Diese Arbeit behandelt in sachlicher und kritischer Weise den Prozess der Bildung der Treuhandanstalt in der DDR und verfolgt ihre Geschichte in der BRD bis 1994. Zentrales Anliegen ist dabei aufzudecken, welche Schritte nötig waren die Teuhandanstalt zu gründen und welche Folgen dieser Schritt auf das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben in der ehemaligen DDR hatte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Wirtschaftliche Vereinigung
1.1 „Die DM kommt“ - Der Weg in die wirtschaftliche und monetäre Einheit
1.2 Das Projekt „Treuhand“
2. Die Treuhandanstalt als Projektionsfläche
2.1 „Blühende Landschaften“ und enttäuschte Erwartungen
2.1.1 Anschluss statt Einheit?
2.1.2 Der „gefühlte Sieg“
Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der historischen Rolle der Treuhandanstalt im Transformationsprozess der ostdeutschen Wirtschaft zwischen 1989 und 1994, wobei insbesondere die Dekonstruktion des Mythos „Treuhand“ sowie die Analyse der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Spannungsfelder im Mittelpunkt stehen.
- Historische Genese und Entstehungsgeschichte der Treuhandanstalt.
- Analyse der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen der deutschen Wiedervereinigung.
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen politischen Versprechungen und der Realität vor Ort.
- Beurteilung der Arbeitsweise und der Folgen der Privatisierung durch die Treuhandanstalt.
- Aufarbeitung der Wahrnehmung der Treuhand als Institution und Projektionsfläche in Ostdeutschland.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Anschluss statt Einheit?
Das Gefühl „nicht angekommen“ zu sein im vereinigten Deutschland, war ein Phänomen, welches viele Ostdeutsche bis heute prägt. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass trotz der Milliardenzuschüsse aus Mitteln der EG in den Jahren 1991 bis 1993, dennoch um bis zu 3,3% die Bevölkerungsanzahl in einigen ausgewählten Gebieten Ostdeutschlands in dieser Zeit geschrumpft ist, gleichzeitig hat sich aber auch die Arbeitslosenquote in diesen Regionen bis 1993 fast verdoppelt.47
All dies sind Probleme gewesen, mit denen nicht nur Ost- oder westdeutsche Politiker konfrontiert gewesen waren, sondern vor allem auch die Treuhandanstalt. Ein Gefühl der Ohnmacht und des Unvermögens dagegen etwas zu unternehmen prägte das kollektive Gedächtnis vieler Ostdeutscher bis heute. An einigen konkreten Beispielen Thüringer Betriebe wird dies deutlich. So hatte die DDR bis 1988 schätzungsweise 14 Milliarden DDR Mark in die Mikroelektronik investiert, auch in den Vorzeigebetrieb „Kombinat Mikroelektronik 'Karl Marx'“ in Erfurt.48 Der damalige Leiter Hans Jürgen Straub sprach davon, dass dies allerdings nach 1989 dem Betrieb nicht half, da es vermehrt zu Patent und Finanzprobleme kam, obwohl ein sehr gut ausgebildetes Fachpersonal vorhanden war. Seine Vorschläge zur Rettung des Betriebes wurden systematisch negiert und so erinnert sich der Zeitzeuge Straub heute: „Die meisten [gemeint sind die Manager der Treuhandanstalt] hatten null Ahnung, sollten dann aber den Daumen nach unten oder oben machen. Es war unerträglich.“.49 Gerhart Hartman, der ehemalige Chef des Kombinates Landtechnik aus Erfurt erinnerte sich und kam zu ähnlichen Beobachtungen: „Ich hatte die ausgearbeiteten Papiere vorgelegt, zwei Stunden später war alles abgesagt. Die wollten einfach nicht. Zerstören – das war der Auftrag.“50. Auch in dieser Aussage spiegeln sich Verzweiflung und Wut wieder, die in großem Maße unter der Belegschaft der Betriebe die geschlossen wurden verständlicher Weise vorherrschte, wie z.B. das Kombinat Landtechnik in Erfurt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Wiedervereinigung und die Rolle der Treuhandanstalt als zentrales Untersuchungsobjekt zur Analyse der Reformprozesse.
1. Wirtschaftliche Vereinigung: Erörterung der Vorgeschichte der Treuhandanstalt im Kontext der Währungsunion und der wirtschaftlichen Lage der DDR sowie deren Entstehungsgeschichte.
2. Die Treuhandanstalt als Projektionsfläche: Analyse der gesellschaftlichen Wirkung der Treuhand, der Enttäuschungen über das Ausbleiben der versprochenen „blühenden Landschaften“ und die Auswirkungen der Privatisierungspolitik.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Treuhandanstalt als gescheiterter Mix aus Behörde und Kapitalholding, die jedoch in einem historisch einmaligen Experiment agierte.
Schlüsselwörter
Treuhandanstalt, Wiedervereinigung, DDR, Bundesrepublik, Privatisierung, Transformationsprozess, Wirtschaftspolitik, Volkseigentum, Treuhandgesetz, soziale Marktwirtschaft, Arbeitslosigkeit, Transformation, Sanierung, Wirtschaftsreform, ostdeutsche Wirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Treuhandanstalt im Prozess der deutschen Wiedervereinigung zwischen 1989 und 1994.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die wirtschaftliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten, die Privatisierungsstrategien der Treuhandanstalt und die damit verbundenen sozialen Auswirkungen in Ostdeutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Arbeit der Treuhandanstalt historisch einzuordnen und den Mythos „Treuhand“ durch die Analyse von Quellen und zeitgenössischen Deutungsmustern zu dekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse, bei der vorwiegend juristische und wirtschaftliche Fachpublikationen sowie Zeitzeugenberichte kritisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Genese der wirtschaftlichen Vereinigung und die Gründung der Treuhand analysiert, gefolgt von einer Untersuchung ihrer Wirkung als Projektionsfläche, geprägt durch hohe Erwartungen und spätere Frustration.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Treuhandanstalt, Transformation, Volkseigentum, Privatisierung und die soziale Diskrepanz zwischen Ost- und Westdeutschland.
Warum wird die Treuhandanstalt in der Arbeit als "einmaliges Experiment" bezeichnet?
Sie wird als solches bezeichnet, da es weltweit keinen vergleichbaren Fall gab, in dem ein Staat die komplette Volkswirtschaft eines anderen Staates übernahm und privatisierte.
Welche Rolle spielten die Zeitzeugen in der Argumentation des Autors?
Die Zeitzeugenberichte, etwa von ehemaligen Kombinatsleitern, dienen dazu, die subjektiv empfundene Ohnmacht und die Kritik an den Entscheidungsstrukturen der Treuhandanstalt greifbar zu machen.
Wie bewertet der Autor den Erfolg der Treuhandanstalt?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Massenprivatisierung zwar im Großen und Ganzen gelang, jedoch auf Kosten der Arbeitsplatzgarantien und des gesellschaftlichen Vertrauens in das System der Bundesrepublik erfolgte.
- Citar trabajo
- Alexander Sievers (Autor), 2012, Eine Einheit mit Schwierigkeiten. Die Treuhandanstalt und ihre Rolle im Wiedervereinigungsprozess beider deutscher Staaten 1989 bis 1994, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266084