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Migrationsbedingte lebensweltliche Mehrsprachigkeit und monolingualer Habitus

Titre: Migrationsbedingte lebensweltliche Mehrsprachigkeit und monolingualer Habitus

Dossier / Travail de Séminaire , 2013 , 16 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Saleem Arif (Auteur)

Pédagogie - Général
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Résumé Extrait Résumé des informations

Die Schülerschaft einer Schule ist eine heterogene und keine homogene Gruppe. Die Gesellschaft ist durch sozio-kulturelle und sprachliche Pluralität geprägt. In der öffentlichen Diskussion wird dies mitunter voreilig als ein Problem bewertet. Vordergründig ist diese Heterogenität jedoch schlicht eine Tatsache, mit der sich jeder Lehrer auseinandersetzen sollte. Das erziehungswissenschaftlliche Gegenstandsfeld der interkulturellen Bildung hilft dabei – vor allem den Lehrenden – mit diesem Umstand umzugehen (vgl. Krüger-Potratz 2003, S.9). Zur interkulturellen Bildung reicht es nicht aus bloßes Wissen über Migration und die Kultur (im weitesten Sinne) der zugewanderten Gruppen zu vermitteln. Vielmehr geht es im Allgemeinen darum, dass Lehrende in einer immer heterogener werdenden Gesellschaft die „Fähigkeit zum Umgang mit Verschiedenheit entwickeln“. Interkulturelle Bildung und Erziehung wird daher auch als „integralen Bestandteil der Lehrerbildung und somit als Querschnittsaufgabe und Schlüsselqualifikation“ definiert. (ebd., S.10f). Angesichts der sprachlichen Heterogenität (nur etwa zwei Drittel der Schüler beherrschen die Unterrichtssprache zum Zeitpunkt der Einschulung) ist es von zentraler Bedeutung das Lehrpersonal darauf aufmerksam zu machen und sie im angemessenen Umgang mit dieser Heterogenität als wertneutrale Tatsache zu schulen, denn es ist die Schule, die hauptsächlich für die sprachliche Bildung aller Kinder unabhängig von der sozio-kulturellen Zugehörigkeit verantwortlich ist. Sprachliche Bildung ist dabei als ein wesentlicher Bestandteil interkultureller Bildung zu verstehen (ebd., S.13f). Auch das Thema der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit im Kontext der Schule, mit dem sich diese Arbeit befassen wird, ist vor diesem Hintergrund von besonderer Relevanz. Die Landessprache eines Staates ist nicht zwingend für alle in diesem Land lebenden Menschen auch die Erstsprache. Vor allem Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens in ein bestimmtes Land zuziehen, sehen sich in der Folge mit (mindestens) einer weiteren Sprache konfrontiert. Unabhängig davon, wie die daraus resultierende Mehrsprachigkeit vieler Menschen zu bewerten ist, ist es jedoch Aufgabe der interkulturellen Bildung dabei zu helfen mit dieser Mehrsprachigkeit angemessen umzugehen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Bedeutung der interkulturellen Erziehungswissenschaft und

Relevanz von Mehrsprachigkeit als Thema interkultureller Bildung

2. Einordnung des Forschungsgegenstandes und des Zugangs in die Forschungs-

landschaft interkultureller Bildungsforschung

3. Migrationsbedingte lebensweltliche Mehrsprachigkeit

4. Historisch vergleichender Blick auf Mehrsprachigkeit

4.1 Entstehung des „monolingualen Habitus“

4.2 Umgang mit Mehrsprachigkeit seit den 1960ern

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Diskrepanz zwischen der realen, migrationsbedingten Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem und dem historisch verankerten, monolingualen Habitus der Schule. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie dieser Habitus trotz veränderter gesellschaftlicher Voraussetzungen weiterhin Bildungsprozesse beeinflusst und welche Herausforderungen sich daraus für einen wertneutralen Umgang mit sprachlicher Heterogenität ergeben.

  • Bedeutung der interkulturellen Erziehungswissenschaft
  • Forschungskontext der interkulturellen Bildungsforschung
  • Entstehung und Wirkungsweise des „monolingualen Habitus“
  • Historischer Wandel im Umgang mit Mehrsprachigkeit
  • Analyse von Bildungsbenachteiligung durch sprachliche Homogenitätserwartungen

Auszug aus dem Buch

4.1 Sicht auf Mehrsprachigkeit im 18. und 19. Jahrhundert: Entstehung des „monolingualen Habitus“

Wie sich das Verhältnis zu fremden Sprachen und deren Sprecher in den letzten Jahrhunderten darstellte lässt sich anhand eines Beispiels dem antiken Griechenland verdeutlichen. Schon dort wurden Sprecher anderer Sprachen als Barbaren bezeichnet, was wörtlich mit Stammler oder Stotterer übersetzt werden kann. Dies offenbart das große Misstrauen, das fremden Sprachen entgegengebracht wurde (vgl. Gogolin 2010, S.534f). Dieses Verhältnis zu fremden Sprachen verfestigte sich weiter mit dem Entstehen des „klassischen Nationalstaats“, also der „Nation europäischer Prägung“ (ebd.), im Zuge der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert. Wirkliches Merkmal dieser Nationalstaaten waren die Nationalsprachen, die als „verbindende gemeinsame Sprache der Nation“ (geschaffen aus den verschiedenen regionalen Sprachvarianten) für die Industriegesellschaft immer wertvoller wurde. Die vereinheitlichte Sprache ist insbesondere als ein wesentlicher Teil der Schöpfung von historischen und kulturellen Gemeinsamkeiten zu sehen, über die sich die neu entstandenen Nationen definierten und welche die Identifikation der Bürger mit der neuen Ordnungsform stärken sollten (ebd.). Die Vereinheitlichung, also Homogenisierung, der Sprache zu einer Standardsprache bedeutet aber zugleich die Hervorhebung der Minderheitssprachen und somit die Abwertung und Ausgrenzung anderer Bevölkerungsgruppen, die eine andere Sprache oder auch nur einen anderen Dialekt als die Standardsprache sprechen (vgl. Fürstenau 2011, S.26; Krüger-Potratz 2011, S.52).

Mit der Nationenbildung einher ging auch die „Etablierung öffentlicher allgemeinbildender Schulsysteme“ (vgl. Krüger-Potratz 2011, S.54) mit Deutsch als zentralem Fach und als durchgängiger Bildungssprache (vgl. Krüger-Potratz 2011, S.54). Schule nahm damit eine Schlüsselrolle bei der Monolingualisierung, also der Durchsetzung der einheitlichen Nationalsprache, ein. Eine sprachliche Bildung, also der „Zugang zur und das Verfügen über die Nationalsprache in Wort und Schrift“, entwickelte sich zur „Voraussetzung für öffentliche Mitsprache und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung“. Auch fremde Sprachen genossen in diesen noch jungen Nationen einen hohen Stellenwert als Teil des Bildungsprozesses (vgl. Gogolin 2010, S.534f).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Bedeutung der interkulturellen Erziehungswissenschaft und Relevanz von Mehrsprachigkeit als Thema interkultureller Bildung: Das Kapitel führt in die Notwendigkeit interkultureller Kompetenz im Lehrerberuf ein und thematisiert die Herausforderung, in einem heterogenen Klassenzimmer eine wertneutrale sprachliche Bildung zu gewährleisten.

2. Einordnung des Forschungsgegenstandes und des Zugangs in die Forschungslandschaft interkultureller Bildungsforschung: Es wird die historische Entwicklung der interkulturellen Bildungsforschung aufgezeigt, wobei der Wandel von einer defizitorientierten „Ausländerpädagogik“ hin zur Anerkennung von Heterogenität als Ressource dargestellt wird.

3. Migrationsbedingte lebensweltliche Mehrsprachigkeit: Hier wird der Begriff der Mehrsprachigkeit theoretisch definiert und von der schulisch erlernten Fremdsprachigkeit abgegrenzt, um die lebensweltliche Realität der Schüler in den Fokus zu rücken.

4. Historisch vergleichender Blick auf Mehrsprachigkeit: Dieses Kapitel beleuchtet die Genese des „monolingualen Habitus“ im Nationalstaatsdenken des 18. und 19. Jahrhunderts und analysiert die politische Entwicklung der Sprach- und Integrationspolitik seit den 1960er Jahren.

5. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass die Vorstellung einer einsprachigen Norm historisch konstruiert ist und weiterhin als einflussreicher, jedoch pädagogisch kontraproduktiver Faktor im Bildungssystem wirkt.

6. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der für die Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Mehrsprachigkeit, Monolingualer Habitus, Interkulturelle Erziehungswissenschaft, Bildungssystem, Migration, Sprachliche Heterogenität, Ausländerpädagogik, Nationalsprache, Homogenisierung, Bildungsbenachteiligung, Integration, Interkulturelle Kompetenz, Sprachbildung, Schule, Sozialisation.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie das deutsche Bildungssystem mit der Realität der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit umgeht und warum sich die Vorstellung einer einsprachigen Norm (der „monolinguale Habitus“) hartnäckig hält.

Welche Themenbereiche stehen im Fokus?

Zentral sind die historische Entwicklung des Nationalstaatsdenkens im Kontext von Schule, die Wandlung der interkulturellen Bildungsforschung und die Analyse der schulischen Sprachpraxis.

Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?

Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der gelebten Mehrsprachigkeit und dem monolingual geprägten institutionellen Habitus offenzulegen, um so zu einem besseren Verständnis für die Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte beizutragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Der Autor nutzt einen historisch-vergleichenden Zugang, um die Entstehung sprachlicher Normen und den Wandel pädagogischer Konzepte über die Zeit hinweg nachzuzeichnen.

Welche Kerninhalte werden im Hauptteil diskutiert?

Der Hauptteil behandelt die historische Entstehung des monolingualen Habitus, die Entwicklung der Ausländerpädagogik sowie die moderne Perspektive auf Mehrsprachigkeit als Lernressource.

Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit beschreiben?

Die Arbeit lässt sich durch Schlüsselbegriffe wie „monolingualer Habitus“, „sprachliche Heterogenität“, „Migrationshintergrund“ und „interkulturelle Bildung“ charakterisieren.

Inwiefern hat die Nationenbildung den Umgang mit Sprache in der Schule geprägt?

Die Nationenbildung im 18. und 19. Jahrhundert verknüpfte die Nationalsprache eng mit der nationalen Identität, wodurch andere Sprachen oder Dialekte als Abweichung von der Norm abgewertet wurden.

Was besagt die „monolinguale Habitus“-Theorie nach Gogolin?

Die Theorie postuliert, dass das deutsche Bildungssystem tief in der Überzeugung verwurzelt ist, dass Monolingualität der Normalzustand sei, was zu einer systematischen Benachteiligung mehrsprachiger Schüler führt.

Ist Mehrsprachigkeit laut aktuellem Forschungsstand eher förderlich oder hinderlich?

Der aktuelle Forschungsstand widerspricht der alten Annahme einer Störung und belegt, dass lebensweltliche Mehrsprachigkeit die kognitive und sprachliche Entwicklung von Kindern positiv beeinflussen kann.

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Résumé des informations

Titre
Migrationsbedingte lebensweltliche Mehrsprachigkeit und monolingualer Habitus
Université
University of Duisburg-Essen  (Bildungswissenschaften)
Cours
Gesellschaftliche Bedingungen von Bildung und Erziehung: Interkulturelle Bildung und interkulturelle Kompetenz
Note
1,0
Auteur
Saleem Arif (Auteur)
Année de publication
2013
Pages
16
N° de catalogue
V266252
ISBN (ebook)
9783656566557
ISBN (Livre)
9783656567103
Langue
allemand
mots-clé
monolingualer Habitus monolingual Gogolin migrationsbedingt lebensweltlich Mehrsprachigkeit Multilingualität deutsches Bildungssystem Bildungssystem Interkulturalität interkulturelle Bildung
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Citation du texte
Saleem Arif (Auteur), 2013, Migrationsbedingte lebensweltliche Mehrsprachigkeit und monolingualer Habitus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266252
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Extrait de  16  pages
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