Störungen der Sexualität bei Frauen

Stellenwert und Beratungsansatz in einer christlich orientierten Paarberatung


Hausarbeit, 2013

30 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Sexualität

Sexuelle Funktionsstörungen
Funktionsstörungen bei Frauen
Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen
Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung
Erregungsstörung, Versagen genitaler Reaktionen
Orgasmusstörung
Vaginismus
Dyspareunie
Gesteigertes sexuelles Verlangen
Sexualverhalten und Erleben von Frauen
Auswirkungen auf die Partnerschaft

Beratung bei sexuellen Funktionsstörungen
Setting
Indikation für Beratung und Therapie
Einzelberatung vsPaarberatung
Paarberatung
Sensate Focus Programm
Paarberatung in Gruppen
Und als Christ?

Diskussion Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Zu dem Thema dieser Hausarbeit 'Störungen der Sexualität bei Frauen-Stellenwert und Beratungsansatz in einer christlich orientierten Paarberatung' kam ich, weil in meiner Beratungstägigkeit Paare bei der Auftragsklärung zuerst Themen wie ‘Verbesserung der Kommunikation’ oder ‘wir möchten, nicht mehr so oft streiten' genannt wurde. Doch im weiteren Beratungsverlauf zeigte sich dann, dass die Paare eine sexuelle Problematik aufwiesen. Beim genaueren Hinschauen hatten einige Paare etwas gemeinsam: Der Symptomträger schien die Frau zu sein. Die Paare hatten vor ihrer Eheschließung nicht mit einander sexuell verkehrt und sie hatten weder von zu Hause noch in der Gemeinde die Kompetenzzur einer Auseinandersetzung mit dem Thema ih rer eigenen Sexuali tät erworben. Um genauer zuv erstehen,wie es zu sexuellen Funktionsstörungen kommen kann, wie sich eine Störung bei Frauen darstellt und wie es in der Beratung begleitet werden kann, hatmich zu dieser Arbeit bewegt.

In der vorliegenden Hausarbeit habe ichder Einfachheithal ber die Bezeichnung „Klient“ gewählt. Damit ist aber auch der weibliche Klient, also die Klientin gemeint. Die Literatur zu diesem Thema ist schwerpunktmäßig auf den Kontext Therapie ausgerichtet. Ich habe die Inhalte auf das Themenfeld der Beratung angepasst. Da Therapie und Beratung viele gemeinsame Ansätze haben und gerade die Beratung zu sexuellen Themen aus meiner Sicht in ein Beratungssetting hineingehört, kam ich zu der Entscheidung die Therapieansätze auf die Beratung anzupassen.

Seit dem 1.Januar 2013 gilt die Version ICD-10-GM 2013. Diese ist in die aktuelle Literatur zu sexuellen Funktionsstörungen noch nicht eingeflossen.

Sexualität

Sexualität ist ein Thema, an dem kein Mensch vorbeikommt. Es ist ein Teil unseres Lebens und umfasst viele Aspekte. Dazu gehören Emotionen, Wünsche, Triebe, Sehnsüchte aber auch Praktiken. Die Sexualität spielt eine wesentliche Rolle in der Beziehungsgestaltung, sie dient als Fortpflanzung und mit ihr werden einzelne Menschen zu Familien. Sexualität beginnt nicht erst im Erwachsenenalter. Auch für Kinder ist das Thema der Sexualität ein wesentlicher Faktor. Denn „das Sexualleben beginnt nicht erst mit dem Einsetzen der Pubertät, wie man früher glaubte, sondern es ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses, der bereits in frühester Kindheit beginnt“ (Vetter 2007, S. 30).Im geschichtlichen Rückblick kann gesehen werden, dass mit dem Thema der Sexualität sehr unterschiedlich umgegangen wurde. Generationen von Kindern sind mit einem strengen Tabu zu diesem Thema und Lebensbereich aufgewachsen. „Sexualwissenschaft, Psychiatrie und Psychoanalyse haben das strenge Sexualtabu als Ursache tiefgreifender Persönlichkeitsstörungen erforscht“ (Online im Internet unter: http://www.sexmedpedia.com/artikel/ueberblick-sexuelle-funktionsstoerungen-der-frau (Stand: 25.04.2013)).Studien belegen, dass Zusammenhänge zwischen der sexuellen Entwicklung eines Kindes und späteren Störungen im Erwachsenenalter hergestellt werden können. Obwohl Sexualität ein allgegenwärtiges wichtiges und tief greifendes Thema ist, findet es wenig Raum in der Auseinandersetzung in der Gesellschaft oder in Familien. Ausgenommen „die Sexualisierung der äußeren Welt, wie sie sich in der Mode und in den Talkshows von privaten Fernsehanstalten beobachten lässt, [sie] steht [aber] in krassem Gegensatz zur weit verbreiteten sexuellen Langeweile, die sich u.a. im Symptom der „Lustlosigkeit“ zeigt“ (Buddeberg 2005, S. 13).

Sexualität ist für viele Menschen ein emotionales und oft schambesetztes Thema. Es ist eine Angelegenheit die Normen und Werten unterliegt. Wie auch andere Normen und Werte, sind auch die der Sexualität eines geschichtlichen und historischen Wandels unterlegen. Ein geschichtlicher Auszug beschreibt:

„Die detaillierte und Ausführlichkeit, mit der die Kirche ihre Verbote des Ehebruchs, der Hurerei, der Masturbation, der Homosexualität und die entsprechenden Sanktionen formulierte, lassen sich als Hinweis auf das Ausmaß eines tatsächlich weniger kontrollierten und normativ zensierten Sexuallebens interpretieren. So waren zum Beispiel Prostitution, vor- und außereheliche Sexualität sehr weit verbreitet. Insgesamt scheint das Mittelalter von einem fantasievollem Sexualleben gekennzeichnet zu sein, dass sich aber gleichwohl nicht einfach als freizügig beschreiben lässt. Vielmehr war es auch geprägt durch Gewalt, durch sexuelle Privilegien des Adels und entsprechende Entrechtung der bäuerlichen Bevölkerung sowie durch die mit den damals unheilbaren Geschlechtskrankheiten verbundenen Gefahren. Die Kirche stellte den sexuellen Ausschweifungen ein asketisches Ideal gegenüber, dass die Steine teilweise strengste Sanktionen gestützt war“ (Brockhaus Enzyklopädie 1993, S. 181).

Auch heute finden wir die genannten Themen in unserer Gesellschaft wieder. Geschlechtskrankheiten, Gewalt oder auch das Moralisieren.

„Der Begriff der „Sexualität“ entstand erst Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts und umfasste damals noch alles Sexuelle, also auch Schwangerschaften und Geburten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren „leidenschaftliche Sexualität und Liebe“, so, wie es heute erwartet wird, noch nicht in die Ehe eingebunden, sondern Ehen wurden aus Vernunftgründen geschlossen und intensive sexuelle Gefühle waren in der Regel außerehelichen Beziehungen vorbehalten“ (Vetter 2007, S. 3).

Heute ist das gesellschaftliche und moralische Verständnis davon, wohin intensive sexuelle Gefühle gehören, anders. Dieser Bereich wird der ehelichen Partnerschaft zugeordnet. Alles, was außerehelich vollzogen wird, wird heute als Vertrauensbruch empfunden und wirkt sich negativ auf die Partnerschaft und die dazugehörige Sexualität aus. Da sich das Eheverständnis im Laufe der Jahrzehnte ebenfalls verändert hat, haben sich auch die Bedeutung und das Ausleben der Sexualitätgewandelt. Denn

„[...] mit der Einführung der fragilen Gefühle von Liebe und Leidenschaft in die Ehe wuchs auch die Gefahr des Auseinanderbrechens der Institution der Ehe, die ja von ihrer Intention her auf Dauer angelegt ist. Folglich ist es heute üblich geworden, die Sexualität vor der Eheschließung genauso zu überprüfen wie seinerzeit die Vermögensverhältnisse“ (Vetter 2007, S. 3).

Diese Veränderung eröffnet allerdings einen mangelnden Schutzraum für das Ausleben der Sexualitätaufgrund dessen hat sich der Gesetzgeber dieses Themas angenommen und bestimmte Bereiche der Sexualität geregelt.Auf dieser Basis ist z.B. ein sexueller Gewaltakt strafbar und wird geahndet. In dem aber,was frei gestaltet und gewählt werden kann, sollte Sexualität als genussvoll und befriedigend erlebt werden. Dazu gehört auch ein Verständnis der unterschiedlichen Sexualität, z.B. von Männer und Frauen oder im Alter. Sexualität bei Behinderung oder die Sexualität von Jugendlichen.

Wenn sich nun die Sexualität eines Menschen so entwickelt, dass er siealsbereichernd und erfüllend erlebt, wird sie in der Regelb eziehungsstabilisierend wirken. „Sexuelle Aktivitäten können Ausdruck von Lust und Freude sein, sie können im Sinne einer Bewältigungsstrategie eine wichtige Ressource darstellen und sie können wenn sie durch Symptombildungen beeinträchtigt werden, selbst zu einer Belastung werden“ (Buddeberg 2005, S. 10). Eine Belastung kann sich dannauchzu einer Störung entwickeln. Der Begriff „gestört“ bezieht sich auf die verschiedenen Ebenen, diein der Sexualität erlebt und vollzogen we rden. „Sexualität manifestiert sich in sexuellem Verhalten, Erleben, in sexuellen Phantasien und Gedanken“ (Buddeberg 2005, S. 30). So kann es körperliche Einschränkungen oder Erkrankungen geben, die dazu führen, dass die Sexualität schwierig, schmerzhaft oder gar nicht erlebt und gelebt werden kann. Aber genauso kann ein Trauma vorliegen, was die psychische Ebene anspricht, die dann das Erleben erschwert oder hindert. Die Störungen werden im Verhalten, Erleben und in den Gedanken erkennbar. Bei der Definition, ab wann eine Störung vorliegt und wie diese zu verstehen ist, hilft der ICD-10 oder der DSM-IVweiter.

Sexuelle Funktionsstörungen

Da nun die Sexualität, das Erleben und das Auslebeni hrer vielen Facettenunterliegt, ist es um so wichtiger abzugrenzen,wann von einer Störung gesprochen werden kann bzw. sollte.

"Von einer sexuellen Dysfunktion oder sexuellen Funktionsstörung (funktionelle Sexualstörung) wird bei „Störungen der sexuellen Funktionen und Reaktionen“ gesprochen, wenn individuelle Ansprüche an eine erfüllte Sexualität nicht erreichbar sind, die Person also unter Leidensdruck steht. Diese Definition berücksichtigt neben der Störung der Sexualreaktion (körperliche Reaktion) auch subjektives Erleben sowie gesellschaftliche und kulturelle Vorstellungen von Sexualität. Der Begriff wird verwendet für Störungen der Sexualreaktionen, nicht für ein abweichendes Sexualverhalten von einer gesellschaftlichen Norm, das glücklich ausgelebt werden kann" (Wikipedia 2013. Online im Internet unter: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=121437901. (Stand: 22.08.2013)) .

Wenn nun ein Betroffener einen Leidensdruck erlebt, ist immer erst abzuklären,ob eine organische Ursache zugrunde liegt. Organische Veränderungen werden anders klassifiziert und behandelt. Denn „inwieweit Sexualstörungen oder Abweichungen zu Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen und anderen Funktionsbereichen führen, ist immer auch eine Frage sozialer Normen und medizinischer Krankheitsbegriffe, die einem steten Wandel unterlegen sind“ (Vetter 2007, S. 3).Es ist in der heutigen Zeit leichter,eine Störung zu definieren als die Normalität. Es gibt keine Richtlinien für eine normal erlebte und praktizierte Sexualität. Die WHO gibt zum Thema Gesundheit folgende Orientierung: „Gesundheit [ist] ein „Zustand vollkommenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“. Ergänzend wird heute in der Psychologie unter seelischer Gesundheit allgemein Gemeinschafts-, Arbeits- und Liebesfähigkeit verstanden“ (Vetter 2007, S. 20). Mann kann also sagen dass „eine Sexuelle Dysfunktionen oder abweichendes Verhalten demzufolge nur dann als Störung [gilt], wenn der Betroffene unter den Zustand leidet“ (Vetter 2007).

Liegt nun keine organische Ursache vor, hilft der ICD-10 und der DSM-IV dabei die Beschwerden des Betroffenen einzuordnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 : Nichtorganische sexuelle Funktionsstörungen in ICD-10 und DSM-IV(Cassel-Bähr2006, S.21).

Der DSM-IV differenziert bei den Störungen zwischen männlichen und weiblichen Störungen. DieseKlassifikationgeht mehr ins Detail und berücksichtigt das subjektive Leiden eines Betroffenenim Vergleich zum ICD-10. Eine andere Einteilung nimmt Kaplan vor. In diesem Modell liegt der Schwerpunkt darauf, in welcher Phase der erlebten Sexualität die Störung auftritt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Tabelle 5.2 Sexuelle Dysfunktionen in ICD-10 und DSM-IV (Buddeberg 2005, S. 39)

Wie jedes Modell hat auch dieses seine Vorzüge,aber auch seine Schwachstellen. „Zu den Schwächen dieses Konzeptes zählt, dass mit ihm die häufig bestehenden komorbiden psychischen Störungen nicht erfasst werden und es sich überwiegend an der Physiologie des sexuellen Reaktionszyklus orientiert“ (Buddeberg 2005, S. 40). Da nicht in allen Fällen von einer krankhaften Problematik auszugehen ist, steht am Anfang einer Beratung bzw. Behandlung die Diagnostik, denn „b esonders bei sexuellen Störungen zeigt sich, dass die Übergänge von normalen zu beeinträchtigen sexuellen Verhalten und Erleben fließend sind, so dass eine Abgrenzung oft schwierig ist“ (Vetter 2007, S. 89).

Wenn eine Klientin eine Beratungspraxis mit einer sexuellen Problematik oder Fragestellung aufsucht, ist zu klären, ob dieses Problem ein beratungbedürftiges oder medizinisches Anliegen ist. Es ist zu klären , ob eine organische Erkrankung vorliegt. Das setzt voraus, dassder Berater über die körperlichen und auch psychischen Vorgänge und Zusammenhänge ein Grundwissen haben muss. Sexuelle Dysfunktionen können sowohl auf einer organischen als auch psychischen Erkrankung oder Veränderung folgen. Eine Beratung kann eine medizinische Behandlung unterstützend begleiten, sie aber nicht ersetzen.

„Als die wichtigsten somatischen sexuell unterdrückenden Faktoren können hormonelle Störungen, Nebenwirkungen von Pharmaka und Depressionen angesehen werden. Aber auch schwere Allgemeinerkrankungen, wie fortgeschrittene Herz-, Nieren- und Atemwegserkrankungen oder auch durch entzündliche und infektiöse Erkrankungen sowie Stoffwechselstörung und in den seltenen Fällen Schilddrüsenfunktionen gehen mit nachlassender sexueller Lust einher“ (Vetter 2007, S. 127–128).

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Störungen der Sexualität bei Frauen
Untertitel
Stellenwert und Beratungsansatz in einer christlich orientierten Paarberatung
Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
30
Katalognummer
V265382
ISBN (eBook)
9783656549345
ISBN (Buch)
9783656548461
Dateigröße
1314 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
störungen, sexualität, frauen, stellenwert, beratungsansatz, paarberatung
Arbeit zitieren
Dipl.Soz. Katja Schreyer (Autor), 2013, Störungen der Sexualität bei Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265382

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