Burn-Out Potenziale im Dualen Studium


Studienarbeit, 2013
42 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Burn-Out?
2.1 Ist Burn-Out eine Krankheit oder eine Modeerscheinung?
2.2 Der Burn-Out-Zyklus nach Freudenberger und North
2.3 Gründe des Ausbrennens

3 Wer kann betroffen sein?
3.1 Gefährdete Personen
3.2 Studenten als mögliche Gefährdete

4 Empirische Befragung: Macht studieren krank?
4.1 Auswertung der Umfrage
4.2 Erkenntnis der Befragung

5 Vorbeugende Maßnahmen
5.1 Work-Life-Balance: Das richtige Gleichgewicht finden
5.2 Präventionen aus studentischer Sich

6 Fazi

Literaturverzeichnis

Internet-/Intranetverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

„Ich kann nicht mehr, fühle mich ausgebrannt.“ Burn-out. Kein weiteres Krankheitsbild beschäftigt die Arbeitswelt derzeit so sehr wie dieses. Psychoanalytiker Herbert Freudenberger gab im Jahr 1974 in seinem Artikel in der Zeitschrift „Journal of Social Issues“ dem Phänomen Burn-Out seinen Namen. Freudenberger bezog sich vor allem auf Beobachtungsergebnisse an seiner Person und auf Beobachtungen bei ehrenamtlich engagierten Mitarbeitern.[1]

Zahlreiche Artikel und Dokumentationen intensivierten die Diskussionen über das Thema. Die Diskurse gehen mittlerweile über das ursprüngliche Burn-Out-Bild einer überarbeiteten Krankenschwester oder einer ausgelaugten Führungskraft hinaus. So werden neben der immer schneller werdenden Arbeitswelt auch die jüngeren Jahrgänge genauer betrachtet. Man stellt fest, dass hier eine deutliche Veränderung zu erkennen ist. In der Schule und auch im Studium wird mehr verlangt und das in immer kürzeren Zeitabschnitten. So dezimierte das Schulsystem jüngst den Weg zum Abitur von 13 Schuljahre auf zwölf. Hiervon ausgenommen ist das Bundesland Rheinland-Pfalz, da ist es lediglich ein Versuchsprojekt an Ganztagsschulen. Neben den Schülern stehen zudem die Eltern unter steigendem Druck.[2] Je besser die Noten sind, umso größer ist die Chance auf dem Arbeitsmarkt, einen gut bezahlten Job zu bekommen. Es gestaltet sich nun folgende Ausgangssituation: Zwischen Schule und dem Einstieg in das Berufsleben steht in der Regel entweder eine Ausbildung oder ein Studium. Eine Alternative bietet das Duale Studium. Dieses verknüpft beide Varianten miteinander. Zum einen verdienen die Studenten neben dem Studium Geld und zum anderen können sie bereits während des Studiums Praxiserfahrungen sammeln, welche beim Einstieg in das Berufsleben von Vorteil sind.

Die Autorin befindet sich derzeit im vierten Semester ihres Studiums und konnte unter den Kommilitonen des Studienjahrgangs Betriebswirtschaftslehre/Immobilienwirtschaft 2011 eine auffällige Entwicklung beobachten. Krankmeldungen beziehungsweise krankheitsbedingte Fehltage häuften sich zum Ende des vierten Theoriesemesters spürbar. Studenten klagten über das Gefühl völliger Erschöpfung, Motivationslosigkeit und zweifelten den Sinn des Studiums stark an. Sie klagten über „zu viel Stoff“ in „zu wenig Zeit“ und dem damit verbundenen „Bulimielernen“. Gleichzeitig veränderten sich Dauer sowie Art der Beschwerden. Studenten, welche selten krankheitsbedingt ausfielen, waren zuletzt Wochen krankgeschrieben. Diesen Beobachtungen entsprechend soll in dieser Studienarbeit untersucht werden, inwiefern das Burn-Out-Syndrom eine ernst zu nehmende Gefahr für duale Studenten darstellt. Anhand von Fakten wird analysiert, ob und welche Burn-Out-Potenziale das Duale Studium in sich birgt. Unterdessen wird angenommen, Studenten würden erste sowie ernst zu nehmende Anzeichen aufweisen. Diese These wird mittels einer Umfrage untersucht und belegt beziehungsweise widerlegt. Vorab wird auf die Thematik des Syndroms eingegangen und erklärt was Burn-Out ist.

Das Ziel dieser Studienarbeit ist es, eine Handlungsempfehlung für die psychologischen Betreuer der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin abzugeben sowie einen Beitrag zur Aufklärung unter den Studenten über dieses Syndrom zu leisten. Den Beobachtungen entsprechend ist es wichtig, Studenten für das Thema zu sensibilisieren und Möglichkeiten aufzuzeigen, Burn-Out-Symptomen präventiv entgegenzuwirken.

2 Was ist Burn-Out?

Zurückzuführen ist die Begriffsprägung in das Jahr 1974, als der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger in seiner Publikation für die Zeitschrift „Journal of Social Issues“ den Symptomen einen Namen gab.[3]

Übersetzt bedeutet „to burn out“(engl.) ausbrennen.[4] Nach Maslach und Jackson (1984) ist Burn-Out ein Zustand emotionaler Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit.[5] Tatsächlich gibt es auch nach fast 30 Jahren noch keine allgemein gültige Definition und die Meinungen zu diesem Themengebiet sind vielfältig. Ferner stellt sich, nicht nur für Betroffene, die Frage wie das Syndrom einzuordnen ist.

2.1 Ist Burn-Out eine Krankheit oder eine Modeerscheinung?

Die einen meinen, dahinter stünde lediglich eine Depression, andere sind hingegen der Auffassung, es sei eine durch die Presse erschaffene Volkskrankheit. In diesem Unterkapitel soll dementsprechend die Frage geklärt werden: Was bedeutet der Begriff und wie können Laien ihn richtig zuordnen?

Der Begriff Burn-Out ist mittlerweile vor allem unter den Berufstätigen bekannt. Grundsätzlich kann die Masse diesen Ausdruck einordnen, da dieser medienseitig zunehmend ein beliebtes Thema ist. Fraglich ist jedoch, ob sich die Definitionen decken und welche von den vielen gehörten und gelesenen die Richtige ist. Um dies herauszufinden muss zuerst geklärt werden: Ist Burn-Out eine Krankheit oder doch nur eine Modeerscheinung, welche durch die Medien geprägt und gefördert wird?

Zum jetzigen Zeitpunkt sind sich Forscher, Mediziner und Psychologen nicht einig, wie Burn-Out konkret einzuordnen ist. Jeder vertritt zu dem Thema seine eigene, ganz persönliche Meinung. Diplom-Psychologin, spezialisiert auf Psycho- und Verhaltenstherapie, äußerte: Burn-Out sei keine Krankheit. Belegt wird dies mit dem Fakt: Burn-Out ist keine international anerkannte Erkrankung.[6]

Gegenwärtig ist Burn-Out nicht als eigenständige Krankheit klassifiziert. „Das deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) ist eine nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums für Gesundheit“ und „bietet über das Internet fundiertes Medizinwissen.“[7] Eine der Aufgaben des DIMDI ist die „Herausgabe von amtlichen Klassifikationen“[8], darunter auch die ICD-10-WHO. Hinter der Abkürzung ICD-10-WHO steht: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, 10. Revision der World Health Organisation.[9] In der Version 2013, welche am 09.11.2012 aktualisiert wurde, sind unter Kapitel XXI die „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen, (Z00-Z99)“ aufgeführt. Weiter werden in Z73 die „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensführung“ deklariert. Burn-Out und der „Zustand der totalen Erschöpfung“ sind lediglich der Subkategorie Z73.0 „Ausgebranntsein“ untergeordnet.[10] Somit wird deutlich, dass Burn-Out keine eigenständig anerkannte Krankheit ist. Vielmehr wird das Ausbrennen als „Depression“ oder „Neurasthenie“ diagnostiziert.[11] Neurasthenie ist eine neurotische Störung und kennzeichnet sich dadurch aus, dass nach leichten geistigen, als auch körperlichen Anstrengung Erschöpfungszustände eintreten.[12] Ausdruck einer Depression ist die negative Lebensgrundeinstellung der Betroffenen. Sie fühlen sich antriebslos, freudlos und haben zudem überwiegend starke Minderwertigkeitskomplexe. Das Leben stellt für die Erkrankten eine Überforderung dar, welche von Schlafstörungen begleitet werden.[13] Diese Indizien ähneln den Symptomen des Burn-Outs. Eine detaillierte Erläuterung bezüglich der Symptome erfolgt anschließend in Kapitel zwei Abschnitt zwei.

Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, kritisiert Burn-Out als eine Modeerscheinung und ist der Auffassung, Depressionen stünden dahinter. Dies deckt sich mit der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation, worin Burn-Out lediglich als Zusatzdiagnose vermerkt ist. Aus diesem Grund warnt Prof. Dr. Ulrich Hegerl vor einer Unterschätzung des Begriffs und einer falschen Diagnose sowie den daraus folgenden Therapien. Diese können bei fehlerhaftem Befund den Gesundheitszustand mitunter verschlechtern, statt ihn zu verbessern. So kann irrtümlich angenommen werden, Ruhe und viel Schlaf würden den Zustand verbessern. Läge jedoch eine Depression vor, würde der gegenteilige Effekt eintreten.[14]

Vorherrschend manifestiert sich die Ansicht, das Burn-Out-Syndrom sei keine Krankheit. In Anbetracht der Tatsache einer möglichen Fehldiagnose ist eine konkrete Begriffsklärung in der Medizin dringend erforderlich. Zu dieser These äußerte sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Er vertritt die Ansicht, Burn-Out wäre mehr als eine Modeerscheinung und durchaus ernst zu nehmen.[15]

1985 positionierte sich der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger. Demnach ist Burn-Out weder eine Krankheit, noch eine Modeerscheinung – vielmehr ein Gefühlszustand. Er definiert das Ausbrennen wie folgt: „Burn-Out ist ein Energieverschleiß, eine Erschöpfung aufgrund von Überforderungen, die von innen oder von außen – durch Familie, Arbeit, Freunde, Liebhaber, Wertsysteme oder die Gesellschaft – kommen kann und einer Person Energie, Bewältigungsmechanismen und innere Kraft raubt. Burn-Out ist ein Gefühlszustand, der begleitet ist von übermäßigem Streß, und der schließlich persönliche Motivationen, Einstellungen und Verhalten beeinträchtigt.“[16]

2.2 Der Burn-Out-Zyklus nach Freudenberger und North

Um zu prüfen, inwiefern Studenten für das Burn-Out-Syndrom anfällig sind, ist es notwendig zu Beginn den Burn-Out-Prozess darzustellen. Dies erfolgt anhand des Burn-Out-Zyklus von dem bereits genannten Psychoanalytiker Herbert Freudenberger. Der Begriffsbegründer und die Schriftstellerin Gail North stellten im Jahr 1985, angesichts der Komplexität des Syndroms, ein zwölf-Phasen-Modell auf. Anhand dessen wird die Entwicklung von den ersten Symptomen bis hin zur vollständigen Burn-Out-Erschöpfung dargestellt.

Der beschriebene Burn-Out-Zyklus wird anhand des Burn-Outs bei Frauen beschrieben. Diverse Fachliteraturen beschäftigen sich mit dem Ablauf des Syndroms, sodass dieser verallgemeinert auf beide Geschlechter angewendet werden kann. Vorab zu erwähnen sei, dass sich die folgend genannten Phasen vermischen können. Nicht jedes der folgenden Symptome muss zwingend einen Burn-Out auslösen, geschweige denn so im Verlauf auftreten. Die folgende Abbildung des zwölf-stufigen Kreislaufs veranschaulicht die Symptome in den jeweiligen Phasen.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Freudenberger und North (1992): der „Burn-Out-Zyklus“, S. 123.

Das erste Stadium, welches nur sehr schwer erkannt wird, ist der „Zwang sich zu beweisen“.[18] „Häufig ist es gekennzeichnet durch eine verbissene Entschlossenheit zu Erfolg, Leistung und Eroberung sowie durch Einsamkeitsgefühle, ausgelöst durch übertriebene Erwartungen an sich selbst.“[19] Im zweiten Stadium wird der verstärkte Einsatz beschrieben. Wobei der Arbeit, diversen Projekten und Verantwortung im Beruf sowie Privatleben eine größere Bedeutung zugeschrieben wird. In Folge dessen liegt verstärkt der Druck und die Konzentration auf dem Erreichen der festgesetzten Ziele. Grund dafür ist das steigende Bedürfnis sich zu beweisen. Aus diesem übermäßigen Einsatz wächst die Angst, den Anforderungen nicht gerecht zu werden und zuvor verdrängte Unsicherheiten können wieder auftreten. Dies begünstigt wiederum den „Verleugnungszirkel“, wodurch der Druck weiter anwächst. „Subtile Vernachlässigungen eigener Bedürfnisse“ kennzeichnen die dritte Phase.[20] Ein Hauptmerkmal des Syndroms stellt die „reduzierte Aufmerksamkeit für sich selbst und die persönlichen Bedürfnisse“[21] dar. Durch den verstärkten Einsatz bei der Arbeit, und dabei sich zu beweisen, rücken persönliche Bedürfnisbefriedigungen in den Hintergrund und werden als unwichtig bis hin zu störend empfunden. Es verschwindet der Anspruch, sich Zeit für die eigene Person zu nehmen. Alltägliche Aufgaben werden verschoben, beziehungsweise verdrängt und letztendlich vergessen.[22] Grundlegend „für das Verständnis der Funktionsweise des Symptomzyklus“[23] ist das vierte Stadium. In diesem treten die „Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen“ als Merkmale auf. Sowohl Außenstehenden als auch dem Betroffenen selbst werden eine Persönlichkeitsveränderung bewusst. Dies führt zu weiteren inneren Konflikten, wovon sich der Betroffene allein nicht lösen kann. Durch das Verleugnen der Ängste und dem Unterdrücken der inneren Konflikte entstehen Bewältigungsmechanismen, welche das Eingestehen des eigenen mitunter kritischen Zustandes verhindern. In Folge dessen werden weitere Wege gesucht, um die Bedürfnisunterdrückung zu rechtfertigen und bestehende Konflikte weiterhin zu verdrängen. Gelingt es, die Bemühungen und die Bedürfnisse zu verdrängen, kann dies umgehend zu einer „Umdeutung von Werten“ führen. Im Anschluss folgt das fünfte Stadium. Desorientierung und Verwirrung unterstreichen dabei die vorwiegenden Gefühle dieser Phase. Die Fähigkeit, den Unterschied zwischen wichtigen und unwichtigen Lebensinhalten zu erkennen, nimmt in diesem Stadium ab. Das Umdeuten kann sich unter anderem auf ein gefälschtes Zeitgefühl auswirken. Mögliche Reaktionen wären das Absagen von Verabredungen, mit der Begründung dafür keine Zeit zu haben. Private Feiern würden auf den nächsten Monat oder sogar bis in das nächste Jahr verschoben. Durch den Druck, den Ansprüchen der Aufgaben nicht mehr gerecht zu werden, schränken die Betroffenen jegliche Freizeit komplett ein und bestrafen sich sozusagen selbst. Charakteristisch für das sechste Stadium ist eine „verstärkte Verleugnung der auftretenden Probleme“.[24] „Die Verleugnung ist eine der hervorstechendsten Eigenschaften der Burn-Out-Erfahrung.“ [Betroffene] „nehmen sich nicht bewusst vor, Empfindungen, starke Gefühle, Ängste oder Enttäuschungen zu verleugnen – sie schützen sich damit unbewusst vor den Schattenseiten und Anforderungen des Lebens.“[25] Die subtilen Vernachlässigungen der dritten Phase steigern sich zunehmend, sodass sich Stadium Drei durch die Verleugnung zu Stadium Sechs entwickelt. Tatsächlich verändert die starke Vernachlässigung eigener Bedürfnisse das Weltbild maßgeblich. Je stärker die Verleugnung, desto weniger hören Betroffene richtig hin. Sie funktionieren nur noch, statt zu Leben und die Umwelt bewusst wahrzunehmen. Selbstisolierung und Intoleranz gegenüber neuen Ideen und der eigenen Person sind daraus entstehende Hauptmerkmale. Die Symptome führen dazu, dass sich die Leidtragenden anschließend zurückziehen. Stadium Sieben, der „Rückzug“, ist durch das zunehmende Distanzieren von der Umwelt bis hin zur Verleugnung von Gefühlen gekennzeichnet. Aus Selbstschutz werden Betroffene zynisch und ziehen sich immer weiter zurück, da sie sich orientierungs- und hoffnungslos fühlen.[26] Eine Folge dessen ist die nahezu vollständige Isolation von der Gesellschaft. In dieser achten Phase, der „beobachtbaren Verhaltensänderungen“, wird keine Kritik vertragen und jegliche Äußerungen, zugleich Zuwendungen von Außenstehenden, falsch interpretiert. Dies fällt neben dem Betroffenen auch dessen Freunden und Bekannten unmittelbar auf.[27] Ein verstärkter Ausdruck des Rückzugs ist in der neunten Phase, der „Depersonalisation“, das Verlieren der eigenen Person. Neben dem Verlust der Prioritäten, dem Kontakt zum Körper und vor allem der eigenen Persönlichkeit werden die Bedürfnisse anderer Personen vernachlässigt. Der Betroffene funktioniert lediglich und interessiert sich weder für sich noch für andere. Sie leben ausschließlich in der Gegenwart. Das heißt der vorausschauende Blick in die Zukunft ist verloren gegangen.[28] „Im Zustand der Depersonalisation lauert die innere Leere.“[29] Ein ausgeprägtes Merkmal in Stadium Zehn ist die Übermäßigkeit. Leidtragende neigen dazu, ihre Leere kurzfristig zu befriedigen. Diese Befriedigung kann unter anderem durch Nahrung, Drogen und Sex erreicht werden. Folgenschwer wird die Leere nur für einen kurzen Zeitraum gefüllt. Ohne Hilfe von außen schaffen es die Betroffenen nicht mehr aus diesem Zustand herauszukommen. Nicht zuletzt wird die große Tragweite der vorangegangenen Stadien in der elften Phase deutlich. Hier ist die Depression das Alarmsignal.[30] „Verzweiflung und Erschöpfung sind die vorherrschenden, wenn nicht sogar die einzigen Gefühle.“[31] Aus der Motivationslosigkeit resultiert das Hauptmerkmal der „Wunsch nach Dauerschlaf“.[32] Wie bei den anderen Stadien wirkt sich die Depression bei jedem Menschen unterschiedlich aus. So neigt eine Person dazu, vermehrt zu essen und eine andere verweigert hingegen die Nahrungsaufnahme. Grundsätzlich sind die Meisten jedoch ohne Hoffnung und spielen mit suizidalen Gedanken. Der Antrieb, sich um sich selbst zu kümmern, geht in diesem Stadium verloren. Dies kann sich darin äußern, dass man nicht mehr einkauft oder Wäsche wäscht, beziehungsweise die Körperpflege gänzlich vernachlässigt.[33] Höhepunkt des Burn-Out-Zyklus ist Stadium Zwölf: die „völlige Burn-Out-Erschöpfung“. Wer sich an diesem Punkt befindet, ist dringend angehalten „professionelle Hilfe … in Anspruch zu nehmen“, denn die „geistige und körperliche Erschöpfung … ist lebensgefährlich.“[34] Die anfänglichen Zwänge, sich zu beweisen und anderen gerecht zu werden, sind durch die Sinnlosigkeit, Gestaltlosigkeit und Farblosigkeit des eigenen Lebens verdrängt und ersetzt worden.[35] Die Betroffenen sind in der Endphase „anfällig für alle streßbedingten Krankheiten, von Herz- und Kreislauferkrankungen bis zu Magen-Darm-Krankheiten“.[36] In Folge dessen ist mitunter ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich.[37]

Festzuhalten sei, dass „viele der in den zwölf Stadien beschriebenen Symptome normale und sogar gesunde Reaktionen auf das Auf und Ab des modernen Lebens sein können.“[38] Im Übrigen muss nicht jeder, der sich eventuell in den anfänglichen Stadien des Zyklus befindet, die kritischen Phasen erleben. Zudem besteht die Möglichkeit, dass der Eindruck entsteht, als würde man sich in einer dieser Stadien befinden. Jedoch sind das in der Regel Reaktionen auf Geschehnisse, welche nicht zwingend Besorgnis erregend sind.[39] Dieser, wie der von Freudenberger genannte Gefühlszustand, entwickelt sich nicht von allein. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Burn-Out bei einem Menschen ausgelöst werden kann.

2.3 Gründe des Ausbrennens

Charakteristisch „sind körperliche und emotionale Erschöpfung, anhaltende physische und psychische Leistungs- und Antriebsschwäche sowie der Verlust der Fähigkeit, sich zu erholen.“[40] Doch die Ursachen, welche die totale Erschöpfung auslösen, sind bei jedem unterschiedlich. Was den einen Menschen stresst, bemerkt unter Umständen ein anderer nicht einmal. Schlussfolgernd sind die Belastungsniveaus bei jedem Menschen unterschiedlich.

Individuelle Gründe können „persönliches Streben nach Perfektion, [ein] ausgeprägtes Helfersyndrom [und] übersteigerter Ehrgeiz“ sein. Aber auch „der intensive Wunsch, subjektiv empfundene Defizite auszugleichen, die Unfähigkeit der Abgrenzung gegenüber den Wünschen und Bitten anderer und ein mangelndes Selbstbewusstsein“[41] können Ursachen für das Ausbrennen sein.

Belastend für jeden Organismus ist Stress. Dieser Begriff wird in einem Atemzug mit dem Burn-Out-Syndrom in Verbindung gebracht und ist sehr vielfältig. Denn Stress kann viele Facetten haben, obendrein suggeriert nicht jeder Stress sofort einen Burn-out. Stressoren können eine Diskussion mit dem Partner, Unstimmigkeiten unter Kollegen oder dem Chef sein. Selbst alltägliche Vorkommnisse, wie Stau auf dem Weg nach Hause, lösen Stress aus. Termin- und Zeitdruck sowie vor einem Auditorium gehaltende Präsentationen können weitere Belastungen sein. Allgemein wird Stress äußerst subjektiv empfunden. Betroffene befinden sich in einem für sie unangenehmen Zustand,[42] den sie „weder vermeiden noch in [ihrem] Sinne beeinflussen“[43] können. Bei den Leidtragenden spielen abgesehen von den inneren Faktoren, der Persönlichkeit, auch äußere Faktoren, die Umwelt, eine entscheidende Rolle. Während die einen aufgrund ihres leistungsorientierten Wesens ermüden, halten andere dem äußeren Druck nicht stand.[44] Äußere Auslöser liegen hingegen nicht - wie oftmals angenommen - ausschließlich in der Arbeitswelt oder im Studium. Neben den beruflichen Faktoren dürfen die privaten Ereignisse nicht ungeachtet bleiben. Die Arbeit allein lässt einen Betroffenen nicht ausbrennen. Treten jedoch zusätzliche Belastungen, etwa der plötzliche Tod eines geliebten Menschen oder der Verlust des Partners auf, so steigt das Risiko in den Burn-Out-Prozess zu geraten.[45]

[...]


[1] Vgl. imedo GmbH (2013), 1. Abschnitt (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[2] Vgl. Bartsch u.a. (2013), S. 33.

[3] Vgl. imedo GmbH (2013), 1. Abschnitt (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[4] Vgl. dict.cc GmbH (2013) (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[5] Vgl. Balz / Spieß (2009), S. 87.

[6] Vgl. Anlage 1, Gesprächsprotokoll Dipl.-Psych..

[7] DIMDI: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (2013), Startseite, Das DIMDI (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[8] Ebenda, Startseite, Das DIMDI, Aufgaben, 2. Absatz (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[9] Vgl. DIMDI: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (2013), Startseite, Klassifikationen, Terminologien, Standards, ICD-10-WHO (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[10]Vgl. ebenda, ICD-10-WHO Version 2013 (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[11] Vgl. Kaschka u.a. (2011), 1. Abschnitt (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[12] Vgl. Sarl (2013), Einleitung (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[13] Vgl. Hegerl (2013), Ursachen und Symptome, Auswirkungen und Therapie einer Depression (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[14] Vgl. Hegerl (2011), S.1 f. (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[15] Vgl. Bundesministerium für Gesundheit (2011), 2. Abschnitt (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).

[16] Freudenberger / North (1992), S. 27.

[17] Vgl. Freudenberger / North (1992), S. 121.

[18] Vgl. Freudenberger / North (1992), S. 121 f.

[19] Freudenberger / North (1992), S. 122.

[20] Vgl. ebenda, S. 126 f.

[21] Freudenberger / North (1992), S. 129.

[22] Vgl. ebenda, S. 129.

[23] Freudenberger / North (1992), S. 131.

[24] Vgl. Freudenberger / North (1992), S. 131 ff.

[25] Freudenberger / North (1992), S. 138.

[26] Vgl. ebenda, S. 138 f.

[27] Vgl. Freudenberger / North (1992), S. 144 f.

[28] Vgl. ebenda, S. 146 f.

[29] Freudenberger / North (1992), S. 149.

[30] Vgl. Freudenberger / North (1992), S. 149 f.

[31] Ebenda, S. 152.

[32] Vgl. Freudenberger / North (1992), S. 152.

[33] Vgl. ebenda, S.152 f.

[34] Freudenberger / North (1992), S. 155.

[35] Vgl. ebenda, S. 155.

[36] Freudenberger / North (1992), S. 155.

[37] Vgl. ebenda, S. 155.

[38] Freudenberger / North (1992), S. 156.

[39] Vgl. ebenda, S. 156.

[40] Greve (2012), S. 17.

[41] Greve (2012), S. 21.

[42] Vgl. Prieß (2013), S. 1 f.

[43] Prieß (2013), S. 1.

[44] Vgl. Scharnhorst (2012), S. 34 f.

[45] Vgl. Anlage 1, Gesprächsprotokoll Dipl.-Psych..

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Burn-Out Potenziale im Dualen Studium
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
42
Katalognummer
V264288
ISBN (eBook)
9783656536666
ISBN (Buch)
9783656537175
Dateigröße
4274 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
burn-out, potenziale, dualen, studium
Arbeit zitieren
Marie-Christin Schnur (Autor), 2013, Burn-Out Potenziale im Dualen Studium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264288

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