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Rituelle Kommunikation in Václav Havels ‚Audience‘

Título: Rituelle Kommunikation in Václav Havels ‚Audience‘

Trabajo de Seminario , 2000 , 22 Páginas , Calificación: 1,7

Autor:in: Heinz Rosenau (Autor)

Ruso / Lenguas eslavas
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Die vorliegende Arbeit stellt einen Versuch dar, die innerhalb der ‚Soziologie des Alltags‘ entwickelten Kategorien ‚Ritual‘ und ‚Image‘ auf dramatische Texte anzuwenden. Ihr Ziel ist die Etablierung einer selbständigen Analyseebene zur Beschreibung der Beziehungsstruktur zwischen den dramatischen Figuren.
Es wird somit versucht, der Forderung Manfred Pfisters nachzukommen, die Ergebnisse soziologischer Forschung zu einer ‚differenzierteren Analyse dramatischer Kommunikationsabläufe‘ heranzuziehen, und somit ein ‚soziologisch und kommunikationstheoretisch vertieftes Verständnis zum Beispiel für das Ineinanderspiel [...] von explizitem Inhalts- und implizitem Beziehungsaspekt‘ zu entwickeln.
Mit dem gewählten Ansatz verbindet sich die Kritik an einer rein sprechakttheoretischen Herangehensweise, wie sie z.B Keir Elam in ‚The Semiotics of Theatre and Drama‘ vorstellt. Diese trägt meiner Ansicht nach der doppelten Struktur sprachlicher Handlungen, die sich zum Beispiel in dem von Watzlawick et al. verwendeten Begriffspaar ‚content‘ und ‚relationship‘ ausdrückt, nur in geringem Maße Rechnung. Dies sei an einem dem von uns untersuchten Einakter ‚Audience‘ entnommenen Beispiel illustriert:

Wenn wir die wiederholten Sprechhandlungen SLÁDEKs des Typs ‚Dáte si pivo? [...] Proč ne? Jen si vemte!‘ und ‚Pijte! Proč nepijete?‘ nach der Taxonomie Searles als direktiven Sprechakt ‚Aufforderung‘ klassifizieren, so müßten wir die Erfolgsbedingung dieses Sprechakts als das Eintreten der intendierten Wirkung definieren, also in etwa: ‚VANĚK trinkt das ihm angebotene Bier aus‘. Auf der hier reflektierten ‚content‘-Ebene der Interaktion wäre es somit irrelevant, ob VANĚK das Bier einfach stehen läßt, oder ob er die Aufforderung unter Bezugnahme auf seine mangelnde Trinkfestigkeit höflich zurückweist (‚Děkuji, nejsem na pivo moc zvyklý‘ ), und sein Bier in SLÁDEKs Glas zurückfüllt, wenn dieser den Raum verläßt. Die sich in diesen möglichen Reaktionen andeutende unterschiedliche Bereitschaft zur Kooperation wird erst unter Berücksichtigung der doppelten Struktur sprachlicher Handlungen erklärbar, als Kooperation auf der ‚relationship‘-Ebene der Interaktion.
Es wird deutlich, daß die oben angeführte Sprechhandlung ‚Aufforderung zum Biertrinken‘ neben der expliziten Anweisung an VANĚK eine implizite Definition des Selbstbildes SLÁDEKs und des Verhältnisses zwischen ihnen beinhaltet. Watzlawick et al. beschreiben diese doppelte Struktur sprachlicher Interaktion als Nebene

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rituelle Kooperation

2.1. Techniken der Imagepflege

2.1.1. Der Vermeidungsprozeß

2.1.2. Der korrektive Prozeß

2.2. Zeremonielle Regeln

3. ‚Audience‘

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, die soziologischen Kategorien ‚Ritual‘ und ‚Image‘ von Erving Goffman auf dramatische Texte anzuwenden, um eine eigenständige Analyseebene für die Beziehungsstrukturen zwischen den Figuren zu etablieren und die dramatische Spannung in Václav Havels Stück ‚Audience‘ durch das Konzept der rituellen Mißkommunikation zu erklären.

  • Anwendung der Soziologie des Alltags auf dramatische Literatur
  • Goffmans Konzepte von Ehrerbietung, Benehmen und ritueller Kooperation
  • Die Analyse der doppelten Struktur sprachlicher Kommunikation (Content vs. Relationship)
  • Untersuchung der rituellen Mißkommunikation (‚face-work-at-cross-purposes‘) in ‚Audience‘
  • Gegenüberstellung von ‚Zuvorkommenheit‘ und ‚Diskretion‘ als Benehmensstrategien

Auszug aus dem Buch

3. ‚Audience‘

Der Konflikt zwischen den unterschiedlichen Benehmensstrategien, die im vorangehenden Kapitel beschrieben wurden, erwächst aus der ‚absurden‘ Grundsituation des Stücks, der institutionell überformten sozialen Begegnung zwischen dem Bierbrauer und dem für ihn arbeitenden Intellektuellen. Diese vorgegebene Beziehungskonstellation wird mehrfach vom SLÁDEK im Sinne einer Metakommunikation thematisiert (oder in der Terminologie Watzlawicks ‚digitalisiert‘):

SLÁDEK Ale stejně, to jste si nemyslel, co?

VANĚK Co jsem si nemyslel?

SLÁDEK No že budete jednou koulet sudy w pivovaře

VANĚK Hm

SLÁDEK To jsou paradoxy, co?

VANĚK Hm –

SLÁDEK To vám teda řeknu!

(Pauza)

Diese metakomunnikativen Äußerungen SLÁDEKs sind jedoch nicht nur Konstatierungen einer bestehenden Beziehungsform, sondern gleichzeitig der Versuch ihrer aktiven Gestaltung. Einher mit der Thematisierung der von außen vorgegebenen Beziehungsform geht SLÁDEKs Distanzierung von ihr über ihre Kennzeichnung als ‚paradox‘. Der sich hier andeutende Beziehungsappell zielt in Richtung einer Neudefinition der sozialen Situation und der involvierten Selbstbilder der Beteiligten. Diese Neudefinition gestaltet sich als eine Art ‚Entzeremonialisierung‘ oder besser gesagt ‚Entinstitutionalisierung‘ der Beziehungsform, als der Versuch einer Nivellierung der institutionellen Asymmetrie zwischen Vorgesetztem und Angestelltem. Vorgeschlagen wird eine nichtinstitutionelle, symmetrische soziale Begegnung (die Beziehungsform) zwischen gleich-berechtigten Teilnehmern (die Selbstbilder der Beteiligten) mit gleichfalls symmetrischen, reziprok voraussetzbaren Rechten und Pflichten (die Regeln der Beziehung).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt das theoretische Fundament durch die Anwendung Goffmanscher Begriffe auf dramatische Texte und definiert das Ziel, die Beziehungsstruktur zwischen den Figuren tiefergehend zu analysieren.

2. Rituelle Kooperation: Dieses Kapitel erläutert Goffmans Theorie der rituellen Interaktion als Prozess des Austauschs und die Rolle von Ehrerbietung und Benehmen für das soziale Image.

2.1. Techniken der Imagepflege: Hier werden die Mechanismen vorgestellt, wie Interaktionsteilnehmer durch Vermeidungs- und korrektive Prozesse ein rituelles Gleichgewicht wahren oder wiederherstellen.

2.1.1. Der Vermeidungsprozeß: Dieses Unterkapitel beschreibt Strategien wie Vorbeugung, Nichtbeachtung und Verbergen von Zwischenfällen, um Imagebedrohungen proaktiv zu vermeiden.

2.1.2. Der korrektive Prozeß: Hier wird der Ablauf einer Ausgleichshandlung in vier Phasen dargestellt, um das rituelle Gleichgewicht nach einer bereits erfolgten Imagebedrohung wiederherzustellen.

2.2. Zeremonielle Regeln: Dieses Unterkapitel differenziert zwischen inhaltlichen und zeremoniellen Regeln sowie zwischen Vermeidungs- und Zuvorkommenheitsritualen.

3. ‚Audience‘: Die theoretischen Ansätze werden auf Havels Einakter angewendet, um den rituellen Konflikt und das „aneinander-vorbei-Reden“ der beiden Hauptfiguren zu analysieren.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Etablierung einer neuen Analyseebene und bestätigt, dass die unterschiedlichen rituellen Orientierungen die dramatische Spannung des Stücks erzeugen.

Schlüsselwörter

Theater des Absurden, Rituelle Kommunikation, Imagepflege, Erving Goffman, Václav Havel, Audience, Beziehungsstruktur, Soziologie des Alltags, Benehmen, Ehrerbietung, Vermeidungsrituale, Zuvorkommenheitsrituale, rituelles Gleichgewicht, Mißkommunikation, face-work

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der soziologischen Kategorien ‚Ritual‘ und ‚Image‘ (nach Erving Goffman) auf dramatische Texte, insbesondere auf den Einakter ‚Audience‘ von Václav Havel.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind rituelle Kooperation, die Mechanismen der Imagepflege, die Unterscheidung von Vermeidungs- und Zuvorkommenheitsritualen sowie die Analyse von Beziehungsstrukturen in der Kommunikation.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Ziel ist es, eine eigenständige Analyseebene für dramatische Texte zu schaffen, um das Ineinanderspiel von explizitem Inhaltsaspekt und implizitem Beziehungsaspekt in der Kommunikation der Figuren präziser zu beschreiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kommunikationstheoretische und soziologische Herangehensweise, wobei sie sich auf Goffmans Interaktionsrituale und die Konzepte der ‚content‘- und ‚relationship‘-Ebene (Watzlawick et al.) stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Goffmanschen Begriffe und deren anschließende exemplarische Anwendung auf die Dialoge zwischen dem Bierbrauer und dem Intellektuellen in Havels ‚Audience‘.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie rituelle Kommunikation, Imagepflege, rituelles Gleichgewicht, face-work-at-cross-purposes und dramatische Analyse beschreiben.

Warum kommt es laut Autor zu einer „rituellen Mißkommunikation“ in ‚Audience‘?

Die Misskommunikation entsteht, weil die beiden Protagonisten unterschiedliche zeremonielle Orientierungen verfolgen: Der Bierbrauer strebt durch Zuvorkommenheitsrituale Nähe an, während der Intellektuelle durch Diskretion und Vermeidungsrituale Distanz wahren möchte.

Welche Rolle spielt das „Biertrinken“ im Kontext der rituellen Analyse?

Das Biertrinken fungiert als wiederkehrendes, rituell aufgeladenes Element, an dem SLÁDEK versucht, eine nicht-institutionelle, symmetrische Beziehung zu erzwingen, während VANĚK das Angebot eher als ein für ihn unangenehmes Instrument der Nähe wahrnimmt.

Final del extracto de 22 páginas  - subir

Detalles

Título
Rituelle Kommunikation in Václav Havels ‚Audience‘
Universidad
University of Potsdam
Calificación
1,7
Autor
Heinz Rosenau (Autor)
Año de publicación
2000
Páginas
22
No. de catálogo
V264689
ISBN (Ebook)
9783656540144
ISBN (Libro)
9783656541912
Idioma
Alemán
Etiqueta
rituelle kommunikation václav havels
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Heinz Rosenau (Autor), 2000, Rituelle Kommunikation in Václav Havels ‚Audience‘, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264689
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