Systemische lösungsorientierte Paar-, Familien- und Erziehungsberatung

Multifamilientherapie


Hausarbeit, 2011

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Einführung in die Familientherapie / Familienberatung

2 Multifamilientherapie

3 Wendepunkt e.V. - Rehabilitationsangebot für psychisch erkrankte Menschen
3.1 Zielgruppe – Wendepunkt e.V
3.2 Das Wendepünktchen

4 Exkurs: Besondere Aspekte bei Kindern psychisch kranker Eltern und/oderEltern mit Defiziten in der Erziehungskompetenz
4.1 Belastungsfaktoren
4.2 Resilienz und Schutzfaktoren
5 Einsatz der Multifamilientherapie im Rehabilitationskonzept des Wendepünktchen
5.1 Ziele und Umsetzung
5.1.1 Wochenplan
5.1.2 Exemplarisch: Übungen und die dazu geordneten Ziele
5.1.2.1 Ziel: Entlastungsmöglichkeiten von Schuld- und Schamgefühlen
5.1.2.2 Ziel: Aufbau und Stärkung von Selbstvertrauen
5.1.2.3 Ziel: Enttabuisierung von Problemthemaiken in der Familie
5.1.2.4 Ziel: Öffnung der Familie nach außen
5.1.2.5 Ziel: Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern
5.1.2.6 Ziel: Informationsvermittlung und Aufklärung über Krankheit
5.1.2.7 Ziel: Überwindung von Isolation
5.2 Räumlichkeiten
5.3 Personelle Ausstattung

6 Schluss

7 Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Laufe der Jahre hat sich in der Beratungs- und Therapielandschaft ein Angebot für Familien auch in Deutschland etabliert. Das klassische Angebot für den Bereich Familienberatung ist in der systemischen Beratung zu finden. Einzelne Familien werden in ihren Problemstellungen beraten und begleitet. Oftmals ist der Auslöser ein Fehlverhalten eines Kindes, mit dem die Familie nicht mehr zurechtkommt. In der Beratung oder Therapie zeigt sich dann, dass nicht notwendigerweise das Fehlverhalten das Problem ist, sondern dass das Verhalten des Kindes ein Hinweis auf tieferliegende Probleme innerhalb der Familie ist. In den folgenden Kapiteln wird erörtert, was unter einer systemischen Beratung / Therapie zu verstehen ist und welche Beratungsansätze darunter zusammengefasst werden. Die Autorin stellt dar, welche Möglichkeiten es gibt, wenn mehrere Familien in einem gemeinsamen Setting begleitet werden, und ob dies Vorteile gegenüber einer Beratung mit einer einzelnen Familie bietet. Diese Ergebnisse werden übertragen auf einen speziellen Personenkreis: auf Familien, in denen eine psychische Erkrankung auf Seiten der Eltern vorliegt. In einem gesonderten Kapitel werden Belastungsfaktoren beschrieben, die gerade Kinder von psychisch erkrankten Eltern betreffen. Die beschriebenen Aspekte werden dann auf eine bestehende Arbeit übertragen. Der von der Autorin ausgewählte Träger, der Wendepunkt e.V. bietet eine Rehabilitationsmaßnahme für Menschen mit psychischen Störungen an. Ein spezieller Bereich beschäftigt sich mit Müttern und Vätern, die an einer psychischen Erkrankung leiden oder wesentliche Defizite in ihrer Persönlichkeitsentwicklung aufweisen. Dieser Bereich nennt sich Wendepünktchen. Das Wendepünktchen bietet diesen Familien für eine begrenzte Zeit einen Schutzraum an, um die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken und um einen Raum zu schaffen, in dem ihre Kinder gefördert werden können. Folgende Fragen stellten sich der Autorin zu Beginn dieser Arbeit: ist es möglich das vorhandene Konzept des Wendepünktchens so zu erweitern, dass die Familien nicht zur gemeinsam dort leben, sondern auch gleichzeitig in einem Therapiesetting eingebunden werden und ist die Multifamilientherapie anwendbar als Möglichkeit eines Therapiemehrgewinns für die Familien?

Anhand einer Literatur- und Konzeptanalyse, ergänzt durch die Erfahrungen der Autorin, die im Wendepünktchen als Diplom-Sozialarbeiterin gearbeitet hat, soll eine Antwort auf diese Fragen diskutiert werden.

1 Einführung in die Familientherapie / Familienberatung

Familientherapie oder auch Familienberatung wird in der Therapie- und Beratungslandschaft schon lange angeboten. Ihre Wurzeln reichen weit in die psychotherapeutischen- und sozialarbeitergeschichtliche Entwicklung zurück. Zu den Vorläufern gehört die Einzel- und Gruppentherapie. Aus ihnen heraus entwickelte sich der Ansatz, mit Familien als eine Form einer Gruppezusammensetzung zu arbeiten. In Punkt 3 dieser Arbeit wird die Multifamilientherapie vorgestellt. Diese Therapierichtung beschäftigt sich ausschließlich mit Familien und fußt auf einer systemischen Grundlage. Aus der damaligen Familientherapie, die eher einer klassischen Gruppentherapie ähnelte, entstand im Laufe der Jahre ein neuer Ansatz der als ‘systemisch’ bezeichnet wird. Ein wesentlicher Unterschied zur Gruppen- und Einzeltherapie im Vergleich zur Familientherapie ist, dass bei den erst genannten Ansätzen die Ursache einer Störung innerhalb einer Person gesucht wird. Auch in den Anfängen der Familientherapie war dies eine verbreitete Sichtweise, die sich im Laufe der Zeit verändert hat. Aus der neueren Sichtweise wird der Klient nicht isoliert mit seinen Problemen betrachtet, sondern alles, was zu ihm gehört, wird mit einbezogen. Seine Familie, seine Freunde und weitere Beziehungs- und Interaktionsräume sind im Zusammenhang mit dem Klienten wahrnehmbar, dies wird als System gesehen. Heute wird Familientherapie den systemischen Ansätzen zugeordnet. Die dort angewandten Techniken

„ [] ergeben sich aus der Frage, wie in sozialen Systemen Menschen gemeinsam ihre Wirklichkeit erzeugen, welche Prämissen ihrem Denken und Erleben zugrunde liegen und welche Möglichkeiten es gibt, diese Prämissen zu hinterfragen und zu »verstören«“ (Schlippe und Schweitzer 2003, S. 17).

Es gibt nicht das eine spezielle systemische Modell. Systemisch ist als Oberbegriff zu verstehen, unter dem sich verschiedene Modelle vereinen. Exemplarisch genannt werden können z.B. die strukturelle Familientherapie (z.B. Minuichin), das Mehrgenerationenmodell (z.B. Stierlin) oder auch die lösungsorientierte Kurz-Therapie (z.B. de Shazar) (vgl. von Schlippe und Schweitzer 2003, S.24) Eine präzise Festlegung auf den systemischen Begriff fällt schwer, da es

„nach über vier Jahrzehnten ihrer Entwicklung [] von »der Systemtheorie« zahlreiche Varianten [vorliegen], die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und jeweils ganz verschiedene Handlungskonsequenzen nahelegen“ (von Schlippe und Schweitzer 2003, S. 50).

In einer systemischen Sichtweise werden Potenziale und Ressourcen betont, die dem System zugehörig sind. Die Aufgabe des Therapeuten liegt unter andrem darin, das System zu verstören und die Eigenschwingungen des Systems anzuregen (vgl. http://www.dgsf.org). Um dies zu erreichen, wurden im Laufe der Zeit verschiedene Interventionen erarbeitet. Eine der wichtigsten Elemente ist das ‘Fragen’. Als die wichtigsten Arten von Fragen sind zu nennen: die Was-noch-Fragen, die Skalierungsfragen (als Intervention), die Bewältigungsfragen (als eine Copingfrage), die Ausnahmefragen, die Wofür-ist-das-gut-Fragen, das zirkuläre Fragen (als Intervention) und die Wunderfragen (Intervention) (vgl. André Klinkenstein 2011, S. 10). Die Multifamilientherapie ist ebenfalls ein systemisch therapeutisches Modell, das im folgenden Abschnitt genauer erörtert werden soll.

2 Multifamilientherapie

Das Konzept der Multifamilientherapie setzt sich aus verschiedenen Erkenntnissen der Einzel- und Gruppentherapie zusammen. In der Praxis zeigt sich, dass es innerhalb des eigenen Familiensystems den einzelnen Mitgliedern oftmals schwer fällt, sich den Herausforderungen zu stellen. Jeder Einzelne ist ein Teil der als problematisch empfundenen Situation. In den 1950er Jahren wurden erste Ansätze erprobt, mehrere Familien in einem gemeinsamen Setting zu begleiteten. Es zeigte sich, das innerhalb einer Gruppe, die aus mehreren Familien zusammensetzt ist,

„[] die Möglichkeit [besteht], problematische Verhaltensweisen und Symptomatiken einer Familie differenzierter zu bearbeiten, da Mitglieder aus anderen Familien neue und andere Perspektiven entwickeln können - vor allem, wenn sie mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben“ (Asen et al. 2009, S. 11).

Die Ähnlichkeit der Schwierigkeiten kann eine Gruppenatmosphäre schaffen, die geprägt ist von gegenseitiger Anteilnahme, von Verstehen und von einer Transparenz, die für eine ‘Einfamilientherapie’ mit Fachkräften manchmal schwer zu erzielen ist.

„Während es für eine Einzelperson oder eine Familie oft schwierig ist, sich über die eigene Perspektive zu erheben und so ihre eigenen Schwierigkeiten zu erkennen und zu »behandeln«, gibt es in einer Gruppe von Familien eine Vielzahl von differenzierten Außenperspektiven“ (Asen et al. 2009, S. 11).

Dies kann dazu führen, dass Familien offener für die Wahrnehmung und Veränderung in ihrem eigenen System werden. Die Wirkfaktoren, die z.B. auch in Selbsthilfegruppen angenommen werden, greifen auch in dem Ansatz der Multifamilientherapie. Zu den Wirkfaktoren gehören ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch, gegenseitige Unterstützung, konstruktive Kritik und Modell- Lernen (vgl. Asen et al. 2009, S.12) Darüber hinaus wirken die Elemente aus den gruppentherapeutischen Ansätzen wie Rollenspiel und Feedback ebenfalls stärkend und lösungsorientiert. Die Familien sind nicht mehr nur auf die ‘Führung’ des Fachteams angewiesen. Das Zusammenführen verschiedener Familien führt dazu, dass sie sich gegenseitig dabei helfen können, neue Lösungen zu finden. Dieses Setting wirkt gegen eine Stigmatisierung und Isolation der einzelnen Familien. Da, wo sich Familien in diesem Maße als gestärkt erleben, steigt die Motivation und der Mut, neue Wege auszuprobieren und zu gehen. Ein großer Vorteil bei der Multifamilientherapie ist, dass mit offenen Gruppen gearbeitet werden kann. Familien, die im therapeutischen Setting schon erfahrener sind, können neu hinzugekommen Familien helfen, sich einzufinden. Den neu hinzugekommenen Familien kann eine neue Sichtweise der Situation auf Augenhöhe vermittelt werden. Die Familien können aktiv in die Veränderungsprozesse einbezogen werden - indem z.B. verschiedene therapeutische Interventionen im Rahmen eines Videofeedbacks aufgezeichnet werden. So können sie sich aus der Metaebene erleben und mit einem emotionalen Abstand Interaktionen neu bewerten. Die Rolle der Therapeuten und des Teams verändert sich bei dieser Form der Arbeit. Die Familien selbst sind stärker in den Prozess der eigenen Gesundung eingebunden und das therapeutische Team entwickelt sich immer mehr hin zu einer Begleitung. Dabei tritt das Team immer mehr in den Hintergrund.

In Asen et al. 2009 (S.15-16) sind verschiedene Aspekte aufgelistet, die wesentlich für eine Multifamilientherapie sprechen. Zu nennen wären hier: die Förderung von Solidarität, Stigmatisierung und schambedingte Isolation werden überwunden, die Familien erleben Anregungen zu neuen Sichtweisen und Perspektiven, sie können voneinander lernen und sich in den anderen »gespiegelt« sehen. Weitere Aspekte sind: die positive Nutzung des Gruppendrucks, gegenseitige Unterstützung und Rückmeldung, eigene Kompetenzen entdecken und erweitern, Hoffnung wecken, Selbstreflexion stärken, Offenheit durch »öffentlichen« Austausch schaffen, sowie neue Verhaltensmuster und Erziehungsmuster in einem »Schonraum« einüben zu können. Die Multifamilientherapie

„[] besteht aber nicht nur aus systemischer Interaktionsarbeit im Familiengruppenkontext, sondern es fließen auch andere mehr traditionelle Therapieformen ein, wie systemische Einzelfamilien-therapie und methodenübergreifende Individualtherapie“ (Asen et al. 2009, S. 17).

Wenn Eltern sich in ein Therapiesetting begeben, wünschen sie sich oftmals, ihr Kind für einige Zeit an den Therapeuten abzugeben. Dadurch erhoffen sie sich eine Entlastung der defizitär geprägten und -wahrgenommenen Situation. Im familienzentrierten Ansatz verbleibt die Verantwortung von Anfang an bei den Eltern. In der Multifamilientherapie wird dieser Ansatz noch intensiviert dadurch, dass die Familien sich gegenseitig weiter helfen sollen.

In Asen et al. 2009 werden der Prozess, die Therapeutenposition und die Therapeutenaktivität mit Hilfe von 8 Phasen erläutert. Der Therapeut beginnt damit, jede Familie gesondert anzusprechen. Die Kommunikation ist erst einmal auf den Therapeuten konzentriert. Die Familien untereinander sind sich noch nicht so vertraut und es besteht Unsicherheit beim Einstieg in den gemeinsamen Prozess. Diese Phase wird als Anvisieren beschrieben. Danach regt der Therapeut zwei Familien zum einem gegenseitigen Austausch an (das Anfüttern). Als Fachkraft hat er immer noch eine zentrale Position, der Fokus wird hier aber schon leicht von ihm weg hin zu einer Interaktion zwischen den Familien gelenkt. In der dritten Phase (das Anwärmen) intensiviert der Therapeut die Kommunikation zwischen den ersten beiden Familien und schafft somit eine Möglichkeit, sich langsam aus dem Fokus herauszunehmen. Dies wiederum ermöglicht ihm, sich den anderen anwesenden Familien zuzuwenden (das Ausfliegen). Im nächsten Schritt stellt der Therapeut Querverbindungen zwischen den Familiensubsystemen her, die sich aufgrund der vorherigen Interventionen gebildet haben (das Koppeln). Damit der entstandene Prozess weitergeführt werden kann, wirkt der Therapeut als Katalysator für die interfamiliären Interaktionen und regt diese weiter an (das Beflügeln).

„Sobald dieser Prozess sein eigenes Momentum erreicht hat, zieht sich der Therapeut aus der Gruppe zurück und begibt sich in eine Außenposition - beobachtend, was so in und zwischen den Familien abläuft“ (Asen et al. 2009, S. 28) (das Kreisen).

Aus der distanzieren Perspektive kann nun der Therapeut die intra- und interfamiliären Prozesse besser erkennen. Wenn er nun in einer Familie eine störungsspezifische Interaktion wahrnimmt, dann nimmt er Kontakt zu dieser Familie auf. Praktisch sieht dies dann so aus, dass er sich dieser Familie zuwendet und zu ihnen geht (das Herauspicken). Dort hält er sich dann einige Momente auf. Hier wäre dann ein guter Ansatz für das 5 Schritte Modell, eine der möglichen Interventionen im Multifamilienkonzept.

Im 5-Schritte Modell (Beobachten – Wahrnehmungsvergleich – Bewertung – Veränderungswunsch – Aktion) beginnt der Therapeut, wertfreie Beobachtungen von auffälligen Interaktionen und Kommunikationen in der Familie mitzuteilen. Im zweiten Schritt, dem Wahrnehmungsvergleich, werden die Wahrnehmungen des Therapeuten mit den Wahrnehmungen der Familienmitglieder verglichen. Der Wahrnehmungsvergleich ist wichtig, damit sich der Therapeut vergewissert, welche Sichtweise und Wahrnehmung die Familien hat. Denn nur, wenn die Familien verstehen, was der Therapeut von ihnen möchte, kann der nächste Schritt erfolgen. Ansonsten würden Therapeut und Familien aneinander vorbei arbeiten. Im dritten Schritt wird die Frage nach der Bewertung geklärt. Aus der Klärung der Bewertung heraus folgt Schritt vier. Hier geht es darum, dass die Familien ihre speziellen Änderungsvorstellungen verbalisieren. Daraus folgt der fünfte Schritt, die Aktion. Vor dem eigentlichen Handeln steht erst einmal das Reflektieren und Verbalisieren, was aus Sicht der Familie ein für sie passender Schritt hin zur Veränderung wäre. Dann folgt die dazu passende Umsetzung (vgl. Asen et al. 2009, S. 29–34). Mit dieser fünf Schritt Intervention bleibt der Therapeut mit den Familien im Hier und Jetzt. Es findet kein Bearbeiten der Familienproblematik in der Vergangenheit statt oder eine Lösungssuche für die Zukunft. Zu den allgemeinen systemischen Interventionen zählen z.B. das zirkuläre Fragen (als zirkulär kann man eine Haltung oder Sichtweise beschreiben, mit der die Dinge in ihrer Wechselwirkung aufeinander betrachtet werden können), die Grenzstärkung und Autonomieförderung (wahrnehmen, Durchsetzung und Aufrechterhaltung der eigenen Grenzen), die Ressourcen-orientierung (eine Orientierung auf Stärken anstatt auf Defizite) oder auch das Blitzlicht (jeder Teilnehmer äußert sich in ein bis zwei Sätzen zur aktuellen Situation, Fragestellung oder Befindlichkeit. In dieser Zeit dürfen die anderen Teilnehmer sich nicht dazu äußern oder das Gesagte des Anderen bewerten. Ein Austausch am Ende über alle Aspekte ist möglich). Da die sich die Situation mit mehreren Familien gleichzeitig anders darstellt, wurden für die Multifamilientherapie die Techniken leicht modifiziert. Unter den modifizierten Techniken werden das Videofeedback, der Rollentausch, das Adoptivverfahren, das 5 Schritte Modell und die Urkunden gezählt (vgl. Asen et al. 2009, S. 34). Das Videofeedback soll bei der Verbesserung der Wahrnehmung helfen. Dadurch, dass sich die Familien die Aufnahmen aus dem Therapiealltag oder auch aus dem häuslichen Bereich anschauen und ein Austausch darüber stattfindet, wird die Selbstreflexion angeregt. Diese erleichtert den Zugang zu einer neuen Bewertung und somit auch eine Verhaltensänderung. Beim Rollentausch geht es darum, dass für eine begrenzte Zeit Rollen neu vergeben werden. So können „ [] z.B. Eltern ihre Kinder spielen und Kinder sich in die Rolle ihrer eigenen Eltern begeben“ (Asen et al. 2009, S. 35). Oder die Kinder könnten in die Therapeutenrolle wechseln und so ihre und die Perspektiven ihrer Eltern erweitern.

„Adoptivverfahren eigenen sich [ebenfalls] besonders gut für den Perspektivenwechsel. Hier wird ein Kind für eine bestimmte Zeit zu einer anderen Familie »in Pflege« gegeben. Das erlaubt es beiden Seiten, sich und seine Kompetenzen in Bezug auf das Mitglied einer anderen Familie anders zu erfahren“ (Asen et al. 2009, S. 35).

Hier werden oftmals ganz neue oder auch verschüttete Kompetenzen entdeckt und erfahren. Urkunden oder andere Arten von Dokumenten sind Elemente, um Erfolgen einen bleibenden Effekt zu verleihen. Diese sind anfassbar und können das Erlebte auch noch nach einer Therapiezeit wieder in Erinnerung rufen. Es ist auch möglich, am Ende von Gruppenarbeiten die Erfolge öffentlich zu zelebrieren. So erhalten diese Erfolge eine Würdigung, die als Erinnerung mit nach Hause genommen werden kann. Das Blitzlicht als Intervention ermöglicht, einen wichtigen Moment festzuhalten, die Aktionen werden kurz eingefroren. In Form eines reflektierenden Teams können sich die Familien mit dem Therapeuten zusammen die besondere Interaktion in diesem Moment aus der Metaebene anschauen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Systemische lösungsorientierte Paar-, Familien- und Erziehungsberatung
Untertitel
Multifamilientherapie
Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
28
Katalognummer
V265395
ISBN (eBook)
9783656549260
ISBN (Buch)
9783656548263
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
systemisch, paar-, familien-, erziehungsberatung, multifamilientherapie
Arbeit zitieren
Dipl.Soz. Katja Schreyer (Autor), 2011, Systemische lösungsorientierte Paar-, Familien- und Erziehungsberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265395

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