007: 20

[7] VON KRIEGSTEIN 1977: 20 - 21

[8] Kongruenz: Übereinstimmung, eine Deckung mit den eigenen Normen und Gefühle

[9] KRECH u.a. 2006 Band 6: 147

[10] KRECH u.a. 2006 Band 6: 102

[11] GWG 2007: 4

[12] Inkongruenz: Deckungsungleich; hier decken sich Erfahrung und eigene Normen nicht

[13] VON KRIEGSTEIN 1977: 8 - 9

[14] TAUSCH 1990: 25

[15] Vgl. FU-BERLIN

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Personenzentrierte Gesprächspsychotherapie
Untertitel
Hilfreiche Gespräche im Alltag!?
Hochschule
Hochschule Ravensburg-Weingarten  (Soziale Arbeit)
Veranstaltung
Kommunikation und Gesprächsführung
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V264130
ISBN (eBook)
9783656532743
ISBN (Buch)
9783656535423
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Personenzentrierte Gesprächspsychotherapie, hilfreiche Gespräche, Empathie, Akzeptanz, Echtheit, Selbstkongruenz, Therapie, Gesprächsführung, Haltung, Gesprächsansatz, klientenzentrierte Therapie, nicht-direktive Beratung, Personenzentrierte Psychotherapie, Carl R. Rogers, Reinhard und Anne-Marie Tausch, peronenzentrierter Ansatz, Anwendungsfelder, Suchttherapie, Beratung, Gruppentherapie, Paartherapie, Fortbildung GWG, Sitzung, Psychologie, Kommunikation, Soziale Arbeit, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Tausch, Rogers
Arbeit zitieren
Nicole Wegmann (Autor), 2007, Personenzentrierte Gesprächspsychotherapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264130

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Personenzentrierte Gesprächspsychotherapie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden